Energiewirtschaft Erneuerbare Energien sind wettbewerbsfähig

Strom aus Biomasse, Wasserkraft oder Erdwärme kann schon heute preislich mit dem aus Kohle mithalten. Noch besser sähe der Vergleich aus, wenn externe Kosten einflössen.

Eines hat Ottmar Edenhofer dann doch erstaunt: "Wie viel wir nicht wissen", sagte er mit Blick auf den am Montag in Berlin vorgestellten Bericht des Weltklimarats (IPCC) über erneuerbare Energien. Edenhofer ist Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des IPCC. Die größte Leistung des Berichts ist aus seiner Sicht deshalb, dass er die Kosten verschiedener Energieformen vergleichbar macht.

Edenhofer, Chefvolkswirt des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Professor für Klimaökonomie an der Technischen Universität Berlin, hat monatelang nach Informationen über die Levelized Costs of Energy gefahndet. Damit sind die Investitionskosten gemeint, die über den Lebenszyklus einer Anlage hinweg aufgebracht werden müssen. Dazu werden die Kosten der Energieerzeugung über die gesamte Lebensdauer der Anlage hinweg ins Verhältnis gesetzt. Erfasst werden also lediglich die Kapitalkosten und die Kosten für den jeweiligen Treibstoff. Dennoch macht diese Rechnung die unterschiedlichsten Energieformen auf einer theoretischen Ebene vergleichbar. Allein dieser Vergleich zeigt, dass viele erneuerbare Energien "bereits heute wettbewerbsfähig sind", sagt Edenhofer.

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Strom aus Biomasse beispielsweise ist bereits so günstig wie aus Kohle, wenn Holzabfälle mit verfeuert werden. Das Gleiche gilt für Erdwärme, Wasserkraft und teilweise die Windenergie. Nur die Solarenergie und die Meeresenergie können in einem fossilen Energiesystem bisher nicht konkurrieren. Noch besser sieht das Verhältnis zwischen Investitionskosten und Erzeugungskosten bei der Wärmeerzeugung aus. Sowohl Biomasse als auch Solarthermie und Erdwärme produzieren Wärme so preiswert wie Erdöl oder Erdgas. Bei den Agrartreibstoffen gibt es ebenfalls bereits weitgehende Preisparität.

Der IPCC zieht aus diesem Kostenvergleich den Schluss, dass die erneuerbaren Energien noch wettbewerbsfähiger würden, wenn die sogenannten externen Kosten in den Preis für fossile Energien einfließen würden. Damit ist gemeint, dass die Nutzung der Atmosphäre als Deponie für Kohlendioxid (CO2) einen Preis haben müsste. Außerdem müssten die Kosten in Rechnung gestellt werden, die durch die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle darüberhinaus für das Gesundheitswesen entstehen. Dabei geht es sowohl um die Luftverschmutzung als auch um Todesfälle oder Verletzungen bei der Förderung der Rohstoffe. Bei der Atomenergie müsste zudem eine Art Risikoaufschlag erhoben werden, eine der Lehren aus der Katastrophe von Fukushima. Bei all diesen Risiken schneiden die meisten erneuerbaren Energien viel besser ab als die fossilen Brennstoffe. Wobei jedoch auch erneuerbare Energien nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen sind, wie die Debatte über die Auswirkungen einer groß angelegten Nutzung von Agrartreibstoffen gezeigt hat.

Ein weiteres Ergebnis des Berichts, an dem mehr als 120 Autoren zwei Jahre lang gearbeitet haben, lässt bei Edenhofer Zweifel darüber aufkommen, wie groß die Rolle erneuerbarer Energien tatsächlich werden kann. Denn die Integration von Wind- und Solarstrom, die wetterabhängig sind, in bestehende Energienetze von Industriestaaten sei eine Herausforderung, die derzeit selbst die Ingenieure noch überfordere. "Wie sie einen höheren Anteil als 30 Prozent der Stromproduktion handhaben sollen, wissen selbst die Fachleute noch nicht", gibt er zu bedenken. Dennoch lautet Edenhofers Fazit: "Erneuerbare Energien können entscheidend zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels beitragen, weil mit ihrer Hilfe der Treibhausgasausstoß um bis zu einem Drittel gesenkt werden kann."

Für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist der IPCC-Bericht eine Bestätigung seiner Linie in der aktuellen Energiedebatte. Er sprach von einer "Zeitenwende, ausgelöst durch die Reaktorkatastrophe in Japan". Eindringlich warnte Röttgen vor den Folgen des Klimawandels bis hin zu Flüchtlingsströmen. Mit Blick auf zu erwartende Klimaflüchtlinge sagte Röttgen: "Vor denen wollen wir keine schützenden Mauern errichten, und es wird sie auch nicht geben."

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte in ihrer Rede fest, dass im Blick auf die Atomenergie in Deutschland derzeit "die Wucht der Risiken die Chancen überwiegt". Sie forderte die "Bereitschaft zu umfassender Veränderung" von der ganzen Gesellschaft.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. "Das Gleiche gilt für Erdwärme, Wasserkraft und teilweise die Windenergie. Nur die Solarenergie und die Meeresenergie können in einem fossilen Energiesystem bisher nicht konkurrieren"

    Biomasse und Erdwärme erzeugen ja immerhin 1% des jährlichen Stromverbrauchs, oder sind es sogar 2%? (Wer hier Sarkasmus findet darf ihn behalten)
    Windenergie "teilweise": Das hat eine Aussagekraft von ganz genau Null. Wie groß ist dieser Teil? 90% oder 10%? Signifikant oder unbedeutend?
    Dass Wasserkraft die günstigste aller Erzeugungsmethoden ist, weiß man auch schon seit gut 100 Jahren, siehe Hoover Staudamm...

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    • LP
    • 17.05.2011 um 17:23 Uhr

    ...dass kleinere (ältere) Anlagen weniger rentabel sind als neuere (große) Anlagrn und ein Standort mit vielen Windstunden logischerweise günstigeren Strom bereitstellt als einer, an dem weniger Wind weht.

    Der kWh-Preis sinkt in der Regel mit der Größe der Anlage. Heutige 3 MW-Anlagen sind daher schon teilweise konkurrenzfähig. Mit den neuen 5 bis 7,5 MW Anlagen kann man am richtigen Stndort onshore auch schon ohne Förderung Kasse machen.

    Dann brauchen Sie nicht so zu fragen. Biomasse hat bereits 2010 einen Anteil von 5% an der dt. Stromversorgung. Bei Wind waren es 6,5%, PV wird dieses Jahr die Stromerzeugung aus Wasserkraft übertreffen!

    Die günstigste erneuerbare Energie ist immer noch die Windenergie.
    Deren Potential in Dtl ist extrem hoch! dazu eine Studie des Fraunhofer Instituts (ohne Potentiale von offshore Wind!)
    http://www.wind-energie.d...

    • LP
    • 17.05.2011 um 17:23 Uhr

    ...dass kleinere (ältere) Anlagen weniger rentabel sind als neuere (große) Anlagrn und ein Standort mit vielen Windstunden logischerweise günstigeren Strom bereitstellt als einer, an dem weniger Wind weht.

    Der kWh-Preis sinkt in der Regel mit der Größe der Anlage. Heutige 3 MW-Anlagen sind daher schon teilweise konkurrenzfähig. Mit den neuen 5 bis 7,5 MW Anlagen kann man am richtigen Stndort onshore auch schon ohne Förderung Kasse machen.

    Dann brauchen Sie nicht so zu fragen. Biomasse hat bereits 2010 einen Anteil von 5% an der dt. Stromversorgung. Bei Wind waren es 6,5%, PV wird dieses Jahr die Stromerzeugung aus Wasserkraft übertreffen!

    Die günstigste erneuerbare Energie ist immer noch die Windenergie.
    Deren Potential in Dtl ist extrem hoch! dazu eine Studie des Fraunhofer Instituts (ohne Potentiale von offshore Wind!)
    http://www.wind-energie.d...

    • LP
    • 17.05.2011 um 17:15 Uhr

    ...Lernkurve derart beeeindruckend, dass sie (wenn es so weitergeht wie bisher) auch an nicht so günstigen Standorten schon bald mithalten könnte.

    Wenn sich die Technologie der Gezeiten- und Wellenkraftwerke ähnlich entwickeln würde, dann wäre auch diese Form der Energiegewinnug bald Konkurrenzfähig.

    Sobald wir endlich eine ehrliche Debatte führen und die externen Kosten der jeweiligen Technologie mit auf den Tisch legen, werden sich die Mehrkosten der EE deutlich relativieren.

    • LP
    • 17.05.2011 um 17:23 Uhr

    ...dass kleinere (ältere) Anlagen weniger rentabel sind als neuere (große) Anlagrn und ein Standort mit vielen Windstunden logischerweise günstigeren Strom bereitstellt als einer, an dem weniger Wind weht.

    Der kWh-Preis sinkt in der Regel mit der Größe der Anlage. Heutige 3 MW-Anlagen sind daher schon teilweise konkurrenzfähig. Mit den neuen 5 bis 7,5 MW Anlagen kann man am richtigen Stndort onshore auch schon ohne Förderung Kasse machen.

    Antwort auf "Soso..."
  2. Logische Schlussfolgerung wäre es sich jetzt ganz dem Netzausbau zu widmen, damit flexible Energieerzeugung in Zukunft flexibel verteilt werden kann.
    Deutschlands Energiepolitik sollte langsam Abstand nehmen zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS). Die ist reine Zeit- und Geldverschwendung wenn Kohle jetzt schon keine ökonomischen Vorteile mehr hat.

    • helgam
    • 17.05.2011 um 17:45 Uhr

    Verbrauchen wir alle etwas weniger Energie, nutzen die Wasserkraft wieder und dezentral die Sonne, verzichten auf jegliche Spielerei, die zusätzlich Energie kostet (Elektroautos)und tragen wir endlich auch die Verantwortung für unser Tun.
    Wer kann die ungelöste Atommüllfrage mit ruhigem Gewissen seinen Enkeln überlassen?
    Wir wollen uns an den heranwachsenden freuen und ihnen Chromosomenschäden und sonstige Verkrüppelungen ersparen.
    Es ist doch ein Verbrechen, wenn die Armeen dieser Welt uranabgereicherte Munition verschießen dürfen.

  3. Dann brauchen Sie nicht so zu fragen. Biomasse hat bereits 2010 einen Anteil von 5% an der dt. Stromversorgung. Bei Wind waren es 6,5%, PV wird dieses Jahr die Stromerzeugung aus Wasserkraft übertreffen!

    Die günstigste erneuerbare Energie ist immer noch die Windenergie.
    Deren Potential in Dtl ist extrem hoch! dazu eine Studie des Fraunhofer Instituts (ohne Potentiale von offshore Wind!)
    http://www.wind-energie.d...

    Antwort auf "Soso..."
  4. frage ich mich, weshalb uns denn noch die zusätzlichen Subventionen aus der Tasche gezogen werden? Hab ich da vielleicht etwas nicht verstanden?

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    • joG
    • 17.05.2011 um 19:42 Uhr

    ....die Subventionen zu streichen. Dazu müsste man aber die Steuern auf CO2 Träger anheben um die Externen Kosten in den Preisen abzubilden. Das wäre auch die wirtschaftlich optimale Lösung.

    die erneuerbaren Energien müssen subventioniert werden, weil sie mit subventionierten fossilen Energieträgern konkurreiren müssen.

    Braunkohle als angeblich wertvoller hemischer Rohstoff wird an die Konzerne schlichtweg verschenkt, die Steinkohlesubvention ist in Deutschland der höchste Posten im Budget des Wirschaftsministeriums und die Atomkraft ist eine einzige Subventionswüste, deren Umfang heute noch garnicht abgeschätzt werden kann...

    Die AKW-Betreiber wollen eben nicht für die Endlagerung aufkommen und deshalb dürfen alle weitersubventionieren.

    • joG
    • 17.05.2011 um 19:42 Uhr

    ....die Subventionen zu streichen. Dazu müsste man aber die Steuern auf CO2 Träger anheben um die Externen Kosten in den Preisen abzubilden. Das wäre auch die wirtschaftlich optimale Lösung.

    die erneuerbaren Energien müssen subventioniert werden, weil sie mit subventionierten fossilen Energieträgern konkurreiren müssen.

    Braunkohle als angeblich wertvoller hemischer Rohstoff wird an die Konzerne schlichtweg verschenkt, die Steinkohlesubvention ist in Deutschland der höchste Posten im Budget des Wirschaftsministeriums und die Atomkraft ist eine einzige Subventionswüste, deren Umfang heute noch garnicht abgeschätzt werden kann...

    Die AKW-Betreiber wollen eben nicht für die Endlagerung aufkommen und deshalb dürfen alle weitersubventionieren.

  5. Scheint so.

    Im Text steht, dass die Kosten über die Lebenszeit einer Anlage aufgebracht werden müssen, berechnet wurden. Das macht der Marktpreis nicht. Weiter ist bei Kernkraft der Aufwand für die Lagerung der Abfälle beim Marktpreis hinten runter gefallen. Der Marktpreis für fossile Energie wird erst dann "echt", wenn der Markt realisiert, dass es sich um einen endlichen Energiespeicher handelt usw.

    Der Mensch ist halt ein egoistisches Monster und ignoriert alle Kosten, die ihn nicht direkt selber betreffen. Der Konkurrenzkampf im Kapitalismus unterstützt die Tendenz noch massiv.

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