Euro-Krise Helft uns Griechen, aber richtig!

Europa will die Gläubiger meines Landes überzeugen, neue Schulden freiwillig zu übernehmen. Eine nutzlose Idee. Es gibt bessere.

Europa kämpft darum, einer Falle zu entkommen, die sich die Staatengemeinschaft selbst gestellt hat. Anfang 2010 wurde zweierlei offenbar: In den Bilanzen der Banken liegen öffentliche und private Schuldentitel, die dramatisch an Wert verloren haben. Und: Einige Länder der Euro-Zone, allen voran Griechenland, stehen kurz vor dem Bankrott.

In den folgenden Monaten entschied sich Europa dafür, die schlechte Verfassung des Bankensektors zu ignorieren, Griechenlands Insolvenz wie eine Liquiditätskrise zu behandeln und dem Land einen Sparkurs zu verordnen. Das alles hat die Krise noch verschärft.

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Yanis Varoufakis
Yanis Varoufakis

Er ist Leiter des Fachbereichs politische Ökonomie an der Universität von Athen und Blogger.

Die Entwicklung hat uns gelehrt, dass der bisherige Kurs zu nichts führt. Im Gegenteil: Griechenland steckt noch tiefer in der Krise. Nicht, weil die verabreichte Medizin die falsche war oder weil sie falsch eingenommen wurde. Nein, die Medizin war hochgiftig und hatte fürchterliche Nebenwirkungen auf den gesamten europäischen Bankensektor.

Doch anstatt den Fehler einzusehen und einen neuen Kurs einzuschlagen, versucht sich Europa an einer Lösung, die sich an der Wiener Initiative orientiert. Die Euro-Staaten glauben, sie könnten Griechenlands größte Gläubiger überzeugen, freiwillig neue griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von sieben Jahren zu kaufen, sobald die alten auslaufen. Die Betonung liegt auf dem Wort freiwillig. Zwingt man die Gläubiger zu diesem Tausch, werden die Rating-Agenturen die Bonität Griechenlands auf "D" herabstufen. D wie Default, auf Deutsch: Pleite. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. Die Folge wäre eine Kaskade von Bankenpleiten in Europa.

Soweit ist es in der Euro-Krise gekommen: Nun streiten wir schon über die Definition des Wortes freiwillig. Philosophen und Linguisten hätten ihre wahre Freude daran. Sicher ist derweil: Kein Gläubiger, der bei vollem Verstand ist, wird sich dazu entscheiden, neue griechische Anleihen mit langer Laufzeit gegen alte einzutauschen. Wenn es sich also um eine echte Freiwilligkeit handelt, wird nur ein winziger Anteil der Schulden wirklich verlängert. Die ganze Aktion wäre sinnlos.

Die Alternative: Den Gläubigern werden zusätzliche Anreize geboten, neue griechische Staatsanleihen zu zeichnen. Ganz im Sinne der Mafia: "Wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können." Wie diese Anreize aussehen könnten, wird gerade verhandelt. 

Leser-Kommentare
    • LeMans
    • 16.06.2011 um 18:22 Uhr

    aber in Ihrem Aufsatz ist nicht in einer Silbe davon die Rede, was denn die Griechen tun wollen, um die Pleite abzuwenden.

    20 Leser-Empfehlungen
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    Kann die griechische Bevölkerung überhaupt irgendetwas tun? Können wir etwas tun? Die griechische Staatspleite ist unabwendbar - mit allen Folgen. Und zahlen werden nicht die Verantwortlichen in den Banken und in der Politik - zahlen werden die Bürger. Es ist abzusehen, dass nach dem politischen und ökonomischen Zusammenbruch Griechenland in einen langen Bürgerkrieg schlittern wird. Brandstifter sind bereits zur Genüge da.

    • Zack34
    • 16.06.2011 um 22:07 Uhr

    oder in Deutschland vor einigen Jahren (als BRD noch wiederholt die 3%-Marke an Staatsdefizit überschritten und über 5Millionen Arbeitslose hatte) wenn auch nur ein Zehntel dessen an Maßnahmen eingeleitet worden wären, die in Griechenland längst auf den Bürgern lasten, dann hätte es damals eine Revolution 2.0 gegeben.

    Ergo, entweder Sie haben rein gar nichts von den bisherigen griechischen Maßnahmen mitbekommen, oder... Kurzrum: diese, von IWF verordneten Maßnahmen haben bereits auch den Rest der griech. Wirtschaft erwürgt, und zu einem weiteren Verlust an ohnehin mickrigen Steuereinnahmen geführt, wovor einige mit IWF-Erfahrung rechtzeitig gewarnt haben...

    Es gibt de facto nichts mehr, was Griechenland selbst tun kann, angesichts des Zeitdrucks. Außer vielleicht das eigene Territorium, d.h. die vielen Inseln zu verkaufen.

    Hellas!

    Kann die griechische Bevölkerung überhaupt irgendetwas tun? Können wir etwas tun? Die griechische Staatspleite ist unabwendbar - mit allen Folgen. Und zahlen werden nicht die Verantwortlichen in den Banken und in der Politik - zahlen werden die Bürger. Es ist abzusehen, dass nach dem politischen und ökonomischen Zusammenbruch Griechenland in einen langen Bürgerkrieg schlittern wird. Brandstifter sind bereits zur Genüge da.

    • Zack34
    • 16.06.2011 um 22:07 Uhr

    oder in Deutschland vor einigen Jahren (als BRD noch wiederholt die 3%-Marke an Staatsdefizit überschritten und über 5Millionen Arbeitslose hatte) wenn auch nur ein Zehntel dessen an Maßnahmen eingeleitet worden wären, die in Griechenland längst auf den Bürgern lasten, dann hätte es damals eine Revolution 2.0 gegeben.

    Ergo, entweder Sie haben rein gar nichts von den bisherigen griechischen Maßnahmen mitbekommen, oder... Kurzrum: diese, von IWF verordneten Maßnahmen haben bereits auch den Rest der griech. Wirtschaft erwürgt, und zu einem weiteren Verlust an ohnehin mickrigen Steuereinnahmen geführt, wovor einige mit IWF-Erfahrung rechtzeitig gewarnt haben...

    Es gibt de facto nichts mehr, was Griechenland selbst tun kann, angesichts des Zeitdrucks. Außer vielleicht das eigene Territorium, d.h. die vielen Inseln zu verkaufen.

    Hellas!

  1. Eurobonds bedeutet übersetzt eine gigantische Transferunion wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Wir haften dann in unbegrenzter Höhe für Staaten, dessen Politik wir in keinster Weise beeinflussen können und auch nicht wollen.
    Davon abgesehen, dass ich bezweifle, dass dies mit dem Grundgesetz vereinbar ist (wobei die jetzigen Hilfen das genausowenig sind)kann man die parlamentarische Demokratie in ihrer jetzigen Form danach begraben.

    19 Leser-Empfehlungen
  2. Eurobonds dienen ja nur dazu, dass Griechenland die selben Zinsen hat wie Deutschland. Hatten wir das nicht schonmal durch die Euroeinführung? Das Ergebnis sehen wir jetzt. Kann die ZEIT bitte endlich aufhören solche dümmlichen Forderungen zu drucken und sich etwas kritischer mit dem Thema beschäftigen?

    13 Leser-Empfehlungen
  3. entweder findet man eine loesung um die banken zu retten, weil's nur darum geht, oder laesst man es sein...ich kann das thema nicht mehr hoeren.
    wenn deutschland sich so gross fuehlt, was eigentlich nicht ist, soll die banken retten, und dann hat sich's.
    wenn es nicht kann, soll es sein lassen und nicht die grossmacht ohne kosten spielen.
    populismus ist schoen, aber auf dauer langweilig.

  4. Ich lese den Blog von Yanis Varoufakis seit 2 Wochen,
    und ich glaube, der Artikel ist von der ZEIT sehr zusammengekürzt worden, auf eine Weise, die dem komplexen Thema einfach nicht gebührt.
    Y. Varoufakis schreibt in seinem Blog wahre fachspezifische Aufsätze zur griech. Tragödie, besser ist es also, sich dort mal einzulesen, wenn man interessiert ist:

    http://yanisvaroufakis.eu/

    Beste Grüsse!

  5. FDIC warnt vor EU- und System-Crash

    US-Aufsicht "sehr besorgt" um Stabilität europäischer Banken. Die europäischen Geldhäuser drohen nach Einschätzung der FDIC die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr zu bringen.

    http://www.mmnews.de/inde...

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    • Matths
    • 16.06.2011 um 18:50 Uhr

    Warum schreibt eine eine US-Aufsicht sowas in Zeiten, wo die USA selbst gerade Tage vor der Zahlungsunfähigkeit stehen?

    Jede Warnung sollte ernst genommen werden und es ist sicher auch an dieser etwas dran. Doch es gibt da sicherlich noch einen Hintergrund.

    Gruß,

    matths

    • Matths
    • 16.06.2011 um 18:50 Uhr

    Warum schreibt eine eine US-Aufsicht sowas in Zeiten, wo die USA selbst gerade Tage vor der Zahlungsunfähigkeit stehen?

    Jede Warnung sollte ernst genommen werden und es ist sicher auch an dieser etwas dran. Doch es gibt da sicherlich noch einen Hintergrund.

    Gruß,

    matths

    • Matths
    • 16.06.2011 um 18:50 Uhr

    Warum schreibt eine eine US-Aufsicht sowas in Zeiten, wo die USA selbst gerade Tage vor der Zahlungsunfähigkeit stehen?

    Jede Warnung sollte ernst genommen werden und es ist sicher auch an dieser etwas dran. Doch es gibt da sicherlich noch einen Hintergrund.

    Gruß,

    matths

  6. Im Gegenzug gäbe die Zentralbank Eurobonds aus!

    Und wir, die eh schon rekordverschuldeten Deutschen, die ihrer eigenen Finanzen nicht mehr Herr werden, sollen dann noch teurer Geld aufnehmen, um Pleitestaaten durchzufüttern?

    Dieser Vorschlag hat einen negativen Beigeschmack für Deutschland, freundlich formuliert. Als Ökonom weiß der Autor, daß schädigend wohl eher der Fall ist.

    Konjunkturprogramm für die Krisenstaaten? Bedeutet????
    Transferzahlungen aus Deutschland! Was haben wir denn seit Jahren mit Griechenland gemacht? Ein Milliardenloch für Steuergelder, durch EU Subventionen, sprich deutsches Geld. Da sind wir mit einem Konjunkturprogramm wieder genau am ANFANG. Machen wir jetzt hier einen Gordischen Knoten auf, oder wie? Lösung bekannt.

    Einem Ökonom ist ein solches unökonomisches Vorgehen eigentlich zutiefst zuwider.

    Letzte Frage. Ein Ökonom ist immer auch Stratege, was ist denn die Exitstrategie? Warum wird die letzte annehmbarste Wahrscheinlichkeit nicht genannt? Griechenland pleite, Euro dauerhaft defekt und Weltwirtschaft im Eimer? Was dann?

    10 Leser-Empfehlungen
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    • thawn
    • 16.06.2011 um 21:35 Uhr

    Zitat: "Letzte Frage. Ein Ökonom ist immer auch Stratege, was ist denn die Exitstrategie? Warum wird die letzte annehmbarste Wahrscheinlichkeit nicht genannt? Griechenland pleite, Euro dauerhaft defekt und Weltwirtschaft im Eimer? Was dann?"

    Die Weltwirtschaft ist schon spätestens seit 2007 im Eimer, als die Schuldenkrise in den USA losging. Bis Heute will das nur keiner wahr haben. Das Problem ist der Finanzmarkt an sich, wo Geld mehr Geld erzeugt, ohne einen echten Mehrwert zu schaffen.

    Daher wüsste ich auch gerne "was dann", denn dieser Fall wird eintreten und ich habe keine Ahnung wie ich mich darauf Vorbereiten soll. Gold, Zigaretten und Konserven bunkern, ne Knarre anschaffen und Grundbesitz auf Pump kaufen?

    Nicht die Schulden sind das Problem, sondern die Zinsen.
    Der Lehrer von Alexander dem Großen, es war Aristoteles, hat schon die Zinsen als ungerechtfertigt angesehen.
    Alexander zerschlug den Knoten, den er nicht lösen konnte.
    Wir sollten die Zinsen zerschlagen. Europa sollte so selbstbewußt sein sich sein Geld so zu konstruieren, dass keine Zinsen für Kredite verlangt werden können. Die Rating-Agenturen werden das nicht verstehen, aber warum sollte uns das dann noch stören?

    Sie glauben das ginge nicht?

    Schauen Sie in der Geschichte des Geldes nach, wie oft es schon funktioniert hat. Es wurde nur jedesmal von Monarchen, oder Bankiers hintertrieben. Die haben nicht das Wohl der Bevölkerung im Sinn, sondern nur ihren eigenen Profit.
    Leben wir eigentlich in einer Demokratie, oder lassen wir uns von den Bankiers für immer und ewig bevormunden?

    Die inzwischen über 2 Billionen Euro Schulden, die Deutschland hat, sind zum allergrößten Teil entstanden, weil der Staat noch nie in der Lage war die Zinsen zu bezahlen und dafür neue Kredite aufnehmen mußte. Ohne die Zinsen hätte Deutschland ganze 30 Millarden Euro Schulden.
    So haben wir nur die Vermögenden noch reicher gemacht und füttern sie weiter mit den Zinsen.
    Nicht nur für Griechenland wäre das die ideale Lösung, sondern auch für alle anderen Staaten der EU, denn alle sind bis über die Halskrause verschuldet, nicht nur PIGS.

    • thawn
    • 16.06.2011 um 21:35 Uhr

    Zitat: "Letzte Frage. Ein Ökonom ist immer auch Stratege, was ist denn die Exitstrategie? Warum wird die letzte annehmbarste Wahrscheinlichkeit nicht genannt? Griechenland pleite, Euro dauerhaft defekt und Weltwirtschaft im Eimer? Was dann?"

    Die Weltwirtschaft ist schon spätestens seit 2007 im Eimer, als die Schuldenkrise in den USA losging. Bis Heute will das nur keiner wahr haben. Das Problem ist der Finanzmarkt an sich, wo Geld mehr Geld erzeugt, ohne einen echten Mehrwert zu schaffen.

    Daher wüsste ich auch gerne "was dann", denn dieser Fall wird eintreten und ich habe keine Ahnung wie ich mich darauf Vorbereiten soll. Gold, Zigaretten und Konserven bunkern, ne Knarre anschaffen und Grundbesitz auf Pump kaufen?

    Nicht die Schulden sind das Problem, sondern die Zinsen.
    Der Lehrer von Alexander dem Großen, es war Aristoteles, hat schon die Zinsen als ungerechtfertigt angesehen.
    Alexander zerschlug den Knoten, den er nicht lösen konnte.
    Wir sollten die Zinsen zerschlagen. Europa sollte so selbstbewußt sein sich sein Geld so zu konstruieren, dass keine Zinsen für Kredite verlangt werden können. Die Rating-Agenturen werden das nicht verstehen, aber warum sollte uns das dann noch stören?

    Sie glauben das ginge nicht?

    Schauen Sie in der Geschichte des Geldes nach, wie oft es schon funktioniert hat. Es wurde nur jedesmal von Monarchen, oder Bankiers hintertrieben. Die haben nicht das Wohl der Bevölkerung im Sinn, sondern nur ihren eigenen Profit.
    Leben wir eigentlich in einer Demokratie, oder lassen wir uns von den Bankiers für immer und ewig bevormunden?

    Die inzwischen über 2 Billionen Euro Schulden, die Deutschland hat, sind zum allergrößten Teil entstanden, weil der Staat noch nie in der Lage war die Zinsen zu bezahlen und dafür neue Kredite aufnehmen mußte. Ohne die Zinsen hätte Deutschland ganze 30 Millarden Euro Schulden.
    So haben wir nur die Vermögenden noch reicher gemacht und füttern sie weiter mit den Zinsen.
    Nicht nur für Griechenland wäre das die ideale Lösung, sondern auch für alle anderen Staaten der EU, denn alle sind bis über die Halskrause verschuldet, nicht nur PIGS.

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