Die Nachricht ist in Rüsselsheim eingeschlagen wie eine Bombe. Angeblich überlegt der Vorstand von General Motors in Detroit schon wieder, ob er seine europäische Tochter Opel/Vauxhall verkaufen soll .

Vergeblich hatte der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versucht, seine Kollegen in Detroit zu einem härteren Dementi zu bewegen. Stattdessen blieben diese bei ihrer lauwarmen Aussage, es handle sich hier um "pure Spekulation". Diese Reaktion zeigt überdeutlich, dass die neuen Herren im Renaissance Center, wie das Gebäude der GM-Zentrale heißt, nichts gelernt haben aus den Fehlern ihrer Amtsvorgänger.

Die Wiedergeburt ihres Konzernes wurde nämlich durch zwei externe Faktoren entscheidend begünstigt: Das US-Insolvenzrecht und die massive Staatshilfe haben dem Unternehmen die (Schulden-) Lasten der Vergangenheit abgenommen. Hinzu kam der anhaltende Boom in den Schwellenländern wie Brasilien oder China, der auch GM unverhofft schnell wieder reichlich Geld in die Kassen spülte.

Wenn man diese Umstände berücksichtigt, ist die Arroganz der neuen Herren umso unverständlicher. Entgegen mancher vorschneller Vermutungen läuft die Opel-Sanierung nämlich immer noch nach Plan. Dem Plan, den der jetzige Aufsichtsratschef Nick Reilly vor gut einem Jahr vorstellte. Danach sollte Opel im Jahr 2011 aus den Verlusten rauskommen und 2012 wieder Gewinne machen. Und es sah nach Aussagen der Opel-Führung ganz danach aus – vor dem schädlichen Gerücht und dem lauen Dementi.

Möglich, dass den von glücklichen Umständen begünstigen GM-Oberen die Erholung Opels jetzt nicht mehr schnell genug gehen kann. Doch ein Verkauf, etwa an einen chinesischen Autobauer, würde nicht nur die eigene technische Kompetenz schwächen, die im Rüsselheimer Entwicklungszentrum gebündelt ist, sondern sogar noch die Konkurrenz stärken. Sollten die Detroiter Bosse aber gar nicht vorhaben, Opel zum Verkauf zu stellen, kommt ihre Kommunikationsstrategie einem Akt der Selbstverstümmelung gleich.

Wie auch immer, eine Erfahrung bestätigt sich auch diesmal wieder: Langfristiges Denken ist nicht die Stärke der GM-Führung, heute wie gestern. Sonst wäre Opel ja auch nie in einen derartigen Schlamassel geraten.