Nahrungspreise Essen wird in Deutschland teurer
Die Lebensmittelbranche kämpft mit schlechtem Wetter und steigenden Energiepreisen. Jetzt will sie die höheren Ausgaben an die Verbraucher weitergeben.
An den Herbst mögen die meisten Deutschen jetzt, so kurz vor den Sommerferien, noch gar nicht denken. Schmuddelwetter, kürzere Tage, die dunkle Jahreszeit, das ist für viele ein Gräuel. Außer für Armin Juncker. Er kann es kaum erwarten, bis sich das Laub an den Bäumen verfärbt. "Im Herbst stehen die Jahresgespräche mit dem Einzelhandel an", freut er sich. "Wir werden dabei versuchen, kräftige Preiserhöhungen durchzusetzen – anders geht es nicht mehr." Für die Verbraucher bedeutet das: Brot und Brötchen dürften in den nächsten Monaten teurer werden.
Juncker ist Geschäftsführer beim Verband Deutscher Großbäckereien. Die Betriebe beliefern Supermarktketten wie Aldi, Lidl oder Edeka mit Backwaren. "Im unteren einstelligen Bereich" werde sich der Anstieg bewegen, erwartet Juncker. Die Betriebe könnten die auf breiter Front steigenden Kosten sonst nicht mehr schultern. Teureres Getreide und kostspieligere Energie machen der Branche zu schaffen.
Nicht nur die Bäckereien, auch die großen Konzerne der Lebensmittelindustrie wie Birkel, Kraft, Nestlé oder Unilever wollen dem Verbraucher ans Portemonnaie. "Preiserhöhungen sind nach einer 18-monatigen Talfahrt der Preise unvermeidlich", lässt Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) wissen. Denn die gestiegenen Kosten schlügen unmittelbar auf die "ohnehin schwache" Ertragslage der Firmen durch.
Lebensmittel waren im Mai um 3,3 Prozent teurer als vor einem Jahr, ermittelte das Statistische Bundesamt. Und das bei einer allgemeinen Inflationsrate von 2,3 Prozent. Zwar verteuert sich Öl nicht mehr so rasant, die Erzeugerpreise stiegen aber zuletzt im April mit 7,2 Prozent so stark wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Angesichts kaum steigender Löhne und Gehälter müssen sich viele Konsumenten daher einschränken. Die Deutschen geben im Schnitt ein Zehntel ihres monatlichen Budgets für Lebensmittel aus.
Kostentreiber sind vor allem die Preise für Agrarrohstoffe, also für Kartoffeln, Zuckerrüben, Ölpflanzen oder Getreide, das zu Lebensmitteln, aber auch zu Tierfutter verarbeitet wird. Seit dem Frühjahr 2010 hätten sich diese Rohstoffe um 50 Prozent verteuert, beklagt BVE-Verbandschef Horst. Und Entspannung ist nicht in Sicht: In Nordamerika und in Europa, wo die Getreideernte im Juli beginnt, kalkulieren die Landwirte für dieses Jahr mit allenfalls mäßigen Erträgen. Während in den USA Naturkatastrophen zu Ausfällen führen, haben hierzulande die Kälte im April und die anschließende wochenlange Trockenheit den Pflanzen zugesetzt. Vor allem Landwirte mit sandigen Böden, wie in Brandenburg, dürften vor Problemen stehen, heißt es beim Deutschen Bauernverband. "Wir rechnen deshalb auf jeden Fall mit festeren Preisen für Getreide", sagt Henning Ehlers, Geschäftsführer beim Deutschen Raiffeisenverband.
Hinzu kommen die Entwicklungen, die schon seit geraumer Zeit für Anspannung auf den Agrarmärkten sorgen: Weltweit steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln, zugleich pflanzen aber immer mehr Bauern Raps, Mais oder Zuckerrohr an, um daraus am Ende Biosprit zu machen. Und der Boom um den vermeintlichen Öko-Treibstoff ist noch längst nicht zu Ende, viele in Amerika und Europa wollen mit seiner Hilfe die Abhängigkeit vom arabischen Erdöl reduzieren. Befeuert werden die Preise außerdem noch von Spekulanten – angesichts noch immer niedriger Zinsen halten viele Finanzinvestoren Warentermingeschäfte für eine viel lohnendere Angelegenheit.
Die anstehenden Preissteigerungen dürften sich kaum auf pflanzliche Lebensmittel beschränken. Auch die Fleischwirtschaft trifft das schlechte Wetter. Die Hälfte des hierzulande geernteten Getreides wird als Futtermittel eingesetzt. Angesichts der mäßigen Ernte werden viele Bauern Ware zukaufen müssen. Obendrein können sie nicht so viel Heu einlagern wie sonst üblich, weil das Gras wochenlang kaum gewachsen ist. "Wir rechnen deshalb in allen Bereichen mit Preissteigerungen", sagt Thomas Vogelsang vom Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie.
Die Industrie hat für den Verbraucher aber auch Tröstliches übrig. Die Deutschen werden weiter günstig einkaufen könne, auch wenn Erzeuger und Industrie mehr für sich beanspruchen, sagt Horst vom BVE. "Dafür sorgt der harte Wettbewerb im Lebensmittelmarkt."
- Datum 14.06.2011 - 12:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Die steigenden Lebensmittelpreise waren seit langer Zeit absehbar.
Die Ursachen sind aber völlig andere.
Nun wird es eben auf anderes geschoben.
Schlechtes Wetter gibt es in Deutschland seit 60 Jahren und länger.
Die Gründe für steigende Lebensmittelpreise sind auch hier schon vielfach diskutiert worden.
Das ist wie bei der Finanzkrise. Deutschland habe die Finanzkrise gut überstanden. Sagt man.
Also schiebt man die Folgen und Konsequenzen der Finanzkrise auf andere Schein-Ursachen.
Der deutsche Michel glaubt sowieso einfach alles.
Besonderns in China hat das Ansteigen der Lebensmittelpreise in der Vergangenheit zu Aufständen geführt. Auch das jetzige Regime kam so an die Macht. Ein britischer Konzern wurde soeben zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil er steigende Preise ankündigte. Nicht der Preisanstieg, sondern dessen öffentliche Verkündigung wurde als gefährlich verurteilt.
Der Untertitel der Überschrift suggeriert, dass die Konzerne in einen Entscheidungsprozess getreten seien und sich dann vielleicht nur haarsträubend dazu entschieden haben, den Endverbraucher zu belasten
Das ist doch vollkommener Quatsch!
Das ist gängige Praxis und längst nicht mehr eine "Entscheidung", sondern längst schon ungeschriebenes Gesetz! Schön auch, wie sich Bäcker Juncker freut, dass die Verbraucher mehr zahlen müssen. Nur betrifft es ihn auch! Wenn auch nicht bei Backprodukten, sondern dann bei anderen Lebensmitteln...
"Teurereres Getreide und kostspieligere Energie machen der Branche zu schaffen."
"Für die Verbraucher bedeutet das: Brot und Brötchen dürften in den nächsten Monaten teurer werden."
http://www.agrarheute.com...
Herr Brönstrup, wenn Sie ordentlich recherchiert hätten, würden Sie dem Leser nicht schon wieder das alte Märchen des hohen Getreidepreises auftischen.
Wir könnten den Getreidepreis verdoppeln und damit die Subventionen unnötig machen, welche zum größten Teil bei den großen Firmen landen. Unsere Bauern könnten selbständig wieder von ihrer Arbeit leben und - man möge es kaum glauben - die Frühstückssemmel wird um genau zwei Cent teurer. Nicht mehr.
Warum aber schieben Sie den Kostenanstieg wieder den Getreidepreisen in die Schuhe, wenn die Gewinnspanne beim Handel, der Transport, die Lagerung und die Personalkosten um einen schlappen Faktor 15 mehr Einfluss auf den Brotpreis nehmen.
Warum?
Ich erbitte eine Antwort.
...kann man ja endlich die Subventionen streichen.
Dem Verbraucher kanns dann ziemlich egal sein.
Warum wird diese mit keinem Wort erwähnt? Setzt man die Preise in Verhältnis zu richtigem Geld (Gold, Silber, etc), dann wird man keine Preissteigerung feststellen können!
Die Hauptursache ist der stetige Verfall von Dollar und Euro! In 10 Jahren hat sich M3 mehr als verdoppelt! Schaut man sich die Preise heute und von vor 10 Jahren, dann wird jedem Laien klar, dass die Geldmenge in direkter Beziehung zu den Preisen steht. Das sind 7% p.a. Inflation, nicht gefühlt, sondern mathematisch korrekt ausgerechnet!
Da werden also das Wetter und die Spekulanten für die steigenden Preise verantwortlich gemacht, aber keiner nennt die wahre Ursache: die Aufblähung der Geldmenge durch die EZB. Inflation nennt man das. Das altbewährte Mittel, mit dem der Staat sich seiner Schulden entledigt.
Wenn ich mitbekomme, wie viele Backwaren täglich weggeschmissen werden, ist es kein Wunder, dass auch diese Kosten auf den Verbraucher abgewälzt werden. Nachdem in dem letzten Jahrzehnt kleinere Bäckereien konsequent von den großindustriellen 'Aufbäckern' vom Markt verdrengt wurden, braucht es auch keine Preisabsprache mehr. Denn die wird neben der Verunstaltung von traditionellen Backrezepten und Verwendung minderwertiger Rohstoffe von Spekulanten diktiert.
...wenn wir in Metallkästen im Supermarkt die Teiglinge auch noch selbst aufbacken, müssen wir uns über die Qualität nicht beschweren. Möglichst billig ist eben am Ende auch irgendwann sehr teuer.
...wenn wir in Metallkästen im Supermarkt die Teiglinge auch noch selbst aufbacken, müssen wir uns über die Qualität nicht beschweren. Möglichst billig ist eben am Ende auch irgendwann sehr teuer.
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