Die französische Finanzministerin Christine Largarde hat einen weiteren Fürsprecher: Auch die britische Regierung hat sich für die Französin als Nachfolgerin für den zurückgetretenen IWF-Chef Dominque Strauss-Kahn ausgesprochen. Sie sei eine "herausragende Kandidatin", sagte der britische Schatzkanzler George Osborne. Lagarde habe als Vorsitzende der G-20-Finanzminister in diesem Jahr "internationale Führungsstärke" bewiesen und verstehe es, die Interessen von Ländern mit finanziellen Schwierigkeiten zu vertreten. Er würde es begrüßen, wenn der IWF in seiner 60-jährigen Geschichte erstmals von einer Frau geleitet würde, sagte Osborne

Der Schatzkanzler sprach sich zugleich gegen Gordon Brown aus. Browns Kandidatur sei "unangemessen", wurden Osborne und dessen Chef, der britischen Premier David Cameron, in der britischen Zeitung The Independent zitiert. Der frühere Premierminister von Großbritannien war in den vergangenen Tagen als möglicher Kandidat für die IWF-Spitze gehandelt worden. Es werde erwartet, dass Cameron sich in der kommenden Woche während eines Staatsbesuchs von US-Präsident Barack Obama offiziell für Lagarde aussprechen werde, so der Independent.

Vertraute von Brown gehen davon aus, dass der plötzliche Widerstand gegen den ehemaligen Premierminister weniger fachliche als persönliche Gründe hätte, schreibt die Zeitung weiter. So hätte US-Präsident Barack Obama den früheren britischen Premier während des G-20-Treffens in London für sein Management der Finanzkrise gelobt. Auch seine Wirtschaftspolitik werde in Washington positiv beurteilt. Es sei deswegen eher die langjährige tiefe Abneigung des jetzigen Finanzministers George Osborne, die Brown nun im Weg stehe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bereits vor wenigen Tagen die Französin als "ausgezeichnete Persönlichkeit" gelobt. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich für Lagarde aus, die "in der Sache und als Person hervorragend geeignet" sei. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier rief die Regierungen der Europäischen Union zu einer raschen Einigung über einen Kandidaten auf. Der IWF will bis Ende Juni über seine neue Führungsspitze entscheiden.

Lagarde könnte dabei zugute kommen, dass traditionell die Europäer den IWF-Direktor stellen und die USA dafür den Chef der Weltbank. Doch auch die aufstrebenden Schwellenländer haben Ansprüche auf den IWF-Spitzenposten angemeldet. Russland hat bereits einen Kandidaten ausgesucht, Südafrika und Indien könnten mit jeweils eigenen Kandidaten versuchen, sich auf der Bühne der internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik zu etablieren. China denkt ebenfalls über eine Kandidatur nach.

René Weber, der Schweizer Vertreter im IWF-Verwaltungsrat, zeigte sich offen für einen nicht aus Europa stammenden Chef. Er finde das Argument nicht überzeugend, dass angesichts der EU-Schuldenkrise ein Europäer erste Wahl für den Posten sei, sagte Weber. Vielmehr könne es ein Vorteil sein, wenn ein Außenstehender die Schwächen der Euro-Zone beleuchte. Zumal auch Lagarde gegenwärtig mit einer Affäre zu kämpfen hat: Ihr wird vorgeworfen, sich in einem Entschädigungsverfahren vorschnell auf einen Vergleich mit dem französischen Geschäftsmann Bernard Tapie eingelassen zu haben. Sie bestreitet das.

Der wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs zurückgetretene Strauss-Kahn trat unterdessen den vom Gericht angeordneten Hausarrest an. Der 62-Jährige war am Freitagabend gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (etwa 700.000 Euro) und Bürgschaften in Höhe von vier Millionen Dollar aus der Untersuchungshaft entlassen worden.