Energiewende "Die Sicherheit muss vertieft geprüft werden"

Die Reaktorsicherheitskommission konnte in sechs Wochen nur wenige Ergebnisse bringen, sagt Christoph Pistner vom Öko-Institut. Weitere Prüfungen müssten folgen.

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg

ZEIT ONLINE: Herr Pistner, Sie haben als technischer Sachverständiger die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) darin unterstützt, die Antworten der AKW-Betreiber auszuwerten. Nun wird der Bericht der RSK scharf kritisiert – der Prüfungszeitraum war zu kurz, es wurden nur Angaben der Betreiber ausgewertet. Was sagen Sie dazu?

Christoph Pistner: Die Kritik ist teilweise berechtigt. Aber die Kommission hatte nur sechs Wochen Zeit, das ist sehr wenig für eine so umfangreiche Überprüfung. Sich vor Ort in den Kraftwerken zu informieren und in ganz neue inhaltliche Bereiche vorzudringen, ist schlicht nicht möglich. Die Kommission war deshalb auch auf die Aussagen der Betreiber angewiesen. Letztendlich hat die RSK das getan, was in der kurzen Frist möglich war.

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ZEIT ONLINE: Aber reichen diese Angaben, um zu entscheiden, welches Kraftwerk sofort abgeschaltet wird und welches noch länger am Netz bleiben kann?

Christoph Pistner
Christoph Pistner

Der promovierte Physiker arbeitet beim Öko-Institut e.V. und ist Nuklearexperte mit dem Schwerpunkt Anlagensicherheit. Als technischer Sachverständiger hat er der RSK zugearbeitet.

Pistner: Das ist letztlich eine politische Entscheidung. Die entscheidende Frage ist: Wie viel Sicherheit wollen wir in Deutschland, und in welchen Bereichen legen wir auf einen besonders hohen Sicherheitsstandard wert? Das kann aus meiner Sicht nicht die RSK entscheiden, sondern das ist eine originär politische Fragestellung.

Die Kommission hat versucht, Sicherheitsunterschiede zwischen den Anlagen aufzuzeigen. Und jetzt ist es Aufgabe der Politik, dieses differenzierte Bild zu analysieren und dann zu sagen: Was sind für uns die entscheidenden Punkte, auf was konzentrieren wir uns und welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus den gewonnenen Erkenntnissen?

ZEIT ONLINE: Welche Anlagen sollten sofort vom Netz?

Pistner: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu beantworten. Die RSK hat die Sicherheitsunterschiede der einzelnen Atomkraftwerke aufgezeigt. Auf dieser Basis kann die Regierung nun eine Entscheidung treffen. Klar ist, ein Teil der Atomkraftwerke wird weiterhin am Netz bleiben. Für diese Kraftwerke wird die Politik über zusätzliche Sicherheitsprüfungen nachdenken müssen. Und dann muss entschieden werden, welcher Nachrüstungsbedarf besteht.

Die Kommission hat nur bestimmte Ereignisse – wie einen Flugzeugabsturz – geprüft und nicht den generellen Sicherheitsstandard der AKW. Das ist auch Aufgabe der Aufsichtsbehörden. Ich bin der Meinung, dass man sich das noch mal vertiefend anschauen müsste. Genügend Anknüpfungspunkte für weitere Fragen sind sicherlich vorhanden.

ZEIT ONLINE: Aber macht es überhaupt Sinn, einen Abschlussbericht vorzulegen, wenn noch nicht mal alle Betreiber auf alle Fragen geantwortet haben?

Pistner: Die Kriterien, die jetzt abgefragt wurden, gingen weit über die bisherigen Sicherheitsüberprüfungen hinaus. Es wurde gefragt, was bei Ereignissen passiert, die schwerwiegender sind als das, was wir bisher angenommen haben.

Dass die Betreiber in nur sechs Wochen nicht umfassend auf alles antworten können, ist klar. Wie auch? Die Politik wollte eine Überprüfung in dem gegebenen Zeitrahmen und die RSK hat das getan, was möglich war.

Die Kommission hat aber auch deutlich gemacht, was in diesem Zeitraum nicht möglich war. Die Politik muss entscheiden, wie sie damit umgeht. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, die Sicherheit der AKWs auch über einen längeren Zeitraum vertieft zu prüfen. Der RSK-Bericht kann nur ein Ausgangspunkt sein.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 18.05.2011 um 10:45 Uhr

    ....für solche Prüfungen aus der Zeit Rot/Grün geben, das Trittin die Schließung der Atomkraftwerke ohne solche Objektivierung der Risiken doch wohl nicht betrieben hätte. So wäre interessant die zwei Ansätze zu kennen und die Unterschiede. Auch wäre die Frage zu beantworten, wieso man die frühere Prüfung nicht als Vorlage für die heutige nahm.

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    Sicher können Sie sich auch nicht mehr daran erinnern daß die Grünen früher auch nur eine 6-7% Partei war und erst heute über 20% erhält.

    Sicher können Sie sich auch nicht mehr daran erinnern daß die Grünen früher auch nur eine 6-7% Partei war und erst heute über 20% erhält.

  1. Die Regierung verkündet Moratorien per Pressekonferenz.
    Kommissionen sollen im Eilverfahren politische Empfehlungen geben.
    Nun fordert der CDU-Wirtschaftsrat auch noch Volksbefragungen zur
    Energiewende.
    Wofür wähle ich eigentlich noch meine Abgeordneten in den Parlamenten? Immer wieder versuchen die Politiker, die politischen Entscheidungen anderen zuzuschieben. Dialog heißt heute eine Internetseite zu dem Thema einzurichten. Statt die Fernsehübertragung der Ethikkommission zu loben, sollten wir uns an die legitimen demokratischen Organe erinnern, welche ohnehin für die politische Willensbildung zuständig sind. Was wir nicht
    brauchen sind neue Geheimverträge, welche unseren Volksvertretern in Gesetzesform zum abnicken vorgelegt werden. Als Wähler verlange ich, dass Bundestag und Bundesrat endlich ihre Arbeit machen und die Abgeordneten mal tatsächlich nur nach ihrem Wissen und Gewissen statt nach Fraktionszwang entscheiden dürfen!

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  2. Sicher können Sie sich auch nicht mehr daran erinnern daß die Grünen früher auch nur eine 6-7% Partei war und erst heute über 20% erhält.

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    • joG
    • 18.05.2011 um 12:01 Uhr

    ....dass Rot/Grün den Ausstieg organisierte. Also hatte sie die Macht zu verändern. Somit gilt das im obigen Beitrag Festgestellte.

    • joG
    • 18.05.2011 um 12:01 Uhr

    ....dass Rot/Grün den Ausstieg organisierte. Also hatte sie die Macht zu verändern. Somit gilt das im obigen Beitrag Festgestellte.

    • joG
    • 18.05.2011 um 12:01 Uhr

    ....dass Rot/Grün den Ausstieg organisierte. Also hatte sie die Macht zu verändern. Somit gilt das im obigen Beitrag Festgestellte.

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    den unumkehrbaren Atomausstieg damals verhindert hat. Die Koriphäen Müller und Clemens an der Spitze.

    Trittin war damals nur ein kleines Würstchen.

    Der Atomausstieg unter Rot-Grün musste einiges unter einen Hut bringen:
    - Sicherheit vor Klagen der Atomindustrie
    - Keine Zustimmungspflicht des (Schwarz-Gelb dominierten) Bundesrates
    - Befindlichkeiten der (grünen) Wähler
    - Abschalterfolg innerhalb der ersten Wahlperiode
    In diesem Spannungsfeld ergab sich der damals gefundene *Kompromiss*:
    - Erstmaliges Beschränken der Laufzeiten (bis dahin unbegrenzt!),
    - Vertrag mit der Atomindustrie,
    - Vorrangiges Abschalten der Alt-Anlagen (Stade zu erst),
    - längere Laufzeiten für neuere Anlagen (ca. 20 jahre für das AKW Emsland)
    Es wurden auch nach dem 11.9.2001 Angriffe mit Flugzeugen geprüft. Insbesondere Biblis ist da stark gefährdet. Meiner Kenntnis nach hat die Atomindustrie mit massiven Klagen gedroht, für den Fall einer Sonderabschaltung gedroht und hätte auch die Unterstützung von Schwarz-Gelb gehabt.
    Aus heutiger Sicht ein flauer Kompromiss, damals die Befriedung eine gesellschaftlichen Großkonflikts mit Tränen auf beiden Seiten!

    den unumkehrbaren Atomausstieg damals verhindert hat. Die Koriphäen Müller und Clemens an der Spitze.

    Trittin war damals nur ein kleines Würstchen.

    Der Atomausstieg unter Rot-Grün musste einiges unter einen Hut bringen:
    - Sicherheit vor Klagen der Atomindustrie
    - Keine Zustimmungspflicht des (Schwarz-Gelb dominierten) Bundesrates
    - Befindlichkeiten der (grünen) Wähler
    - Abschalterfolg innerhalb der ersten Wahlperiode
    In diesem Spannungsfeld ergab sich der damals gefundene *Kompromiss*:
    - Erstmaliges Beschränken der Laufzeiten (bis dahin unbegrenzt!),
    - Vertrag mit der Atomindustrie,
    - Vorrangiges Abschalten der Alt-Anlagen (Stade zu erst),
    - längere Laufzeiten für neuere Anlagen (ca. 20 jahre für das AKW Emsland)
    Es wurden auch nach dem 11.9.2001 Angriffe mit Flugzeugen geprüft. Insbesondere Biblis ist da stark gefährdet. Meiner Kenntnis nach hat die Atomindustrie mit massiven Klagen gedroht, für den Fall einer Sonderabschaltung gedroht und hätte auch die Unterstützung von Schwarz-Gelb gehabt.
    Aus heutiger Sicht ein flauer Kompromiss, damals die Befriedung eine gesellschaftlichen Großkonflikts mit Tränen auf beiden Seiten!

  3. den unumkehrbaren Atomausstieg damals verhindert hat. Die Koriphäen Müller und Clemens an der Spitze.

    Trittin war damals nur ein kleines Würstchen.

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    • joG
    • 18.05.2011 um 13:51 Uhr

    .... ein kleines Würstchen", das aber vor aufgeblähter Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit kaum noch gehen kann.

    • joG
    • 18.05.2011 um 13:51 Uhr

    .... ein kleines Würstchen", das aber vor aufgeblähter Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit kaum noch gehen kann.

  4. Der Atomausstieg unter Rot-Grün musste einiges unter einen Hut bringen:
    - Sicherheit vor Klagen der Atomindustrie
    - Keine Zustimmungspflicht des (Schwarz-Gelb dominierten) Bundesrates
    - Befindlichkeiten der (grünen) Wähler
    - Abschalterfolg innerhalb der ersten Wahlperiode
    In diesem Spannungsfeld ergab sich der damals gefundene *Kompromiss*:
    - Erstmaliges Beschränken der Laufzeiten (bis dahin unbegrenzt!),
    - Vertrag mit der Atomindustrie,
    - Vorrangiges Abschalten der Alt-Anlagen (Stade zu erst),
    - längere Laufzeiten für neuere Anlagen (ca. 20 jahre für das AKW Emsland)
    Es wurden auch nach dem 11.9.2001 Angriffe mit Flugzeugen geprüft. Insbesondere Biblis ist da stark gefährdet. Meiner Kenntnis nach hat die Atomindustrie mit massiven Klagen gedroht, für den Fall einer Sonderabschaltung gedroht und hätte auch die Unterstützung von Schwarz-Gelb gehabt.
    Aus heutiger Sicht ein flauer Kompromiss, damals die Befriedung eine gesellschaftlichen Großkonflikts mit Tränen auf beiden Seiten!

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    • joG
    • 18.05.2011 um 13:53 Uhr

    ....einfach den Ausstieg zu organisieren. Das entschuldigt jedoch kaum eine schlecht begründete, nicht nachhaltige und ineffiziente Lösung, die keine war.

    • joG
    • 18.05.2011 um 13:53 Uhr

    ....einfach den Ausstieg zu organisieren. Das entschuldigt jedoch kaum eine schlecht begründete, nicht nachhaltige und ineffiziente Lösung, die keine war.

  5. Die Aussage war, dass nicht genügend Daten verfügbar sind und man darauf angewiesen ist, dass die Energieunternehmen sie nachliefern, damit Rechtssicherheit gegeben ist. Sprich - ob die Atomkraftwerk abgeschaltet werden oder nicht ist davon abhängig, ob die die Energieunternehmen uns einen Grund dafür liefern. Darauf werden wir wohl Lange warten. Ich weis nicht mehr wer es gesagt hat. Aber er hat recht. Die ganze Aktion ist von Anfang an eine Farce und sollte nur über die Landtagswahlen helfen. Zu einer Entscheidung konnte man gar nicht kommen. Das war von Anfang an klar. Das ganze ist ohne Ende lächerlich. Allein, dass es nach all den Jahren Atomenergie nicht möglich ist auf höchster Ebene an alle nötigen Informationen zu kommen ist doch der reine Witz!

    • joG
    • 18.05.2011 um 13:51 Uhr

    .... ein kleines Würstchen", das aber vor aufgeblähter Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit kaum noch gehen kann.

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