IWF-NachfolgeChina reagiert kühl auf IWF-Kandidatin Lagarde

Frankreichs Finanzministerin Lagarde stößt bei ihrer Werbetour für den IWF-Chefposten auf Zurückhaltung. Erst zeigte sich Indien, nun auch China skeptisch.

Nach Indien hat Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde bei ihrer Bewerbungstour für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in China keine offene Unterstützung erhalten. "Wir hatten eine gute Diskussion", sagte der chinesische Außenminister Yang Jiechi nach einem Treffen in Peking.

"Sie hat mir den Zweck ihrer Kandidatur erklärt und ich habe sehr aufmerksam zugehört." Aus seiner Sicht sei das Rennen um den IWF-Chefposten aber "ein offenes Feld", sagte Yang. "Es gibt eine Reihe von Leuten, die sich bewerben." China werde die Personalie vor einer Entscheidung "natürlich ernsthaft überdenken".

Anzeige

Die 53-jährige Lagarde hatte sich auf den IWF-Chefposten beworben, nachdem der bisherige Amtsinhaber aus Frankreich, Dominique Strauss-Kahn, wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetreten war. Traditionell wird die IWF-Spitze von einem Europäer besetzt.

Angesichts des wachsenden Gewichts der Schwellenländer an der Weltwirtschaft sind aber Forderungen nach einer Änderung dieser Regel laut geworden. Ende Mai hatte China zusammen mit Brasilien, Indien, Russland und Südafrika gegen die Tradition der europäischen Besetzung des Chefpostens protestiert. Die sogenannten Brics-Staaten konnten sich aber nicht auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten einigen.

Die auch von Deutschland unterstützte Lagarde gilt angesichts der Stimmengewichte im IWF als Favoritin für die Strauss-Kahn-Nachfolge. Sie hatte jedoch bereits am Dienstag auch von Indien keine offene Unterstützung erhalten. Finanzminister Pranab Mukherjee sagte nach seinem Treffen mit der Französin, aus Sicht Neu Delhis müsse der Spitzenposten auf Grundlage von "Verdiensten" und "Kompetenz" besetzt werden.

Hinzu kommt, dass eine in Frankreich seit Jahren schwelende Affäre um mögliche Veruntreuung öffentlichen Geldes Lagarde offenbar noch länger beschäftigen wird. Ursprünglich hatte am Freitag eine Entscheidung darüber fallen sollen, ob ein Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet wird. Nun verzögert sich die Entscheidung jedoch. In dem Fall geht es um eine mögliche Beihilfe Lagardes zur Veruntreuung öffentlicher Mittel in der Affäre um den Geschäftsmann Bernard Tapie.

Neben Lagarde hat sich auch Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens für den internationalen Spitzenposten beworben. Zum Kandidatenkreis wird außerdem der kasachische Zentralbankchef Grigori Martschenko gezählt. Die Bewerbungsfrist endet am Freitag. Die offizielle Liste mit den Kandidaten soll am 17. Juni veröffentlicht werden. Mit einer endgültigen Entscheidung wird am 30. Juni gerechnet.

 
Leserkommentare
    • Varech
    • 09.06.2011 um 1:52 Uhr

    Na, dann war ich auch schon immer Chinese.

    • wo_ny
    • 09.06.2011 um 1:53 Uhr

    Sie wuerde die IMF besser fuehren als z.B. Strauss Kahn. Mehr als hundert mal.

    Aber der Vorstand "gehoert" nicht den Europaern, obwohl es schade ist, dass nicht mehr Franzosen hohe Posten in den Organisationen haben die ueber Laendergrenzen verbreitet sind.

    Das Amt gehoert den Laendern um den Pazifik Ozean, nicht den viel kleineren und wenig wichtigeren Atlantik.

    Trotzdem kann es noch falsch auslaufen. Die Europaer mit den Amerikaner haben die Mehrheit der Stimmen, die den neuen IMF Chef waehlen.

    In Genscher's Krieg haben die Amerikaner den von ihm angezettelten Krieg fuer ihn gewonnen, gegen das einzige Volk, dass die Alliierten im 2ten Weltkrieg geholfen hatte. Was den Amerikanern nur deswegen die langsame Annaehrung zwischen den US und Russland gekostet hat.

    Mit Lagarde haben die Amerikaner dieselbe Chance, sich die Beziehungen mit Asien (das fuer Amerika hunderte mal wichtiger ist als Europa!)den Fehler zu wiederholen, ihre Beziehungen mit Beijing, Jakarta, KualaLumpur, Dehli etc zu verderben.

    Wie immer, die Europaer hoffen darauf.

    Und fuer sie (leider!) steht viel auf dem Spiel: Ohne Lagarde ist es zu Ende mit dem IMF (dem internationalen Waehrungsfond) als was man ihn ueber die letzten Jahre nur als den EMF (Europaeischen Monetary Fund)verstehen konnte um den Euro zu retten auf Kosten anderer als der Europaer/meistens der Deutschen (die doch letzten Endes die einzigen Europaer sind, sich Griechenland, Portugal, Spanien mit Fuersorge leisten zu koennen).

    3 Leserempfehlungen
  1. USA war Geschichte.

    • joG
    • 09.06.2011 um 10:37 Uhr

    ....Brasilien nun sehen, wie Europa in der Sache Griechenland, Portugal oder Irland handeln und wie irrational sie das Problem mit dem Euro umgehen oder daran denken, dass eine Europäerin in dieser Sache einen Interessenkonflikt.....

    Die müssten nass gepudert sein, einen Europäer in dieser Position zu wollen.

    Antwort auf "Kein Wunder"
    • joG
    • 09.06.2011 um 10:47 Uhr

    ...den Chinesen, Indern oder Brasilianern anbieten? Alle haben die Maastrichter und Lissabonner Verträge unterstützt. Jeder einzelne von ihnen und die Organisationen, denen sie angehören, haben ihr Volk angelogen oder haben die Wirkung der Verträge nicht verstanden. In der wahnsinnigen und verlogenen Rettungsaktion sind sie existentiell Beteiligt und haben eigene und persönliche Interessen. So müssen Die das doch sehen.

    Kann natürlich sein, dass Leute wie C. Roth da unbelastet scheinen. Aber wollen Sie so tief in den Fass greifen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass ich mir auch andere Köpfe vorstellen kann. Es muss doch kein Politiker sein.

    Wer hatte denn von uns einen A.Weber als Präsident der Bundesbank auf dem Zettel als er an die Spitze der Bank wechselte? Wer kannte denn den deutschen IWF-Chef Horst Köhler? Nie wenigsten! Und gerade diese Personen, die niemand auf der Rechnung hatte, die machen meist ihren Job sehr ordentlich.

    Deshalb möchte ich keine Legarde und auch keine C. Roth.

    Deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass ich mir auch andere Köpfe vorstellen kann. Es muss doch kein Politiker sein.

    Wer hatte denn von uns einen A.Weber als Präsident der Bundesbank auf dem Zettel als er an die Spitze der Bank wechselte? Wer kannte denn den deutschen IWF-Chef Horst Köhler? Nie wenigsten! Und gerade diese Personen, die niemand auf der Rechnung hatte, die machen meist ihren Job sehr ordentlich.

    Deshalb möchte ich keine Legarde und auch keine C. Roth.

    • bv_nj
    • 09.06.2011 um 15:54 Uhr

    Woher soll das IMF Geld kommen?

    Oder wuerde fuer Griechenland, Portugal, Spanien usw nicht ein EMF (Europaeischer Fond) besser passen?

    Antwort auf "@ 5 : prozente !"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 09.06.2011 um 19:28 Uhr

    ....dass ein Europäischer Fonds besser scheinen würde.

    Andererseits traue ich den europäischen Politikern und die Bürokratie nicht über den Weg. Da ist es gut, wenn ein Dritter drauf schaut. Da wäre es auch besser, der Chef wäre kein Europäer.

    • joG
    • 09.06.2011 um 19:28 Uhr

    ....dass ein Europäischer Fonds besser scheinen würde.

    Andererseits traue ich den europäischen Politikern und die Bürokratie nicht über den Weg. Da ist es gut, wenn ein Dritter drauf schaut. Da wäre es auch besser, der Chef wäre kein Europäer.

  2. Deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass ich mir auch andere Köpfe vorstellen kann. Es muss doch kein Politiker sein.

    Wer hatte denn von uns einen A.Weber als Präsident der Bundesbank auf dem Zettel als er an die Spitze der Bank wechselte? Wer kannte denn den deutschen IWF-Chef Horst Köhler? Nie wenigsten! Und gerade diese Personen, die niemand auf der Rechnung hatte, die machen meist ihren Job sehr ordentlich.

    Deshalb möchte ich keine Legarde und auch keine C. Roth.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 09.06.2011 um 19:17 Uhr

    ...wirklich ganz gut und scheint aus korrekten Gründen gekündigt zu haben. Ähnlich wie Köhler hätte er aber seinem Land mehr genutzt, hätte er die Sache öffentlich durchgekämpft.

    Natürlich kann man diskutieren, ob man von einem Beamten will, dass er lebenswichtige Problem auspackt, wenn sie der Politik unangenehm sind....

    • joG
    • 09.06.2011 um 19:17 Uhr

    ...wirklich ganz gut und scheint aus korrekten Gründen gekündigt zu haben. Ähnlich wie Köhler hätte er aber seinem Land mehr genutzt, hätte er die Sache öffentlich durchgekämpft.

    Natürlich kann man diskutieren, ob man von einem Beamten will, dass er lebenswichtige Problem auspackt, wenn sie der Politik unangenehm sind....

    • joG
    • 09.06.2011 um 19:17 Uhr

    ...wirklich ganz gut und scheint aus korrekten Gründen gekündigt zu haben. Ähnlich wie Köhler hätte er aber seinem Land mehr genutzt, hätte er die Sache öffentlich durchgekämpft.

    Natürlich kann man diskutieren, ob man von einem Beamten will, dass er lebenswichtige Problem auspackt, wenn sie der Politik unangenehm sind....

    Antwort auf "Nein will ich nicht..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service