Landwirtschaft Mehr Nahrung ist möglich – bei geringer Umweltzerstörung

Die Welternährungsorganisation warnt vor einem "aufziehenden Sturm" in der Ernährungspolitik – und entwirft eine Reform der globalen Agrarpolitik.

Auch wo "Paradigmenwechsel" draufsteht, ist nicht immer einer drin. Der Modebegriff wird gern von politischen Schaumschlägern verwendet. Der jüngste Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom aber könnte tatsächlich den Beginn eines grundlegenden Wandels der globalen Agrarpolitik markieren. Der Titel "Save and Grow" (Sparen und Wachsen) beschreibt, wie eine Lösung für die Herkulesaufgabe aussehen könnte, die in den kommenden Jahren ansteht: Mehr Nahrung und Energiepflanzen für mehr Menschen anzubauen, dabei aber die natürlichen Ökosysteme deutlich weniger in Anspruch zu nehmen und ihre Kräfte sogar zu erneuern.

In den vergangenen Jahren hatte die FAO auf diese Herausforderung vor allem eine Antwort: eine Neuauflage der grünen Revolution der Sechziger Jahre. Die Rezepte waren altbekannt. Investitionen sollten vor allem in Bewässerung und Dünger, Pflanzenschutzmittel und neues Saatgut fließen. Nun aber schildern die Experten in ihrem neuen Report nicht nur die Erfolge dieser Strategie – eindrucksvoll gestiegene Erträge seit den Sechziger Jahren –, sondern auch ihre katastrophalen Folgen. Nicht nur seien die Biodiversität und Fruchtbarkeit weltweit dramatisch zurückgegangen. Viele Böden seien auch übernutzt, versalzen und vergiftet. Business as usual funktioniere an vielen Orten der Erde nicht mehr, die Ernten sinken. Darunter litten vor allem Kleinbauern, die auf sichere Erträge am meisten angewiesen seien.

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Derart geschwächt, müsse die Landwirtschaft zudem einem "aufziehenden Sturm" mit vielfältigen Turbulenzen trotzen. Das Bevölkerungswachstum, der weltweite Ausgriff der Städte und wachsende Hunger auf Fleisch, zugleich die zunehmenden Wetterschwankungen als Folge des Klimawandels und steigender Energiekosten übten einen massiven Druck auf die Agrarflächen aus. So nüchtern wie unmissverständlich heißt es: "Das geltende Paradigma kann die Herausforderungen des kommenden Jahrtausends nicht bewältigen". Mehr mit weniger: das könne nur mit einem neuen Ökosystem-Ansatz erreicht werden. Viehzucht und Ackerbau, Landwirtschaft und Wald sollen wieder zusammengedacht werden und sich – im Wortsinn – gegenseitig befruchten.

Im Mittelpunkt der nun propagierten nachhaltigen Intensivierung der Pflanzenzucht (Sustainable Crop Production Intensification) stehen ein intelligenter und sparsamer Umgang mit Wasser und die Wiederherstellung einer reichen Biodiversität. Vor allem der vernachlässigte Boden müsse regeneriert und gepflegt werden. Wo dieses "komplexeste lebende System" gesund sei, da könne es das Wasser besser speichern, die Fruchtbarkeit werde natürlich erhöht. Es gebe nur selten Schädlinge "über ein akzeptales Maß hinaus", lokal angepasste Pflanzenzüchtungen, die es zu fördern gelte, blieben widerstandsfähig. Nur noch in Einzelfällen sollten Kunstdünger und Agrarchemikalien eingesetzt werden, sparsam dosiert.

Zurück zu den Wurzeln: dafür soll "Save and Grow" kein Einheitsschema anbieten, sondern einen umfangreichen "Werkzeugkasten", dessen einzelne Methoden den regionalen Bedingungen angepasst werden müssen. Der Bericht verweist (übrigens ähnlich wie vor Kurzem der Sonderbeauftragte für das Menschenrecht auf Nahrung, Olivier de Schutter) auf vielfältige Erfolge mit intelligenten Anbausystemen, in denen es gelungen sei, die Erträge in Entwicklungsländern um 70 bis 80 Prozent zu steigern. Er betont die wichtige Rolle der Regierungen, ob bei einer Neuorientierung der Agrarforschung oder der Ausrüstung und Ausbildung der Bauern. Deren Wissen gelte es, viel stärker als bisher einzubeziehen.

Der neue Denkanstoß der FAO wirkt wie der Versuch, die zerstrittenen Fraktionen der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft zu einer Synthese zu bringen. Offensichtlich sind dabei viele Erkenntnisse des Weltagrarberichtes von 2008 eingeflossen, der lange auf reichlich Skepsis stieß. Vielleicht wollte der FAO-Präsident Jaques Diouf mit "Save and Grow" noch einmal ein großes Ausrufezeichen an das Ende seiner Amtszeit setzen; Ende Juni soll sein Nachfolger gewählt werden. Den Regierungen der G20 jedenfalls ist der Bericht zur Lektüre zu empfehlen, ehe sie in der kommenden Woche zu ihrem Agrargipfel zusammenkommen.

 
Leser-Kommentare
  1. Tomaten müssen eine satte Farbe haben und dürfen auf keinen Fall ein Fleck und Unebenheiten haben. Geschmacksergebnis: Neutral.

    Das gleiche gilt für alle Naturprodukte. Also wird gespritzt was die Spritze hergibt.

    Ich liebe diese länglichen Tomaten aus Italien vom Markt mit Flecken und Unebenheiten. Ihr Geschmack und Aroma ist unübertrefflich.

    Warum muss "man" zu jeder Jahreszeit jedes Obst und Gemüse haben? Erdbeeren zu Weihnachten.

    Umdenken muss nicht nur bei den Erzeugern sondern auch den Verbrauchern stattfinden.

    12 Leser-Empfehlungen
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    In unserem Wirtschaftssystem gibt es exakt einen Punkt, auf den alle achten: der Preis.

    Solange es billig ist, wird es gekauft.

    Die sinkende Kaufkraft der Deutschen in den letzten Jahren war dem Umdenken nicht sonderlich zuträglich. Umdenken ist ein Luxus, den sich momentan nur die reichere Hälfte der Bevölkerung leisten kann.

    In unserem Wirtschaftssystem gibt es exakt einen Punkt, auf den alle achten: der Preis.

    Solange es billig ist, wird es gekauft.

    Die sinkende Kaufkraft der Deutschen in den letzten Jahren war dem Umdenken nicht sonderlich zuträglich. Umdenken ist ein Luxus, den sich momentan nur die reichere Hälfte der Bevölkerung leisten kann.

  2. Der Fokus auf den Schutz der Böden macht Sinn. Denn nur so sind nachhaltig steigende Erträge zu erwarten. Und die werden gebraucht!

    Eine regional angepasste Wirtschaftsweise macht nicht minder Sinn. Jeder Landwirt bei uns weiß, dass jedes erfolgreiche Wirtschaften einschließlich der Frage, was überhaupt erzeugt werden soll und mit welchen Sorten, sich strikt an den konkreten Standortverhältnissen orientieren muss.

    Mich wundert, dass uns dies nun als neue Erkenntnis, ja geradezu als Paradigmenwechsel, verkauft werden soll. Wenn in den Entwicklungsländern bisher zu wenig nach solchen Grundsätzen gewirtschaftet wurde, dann kann dies eigentlich nur auf ein ausgeprägtes Bildungsdefizit der Landbevölkerung zurückgeführt werden. Intelligente Landwirtschaft verlangt Profis mit viel Kompetenz. Vielleicht muss genau dort schwerpunktmäßig angesetzt werden.

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    > Intelligente Landwirtschaft verlangt Profis mit viel Kompetenz. <

    Im Mittelalter haben die Bauern auch ohne Hochschulabschluss schon gewusst, dass sie auf einem Feld nicht immer das gleiche anbauen können ohne den Boden auszulaugen.

    Hier geht geht es primär um Angebot und Nachfrage. Ein Bauer heute wird versuchen nur das anzubauen was den meisten Profit verspricht. Was nützt ihm ein zur Ernte anstehendes Feld wenn er das Ergebnis nicht oder unter dem Erzeugerpreis verkaufen muss?

    Ich bin vor etwa vier Wochen nach Neuruppin gefahren. Bis zum Horizont alles gelb. Ist zwar etwas übertrieben, aber das genau zeigt das was mit Angebot und Nachfrage zu tun hat. Auch für den Biosprit wird angebaut ohne Ende.

    Darum geht es auch.

    Die Unterstellung, die Landbevölkerung hätte ein ausgeprägtes Bildungsdefizit, gepaart mit der Feststellung, das unserer Landwirte Bescheid wüssten, ist - gelinde gesagt - eine etwas eingeengte Sichtweise. Insgesamt kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das nur Teile des Artikels reflektiert werden. Es geht nicht um Böden und deren Bestellung. Es geht um die Wiederherstellung und Wahrung eines komplexen Öko-SYSTEMS. Es geht um die Rückkehr zu den natürlichen Wechselwirkungen der Natur mit der Vielfalt von Flora und Fauna. Da haben auch manche UNSERER Landwirte noch Lernfelder.

    Diese Rückkehr als Paradigmenwechsel zu bezeichnen ist nicht fragwürdig: Es ist bezeichnend.

    Wie auf dem Bild zum Artikel sehen ist verteilt der Bauer Pflanzenreste auf seinem Grund, er mulcht. Das hilft gegen Bodenerosion. Früher hätte er es wahrscheinlich getrocknet und sein Feuer damit entzündet.
    Gentechnik können sich diese Leute nicht leisten und es würde sie abhängig machen und letztendlich auch uns weil viele Sorten, die als Gendepot dienen aussterben würden.
    Meines Erachtens ist wichtig, die neuesten, nein die praxisbewährten Erkenntnisse des ökologisch nachhaltigen Landbaus den Bauern nahezubringen, die im Versteppungsgebiet leben.
    Dazu gehört natürlich auch eine Forschung im Bereich der C4-Pflanzen.

    > Intelligente Landwirtschaft verlangt Profis mit viel Kompetenz. <

    Im Mittelalter haben die Bauern auch ohne Hochschulabschluss schon gewusst, dass sie auf einem Feld nicht immer das gleiche anbauen können ohne den Boden auszulaugen.

    Hier geht geht es primär um Angebot und Nachfrage. Ein Bauer heute wird versuchen nur das anzubauen was den meisten Profit verspricht. Was nützt ihm ein zur Ernte anstehendes Feld wenn er das Ergebnis nicht oder unter dem Erzeugerpreis verkaufen muss?

    Ich bin vor etwa vier Wochen nach Neuruppin gefahren. Bis zum Horizont alles gelb. Ist zwar etwas übertrieben, aber das genau zeigt das was mit Angebot und Nachfrage zu tun hat. Auch für den Biosprit wird angebaut ohne Ende.

    Darum geht es auch.

    Die Unterstellung, die Landbevölkerung hätte ein ausgeprägtes Bildungsdefizit, gepaart mit der Feststellung, das unserer Landwirte Bescheid wüssten, ist - gelinde gesagt - eine etwas eingeengte Sichtweise. Insgesamt kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das nur Teile des Artikels reflektiert werden. Es geht nicht um Böden und deren Bestellung. Es geht um die Wiederherstellung und Wahrung eines komplexen Öko-SYSTEMS. Es geht um die Rückkehr zu den natürlichen Wechselwirkungen der Natur mit der Vielfalt von Flora und Fauna. Da haben auch manche UNSERER Landwirte noch Lernfelder.

    Diese Rückkehr als Paradigmenwechsel zu bezeichnen ist nicht fragwürdig: Es ist bezeichnend.

    Wie auf dem Bild zum Artikel sehen ist verteilt der Bauer Pflanzenreste auf seinem Grund, er mulcht. Das hilft gegen Bodenerosion. Früher hätte er es wahrscheinlich getrocknet und sein Feuer damit entzündet.
    Gentechnik können sich diese Leute nicht leisten und es würde sie abhängig machen und letztendlich auch uns weil viele Sorten, die als Gendepot dienen aussterben würden.
    Meines Erachtens ist wichtig, die neuesten, nein die praxisbewährten Erkenntnisse des ökologisch nachhaltigen Landbaus den Bauern nahezubringen, die im Versteppungsgebiet leben.
    Dazu gehört natürlich auch eine Forschung im Bereich der C4-Pflanzen.

  3. Ich bin zwar kein Experte auf dem Gebiet, aber das klingt für mich recht vernünftig.
    Regionale Anpassung hat außerdem den Vorteil größerer Widerstandsfähigkeit durch mehr Vielfalt. Monokulturen sind in dieser Hinsicht immer problematisch, nicht nur in der Landwirtschaft.
    Die Frage ist nun noch, ob sich die Vernunft im Zusammenspiel der vielen Akteure mit verschiedenen Interessen durchsetzen kann. Das ist eine politische Aufgabe.

  4. > Intelligente Landwirtschaft verlangt Profis mit viel Kompetenz. <

    Im Mittelalter haben die Bauern auch ohne Hochschulabschluss schon gewusst, dass sie auf einem Feld nicht immer das gleiche anbauen können ohne den Boden auszulaugen.

    Hier geht geht es primär um Angebot und Nachfrage. Ein Bauer heute wird versuchen nur das anzubauen was den meisten Profit verspricht. Was nützt ihm ein zur Ernte anstehendes Feld wenn er das Ergebnis nicht oder unter dem Erzeugerpreis verkaufen muss?

    Ich bin vor etwa vier Wochen nach Neuruppin gefahren. Bis zum Horizont alles gelb. Ist zwar etwas übertrieben, aber das genau zeigt das was mit Angebot und Nachfrage zu tun hat. Auch für den Biosprit wird angebaut ohne Ende.

    Darum geht es auch.

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    ... dass seine Erträge nicht sinken und der Boden fruchtbar bleibt. Auch wenn natürlich jeder für den Markt produziert. Für was sonst?

    Warum hatten wir Butterberge, Fleischberge usw. wer erinnert sich ??
    Unmündige haben EU Regeln aufgestellt, so dass man von Süddeutschland
    bis Toulon nur Maisfelder sah, im nächsten Jahr nur Sonnenblumen,
    in einem Jahr sah man überall Schweine usw. Monokultur und
    Mißwirtschaft wurde nicht erwähnt. Die dummen Schweine sah sah man aber nicht, die das veranlasst haben.
    Da frage ich mich schon lange, wessen Geistes Kind sind die EU Politiker, sogenannte Doktoren und andere. Da fehlt doch etwas, was
    das ist kann jeder selbst prüfen und feststellen. Mir ist es klar.
    Fehlende Honorare sind es auf keinen Fall, die sind ergiebig.

    ... dass seine Erträge nicht sinken und der Boden fruchtbar bleibt. Auch wenn natürlich jeder für den Markt produziert. Für was sonst?

    Warum hatten wir Butterberge, Fleischberge usw. wer erinnert sich ??
    Unmündige haben EU Regeln aufgestellt, so dass man von Süddeutschland
    bis Toulon nur Maisfelder sah, im nächsten Jahr nur Sonnenblumen,
    in einem Jahr sah man überall Schweine usw. Monokultur und
    Mißwirtschaft wurde nicht erwähnt. Die dummen Schweine sah sah man aber nicht, die das veranlasst haben.
    Da frage ich mich schon lange, wessen Geistes Kind sind die EU Politiker, sogenannte Doktoren und andere. Da fehlt doch etwas, was
    das ist kann jeder selbst prüfen und feststellen. Mir ist es klar.
    Fehlende Honorare sind es auf keinen Fall, die sind ergiebig.

  5. Dieser sehr wichtige Artikel und Inhalt dürften alsbald wieder von dieser Homepage wie überhaupt in den News verschwunden sein. Obwohl das Thema neben Klimaveränderungen vielleicht das wichtigste für die ganze Menschheit in den kommenden Jahrzehnten sein wird.

    Statt dessen können wir uns jeden Tag im Fernsehen über jede Menge Soapoperas & Fußball erfreuen.

    Wann setzen Medien, v.a. das Fernsehen, einen anderen Akzent?

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    Sobald die Masse der Bevölkerung sich den wichtigen Themen zuwendet und den Sport- und Seifenoper- Sendungen fern bleibt. Man sollte die Fehler nicht immer nur bei den Anderen vermuten.

    Sobald die Masse der Bevölkerung sich den wichtigen Themen zuwendet und den Sport- und Seifenoper- Sendungen fern bleibt. Man sollte die Fehler nicht immer nur bei den Anderen vermuten.

  6. ... dass seine Erträge nicht sinken und der Boden fruchtbar bleibt. Auch wenn natürlich jeder für den Markt produziert. Für was sonst?

    Antwort auf "Angebot und Nachfrage"
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    • Varech
    • 14.06.2011 um 21:58 Uhr

    Von Alters her nehmen sich Stadt- und Büromenschen heraus, Landwirte in gute und schlechte zu unterteilen. Viele übernehmen das einfach so, ohne gross X gedacht zu haben. Kann jedem passieren.

    Wenn ich von "guten" Landwirten lese, erfüllt mich das jedes Mal mit Grausen. Ich weiss aus eigener Anschauung, mit welcher Arroganz und Brutalität den "Schlechten" buchstäblich ans Leben gegangen wird.

    Die, die heute schnell noch kurz vor dem Ruhestand Bruchstücke alten Wissens aus ihren Schubladen kramen, und die, die das dann in ihrem Kramladen als die letzten Neuigkeiten verkaufen, werden wieder mal zum Unterhalt der Welt nichts beitragen.

    Hier wurde online (Flatterleine?), richtig herzbewegend unter der Rubrik Wirtschaft über Landwirtschaft geschrieben. Man kann sich wie in der Wirtschaft an seinem angestammten Platz fühlen. Kühle Diskussion, wie ein Bierchen.

    Mein Eindruck ist, das die grosse und kleine Politik, wie auch die öffentliche und die veröffentlichte Meinung noch meilenweit davon entfernt sind, die ganze Komplexität der Probleme des Überlebens der Art Mensch in ihrer biologischen Umwelt 1. zu verstehen und 2. zu meistern.

    Und dies nur als kleiner Denkanstoss: Die Guten wie die Schlechten tun genau das, was sie für das Optimale halten. Nur, wenn ich auf dem Foto zum Artikel "einen indischen Bauern" sehe, wie er mit blossen Händen Stroh durch die Luft wirft, dann fehlt mir doch der Glaube an den Sachverstand des Boten, frei nach Goethe.

    Nichts für ungut!

    • Varech
    • 14.06.2011 um 21:58 Uhr

    Von Alters her nehmen sich Stadt- und Büromenschen heraus, Landwirte in gute und schlechte zu unterteilen. Viele übernehmen das einfach so, ohne gross X gedacht zu haben. Kann jedem passieren.

    Wenn ich von "guten" Landwirten lese, erfüllt mich das jedes Mal mit Grausen. Ich weiss aus eigener Anschauung, mit welcher Arroganz und Brutalität den "Schlechten" buchstäblich ans Leben gegangen wird.

    Die, die heute schnell noch kurz vor dem Ruhestand Bruchstücke alten Wissens aus ihren Schubladen kramen, und die, die das dann in ihrem Kramladen als die letzten Neuigkeiten verkaufen, werden wieder mal zum Unterhalt der Welt nichts beitragen.

    Hier wurde online (Flatterleine?), richtig herzbewegend unter der Rubrik Wirtschaft über Landwirtschaft geschrieben. Man kann sich wie in der Wirtschaft an seinem angestammten Platz fühlen. Kühle Diskussion, wie ein Bierchen.

    Mein Eindruck ist, das die grosse und kleine Politik, wie auch die öffentliche und die veröffentlichte Meinung noch meilenweit davon entfernt sind, die ganze Komplexität der Probleme des Überlebens der Art Mensch in ihrer biologischen Umwelt 1. zu verstehen und 2. zu meistern.

    Und dies nur als kleiner Denkanstoss: Die Guten wie die Schlechten tun genau das, was sie für das Optimale halten. Nur, wenn ich auf dem Foto zum Artikel "einen indischen Bauern" sehe, wie er mit blossen Händen Stroh durch die Luft wirft, dann fehlt mir doch der Glaube an den Sachverstand des Boten, frei nach Goethe.

    Nichts für ungut!

  7. Solange es einer übergroßen Mehrheit an Verbrauchern wie Produzenten nur noch um die Gewinnmaximierung geht, wird sich an dem seit Jahren eingeschlagenen Weg rein gar nichts ändern. Somit muss die Show noch eine gute Weile so weiter gehen. Unser überaus großer Hunger nach Energie zeigt auf wohin es geht: mit Biogasanlagen haben die Bauern ein Auskommen mit dem Einkommen, mit der Produktion von Lebensmitteln nicht. Doch wer stoppt den Wahnsinn? Der Entwurf der Welternährungsorganisation jedenfalls erklärt uns die Landwirtschaft neu, doch wie ein Kommentator/in erklärt, ist das schon seit Jahrhunderten bekannt. So läuft auch diese Aktion nach dem Motto: die wahren Helden sind die Geschichtenerzähler und der Sinngehalt ist der: wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

    Einen schönen Abend noch wünscht Ihnen Pfifferli aus Oberbayern

    • MyBaum
    • 14.06.2011 um 21:00 Uhr

    Leider wird Frau Grefe dann auch bei dem Thema Gentechnik andere Töne anschlagen müssen. Herbizidresistente Kulturen bieten den derzeit besten Weg bodenschonend zu wirtschaften.

    Im übrigen kann von einem Paradigmenwechsel keine Rede sein. Leute wie Frau Grefe tun immer so, als wüsste der Laie (sie selbst eingeschlossen) besser, was zu tun sei, als der Profi. Bei dem Thema Landwirtschaft und Ernährung mischt sich jeder mit seiner Privatmeinung ein und drückt das Niveau noch unter den Stammtisch. Das was in den FAO Veröffentlichungen steht ist selten wirklich neu, oder interessant. Meist wird dort nur die Literatur der letzten Jahre ein wenig subsummiert.
    Es wäre schön, wenn Frau Grefe und ihre Kollegen für längere Zeit in Klausur gehen würden, um sich echtes Hintergrundwissen anzueignen. Und es wäre schön, wenn nicht immer irgendwelche Politik- und Sozialwissenschaftler die Integrität der Naturwissenschaften anzweifeln würden mit fehlgeleiten Kommentaren. Vielleicht gewinnt dann auch der Verbraucher wieder mehr Vertrauen in wissenschaftlichen Fortschritt, statt sich auf steinersche Esoterik zu verlegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in Klausur. Gentech nur wegen bodenschonender Maßnahmen anzuwenden wäre zu einseitig und daher altertümlich gedacht. Agrarwissenschaftlich gesehen ist das ganze ein wenig komplexer und es gibt keine Haurucklösung. Leider werden die meisten Experten auf diesem Gebiet unterbezahlt im Gegensatz z.B. zu Kornspekulanten.

    ... soll bodenschonend sein?

    Bes. in Südamerika werden monokulturmäßig z. B. Gv- Soja angebaut. Die eingesetzten Herbizide (z. B. Glyphosat; *Roundup*) bzw. deren Metabolide, deren Wirkungen sowieso kaum erforscht sind, dringen in Böden und Grundwasser ein und Fruchtbarkeitsstörungen beim Menschen (Mißbildungen) wurden bereits nachgewiesen (Argentinien), sind also nicht mehr hypotetisch. In USA, wo beim Baumwollanbau ähnliches praktiziert wird, haben sich resistente *Unkräuter* (*Pigweed*) entwickelt, die die Nutzung von mittlerweile 40 000 ha unmöglich machen. Mais mit eigebautem BT- Toxin steht im Verdacht, nicht nur die "Zielorganismen zu schädigen...

    • zyx99
    • 18.10.2011 um 22:16 Uhr

    Herbizidresistente Sorten lassen Beikräuter auch resistent werden. Guck die mal die USA an, wie viele resistente Beikräuter es da schon gibt! Und ein Landwirt der intelligent ist und sich gedanken macht und keine Überfahrt, bzw Saatgutkosten scheut bekommt auch solche Plagen wie die Quecke in den Griff. Ne schöne Untersaat mit hoher Konkurrenzkraft, und in 5cm Tiefe an einem warmen trockenem Frühlingstag die Quecke Abhobeln, so dass möglichst wenig Wurzel mit dem Photossynthese treibenden Organ verbunden ist, und die Quecke wird zurückgehen.

    Es gibt gute Wege, die offenbart aber nicht die Agroindustrie.

    in Klausur. Gentech nur wegen bodenschonender Maßnahmen anzuwenden wäre zu einseitig und daher altertümlich gedacht. Agrarwissenschaftlich gesehen ist das ganze ein wenig komplexer und es gibt keine Haurucklösung. Leider werden die meisten Experten auf diesem Gebiet unterbezahlt im Gegensatz z.B. zu Kornspekulanten.

    ... soll bodenschonend sein?

    Bes. in Südamerika werden monokulturmäßig z. B. Gv- Soja angebaut. Die eingesetzten Herbizide (z. B. Glyphosat; *Roundup*) bzw. deren Metabolide, deren Wirkungen sowieso kaum erforscht sind, dringen in Böden und Grundwasser ein und Fruchtbarkeitsstörungen beim Menschen (Mißbildungen) wurden bereits nachgewiesen (Argentinien), sind also nicht mehr hypotetisch. In USA, wo beim Baumwollanbau ähnliches praktiziert wird, haben sich resistente *Unkräuter* (*Pigweed*) entwickelt, die die Nutzung von mittlerweile 40 000 ha unmöglich machen. Mais mit eigebautem BT- Toxin steht im Verdacht, nicht nur die "Zielorganismen zu schädigen...

    • zyx99
    • 18.10.2011 um 22:16 Uhr

    Herbizidresistente Sorten lassen Beikräuter auch resistent werden. Guck die mal die USA an, wie viele resistente Beikräuter es da schon gibt! Und ein Landwirt der intelligent ist und sich gedanken macht und keine Überfahrt, bzw Saatgutkosten scheut bekommt auch solche Plagen wie die Quecke in den Griff. Ne schöne Untersaat mit hoher Konkurrenzkraft, und in 5cm Tiefe an einem warmen trockenem Frühlingstag die Quecke Abhobeln, so dass möglichst wenig Wurzel mit dem Photossynthese treibenden Organ verbunden ist, und die Quecke wird zurückgehen.

    Es gibt gute Wege, die offenbart aber nicht die Agroindustrie.

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