Die EU-Kommission hat die Entscheidung Russlands, kein Gemüse mehr aus der EU zu importieren, scharf kritisiert. Sie verlangte die sofortige Rücknahme dieser "unverhältnismäßigen" Maßnahme. Erst am Vorabend hatte die Kommission die europaweite Warnung vor spanischen Gurken aufgehoben. "Testergebnisse der zuständigen Behörden haben gezeigt, dass Gurken nicht für Infektionen mit Ehec-Darmbakterien verantwortlich sind", schrieb der EU-Verbraucherkommissar John Dalli in einem Brief an die russische Regierung. Dalli erinnerte daran, dass die Krankheit auf ein eng umrissenes Gebiet begrenzt sei. Außerdem seien alle Handelspartner – auch Russland – stets vollständig und transparent über die neuesten Erkenntnisse informiert worden.

Der Hinweis auf spanische Gurken im europäischen Schnellwarnsystem wurde bereits entfernt. In Deutschland wird indes weiter dazu geraten, vorsichtshalber auf den Verzehr von rohem Gemüse zu verzichten.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/dpa/lno

Russland entschied sich für einen weitaus drastischeren Schritt: Nach den Worten des obersten Amtsarztes des Landes ist der Zoll angewiesen, kein frisches Gemüse mehr über die Grenzen zu lassen. Alle verdächtigen Waren seien zudem aus dem Handel zu nehmen, sagte Gennadi Onischtschenko. Zuvor hatte Russland bereits Gemüse aus Deutschland und Spanien aus den Lebensmittelmärkten entfernen lassen. Das eingeschränkte Importverbot galt seit dem 30. Mai.

Russland importiert wegen der mangelnden Eigenversorgung viele Lebensmittel aus der EU. Das Land gilt als größter Einzelmarkt für die Europäische Union. Der EU-Anteil des Gemüse-Imports liegt nach Schätzungen bei etwa 15 bis 20 Prozent. Russische Experten forderten vor dem Hintergrund des Importverbots eine Stärkung der Gemüseproduktion im eigenen Land.

Spanien bekräftigte unterdessen seine Forderung nach Schadensersatz für die Millionenverluste, die spanischen Landwirten infolge der Ehec-Krise entstanden sind. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero kritisierte zudem das Krisenmanagement der deutschen Behörden und der EU scharf.