Ehec-Krise EU beschließt Millionen-Hilfe für Bauern

Allein in Deutschland beklagen Landwirte wegen der Ehec-Krise Umsatzeinbußen von 60 Millionen Euro. Die EU will nun europaweit 210 Millionen Euro an die Bauern zahlen.

Die millionenschweren Entschädigungen für die von der Ehec-Krise betroffenen Bauern sind sicher. Europäische Landwirte erhalten 210 Millionen Euro für ihre Umsatzeinbußen. Das haben Vertreter der 27 EU-Länder in Brüssel beschlossen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder hatten die Summe als zu niedrig kritisiert, so dass die Kommission aufstockte.

Agrarministerin Ilse Aigner will die Hilfen nun schnell an die Gemüsebauern verteilen. Die Gelder sollen zügig und unbürokratisch die deutschen Produzenten erreichen, sagte die CSU-Politikerin bei einem Besuch eines Gemüsebetriebs nahe Hamburg. Die Ministerin versicherte: "Wir wollen die Landwirte nicht im Regen stehen lassen." Verbandvertreter der Gemüsebauern sagten, die angekündigten EU-Zahlungen seien unzureichend und forderten Nachverhandlungen der Bundesregierung oder zusätzliche Bundesmittel. Auf diese Forderungen ging Aigner nicht näher ein. 

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Ehec-Bakterien

Im menschlichen Darm wimmelt es von Mikroorganismen und Bakterien. Das ist nicht ungewöhnlich. Viele Keime unterstützen möglicherweise die Verdauung von Nahrung oder die Abwehr von Krankheitserregern. Sehr häufig sind Escherichia coli im Darm zu finden.

Infografik Ehec
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Ehec-Bakterien (enterohämorrhagische Escherichia coli) hingegen bilden einen mitunter gefährlichen Stamm von E.coli. Sie können Giftstoffe, vor allem das Shigatoxin, produzieren. Nisten sich Ehec-Keime im Darm ein, etwa in der Schleimhaut, dringt das Gift in die Zellen der inneren Darmwand ein und zerstört Gefäße. In Deutschland sind derzeit 42 Stämme des Ehec-Erregers bekannt.

Der Ausbruch im Frühjahr 2011 verlief sehr ungewöhnlich. Der umgehende Keim ähnelt bekannten Ehec-Erregern kaum. Normalerweise erkranken vor allem Kleinkinder im Alter von durchschnittlich drei Jahren. Schwere Krankheitsverläufe sind sehr selten.

Der durch verkeimte Sprossen verbreitete Erreger vom Typ O104:H4 (HUSEC041) ist besonders aggressiv und löst relativ häufig das hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) aus – die schwerste Komplikation der Darminfektion.

Erkrankung

Wer sich mit Ehec-Bakterien infiziert, muss nicht zwangsläufig erkranken. Oft kommt es aber etwa drei Tage nach der Ansteckung zu wässrigen Durchfällen. Zwei Drittel der Erkrankten scheiden nach weiteren zwei bis drei Tagen blutigen Stuhl aus.

Begleitet wird die Erkrankung von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch Fieber ist möglich, aber seltener.

Während vergangener Ehec-Ausbrüche entwickelten etwa zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten einen schweren Verlauf. Wer unter Durchfall und Blut im Stuhl leidet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen.

Eine Woche nach Beginn der Durchfälle kann es zum gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) kommen. Blutige Entzündungen der Darmschleimhaut treten auf, die für die Blutgerinnung notwendigen Thrombozyten verringern sich, Giftstoffe sammeln sich im Körper, Gefäße werden zerstört. Im schlimmsten Fall versagen die Nieren, es kommt zu Blutgerinnseln im Hirn. Hus trifft in der Regel nur etwa jeden zehnten Erkrankten. Die Sterberate liegt in dieser Akutphase bei zwei Prozent der Betroffenen.

Ansteckung

Ehec-Bakterien gibt es überall auf der Welt. Infektionen mit dem Erreger sind seit dem Jahr 2001 in Deutschland meldepflichtig, sofern sie bemerkt werden. Seither übermittelten die Gesundheitsämter bundesweit jährlich zwischen 925 und 1183 Ehec-Erkrankungen an das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Ehec-Erreger kommen vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vor. Allerdings wurden sie auch schon im Darmtrakt von Schweinen, Hirschen und Rehen nachgewiesen. Der jetzt grassierende Stamm wurde bisher aber nicht in Tieren nachgewiesen.

Die Erreger sind sehr umweltresistent und können bis zu ein Jahr lang außerhalb des Darms überleben. Zudem reichen nur wenige Dutzend Keime aus, um sich zu infizieren.

Für Ehec-Ausbrüche kommen zahlreiche Infektionsquellen in Betracht: Rohmilch und Rohmilchkäse sowie rohe Wurstprodukte oder zu kurz gegartes Fleisch. Verunreinigtes Obst und Gemüse kann die Quelle sein, oder andere ungekochte Lebensmittel.

Ehec-Bakterien können auch beim Düngen mit Gülle auf Nahrungsmittel gelangen. Bei den meisten bisherigen Krankheitsausbrüchen konnte die Infektionsquelle nicht gefunden werden.

Im aktuellen Fall waren Sprossen mit dem Erreger kontaminiert. Die Spur der Samen führt nach Ägypten. Wie der Keim aus dem Darm von Tieren auf diese Samen gelangt sein kann, ist noch immer unbekannt.

Behandlung

Mediziner behandeln derzeit bei leichten Verläufen vor allem die Symptome der Ehec-Erkrankung. Menschen scheiden die Bakterien oft von selbst aus. Das kann mitunter ein paar Wochen dauern.

Antibiotika helfen gegen Ehec-Bakterien wenig, im Gegenteil: "Die Gabe kann mitunter die Toxinproduktion (der Keime) sogar erhöhen", sagt der Hygieniker Helge Karch, der den Erreger genetisch analysiert hat. Daher raten Ärzte dringend davon ab, eine Ehec-Infektion mit Antibiotika zu behandeln.

Die Menschen, die derzeit akut erkrankt sind, werden mit Dialyse und Blutreinigung behandelt. So werden die Giftstoffe aus dem Körper gewaschen. Nicht immer erholt sich die Niere von der Infektion, sodass einige Patienten dauerhaft eine Dialyse brauchen oder auf ein Spenderorgan warten müssen.

In der Anfangsphase von Hus brauchen Patienten dringend Flüssigkeit, etwa über Kochsalzinfusionen. So lässt sich die schwerste Form der Erkrankung, das Nierenversagen, verhindern. Andernfalls könnte eine Nierentransplantation notwendig werden oder eine lebenslange Dialyse.

In besonders schweren Fällen setzten Mediziner eine noch kaum erforschter Therapie ein: Sie gaben einigen Patienten die Antikörperlösung Eculizumab. Zum Teil verbesserte sich der Zustand danach.

Schutz

Nur strenge Hygiene kann vor einer Ansteckung mit Ehec und ähnlichen Keimen schützen. Gemüse und Obst müssen gründlich gereinigt werden. In der Küche sollten Messer und Schneidebretter für jedes Lebensmittel separat verwendet und anschließend gründlich gesäubert werden.

Fleisch und Gemüse sollte man im Kühlschrank getrennt voneinander lagern und auch getrennt zubereiten. Putz- und Spüllappen sollten in kurzen Abständen gewechselt oder ausgekocht werden.

Lebensmittel sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden. Ehec-Erreger wie auch ihre Giftstoffe sind sehr hitzelabil. Ab 60 bis 70 Grad werden die Keime und ihre Toxine zerstört.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt allen Menschen mit Durchfall, sich stets gründlich die Hände zu waschen und/oder sie zu desinfizieren, insbesondere wenn Kleinkinder oder immungeschwächte Menschen in der Nähe sind.

Sollte ein Familienmitglied erkranken, sollten die Toilette und Flächen, die der Erkrankte anfasst, regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Nach Aigners Angaben sollen von Umsatzverlusten betroffene Bauern 50 Prozent von dem zurückbekommen, was sie im Durchschnitt verdient hätten. Der Präsident des deutschen Zentralverbandes Gartenbau, Heinz Herker, schätzte die bisherigen Einbußen der heimischen Gemüseanbauer auf etwa 60 Millionen Euro. Ohne nachgebesserte finanzielle Hilfen würden viele Betriebe nicht überleben können, da das Geld für notwendige Investitionen nicht ausreiche, sagte Herker.

Die nationale Umsetzung der beschlossenen EU-Maßnahmen wird laut Aigner bereits vorbereitet. Schon für Juli habe die EU Zahlungen in Aussicht gestellt. In einem ersten Schritt hat sich die Bundesregierung dafür eingesetzt, dass betroffene Betriebe zinsverbilligte Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Anspruch nehmen können. Dies stoße aber auf wenig Gegenliebe bei den Gemüsebauern, räumte Aigner ein.

 
Leser-Kommentare
  1. ... dann würde ich jeden morgen aufwachen und wüßte bereits, was die EU mir heute an geld überwiesen hat und zwar plus dem, was ich heute regulär verdienen werde.

    okay, okay ist zwar nicht in jedem fall so adäquat für die belastungen und schlechten arbeitszeiten und und ...

    - aber gibt's das in ähnlichen formen nicht woanders auch?!?!

  2. Also wirklich unbedacht wie leichtsinnig unbedacht Alarmgeschlagen wurde um nur ja keine Verantwortung tragen zu müssen.
    Nun ist es aber faustdicke gekommen und schlimmer.

  3. für diesen Ausfall etwas zu zahlen, das ist ein Skandal!

    Während JEDER Private seinen Einnahmeausfall in Krisenzeiten durch teure Versicherungen absichern muss, wird den ohnehin massiv subventionierten Bauern mal wieder ohne Gegenleistung das Geld in den Rachen geworfen.

    Da sieht man eindeutig die Klassengesellschaft. Die Bauern sind offensichtlich bessere und wichtigere Menschen als die Nicht-Bauern.

    • EricB.
    • 14.06.2011 um 21:39 Uhr

    Glückwunsch den Bauern! und was zahlt die EU für die Gesundheit? Was bekommen die EHEC-Opfer, wie viel Geld geht in die Forschung? Nicht, kein einziger Cent. Die Bauern bekommen die Rundum-Sorglos-Versicherung, und die Konsumenten können ins Gras beißen... mehr auf http://lostineurope.poste...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    des Pöbels zahlen?

    So sieht es aus:

    20% mehr beim Zahnarzt:

    http://www.sueddeutsche.d...

    Und dann noch massive Lebensmittelpreissteigerungen:

    http://www.focus.de/panor...

    So sieht das aus! Freut euch und überlegt gut, wem ihr bei der nächsten Wahl euer Kreuzchen gebt!

    des Pöbels zahlen?

    So sieht es aus:

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    Und dann noch massive Lebensmittelpreissteigerungen:

    http://www.focus.de/panor...

    So sieht das aus! Freut euch und überlegt gut, wem ihr bei der nächsten Wahl euer Kreuzchen gebt!

  4. Vielleicht beschließt ja mal der Bauernverband Entschädigung an die Verbraucher zu zahlen, die jetzt regelmäßig eine Blutwäsche brauchen beziehungsweise eine neue Niere...

  5. des Pöbels zahlen?

    So sieht es aus:

    20% mehr beim Zahnarzt:

    http://www.sueddeutsche.d...

    Und dann noch massive Lebensmittelpreissteigerungen:

    http://www.focus.de/panor...

    So sieht das aus! Freut euch und überlegt gut, wem ihr bei der nächsten Wahl euer Kreuzchen gebt!

    Antwort auf "Gurken vor Gesundheit?"
  6. 7. Toll!

    Ja diese Krankheiten. Schwer gebeutelt sind wir im neuen Jahrtausend. DAS Jahrtausend ohne Kommunisten, Aliens und Nazis. So geht die Zeit an uns vorüber und wir müssen uns komische Buchstabenkombinationen einprägen. A/H5N1, A/H1N1, EHEC... schon schwierig diese zu verstehen. Dabei gibt es eine einfache Regel:

    Je kürzer die Initialen der Krankheitserreger, desto gefährlicher.

    Das ist begreifbar, das wissen wir alle. Und eine richtig schlimme kennen wir mittlerweile alle:

    Deren Symptome sind richtig gruselig: Das Gesicht entwickelt sich zu einer Salamischeibe! Alles wird ganz schwammig und die Knochen werden zermahlen und die Liquiden fliessen in dunkle Kanäle. Pestbeulen nisten sich ganz oben an, der Duktus wird ganz wirr und schwurbelich. Vereinzelnd gibt es Krümmungsverfestigung und toxische Erleuchtungen. Auch erhöhte Radioaktivität ist eine häufig anzutreffendes Merkmal. Zunächst wirken die Symptome vielleicht noch lustig, irgendwann ist man genervt, dannbeängstigt und in der letzten Phase bricht der Metabolismus turbo-pandemisch zusammen.

    Diese Krankheit hat die Abkürzung: EU

    Die ist noch grausiger als die EWG und die EG. Schlimmer als die Pest, die Brut des Dämon der unsere Zukunft umspannt und den wir einfach nicht erkennen weil wir die Zeit vor dem Spiegel verbringen und die Welt nur als Bild sehen ohne es zu faz-en...

  7. Zahlen muss der der den Unsinn verbreitet hat. Also wissenschaftliche Mietmäuler und die Mainstream Medien. Der Steuerzahler hat an dem ganzen Schwachsinn nichts zu verantworten, und darf deshalb auch nichts bezahlen.

    Eine Leser-Empfehlung

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