Darmkrankheit Gemüsebauern fordern Entschädigung für Ehec-Ausfälle
Landwirte in ganz Europa klagen über Umsatzausfälle in Millionenhöhe wegen der Angst vor Ehec. Agrarministerin Aigner will sich nun für Hilfen der EU einsetzen.
©Francisco Bonilla/REUTERS

Spanische Gemüsebauern leeren einen Korb mit Gurken, nachdem sie diese nicht auf dem Markt verkaufen konnten.
Die deutschen Gemüsebauern und ihre Organisationen fordern Entschädigungszahlungen für Umsatzeinbrüche durch die Ehec-Krise. Die Erzeuger bräuchten kurzfristig finanziellen Ausgleich für die entstandenen und wohl weiter zu erwartenden Umsatz- und Ertragsausfälle, an denen sie nachweislich keine eigene Schuld trügen, hieß es in einer veröffentlichten Erklärung.
Die Ehec-Krise hat bei Landwirten für Umsatz-Einbußen in Millionenhöhe gesorgt. "Unsere Gemüsebauern haben jetzt wöchentlich einen Schaden von 30 Millionen Euro", sagte der Präsident des Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, dem Fernsehsender N24. Das Gemüse müsse untergepflügt oder vernichtet werden. Dies sei ein "dramatischer Zustand". Sonnleitner kritisierte die Experten-Warnungen vor bestimmten Gemüsesorten: "Diese Festlegung auf Gurken, Tomaten und Salat hat zum einen die Ausbreitung der Seuche nicht verhindert und auf der anderen Seite für die Landwirtschaft einen extrem riesigen Schaden verursacht."
Bundesagrarministerin Ilse Aigner will sich nun auf EU-Ebene für eine Entschädigungen der deutschen Landwirte stark machen. Sie werde dazu mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos sprechen, sagte Aigner. Kritik am Krisenmanagement wies die CSU-Politikerin zurück. Die Behörden hätten von Anfang an zusammengearbeitet.
Bislang sei es aber nicht gelungen, die Ursache der Ausbreitung des Darmkeims zu finden, räumte Aigner ein. Die Experten seien sich nach der Befragung von Patienten einig, dass vor allem Tomaten, Gurken und Blattsalate, die hauptsächlich in Norddeutschland verzehrt worden seien, als Überträger infrage kämen. Die Verunreinigungen könnten nicht nur bei der Erzeugung sondern auch bei Transport und Verpackung entstanden sein.
- Ehec-Bakterien
-
Im menschlichen Darm wimmelt es von Mikroorganismen und Bakterien. Das ist nicht ungewöhnlich. Viele Keime unterstützen möglicherweise die Verdauung von Nahrung oder die Abwehr von Krankheitserregern. Sehr häufig sind Escherichia coli im Darm zu finden.
Ehec-Bakterien (enterohämorrhagische Escherichia coli) hingegen bilden einen mitunter gefährlichen Stamm von E.coli. Sie können Giftstoffe, vor allem das Shigatoxin, produzieren. Nisten sich Ehec-Keime im Darm ein, etwa in der Schleimhaut, dringt das Gift in die Zellen der inneren Darmwand ein und zerstört Gefäße. In Deutschland sind derzeit 42 Stämme des Ehec-Erregers bekannt.
Der Ausbruch im Frühjahr 2011 verlief sehr ungewöhnlich. Der umgehende Keim ähnelt bekannten Ehec-Erregern kaum. Normalerweise erkranken vor allem Kleinkinder im Alter von durchschnittlich drei Jahren. Schwere Krankheitsverläufe sind sehr selten.
Der durch verkeimte Sprossen verbreitete Erreger vom Typ O104:H4 (HUSEC041) ist besonders aggressiv und löst relativ häufig das hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) aus – die schwerste Komplikation der Darminfektion.
- Erkrankung
-
Wer sich mit Ehec-Bakterien infiziert, muss nicht zwangsläufig erkranken. Oft kommt es aber etwa drei Tage nach der Ansteckung zu wässrigen Durchfällen. Zwei Drittel der Erkrankten scheiden nach weiteren zwei bis drei Tagen blutigen Stuhl aus.
Begleitet wird die Erkrankung von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch Fieber ist möglich, aber seltener.
Während vergangener Ehec-Ausbrüche entwickelten etwa zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten einen schweren Verlauf. Wer unter Durchfall und Blut im Stuhl leidet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen.
Eine Woche nach Beginn der Durchfälle kann es zum gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) kommen. Blutige Entzündungen der Darmschleimhaut treten auf, die für die Blutgerinnung notwendigen Thrombozyten verringern sich, Giftstoffe sammeln sich im Körper, Gefäße werden zerstört. Im schlimmsten Fall versagen die Nieren, es kommt zu Blutgerinnseln im Hirn. Hus trifft in der Regel nur etwa jeden zehnten Erkrankten. Die Sterberate liegt in dieser Akutphase bei zwei Prozent der Betroffenen.
- Ansteckung
-
Ehec-Bakterien gibt es überall auf der Welt. Infektionen mit dem Erreger sind seit dem Jahr 2001 in Deutschland meldepflichtig, sofern sie bemerkt werden. Seither übermittelten die Gesundheitsämter bundesweit jährlich zwischen 925 und 1183 Ehec-Erkrankungen an das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.
Ehec-Erreger kommen vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vor. Allerdings wurden sie auch schon im Darmtrakt von Schweinen, Hirschen und Rehen nachgewiesen. Der jetzt grassierende Stamm wurde bisher aber nicht in Tieren nachgewiesen.
Die Erreger sind sehr umweltresistent und können bis zu ein Jahr lang außerhalb des Darms überleben. Zudem reichen nur wenige Dutzend Keime aus, um sich zu infizieren.
Für Ehec-Ausbrüche kommen zahlreiche Infektionsquellen in Betracht: Rohmilch und Rohmilchkäse sowie rohe Wurstprodukte oder zu kurz gegartes Fleisch. Verunreinigtes Obst und Gemüse kann die Quelle sein, oder andere ungekochte Lebensmittel.
Ehec-Bakterien können auch beim Düngen mit Gülle auf Nahrungsmittel gelangen. Bei den meisten bisherigen Krankheitsausbrüchen konnte die Infektionsquelle nicht gefunden werden.
Im aktuellen Fall waren Sprossen mit dem Erreger kontaminiert. Die Spur der Samen führt nach Ägypten. Wie der Keim aus dem Darm von Tieren auf diese Samen gelangt sein kann, ist noch immer unbekannt.
- Behandlung
-
Mediziner behandeln derzeit bei leichten Verläufen vor allem die Symptome der Ehec-Erkrankung. Menschen scheiden die Bakterien oft von selbst aus. Das kann mitunter ein paar Wochen dauern.
Antibiotika helfen gegen Ehec-Bakterien wenig, im Gegenteil: "Die Gabe kann mitunter die Toxinproduktion (der Keime) sogar erhöhen", sagt der Hygieniker Helge Karch, der den Erreger genetisch analysiert hat. Daher raten Ärzte dringend davon ab, eine Ehec-Infektion mit Antibiotika zu behandeln.
Die Menschen, die derzeit akut erkrankt sind, werden mit Dialyse und Blutreinigung behandelt. So werden die Giftstoffe aus dem Körper gewaschen. Nicht immer erholt sich die Niere von der Infektion, sodass einige Patienten dauerhaft eine Dialyse brauchen oder auf ein Spenderorgan warten müssen.
In der Anfangsphase von Hus brauchen Patienten dringend Flüssigkeit, etwa über Kochsalzinfusionen. So lässt sich die schwerste Form der Erkrankung, das Nierenversagen, verhindern. Andernfalls könnte eine Nierentransplantation notwendig werden oder eine lebenslange Dialyse.
In besonders schweren Fällen setzten Mediziner eine noch kaum erforschter Therapie ein: Sie gaben einigen Patienten die Antikörperlösung Eculizumab. Zum Teil verbesserte sich der Zustand danach.
- Schutz
-
Nur strenge Hygiene kann vor einer Ansteckung mit Ehec und ähnlichen Keimen schützen. Gemüse und Obst müssen gründlich gereinigt werden. In der Küche sollten Messer und Schneidebretter für jedes Lebensmittel separat verwendet und anschließend gründlich gesäubert werden.
Fleisch und Gemüse sollte man im Kühlschrank getrennt voneinander lagern und auch getrennt zubereiten. Putz- und Spüllappen sollten in kurzen Abständen gewechselt oder ausgekocht werden.
Lebensmittel sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden. Ehec-Erreger wie auch ihre Giftstoffe sind sehr hitzelabil. Ab 60 bis 70 Grad werden die Keime und ihre Toxine zerstört.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt allen Menschen mit Durchfall, sich stets gründlich die Hände zu waschen und/oder sie zu desinfizieren, insbesondere wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Menschen in der Nähe sind.
Sollte ein Familienmitglied erkranken, sollten die Toilette und Flächen, die der Erkrankte anfasst, regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Dagegen hat Spanien die EU aufgefordert, ihre Gurken-Warnung im Zusammenhang mit Ehec-Erkrankungen zurückzunehmen. Es habe sich gezeigt, dass spanische Gurken die Darminfektionen nicht ausgelöst hätten, sagte Vizeregierungschef Alfredo Perez Rubalcaba.
Die EU-Kommission hatte die Mitgliedstaaten in der vorigen Woche darauf hingewiesen, dass in Hamburg auf Salatgurken aus Spanien Ehec-Erreger entdeckt worden seien. Laboranalysen ergaben mittlerweile jedoch, dass die Keime nicht zu der Art gehören, die die Welle von Infektionen ausgelöst hatten.
Eine Aufhebung der EU-Warnung werde ein erster Schritt zu einer Normalisierung der Märkte sein, sagte Rubalcaba nach einem Treffen mit den Spitzen spanischer Export- und Bauernverbände. Spanien werde erst dann um Entschädigungen und Hilfen für die Verluste der spanischen Landwirte bitten, wenn das Ausmaß bekannt sei. Der Vizepremier forderte Deutschland auf, dazu beizutragen, dass der gute Ruf spanischer Agrarerzeugnisse wiederhergestellt werde.
- Datum 01.06.2011 - 19:12 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 41
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Die Spanier spinnen doch,schliesslich sind Ehec Erreger auf ihren Gurken festgestellt worden. Sie haben vielleicht nicht die Krankheit direkt ausgelöst, aber sie gehören auch nicht auf die Gurken. Vielleicht ist ja der auf den Gurken gefundene Erreger mutiert zum gefährlichen Stamm.
...E-Coli Bakterien auf den spanischen Gurken festgestellt, aber diese waren den tödlichen Tätern so ähnlich wie ein Menschen einem Affen. Es war eine Abwägung, ob man wartet bis die Genetik korrekt erkannt würde. Man entschied sich die Bauern zu schädigen ohne sicher zu sein. Warum sollte in diesem Fall der Schädiger nicht verantwortlich sein den Geschädigten zu entschädigen?
...E-Coli Bakterien auf den spanischen Gurken festgestellt, aber diese waren den tödlichen Tätern so ähnlich wie ein Menschen einem Affen. Es war eine Abwägung, ob man wartet bis die Genetik korrekt erkannt würde. Man entschied sich die Bauern zu schädigen ohne sicher zu sein. Warum sollte in diesem Fall der Schädiger nicht verantwortlich sein den Geschädigten zu entschädigen?
...der ist wohl hinne! Die Spanier sind doch wohl völlig weltfremd. Ihre Gurken sind auch mit EHEC belastet, aber sie wollen ne fette Entschädigung. NICHT MIT UNS!
bekommen die Spanier doch auf jeden Fall früher oder später mittels des "Euro-Rettungsschirms".
"Die Spanier sind doch wohl völlig weltfremd. Ihre Gurken sind auch mit EHEC belastet,"
VW exportiert Autos nach X. In X schei*t ein Vogel aufs Auto. X berichtet über stark vermutzte PKW aus Deutschland. X kauft keine VW mehr. VW beklagt hohe Exporteinbußen. Um das Ganze in eine leicht fassliche Frage zu kleiden: wurden die spanischen Gurken direkt beim spanischen Erzeuger untersucht?
bekommen die Spanier doch auf jeden Fall früher oder später mittels des "Euro-Rettungsschirms".
"Die Spanier sind doch wohl völlig weltfremd. Ihre Gurken sind auch mit EHEC belastet,"
VW exportiert Autos nach X. In X schei*t ein Vogel aufs Auto. X berichtet über stark vermutzte PKW aus Deutschland. X kauft keine VW mehr. VW beklagt hohe Exporteinbußen. Um das Ganze in eine leicht fassliche Frage zu kleiden: wurden die spanischen Gurken direkt beim spanischen Erzeuger untersucht?
Vielleicht würde es der Wahrheitsfindung dienen, Landkarten markiert mit den Wohnorten der Erkrankten und Landkarten mit den Standorten von Biogasanlagen übereinanderzu legen.
Durch jeden Stromverbraucher gefördert wird heutzutage Tiergülle in diesen Anlagen bebrütet. Offizielle Messungen ergaben nach der Bebrütung erhöhte Raten pathologischer Keime. Die fermentierten Restsubstrate werden als Dünger, auch als Kopfdünger beworben, weil sie weniger Pflanzenschäden hervorbringen.
2009 wird der GBiogasgüllebonus eingeführt, seit diesem Frühjahr treten stark vermehrt Erkrankungen durch coliforme Erreger auf. Man sollte die neuen EHEC-Testkits mal an die Biogasfermente halten...
Ich denke, dass die Regierung einfach alles falsch macht. Jeder kriegt Fördergelder, Subventionen etc. Das ist falsch. Damit sind den Geldgeiern Tür und Tor geöffnet.
Ich denke, dass die Regierung einfach alles falsch macht. Jeder kriegt Fördergelder, Subventionen etc. Das ist falsch. Damit sind den Geldgeiern Tür und Tor geöffnet.
Ich habe die Info, das im UKE alle Patienten, die EHEC oder HUS haben, vorher Erdbeeren gegessen hatten. Von jemandem der da arbeitet!
http://theglobeandmail.co...
Für KÜHE! Das nutzt nur was, wenn alle Kühe Ihrer Umgebung, Ihrer Fleisch- und Gemüselieferanten - deutschlandweit, europaweit, weltweit - damit geimpft sind. Das dauert hundert Jahre.
Für KÜHE! Das nutzt nur was, wenn alle Kühe Ihrer Umgebung, Ihrer Fleisch- und Gemüselieferanten - deutschlandweit, europaweit, weltweit - damit geimpft sind. Das dauert hundert Jahre.
Ich denke, dass die Regierung einfach alles falsch macht. Jeder kriegt Fördergelder, Subventionen etc. Das ist falsch. Damit sind den Geldgeiern Tür und Tor geöffnet.
Die panschen dann in riesigen Größenordnungen völlig unkontrolliert mit Mittelaltertechnologie (Rührtonne, Plane drüber) Substrate, deren Inhaltsstoffe ihnen unbekannt sind, zusammen und bebrüten das ganze beim Wachstumsoptimum pathologischer Bakterien.
Anschließend wird das Zeug auf Feldern entsorgt.
Die panschen dann in riesigen Größenordnungen völlig unkontrolliert mit Mittelaltertechnologie (Rührtonne, Plane drüber) Substrate, deren Inhaltsstoffe ihnen unbekannt sind, zusammen und bebrüten das ganze beim Wachstumsoptimum pathologischer Bakterien.
Anschließend wird das Zeug auf Feldern entsorgt.
Die panschen dann in riesigen Größenordnungen völlig unkontrolliert mit Mittelaltertechnologie (Rührtonne, Plane drüber) Substrate, deren Inhaltsstoffe ihnen unbekannt sind, zusammen und bebrüten das ganze beim Wachstumsoptimum pathologischer Bakterien.
Anschließend wird das Zeug auf Feldern entsorgt.
bekommen die Spanier doch auf jeden Fall früher oder später mittels des "Euro-Rettungsschirms".
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren