Das Geld fließt wieder. Nachdem Banken und andere Finanzinvestoren im Zuge der Lehman-Pleite im September 2008 massiv Finanzmittel aus Schwellenländern abgezogen haben, wird seit Mitte 2009 wieder kräftig investiert. Das Institute of International Finance (IIF) in Washington schätzt die privaten Nettokapitalflüsse in Schwellenländer für das laufende Jahr auf 908 Milliarden Dollar. Für 2011 erwartet das IIF einen weiteren Anstieg auf 960 Milliarden Dollar. Auch 2012 wird sich die Entwicklung fortsetzen.

Während die meisten Industrieländer nach wie vor mit den Folgen der globalen Finanzkrise kämpfen, wächst die Wirtschaft in vielen Entwicklungs- und Schwellenländer schon wieder kräftig. In dem vor Kurzem veröffentlichten World Economic Outlook schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF) das Wachstum in den Industrieländern auf 2,4 Prozent in diesem Jahr und 2,6 Prozent in 2012. Für Entwicklungs- und Schwellenländer hingegen erwartet der IWF Wachstumsraten von 6,5 Prozent in beiden Jahren. 

Für die asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländer werden sogar Werte von über acht Prozent prognostiziert. Diese deutlich besseren Aussichten ziehen Investoren an, genauso wie die starken Fundamentaldaten der meisten Schwellenländer, positive Zinsunterschiede und mögliche Aufwertungen der Währungen. Die nach wie vor expansive Geldpolitik der meisten Industrieländer führt außerdem zu hoher globaler Liquidität, die auf der Suche nach Rendite nicht nur in die internationalen Öl-, Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkte fließt, sondern eben auch in die Schwellenländer.

Für die betroffenen Länder stellt dies eine große Herausforderung dar und birgt gewaltige Risiken – bis hin zu neuen Finanzkrisen. Zunächst einmal besteht die Gefahr, dass die Investitionen nicht auf Dauer fließen, sondern die Gelder vielleicht sogar abrupt wieder abgezogen werden. In der Finanzkrise war genau dies zu beobachten: Trotz guter Fundamentaldaten gingen die Nettokapitalflüsse in Schwellen- und Entwicklungsländer um 52 Prozent auf 622 Milliarden Dollar zurück. Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass die Volatilität der Kapitalbewegungen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat – für Schwellenländer noch stärker als für Industrienationen.

Die gegenwärtigen Finanzflüsse werden zudem von Investitionen in Anleihemärkte dominiert, die historisch betrachtet besonders stark schwanken. Direktinvestitionen, die eher langfristiger Natur sind und denen im Allgemeinen die größten Entwicklungseffekte zugeschrieben werden, sind dagegen weiter rückläufig.

Eine zweite Gefahr sind mögliche neue spekulative Blasen. In vielen Schwellenländern hat eine von niedrigen Realzinsen befeuerte Kreditvergabe bereits zu einem Boom auf den Kapitalmärkten und im Immobiliensektor geführt. Weitere externe Kapitalzuflüsse können die Blasenbildung antreiben. Die jüngsten Erfahrungen von Krisenländern wie den USA, Irland und Spanien, deren Investitionsbooms ebenfalls von externen Investitionen angefeuert wurden, sollten deshalb Anlass zur Sorge geben.

Und drittens erhöhen die Kapitalströme den Inflationsdruck in den Schwellenländern, insbesondere wenn sie sich gegen eine Aufwertung der eigenen Währung stemmen, so wie dies gegenwärtig der Fall ist. Interventionen im Devisenmarkt zur Vermeidung oder Abschwächung von Aufwertungen erhöhen die Geldmenge und verkomplizieren die Politik der Zentralbank. Ein Ausgleich ist zwar möglich, ist aber mit Kosten verbunden und auch nicht immer wirksam. Eine zu laxe Geldpolitik kann außerdem dazu führen, dass Kapital abgezogen wird und der Inflationsdruck weiter zunimmt. Der Preisanstieg auf den internationalen Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten hat die Inflation in einigen Schwellenländern ohnehin schon deutlich erhöht.