Die US-Regierung wird aller Voraussicht nach noch am heutigen Montag die gesetzlich festgelegte Schulden-Obergrenze überschreiten. Damit darf sich der Staat kein frisches Geld mehr leihen. Mit Hilfe von Sondermaßnahmen kann das Finanzministerium nach eigenen Angaben noch bis zum 2. August Mittel auftreiben, um seine Rechnungen zu bezahlen. Wird die Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar bis dahin nicht erhöht, droht den Gläubigern der USA ein Zahlungsausfall.

Präsident Barack Obama warnte vor einer Rezession. Werde die Schuldengrenze nicht angehoben, drohe eine Finanzkrise, die schlimmer sei als die jüngste. Die oppositionellen Republikaner zeigen sich zwar grundsätzlich bereit zu einer Anhebung, knüpfen ihre Zustimmung aber an deutliche Ausgabenkürzungen. Der republikanische Sprecher des US-Repräsentantenhauses, John Boehner, zog in Zweifel, dass Obama die Reduzierung des Haushaltsdefizits ernsthaft angehen will.

Bereits im April hatten die USA kurz vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden. Die Republikaner hatten damals eine Verlängerung vorläufiger Haushaltspläne verweigert. Daraufhin drohte ein government shutdown, eine zeitweilige Schließung einiger Behörden. Erst in letzter Sekunde erreichten die Parteien eine Einigung.

Auch Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte vor Gefahren für die heimischen Firmen gewarnt, die noch unter dem Eindruck des Abschwungs 2007 bis 2009 stehen. Noch verläuft die konjunkturelle Erholung schleppend, die Arbeitslosigkeit liegt bei hohen neun Prozent. Die Experten der Denkfabrik Third Way sagen für den Fall eines Zahlungsausfalls ein verlangsamtes Wachstum voraus, den Verlust von 640.000 Arbeitsplätzen, abrutschende Börsenkurse und eine Kreditklemme für Unternehmen.