Steuermodell Kirchhof meldet sich mit Steuervorschlägen zurück
Häme hatte Steuerrechtsexperte Kirchhof 2005 ertragen müssen. Nun bringt er ein radikal vereinfachtes Steuermodell neu in die Diskussion. Aus Thüringen kommt Beifall.
© John MacDougall/AFP/Getty Images

Der Steuerjurist Paul Kirchhof in der CDU-Zentrale in Berlin (Archivbild)
Mitten in der Koalitionsdebatte über Steuersenkungen hat der Staatsrechtler Paul Kirchhof ein Konzept für eine radikale Steuervereinfachung vorgelegt. Sein Modell für ein "Bundessteuergesetzbuch" sieht vor, Tausende Paragrafen im Steuerrecht auf 146 zu reduzieren. Übrig blieben gerade einmal vier Steuerarten: Einkommen-, Erbschaft-, Umsatz- und Verbrauchsteuer.
"Ich glaube daran, dass sich der große Gedanke durchsetzt", sagte Kirchhof, der bereits im Bundestagswahlkampf 2005 als potenzieller Finanzminister für die Union aufgetreten war und damals für seine Idee eines einheitlichen Steuersatzes viel Häme einstecken musste. Der jetzige, viel umfassendere Entwurf entstand in einem Forschungsprojekt unter Beteiligung von sechs Bundesländern – und er ist noch radikaler als 2005.
Zentrale Forderung Kirchhofs ist weiterhin ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent, der sowohl für Arbeitseinkommen, Unternehmensgewinne und Kapitalerträge gelten soll. Weiter soll die gegenwärtige Unterscheidung zwischen Steuersätzen von 15 Prozent (Körperschaftsteuer), 25 Prozent (privates Kapitalvermögen) und 14 bis 45 Prozent (Einkommensteuer) entfallen. Dabei sollen ein steuerfreier Grundfreibetrag von 8000 Euro und eine Vereinfachungspauschale von 2000 Euro gelten. Im Ergebnis würden Arbeitseinkommen nicht mehr höher besteuert als Kapitalerträge.
Alle Ausnahme-, Lenkungs- und Privilegientatbestände in der Einkommensteuer will Kirchhof streichen. Steuergestaltungen wären damit kaum noch möglich. Die Weitergabe von bereits besteuertem Gewinn an Beteiligte (Dividenden) wird nicht mehr belastet. Die Gewerbesteuer will er durch eine kommunale Zuschlagssteuer auf alle in der Gemeinde erwirtschafteten Einkommen ersetzen. Insgesamt sollen 543 Steuerprivilegien abgeschafft werden.
Als zweite Steuer sieht Kirchhof eine Erbschaft- und Schenkungsteuer mit einem einheitlichen Satz von zehn Prozent vor. Eine Erbschaft unter Ehegatten soll steuerfrei sein, für Kinder sieht er einen Freibetrag von 400.000 Euro vor, für andere von 50.000 Euro. Für Hausrat kommen 20.000 Euro hinzu.
Auch die Umsatzsteuer will er vereinfachen: Das komplizierte System des Vorsteuerabzugs bei zwischenunternehmerischen Umsätzen wird abgeschafft und nur noch die Leistung beim Endkunden belastet.
Schließlich sieht das Kirchhof-Modell eine Verbrauchssteuer auf Energie, Tabak und Alkohol vor – also den Verbrauch von Produkten, durch die der Allgemeinheit Kosten entstehen. Alle übrigen Verbrauchssteuern will er abschaffen. Dabei werden die bisherigen Verkehrssteuern in die Umsatzsteuer integriert. Kirchhof zufolge ist sein Bundessteuergesetzbuch für den Staat aufkommensneutral.
Die Ideen von Kirchhof sind in Teilen der CDU und FDP populär. Bislang sprach sich nur Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) für das Steuerkonzept aus. "Wir haben im Moment im Bundestag die Mehrheit, die man braucht, um ein solches Modell durchzusetzen. Die Debatte im Bundesrat muss man dann führen. Es spricht überhaupt nichts dagegen, dieses Modell aufzugreifen."
- Datum 28.06.2011 - 09:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 219
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....wenn ich bspw. lesen muss:
"Die Gewerbesteuer will er durch eine kommunale Zuschlagssteuer auf alle in der Gemeinde erwirtschafteten Einkommen ersetzen."
jaja, jeder zahlt (nur noch) 25%....bis auf die, die die Sonderzusatzextrasteuern berappen dürfen....und wer wird das wohl sein?
Wer wird das wohl sein... der Steuerzahler freillig, wie immer. Aber ist das für Sie etwas neues, zumal etwas, was anders geht? Wer soll denn sonst die Steuern zahlen?
Sobald das ganze System drastisch vereinfacht, wird das nur positive Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben können.
...damit wir Kritiker nicht als Spielverderber dastehen, hier ein Gegenentwurf:
1) Zurechtrücken der kalten Progression mit einer Regelung zur Inflationsanpassung, bei gleichzeitiger Verstärkung der Progression bei Millionen-Einkommen (bis auf 80% oder so). Dabei Gleichbehandlung zu Kapitaleinkommen, inklusive Sozialabgaben.
2) Abschaffung der bürokratischen, nachfragehemmenden und unsozialen Mehrwertsteuer.
3) Hohe Progression bei der Erbschaftssteuer mit großzügigen Freibeträgen für Normalsterbliche.
4) Einführung von Kapitalverkehrskontrollen (Vermeidung von Steuerflucht)
5) Erhebung von Differenzsteuern für alle Unternehmen, die zwar hier verkaufen wollen, aber in einer Steueroase versteuern.
6) eine Art Quellenbesteuerung (was hier verdient wird, muss auch hier versteuert werden, Herr Müller-Milch-Müller)
7) Meinetwegen: Abschaffung aller sonstigen Ausnahmeregelungen
8) Gleichbehandlung der Länder und Kommunen, Unterbindung bundesinterner Steuerkonkurrenz: jedes Land und Kommune bekommt einen fixen Betrag pro Bewohner.
9) Abschaffung von Beitragsbemessungsgrenzen für Krankenversichungen usw.
DAS wäre ein gerechtes Steuersystem.
Wer wird das wohl sein... der Steuerzahler freillig, wie immer. Aber ist das für Sie etwas neues, zumal etwas, was anders geht? Wer soll denn sonst die Steuern zahlen?
Sobald das ganze System drastisch vereinfacht, wird das nur positive Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben können.
...damit wir Kritiker nicht als Spielverderber dastehen, hier ein Gegenentwurf:
1) Zurechtrücken der kalten Progression mit einer Regelung zur Inflationsanpassung, bei gleichzeitiger Verstärkung der Progression bei Millionen-Einkommen (bis auf 80% oder so). Dabei Gleichbehandlung zu Kapitaleinkommen, inklusive Sozialabgaben.
2) Abschaffung der bürokratischen, nachfragehemmenden und unsozialen Mehrwertsteuer.
3) Hohe Progression bei der Erbschaftssteuer mit großzügigen Freibeträgen für Normalsterbliche.
4) Einführung von Kapitalverkehrskontrollen (Vermeidung von Steuerflucht)
5) Erhebung von Differenzsteuern für alle Unternehmen, die zwar hier verkaufen wollen, aber in einer Steueroase versteuern.
6) eine Art Quellenbesteuerung (was hier verdient wird, muss auch hier versteuert werden, Herr Müller-Milch-Müller)
7) Meinetwegen: Abschaffung aller sonstigen Ausnahmeregelungen
8) Gleichbehandlung der Länder und Kommunen, Unterbindung bundesinterner Steuerkonkurrenz: jedes Land und Kommune bekommt einen fixen Betrag pro Bewohner.
9) Abschaffung von Beitragsbemessungsgrenzen für Krankenversichungen usw.
DAS wäre ein gerechtes Steuersystem.
Es ist doch eher ein extremistischer Ansatz, den der professor aus Heidelberg da in die Medien bringt. Die es auch noch tun.
Dann würde ich also mit einem Durchschnittseinkommen -wie bei der Kopfgeldprämie von Merkelanti und Wester(cuinamo)welle- einem Unternehmer wie Richard Oetker (der wirkt in der gleichen Stadt wie ich, nur finanziell weit erfolgreicher, um nicht zu sagen, der hat mehr in der Portokasse als ich mtl überwiesen bekomme)gleichgestellt.
Gott wie ich mich da fühle, finanziell bei den Steuern auf Augenhöhe mit Oetker.
Dafür gebührt dem Professor Dank, der ihm immer nachläuft, ihn aber wohjl nie erreichen wird.
den Herr Oetker tatsächlich zahlt. Das Bruttoeinkommen wird um die Abschreibungen verringert und danach versteuert. Als Gutverdiener habe ich trotzdem wenig Möglichkeiten, meine Steuerlast zu senken (keine Investments in Immobilien, etc.).
den Herr Oetker tatsächlich zahlt. Das Bruttoeinkommen wird um die Abschreibungen verringert und danach versteuert. Als Gutverdiener habe ich trotzdem wenig Möglichkeiten, meine Steuerlast zu senken (keine Investments in Immobilien, etc.).
"Verbrauchssteuer auf Energie, Tabak und Alkohol vor – also den Verbrauch von Produkten, durch die der Allgemeinheit Kosten entstehen."
Welche Kosten entstehen denn der Allgemeinheit durch den Verbrauch von Tabak, die der Allgemeinheit durch den Verbrauch von z.B. Pommes rot-weiss nicht entstehen?
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Wer wird das wohl sein... der Steuerzahler freillig, wie immer. Aber ist das für Sie etwas neues, zumal etwas, was anders geht? Wer soll denn sonst die Steuern zahlen?
Sobald das ganze System drastisch vereinfacht, wird das nur positive Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben können.
Nun kommen sie wieder, die Bedenkenträger. Geht nicht, unsozial, zu radikal etc.
Seien wir doch erst einmal froh für diesen Vorstoß.
Wer 1 Million jährliches Einkommen hat, zahlt 250.000 € Steuer im Jahr. Freuen wir uns, wenn er 2 Millionen verdient, dann zahlt er 500.000 € Steuern im Jahr. Und was ist die Realität?
All die nun wieder so betroffen aufschreien scheinen nicht bereit zu sein, wenigstens die 25 % Steuern zu bezahlen. Zumwinkel und C0. lassen grüßen. Der Facharbeiter lächelt hier nur müde, der ist bei 40 % Belastung angelangt.
Schluss damit, dass man sich ständig "arm" rechnen kann. Geben wir dem Vorstoß eine Chance.
meine volle Zustimmung.
"....Facharbeiter lächelt hier nur müde, der ist bei 40 % Belastung angelangt"
Daran wird sich auch nichts ändern, denn diese Belastung besteht ja nicht nur aus Steuern, gelle!?
Das ist aber nicht Wahr. Bei 59%. Da wird ein Schuh draus. Alles was man verdient, wird früher oder später wieder ausgegeben. Es fällt also auf den gesamten Lohn Mehrwertssteuer an. Schon mal bedacht?
...Kirchhof ist ein neoliberaler Hoffnungsträger der Besserverdienerkreise. Wie sonst kann es sein, dass sein Vorschlag einer quasi Flat-Tax sofort durch alle Medien gejubelt wird? Allein die Abschaffung der Steuerprogression wäre ein Verbrechen.
Aber bitte: man kann über alles reden, wenn vernünftige Alternativen aufgezeigt werden. Nur: reden (und uns darüber abstimmen lassen) wollen besagte Kreise natürlich keinesfalls.
meine volle Zustimmung.
"....Facharbeiter lächelt hier nur müde, der ist bei 40 % Belastung angelangt"
Daran wird sich auch nichts ändern, denn diese Belastung besteht ja nicht nur aus Steuern, gelle!?
Das ist aber nicht Wahr. Bei 59%. Da wird ein Schuh draus. Alles was man verdient, wird früher oder später wieder ausgegeben. Es fällt also auf den gesamten Lohn Mehrwertssteuer an. Schon mal bedacht?
...Kirchhof ist ein neoliberaler Hoffnungsträger der Besserverdienerkreise. Wie sonst kann es sein, dass sein Vorschlag einer quasi Flat-Tax sofort durch alle Medien gejubelt wird? Allein die Abschaffung der Steuerprogression wäre ein Verbrechen.
Aber bitte: man kann über alles reden, wenn vernünftige Alternativen aufgezeigt werden. Nur: reden (und uns darüber abstimmen lassen) wollen besagte Kreise natürlich keinesfalls.
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meine volle Zustimmung.
"....Facharbeiter lächelt hier nur müde, der ist bei 40 % Belastung angelangt"
Daran wird sich auch nichts ändern, denn diese Belastung besteht ja nicht nur aus Steuern, gelle!?
Bei jedem Euro, den ein Alleinverdiener über 52 152 € im Jahr verdient, wird 42 Prozent als Steuer fällig, da ist der Soli noch nicht mal dabei.
Bei jedem Euro, den ein Alleinverdiener über 52 152 € im Jahr verdient, wird 42 Prozent als Steuer fällig, da ist der Soli noch nicht mal dabei.
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