Euro-Krise"Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte"

Deutschland muss in der Euro-Krise stärker vermitteln, fordert Ex-Außenminister Kinkel. Die Bundesregierung dürfe den anderen Euro-Ländern nicht nur ihre Forderungen diktieren.

Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel

Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel

ZEIT ONLINE: Herr Kinkel, 1997 gab es große Zweifel, ob der Euro nicht zu früh kommt. Die Ministerpräsidenten Stoiber und Biedenkopf schlugen vor, die Einführung zu verschieben, nur eine Minderheit der Deutschen wollte die gemeinsame Währung. Sie aber kämpften für den pünktlichen Euro-Start und forderten öffentlich, das "Euro-Gegacker" müsse aufhören. Würden Sie heute genauso entscheiden?

Klaus Kinkel: Uneingeschränkt ja. Die Euro-Einführung war wichtig und richtig. Wichtig, weil Europa im Währungssystem mit Dollar und Yen Schritt halten musste. Richtig, weil sie die notwendige währungspolitische Maßnahme zur richtigen Zeit war. Das betrifft besonders die Exportnation Deutschland. Wir profitieren vom Euro, ein Großteil unserer Ausfuhren geht nach Europa. Den Euro zu gefährden, wäre das Dümmste, was wir machen könnten. Deswegen würde ich auch heute vor leichtfertigem Euro- und Europa-Gegacker warnen. Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, ein Symbol der europäischen Integrität.

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ZEIT ONLINE: Sie haben sich damals gegen eine unabhängige EU-Institution ausgesprochen, die Sanktionen gegen Defizitsünder verhängt, weil sie glaubten, die im Stabilitätspakt vorgesehenen Strafen seien drakonisch genug. Ein Fehler?

Kinkel: Die Sanktionsregelungen waren nach unserer damaligen Meinung nach ausreichend. Allerdings ist ihre Anwendung eine politische Frage, die der Ministerrat entscheidet. Da lag in der Vergangenheit der Hase im Pfeffer. Heute würde ich sagen: Nachdenken ist empfehlenswert. Eine Verschärfung des Stabilitätspaktes oder der Sanktionen wird nicht ganz zu unrecht gefordert. 

Griechenlands Krise

Griechenlands Krise beginnt vor eineinhalb Jahren, als das Land die Angaben zu seinem laufenden Staatsdefizit korrigieren muss. Zunächst erhöht die Regierung ihre Angaben auf 12,5 Prozent, dann auf 15,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Daraufhin übernimmt die EU die Kontrolle über den griechischen Haushalt.

Derzeit ist Griechenland mit 350 Milliarden Euro verschuldet, die Gesamtverschuldung beträgt damit rund das Eineinhalbfache des BIP. Für 2012 rechnet die EU-Kommission mit einer Verschuldung von 166 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Arbeitslosigkeit erreichte im März einen neuen Höchststand von 16,2 Prozent. Von den griechischen Jugendlichen unter 25 Jahren waren über 42 Prozent arbeitslos.

Griechenland muss seine Sparbemühungen verstärken, wenn es weitere Hilfszahlungen von den Euroländern und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) bekommen will. Allein in diesem Jahr muss Athen 6,4 Milliarden Euro, bis 2015 insgesamt 28,4 Milliarden Euro einsparen.

Zu Jahresbeginn überraschte die griechische Wirtschaft mit einem leichten Wachstum von 0,8 Prozent. Für das ganze Jahr 2011 geht der IWF aber mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von drei Prozent aus.

Sparpakete

Um dem steigenden Staatsdefizit entgegenzuwirken, verabschiedet das griechische Parlament im März 2010 ein erstes Sparpaket: Die Mehrwertsteuer steigt um zwei Prozentpunkte, Beamtengehälter werden eingefroren. So sollen pro Jahr 4,8 Milliarden Euro eingespart werden.

Zwei Monate später folgt ein zweites Sparpaket: Die Mehrwertsteuer steigt auf 23 Prozent, Pensionen werden gekürzt, Gesundheits- und Verteidigungsausgaben ebenso. Dieses Notpaket soll jährlich 30 Milliarden Euro einsparen.

Im Juni 2011 plant Griechenland nun ein drittes Sparpaket, erstmals soll auch Staatsbesitz wie Banken und Immobilien verkauft werden. Staatliche Boni werden gestrichen, Zusatzleistungen zu den Pensionen gekürzt, eine "Solidaritätssteuer" wird auf Luxusartikel eingeführt. Insgesamt sollen so 50 Milliarden Euro bis 2015 gespart werden.

Rettungspakete

Im Mai 2010 verabschieden die Finanzminister der EU und des IWF parallel zum zweiten Sparpaket des griechischen Parlaments ein erstes Rettungspaket. Da am Kapitalmarkt niemand mehr griechische Anleihen kaufen will, bekommt Griechenland über drei Jahre hinweg insgesamt 110 Milliarden Euro in Form von Krediten und Bürgschaften – geknüpft an die Bedingung, dass alle drei Monate die Sparbemühungen überprüft werden. Derzeit benötigen die Griechen akut die fünfte Hilfs-Tranche aus diesem Paket. Es geht um 12 Milliarden Euro.

Im Sommer 2011 werden die EU-Finanzminister und der IWF voraussichtlich ein zweites Rettungspaket verabschieden. Im Gespräch ist ein Volumen von 120 Milliarden Euro an Bürgschaften und Krediten. Erstmals sollen sich auch private Gläubiger an der Rettung beteiligen, allerdings auf freiwilliger Basis.

Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat bislang aus dem ersten Rettungspaket 8,4 Milliarden Euro tatsächlich an Griechenland ausgezahlt. Für diesen Kredit muss Griechenland Zinsen und eine Bearbeitungsgebühr an die KfW zahlen, die abzüglich der Refinanzierungskosten an den Bund überwiesen werden. Auf diesem Weg hat Deutschland bisher 178 Millionen Euro an dem Griechenland-Kredit verdient.

Auf dem Kapitalmarkt muss Griechenland derzeit 15,1 Prozent Zinsen zahlen, der IWF berechnet einen Zinssatz von dreieinhalb Prozent, die EU verlangt von den Griechen fünf Prozent Zinsen. Kritiker sagen, dass auch das noch zu hoch sei.

ZEIT ONLINE: Teilen Sie den Eindruck, dass sich der Ton in Europa verändert hat? Nicht nur in der Euro-Krise, auch in den Diskussionen über das Schengen-Abkommen war von europäischer Solidarität nicht viel zu spüren.

Kinkel: Ja. Ich würde mir wünschen, dass die Solidarität unter den Mitgliedsstaaten wieder stärker in den Vordergrund tritt. Auch in Europa macht der Ton die Musik. Aber die Union ist mit 27 Ländern und ihren nationalen Eigenheiten sehr groß, fast zu groß geworden. Gemeinsame Nenner zu finden, ist schwieriger geworden. Da kommt es fast zwangsläufig zu Unstimmigkeiten. Nationale Interessen treten zunehmend wieder in den Vordergrund.

ZEIT ONLINE: Jürgen Habermas und Helmut Schmidt haben kritisiert, Europas Politiker fehlten Perspektive und Gestaltungswillen. Gibt es dafür heute überhaupt noch Spielräume?

Kinkel: Natürlich. Dafür braucht es allerdings Phantasie und Begeisterung. Die ist vielfach abhanden gekommen. Man kann das gut an den osteuropäischen Staaten sehen. Was haben die den EU-Beitritt herbeigesehnt! Wenige Jahre danach ist in vielem Gleichgültigkeit und Kritik eingetreten. Das gilt auch für manch andere Regierungszentrale.

Dabei müssten sich die Europäer dringend darauf einstellen, dass sich die strategische Rolle unseres Kontinents verändert. Der Kalte Krieg ist vorbei, in Asien und Südamerika wachsen neue Großmächte heran. Uns droht eine schleichende Marginalisierung. Die Zukunft Europas wird zunehmend durch die Entwicklung außerhalb seiner Grenzen bestimmt. Die Rolle Europas wird schwächer, das Vertrauen in die EU und die europäische Währung sinkt. Die USA konzentrieren sich stärker auf andere Regionen der Welt, vor allem auf China. Und auch in Peking ist Brüssel nicht mehr so wichtig. Die warten nicht auf Europa. Die Wirtschaft weiß das, die Politik offensichtlich noch nicht ausreichend.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit?

Kinkel: Den USA und China sind die europäischen Entscheidungsabläufe zu langsam, zu schwerfällig und undurchsichtig. Vor allem die Amerikaner haben Probleme, uns zu verstehen. US-Verteidigungsminister Gates warnt schon vor der Spaltung der Nato in kämpfende und passive Mitglieder, die sich auf die weichen Themen wie humanitäre Entwicklung konzentrieren.

Das betrifft Europa, es zielt aber vor allem auf Deutschland. Wir ducken uns in den amerikanischen Augen besonders in der Außen- und Sicherheitspolitik weg, wie jüngst bei der Enthaltung im Sicherheitsrat in der Libyen-Frage. Wir sind zu sehr mit unseren innenpolitischen Fragen befasst und nicht bereit, die Verantwortung zu übernehmen, die unserer Größe und Bedeutung entspricht. So sehen uns die anderen. 

Leserkommentare
  1. Eine Erfolgsgeschichte ist der gemeinsame Binnenmarkt. Dieser ist aber auch ohne eine gemeinsame Währung möglich, in Europas Firmen kratzen nicht mehr tausende Gänsefedern über Papier, um von Thaler nach Pfund umzurechnen. Moderne EDV hat diese Aufgabe übernommen. Die Abschaffung der gemeinsamen Währung würde Europas Mittelmeerküste die Möglichkeit geben, eine diesen Ländern angemessene Zins- und Abwertungspolitik zu führen.

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    • joG
    • 23.06.2011 um 12:07 Uhr

    .....dass die EU eine Optimierung der Wirtschaft der Region darstellt. Zumindest steht die Wirtschaftstheorie zum Teil dagegen und eine eher globale Ausrichtung der mit der EU verbrauchten politischen Energien hätte vermutlich weit mehr gebracht.

    der in genau dem Bereich genau dieser EDV-Systeme sein Geld verdient, lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass der Euro der deutschen Wirtschaft im Bereich der Währungsumrechnung jährlich in die zig Million Euro Kosten spart.

    Sobald Fremdwährungen ins Spiel kommen, wird betriebswirtschaftlich EDV nämlich ziemlich schnell ziemlich unbeherrschbar, und dann gibts jede Menge Aufwand für die Software und für Beratungsleistungen, um EDV-Fehler wieder grade zu ziehen. Da, wo wir mit Fremdwährungen hantieren müssen, ist das regelmäßiges Problem. Da ein Großteil der deutschen Wirtschaft zwar Auslandsgeschäft hat, aber nur wenige außereuropäisches Ausland bedienen bzw. Waren von dort beziehen, ist der Euro für diese Firmen tatsächlich bares Geld Wert.

    "Eine Erfolgsgeschichte ist der gemeinsame Binnenmarkt. Dieser ist aber auch ohne eine gemeinsame Währung möglich, in Europas Firmen kratzen nicht mehr tausende Gänsefedern über Papier, um von Thaler nach Pfund umzurechnen. Moderne EDV hat diese Aufgabe übernommen."

    Geschäfte werden aber immer noch von Menschen gemacht, nicht von Computern. Und für die hat es eine kaum zu überschätzende Bedeutung, ob sie diese Geschäfte in der ihnen vertrauten oder einer „fremden“ Währung tätigen müssen. Wirtschaft ist bekanntlich zu 50% Psychologie (wobei ich mich immer frage, was die anderen 50% sein sollen) - das gilt im Negativen wie im Positiven.

    „Die Abschaffung der gemeinsamen Währung würde Europas Mittelmeerküste die Möglichkeit geben, eine diesen Ländern angemessene Zins- und Abwertungspolitik zu führen."

    Ja ja, genauso wie es die Abschaffung einer gemeinsamen Währung Bayern und Mecklenburg-Vorpommern oder auch Frankfurt und Bad Hersfeld ermöglichen würde, eine jeweils diesen Regionen „angemessene“ Politik zu führen... Um mal von der Verschuldung und den enormen Disparitäten innerhalb der USA ganz zu schweigen, die m.W. noch niemanden dazu veranlasst haben, die Abschaffung des Dollars zu fordern.

    Probleme ergeben sich doch nicht nur mit den Umrechnugen und dem Umgang mir fremden Währungen. Schwankende Wechselkurse sind schlicht ein unternehmerisches Risiko, weil sich der Wert eines Geschäftes mit dem Wechselkurs ungünstig (natürlich auch günstig) entwickeln kann. Es würde also zusätzliche Unsicherheiten bedeuten und Unsicherheiten sind Gift für die wirtschaftliche Entwicklung.

    • joG
    • 23.06.2011 um 12:07 Uhr

    .....dass die EU eine Optimierung der Wirtschaft der Region darstellt. Zumindest steht die Wirtschaftstheorie zum Teil dagegen und eine eher globale Ausrichtung der mit der EU verbrauchten politischen Energien hätte vermutlich weit mehr gebracht.

    der in genau dem Bereich genau dieser EDV-Systeme sein Geld verdient, lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass der Euro der deutschen Wirtschaft im Bereich der Währungsumrechnung jährlich in die zig Million Euro Kosten spart.

    Sobald Fremdwährungen ins Spiel kommen, wird betriebswirtschaftlich EDV nämlich ziemlich schnell ziemlich unbeherrschbar, und dann gibts jede Menge Aufwand für die Software und für Beratungsleistungen, um EDV-Fehler wieder grade zu ziehen. Da, wo wir mit Fremdwährungen hantieren müssen, ist das regelmäßiges Problem. Da ein Großteil der deutschen Wirtschaft zwar Auslandsgeschäft hat, aber nur wenige außereuropäisches Ausland bedienen bzw. Waren von dort beziehen, ist der Euro für diese Firmen tatsächlich bares Geld Wert.

    "Eine Erfolgsgeschichte ist der gemeinsame Binnenmarkt. Dieser ist aber auch ohne eine gemeinsame Währung möglich, in Europas Firmen kratzen nicht mehr tausende Gänsefedern über Papier, um von Thaler nach Pfund umzurechnen. Moderne EDV hat diese Aufgabe übernommen."

    Geschäfte werden aber immer noch von Menschen gemacht, nicht von Computern. Und für die hat es eine kaum zu überschätzende Bedeutung, ob sie diese Geschäfte in der ihnen vertrauten oder einer „fremden“ Währung tätigen müssen. Wirtschaft ist bekanntlich zu 50% Psychologie (wobei ich mich immer frage, was die anderen 50% sein sollen) - das gilt im Negativen wie im Positiven.

    „Die Abschaffung der gemeinsamen Währung würde Europas Mittelmeerküste die Möglichkeit geben, eine diesen Ländern angemessene Zins- und Abwertungspolitik zu führen."

    Ja ja, genauso wie es die Abschaffung einer gemeinsamen Währung Bayern und Mecklenburg-Vorpommern oder auch Frankfurt und Bad Hersfeld ermöglichen würde, eine jeweils diesen Regionen „angemessene“ Politik zu führen... Um mal von der Verschuldung und den enormen Disparitäten innerhalb der USA ganz zu schweigen, die m.W. noch niemanden dazu veranlasst haben, die Abschaffung des Dollars zu fordern.

    Probleme ergeben sich doch nicht nur mit den Umrechnugen und dem Umgang mir fremden Währungen. Schwankende Wechselkurse sind schlicht ein unternehmerisches Risiko, weil sich der Wert eines Geschäftes mit dem Wechselkurs ungünstig (natürlich auch günstig) entwickeln kann. Es würde also zusätzliche Unsicherheiten bedeuten und Unsicherheiten sind Gift für die wirtschaftliche Entwicklung.

  2. bemerkt man in der Zeit ungewöhnlich viele Artikel, Kommentare und Interviews, die alle eine Botschaft haben: Die EU ist toll, seid froh dass wir sie haben, die Deutschen haben ja so unglaublich viel davon profitiert etc.
    Erinnert mich an die Welt (Zeitung,Springer), die kurz nach Verkündung des (zweiten) beschlossenen Atomausstiegs massiv gegen jenen Entschluss im Rahmen ihrer Mittel gehetzt und "argumentiert" hat. =)

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    "Aktuell bemerkt man in der Zeit ungewöhnlich viele Artikel, Kommentare und Interviews, die alle eine Botschaft haben: Die EU ist toll, seid froh dass wir sie haben, die Deutschen haben ja so unglaublich viel davon profitiert etc."

    Ja, und das vollkommen zu recht. Vielen Dank, Zeit-Redaktion, dass Sie diesem vollkommen unqualifizierten, populistischen EU-/Euro-Bashing etwas entgegensetzen.

    • leon1
    • 23.06.2011 um 15:46 Uhr

    " Die Lobby-Propaganda, die der deutschen Oeffentlickeit einredet, Deutschland haette "insgesamt" vom Euro profitiert, verwechselt wohl die Gewinneinstreicher der Exportindustrie mit den inzwischen 6,5 Millionen deutschen ArbeitnehmerInnen in Beschaeftigungsverhaeltnissen mit Niedrigloehnen und haeufig noch prekaeren Arbeitsverhaeltnissen."
    Karl Georg Zinn Heft 6 www.sozialismus.de

    "Aktuell bemerkt man in der Zeit ungewöhnlich viele Artikel, Kommentare und Interviews, die alle eine Botschaft haben: Die EU ist toll, seid froh dass wir sie haben, die Deutschen haben ja so unglaublich viel davon profitiert etc."

    Ja, und das vollkommen zu recht. Vielen Dank, Zeit-Redaktion, dass Sie diesem vollkommen unqualifizierten, populistischen EU-/Euro-Bashing etwas entgegensetzen.

    • leon1
    • 23.06.2011 um 15:46 Uhr

    " Die Lobby-Propaganda, die der deutschen Oeffentlickeit einredet, Deutschland haette "insgesamt" vom Euro profitiert, verwechselt wohl die Gewinneinstreicher der Exportindustrie mit den inzwischen 6,5 Millionen deutschen ArbeitnehmerInnen in Beschaeftigungsverhaeltnissen mit Niedrigloehnen und haeufig noch prekaeren Arbeitsverhaeltnissen."
    Karl Georg Zinn Heft 6 www.sozialismus.de

    • joG
    • 23.06.2011 um 12:04 Uhr

    ....Kritischen Dialogs mit Iran habe ich in Erinnerung, dass der Gute Mann Wortfetzen schwungvoll handhabte und sinnvolle Politik damit sabotierte. Das mag vielleicht ungerecht scheinen, aber seiner Meinung zum Euro würde ich ähnlich viel Realitätssinn entnehmen können zum Thema Euro. Wie kann man das Ding unterstützen, wenn man die Verfassung nicht ändert bzw gegen eine EU Verfassung tauscht? Da untergräbt man die Legitimität des gesamten Systems der EU und noch schlimmer, des eigenen Landes.

    3 Leserempfehlungen
  3. Entfernt. Bitte gehen Sie sachlich auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se.

  4. "Das betrifft besonders die Exportnation Deutschland. Wir profitieren vom Euro, ein Großteil unserer Ausfuhren geht nach Europa. Den Euro zu gefährden, wäre das Dümmste, was wir machen könnten. Deswegen würde ich auch heute vor leichtfertigem Euro- und Europa-Gegacker warnen."

    -->
    „Von 1999, dem Jahr der Festschreibung der Wechselkurse, bis 2010 sank der Anteil des Exports in den Euroraum am Gesamtexport von 46 auf 41 Prozent. An Bedeutung zugenommen hat der Außenhandel mit Asien und Osteuropa – obwohl die Wechselkurse dieser Handelspartner schwanken und sie zum Teil erheblich abgewertet haben.“
    http://www.faz.net/artike...

    Jetzt frag ich mich, wem ich mehr glaube. Der Statistik oder dem Politiker Kinkel?

    20 Leserempfehlungen
  5. Ich finde es langsam, aber sicher befremdend, um nicht zu sagen ärgerlich, dass alle Artikel immer in die selbe Richtung laufen: Der Euro ist notwendig, Deutschland muss helfen und zahlen.
    Warum kommen bei Ihnen nicht auch mal Kritiker zu Wort? Wo bleibt die Meinungsvielfalt, dessen sich die Zeit sonst so rühmt?

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass diejenigen, die um mehr als eine Ecke und ein bisschen weiter als bis zum Gartenzwerg im Vorgarten in der Lage zu Denken sind, dass diejenigen, die sehen, dass wir hier in Deutschland eben nicht auf einer Insel leben, die mit dem Rest Europas und der Welt in keinerlei Wechselwirkung stünde, dass diese Menschen eben mehr oder weniger uniso das europäische Zusammenwachsen und den Euro als Segen und nicht als Fluch begreifen? Und dass sie zunehmend Schiss haben vor Rattenfängern, die mit simplen und damit falschen Lösungen auf komplexe Probleme reagieren wollen?

    Vielleicht tut's ab und zu ganz gut, sich mal einen Euroschein anzukucken und über die Brücken drauf ein wenig zu meditieren.
    Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke, die Redaktion/se.

    • fanta4
    • 23.06.2011 um 12:41 Uhr

    Wenn jetzt so "begnadete" Politiker wie Kinkel ausgebuddelt werden müssen, um den Euro schön zu reden, kann ich wirklich nur noch lachen.

    Gegen Ignoranz hilft eben nur Aufklärung.

    dass diejenigen, die um mehr als eine Ecke und ein bisschen weiter als bis zum Gartenzwerg im Vorgarten in der Lage zu Denken sind, dass diejenigen, die sehen, dass wir hier in Deutschland eben nicht auf einer Insel leben, die mit dem Rest Europas und der Welt in keinerlei Wechselwirkung stünde, dass diese Menschen eben mehr oder weniger uniso das europäische Zusammenwachsen und den Euro als Segen und nicht als Fluch begreifen? Und dass sie zunehmend Schiss haben vor Rattenfängern, die mit simplen und damit falschen Lösungen auf komplexe Probleme reagieren wollen?

    Vielleicht tut's ab und zu ganz gut, sich mal einen Euroschein anzukucken und über die Brücken drauf ein wenig zu meditieren.
    Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke, die Redaktion/se.

    • fanta4
    • 23.06.2011 um 12:41 Uhr

    Wenn jetzt so "begnadete" Politiker wie Kinkel ausgebuddelt werden müssen, um den Euro schön zu reden, kann ich wirklich nur noch lachen.

    Gegen Ignoranz hilft eben nur Aufklärung.

    • joG
    • 23.06.2011 um 12:07 Uhr

    .....dass die EU eine Optimierung der Wirtschaft der Region darstellt. Zumindest steht die Wirtschaftstheorie zum Teil dagegen und eine eher globale Ausrichtung der mit der EU verbrauchten politischen Energien hätte vermutlich weit mehr gebracht.

    2 Leserempfehlungen
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    • knuham
    • 25.06.2011 um 9:51 Uhr

    geht's vielleicht etwas konkreter, was meinen Sie mit "eine[r] eher globale[n] Ausrichtung" in diesem Zusammenhang?

    • knuham
    • 25.06.2011 um 9:51 Uhr

    geht's vielleicht etwas konkreter, was meinen Sie mit "eine[r] eher globale[n] Ausrichtung" in diesem Zusammenhang?

  6. "Aktuell bemerkt man in der Zeit ungewöhnlich viele Artikel, Kommentare und Interviews, die alle eine Botschaft haben: Die EU ist toll, seid froh dass wir sie haben, die Deutschen haben ja so unglaublich viel davon profitiert etc."

    Ja, und das vollkommen zu recht. Vielen Dank, Zeit-Redaktion, dass Sie diesem vollkommen unqualifizierten, populistischen EU-/Euro-Bashing etwas entgegensetzen.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aktuell"
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    lesen, den ich gepostet habe, dann einmal mit der Entscheidungsfindung der sogenannten Richtlinien der EU-Kommission beschäftigen und dann noch einmal überlegen, wer hier "unqalifiziert" schreibt.

    Es gibt aktuell leider, aber zu Recht eine Menge, die man an der EU kritisieren kann, gerade wenn man eher auf der Seite der freiheitlichen Demokratie steht...

    "Es gibt aktuell leider, aber zu Recht eine Menge, die man an der EU kritisieren kann, gerade wenn man eher auf der Seite der freiheitlichen Demokratie steht..."

    Selbstverständlich gibt es das, damit laufen Sie bei mir offene Türen ein. Die Probleme liegen aber an zu wenig Integration, nicht an zu viel.

    ...dass viele EU-/Euro-Kritiker sich ebenfalls EIN EUROPA wünschen. Nur sieht dieses Europa etwas anders als dasjenige, welches sich die Bürokraten in Brüssel und der Oberfinanzer aus Luxemburg gerade einrichten.
    In diesem Europa wären die nationalen Parlamente kein Akklamationsverein für Beschlüsse oder Gesetzesvorlagen aus Brüssel. In diesem Europa wären die Bürger zuerst Staatsbürger und nicht Kunden. In diesem Europa würde man Markt nicht mit Demokratie verwechseln oder versuchen, beides ineinander zu schlagen wie Eier zum Backen, um dann "den Sitz der Legitimität aus den Parlamenten in die Unternehmen zu verlagern." (Pascal Bruckner). In diesem Europa zählte die staatsbürgerliche und nationale Logik mehr als die globalisierte Meinung angeblicher Weltbürger (denn wir sind zuerst Bürger einer Kommune, eines Landes, bevor wir Weltbürger sind). Es wäre ein Europa, IN DEM MAN SICH NICHT ERKLÄREN MUSS. In dem man seine Herkunft, seine Tradition, sein Wurzeln nicht ständig vor denen rechtfertigen muss, die ihre Identität in anderen Kulturkreisen und in anderen Zivilisationsprozessen erworben haben. In diesem Europa würden weder Großkonzerne noch Großagrarier Subventionen abgreifen. Dieses Europa würde sich weigern, eines Tages so auszusehen wie Offenbach am Main, wie Disneyland Paris oder wie eine eurabische suburbia...

    ... Sie können die Liste gern weiterführen.

    lesen, den ich gepostet habe, dann einmal mit der Entscheidungsfindung der sogenannten Richtlinien der EU-Kommission beschäftigen und dann noch einmal überlegen, wer hier "unqalifiziert" schreibt.

    Es gibt aktuell leider, aber zu Recht eine Menge, die man an der EU kritisieren kann, gerade wenn man eher auf der Seite der freiheitlichen Demokratie steht...

    "Es gibt aktuell leider, aber zu Recht eine Menge, die man an der EU kritisieren kann, gerade wenn man eher auf der Seite der freiheitlichen Demokratie steht..."

    Selbstverständlich gibt es das, damit laufen Sie bei mir offene Türen ein. Die Probleme liegen aber an zu wenig Integration, nicht an zu viel.

    ...dass viele EU-/Euro-Kritiker sich ebenfalls EIN EUROPA wünschen. Nur sieht dieses Europa etwas anders als dasjenige, welches sich die Bürokraten in Brüssel und der Oberfinanzer aus Luxemburg gerade einrichten.
    In diesem Europa wären die nationalen Parlamente kein Akklamationsverein für Beschlüsse oder Gesetzesvorlagen aus Brüssel. In diesem Europa wären die Bürger zuerst Staatsbürger und nicht Kunden. In diesem Europa würde man Markt nicht mit Demokratie verwechseln oder versuchen, beides ineinander zu schlagen wie Eier zum Backen, um dann "den Sitz der Legitimität aus den Parlamenten in die Unternehmen zu verlagern." (Pascal Bruckner). In diesem Europa zählte die staatsbürgerliche und nationale Logik mehr als die globalisierte Meinung angeblicher Weltbürger (denn wir sind zuerst Bürger einer Kommune, eines Landes, bevor wir Weltbürger sind). Es wäre ein Europa, IN DEM MAN SICH NICHT ERKLÄREN MUSS. In dem man seine Herkunft, seine Tradition, sein Wurzeln nicht ständig vor denen rechtfertigen muss, die ihre Identität in anderen Kulturkreisen und in anderen Zivilisationsprozessen erworben haben. In diesem Europa würden weder Großkonzerne noch Großagrarier Subventionen abgreifen. Dieses Europa würde sich weigern, eines Tages so auszusehen wie Offenbach am Main, wie Disneyland Paris oder wie eine eurabische suburbia...

    ... Sie können die Liste gern weiterführen.

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