Erstmals haben Europas Finanzminister am Montagabend auch öffentlich eine Umschuldung Griechenlands ins Gespräch gebracht. In ihrer Wortwahl aber blieben die Politiker nach dem Ministertreffen in Brüssel nebulös. Von einer sanften Umschuldung, einer "Umschuldung light" sprach Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker in Brüssel am späten Montagabend. Entsprechende Pläne lancierte auch die Bundesregierung. Warum nicht deutlicher?

Der englische Begriff haircut zeigt doch, wie unsinnig diese Beschwichtigungen sind. Man muss sich den Begriff nur vor Augen führen. Der Frisör muss erst erfunden werden, der einem die Haare schneidet, ohne das Haar zu kürzen. Entweder werden die Schulden gestutzt – oder eben nicht. Die Frage ist nur: wie stark.

Wenn die Minister nun von einer sanften Umschuldung sprechen, dann meinen sie die Verlängerung der Laufzeit oder die Stundung von Zinsschulden. Auch bei dieser Variante können die Folgen für einzelne Investoren gravierend sein. Genau deshalb hat es ja länger als ein Jahr gedauert, ehe diese Debatte öffentlich geführt wird. Viel Zeit ging seitdem verloren.

Monate, in denen die griechische Regierung die Gehälter von Beamten gekürzt, die Mehrwertsteuer erhöht, Steuerhinterzieher per Hubschrauber ausgespäht und Staatseigentum verkauft hat. Allein reicht es hinten und vorne nicht , um die Staatsschulden – die heute mehr als das anderthalbfache der jährlichen Wirtschaftsleistung betragen – zurückzuführen. Dabei gelang es der Regierung sogar, die Staatsausgaben in den Monaten Januar bis April um fast eine Milliarde Euro stärker zu reduzieren, als mit den Finanzministern der Euro-Zone verabredet war. Sie betrugen in den ersten vier Monaten 2011 rund 22 Milliarden Euro. Noch stärker als die Ausgaben sanken jedoch die Einnahmen – auf gut 15 Milliarden Euro. Diese Herkulesaufgabe könnte wohl keine Regierung Europas lösen.

Die EU-Kommission hat das schon erkannt. Es scheint ausgeschlossen, dass Griechenland mit dem bestehenden Sanierungsprogramm den Weg zurück an die Kapitalmärkte beschreiten kann. Schon im nächsten Jahr fehlen weitere 25 Milliarden Euro.

Was fordern nun Europas Finanzminister von ihrem Amtskollegen Giorgos Papaconstantinou? Noch mehr sparen und verkaufen . Vor allem die Privatisierung von Staatsunternehmen ist bisher weit hinter den Plänen zurückgeblieben. Hier verspricht sich etwa die EU-Kommission Erlöse von bis zu 50 Milliarden Euro. So richtig und berechtigt diese Forderungen sind, so wenig lösen sie die griechische Schuldenkrise.

Denn was fehlt, sind ja laut den jüngsten Zahlen stetige Staatseinnahmen. Die aber entstehen nur dann, wenn die Wirtschaft wächst. Steigende Steuern, sinkende Löhne und ständige Unsicherheit sorgten aber gerade für das Gegenteil. Griechenland wird auch 2011 in einer ähnlich scharfen Rezession verharren wie Deutschland vor zwei Jahren. Und während die deutsche Regierung die Konjunktur mit Abwrackprämie und öffentlichen Aufträgen in Milliardenhöhe vor dem Kollaps bewahrte, soll Griechenland nun noch schärfer sparen.

In Brüssel ist zu hören, dieser Weg sei alternativlos. Das ist zum einen ein Totschlagargument. Und es ist auch noch falsch. Fakt ist: Mit einer Fortführung dieser Politik wird ein Schuldenschnitt von Monat zu Monat alternativloser.

Währungskommissar Olli Rehn und Euro-Gruppenchef Juncker haben ja Recht, wenn sie vor den Folgen warnen. Sie wird selbst der deutsche Steuerzahler spüren, der schon heute für einen Teil der Anleihen bürgt. Doch erst wenn die drückende Schulden- und Zinslast sinkt, kann Griechenland wieder atmen. Bereits Ende Juni könnte es soweit sein. Dann treffen sich die Regierungschefs zum Sommergipfel. Sie wollen den ständigen Stabilitätsmechanismus endgültig auf den Weg bringen und einen neuen Chef für die Zentralbank bestimmen. Die Umschuldung Griechenlands gehört ebenfalls auf die Agenda. Es ist Zeit für einen Frisörtermin.