GlossarKrisensprech für Dummies

Wie geht es weiter mit Spanien und Italien? Wie funktioniert der Fiskalpakt? Und was bitte schön ist eine Bankenunion? Begriffe und Akteure der Schuldenkrise von A bis Z von , und

A wie Anleihe
A wie Ausfallrisiko
B wie Bail-out
B wie Banken
B wie Bankenunion
B wie Bonität
B wie Bürgschaft
C wie CDS
E wie EFSF
E wie ESM
E wie Euro-Bonds
E wie Europäischer Währungsfonds EWF
E wie EZB
F wie Fiskalpakt
G wie Griechenland
G wie GIPS
H wie Haircut
H wie Hebel
H wie Hochfrequenzhandel
I wie Irland
I wie Italien
L wie Leerverkäufe
P wie PIGS
P wie Portugal
P wie Privatsektor
R wie Rating-Agenturen
R wie Rettungspakete
R wie Rezession
S wie Schuldenschnitt
S wie Spanien
S wie Staatsanleihen
S wie Staatsbankrott
T wie Transferunion
T wie Troika
U wie Umschuldung
U wie USA
Z wie Zins-Spread
 

A wie Anleihe: Staaten und Unternehmen verschulden sich, indem sie Anleihen ausgeben. Im Gegenzug erhalten sie Kredit. Jede Anleihe lautet auf einen bestimmten Wert – den Nominalwert, auch Nennwert genannt – und wird für eine bestimmte Laufzeit sowie zu einem bestimmten Zinssatz ausgestellt. Je länger die Laufzeit, desto höher in der Regel das Risiko für den Anleger und damit der Zins. Gleiches gilt für das Ansehen des Schuldners am Kapitalmarkt: Je schlechter es ist, desto höher ist das Risiko für den Anleger und damit der Zins. (siehe auch: Bonität , Rating-Agenturen , Staatsanleihen )

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Anleihen sind zumeist an den Börsen handelbar. Ihr Kurs kann über den Nominalwert steigen oder darunter sinken. Spanische und italienische Anleihen beispielsweise wurden zuletzt zu einem sehr niedrigen Kurs gehandelt. Weil die Anleger das Risiko eines Zahlungsausfalls relativ hoch einschätzten, waren sie nicht mehr bereit, den Ausgabepreis zu zahlen. Wie hoch die Rendite einer Anleihe ist, hängt von vier Faktoren ab: dem aktuellen Kurs am Markt, dem Zins, dem Rückkaufwert und der Restlaufzeit.

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A wie Ausfallrisiko: Risiko, dass ein Schuldner seine Kredite nicht mehr zurückzahlen kann. (siehe auch: Bonität )

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B wie Bail-out: To bail out bedeutet eigentlich nur, jemandem aus der Klemme zu helfen, indem man seine Schulden übernimmt, weil der andere sie nicht mehr zurückzahlen kann. Ein Bail-out tritt also ein, wenn eine Garantie (siehe auch: Bürgschaft ) fällig wird. In der Finanzkrise von 2008 wurde der Begriff dafür benutzt, dass einzelne Staaten ihre Banken vor der Pleite bewahrten. Die Geldinstitute galten als "systemrelevant": Man fürchtete, ihr Bankrott würde das ganze Finanzsystem und mit ihm die Wirtschaft mit in den Abgrund reißen.

Innerhalb der Euro-Zone sind Bail-outs eigentlich vertraglich ausgeschlossen. Durch die diversen Rettungspakete wurde das Verbot aber inzwischen aufgeweicht (siehe auch: EFSF , EWF , Transferunion ) .

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B wie Banken:Europas Schuldenkrise ist zum Teil auch eine Bankenkrise. Die Institute halten Staatsanleihen von hoch verschuldeten Staaten – verlieren diese an Wert oder fallen sogar ganz aus, müssen die Banken Verluste verbuchen. So kam es im Fall von Griechenland: Die Politik hatte mit den Banken auf dem EU-Gipfel im Oktober 2011 verabredet, dass Griechenland rund 50 Prozent der Schulden von den privaten Gläubigern erlassen bekommt. Das entspricht etwa 100 Milliarden Euro der insgesamt 350 Milliarden Euro griechischer Schulden. Der Schuldenschnitt sollte über einen "freiwilligen" Austausch organisiert werden: Die Banken und Versicherungen tauschen ihre Anleihen in Bonds mit geringerem Nennwert. Im März 2012 geschah genau das : Mehr als 80 Prozent der Gläubiger stimmten dem Umtausch zu. ( siehe auch: Umschuldung )

Die italienischen Staatsanleihen sind vor allem in den Händen italienischer Banken. Ausländische Geldhäuser, unter ihnen französische und deutsche Institute, halten nur einen kleinen Teil.

In Spanien hingegen haben die Banken vor allem mit den Nachwehen des Immobilienbooms zu kämpfen. Weil die Immobilienpreise abstürzten, können viele Hauseigentümer ihre Kredite nicht mehr zahlen. Die Banken machen Verluste – und bringen so den Staat in Bedrängnis.

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B wie Bankenunion: Bezeichnung für den Plan, den europäischen Bankensektor zu vergemeinschaften. Geht zurück auf einen Vorstoß von EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso, der später von Wettbewerbskommissar Michel Barnier ausgearbeitet wurde. Barniers selbst erklärtes Ziel war, dass nicht der Steuerzahler geradestehen solle, wenn Banken pleitegehen, sondern die Gläubiger und Eigentümer. Mit seinem Gesetzesvorschlag will die Kommission künftig zur Prävention Sanierungs- und Abwicklungspläne von Banken einfordern, damit im Falle einer drohenden Pleite keine Panik ausbricht. Eine gegenseitige Stützung europäischer Institute ist ein weiterer Vorschlag. So sollen Spareinlagen europaweit gesichert werden. Zugleich ist geplant, die europäischen Aufsichtsbehörden mit weitreichenden Durchgriffsrechten zu versehen, bis hin zu Eingriffen in das Management der Institute.

Kritiker monieren jedoch, der Vorschlag laufe vor allem auf mehr Macht für Brüssel heraus und darauf, dass Deutschland zahlt. Auf dem EU-Gipfel vom 29. Juni 2012 stemmte sich Bundeskanzlerin Merkel zunächst gegen die Pläne einer Bankenunion. Am Ende jedoch wurde ein "einheitlicher Aufsichtsmechanismus für Banken des Euro-Währungsgebiets" beschlossen. Zudem sollen die Banken künftig direkt Hilfen aus dem Rettungsfonds ESM erhalten können. Ab kommendem Jahr schon soll nach Ansicht der EU-Kommission die EZB die Aufsicht über alle 6.000 Banken im Euro-Gebiet übernehmen. In Deutschland stößt dies auf heftigen Widerstand. Parlamentarier pochen auf die strikte Trennung von Bankenaufsicht und Geldpolitik.

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B wie Bonität: Die Fähigkeit von Personen oder Staaten, Kredite zurückzahlen zu können. Wird auch Kreditwürdigkeit genannt. (siehe auch: Rating-Agenturen )

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B wie Bürgschaft:  Auch "Garantie" genannt. Wenn jemand einen Kredit aufnimmt, kann es sein, dass der Kreditgeber eine Bürgschaft als zusätzliche Sicherheit verlangt. Der Bürge garantiert dann für die Schulden. Das bedeutet, dass er einspringt, falls der Schuldner den Kredit nicht mehr zurückzahlen kann. In der Euro-Krise bürgen die Euro-Mitgliedsstaaten für die griechischen Schulden, zum Beispiel indem sie eine Garantie für die Summen abgeben, die der Rettungsfonds EFSF und sein Nachfolger ESM vergeben sollen. Davon haben bislang auch Irland und Portugal profitiert, bald auch Spanien. (siehe auch: Bail-Out , EFSF , ESM )

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C wie CDS: CDS steht für Credit Default Swap , eine bestimmte Art von Kreditausfallversicherung. Ein Kreditgeber schließt sie ab, indem er seiner Bank eine Prämie zahlt. Im Gegenzug springt diese ein, sollte der Schuldner zahlungsunfähig werden – dann zahlt die Bank die Schulden zurück. Der Kreditgeber minimiert so sein Risiko. Kann der Schuldner aber den Kredit wie vorgesehen tilgen, kassiert die Bank die Prämie und zahlt nichts. Für sie ist das ein gutes Geschäft.

CDS sind auch einzeln handelbar. Das bedeutet, dass jeder Anleger sie kaufen und verkaufen kann, selbst wenn er mit dem ursprünglich versicherten Kredit nichts zu tun hat. So kann er beispielsweise darauf wetten, dass der Kredit nicht bedient wird.

In der Finanzkrise des Jahres 2008 spielten die CDS eine wesentliche Rolle, weil sie das Spekulationsrisiko auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vermeintlich minimierten und so die Blase verstärkten. In der aktuellen Euro-Krise sind sie ebenfalls nicht unwichtig: Sie ermöglichen es den Investoren, ihr Geld auf eine Pleite Griechenlands zu setzen. Viele Spekulanten haben das bereits getan. Gewinnen sie ihre Wette, würden Zahlungen über Summen fällig, die ein Vielfaches der Schulden Griechenlands betragen.

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E wie EFSF: EFSF steht für "Europäische Finanz-Stabilitätsfazilität". Fazilität ist noch so ein Wort aus dem Sprachkasten der Finanzfachleute und heißt im Grunde nichts anderes als: Fonds, aus dem Kredite gewährt werden können. Seit dem 9. Mai 2010 konnten kriselnde Euro-Länder Kredite aus der EFSF beantragen, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Insgesamt ist der Fonds mit 780 Milliarden Euro besichert und kann 440 Milliarden verleihen. Die Kredite waren an strenge Sparauflagen für die Krisenländer gekoppelt, die von der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank EZB und dem Internationalen Währungsfonds IWF ausgehandelt werden.

Das nötige Geld für Hilfsaktionen hat sich die EFSF beschafft, indem sie Anleihen an die Börse gebracht hat. Bislang hat sie insgesamt 192 Milliarden Euro für Irland, Portugal und Griechenland bereitgestellt. Spanien hat für seinen kriselnden Bankensektor zudem 100 Milliarden Euro beantragt.

Die Tage der EFSF sind allerdings gezählt. Sie wurde mittlerweile von einem dauerhaften Rettungsinstrument abgelöst, dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Bis Ende Juli 2013 werden EFSF und ESM parallel arbeiten. (siehe auch: Europäischer Währungsfonds , EZB , Hebel , Irland , Italien , Portugal , Rating-Agenturen )

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E wie ESM:  Der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM soll offiziell am 8.Oktober 2012 starten. Er umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Dies soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen.

Im Gegensatz zum alten Krisenfonds EFSF wird der neue Fonds bis Mitte 2014 mit einer Kapitaleinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet, der Rest finanziert sich über Garantien. Deutschland gibt 22 Milliarden Euro Kapitaleinlage und garantiert weitere 168 Milliarden. Damit ist die Bundesrepublik der wichtigste Geldgeber. Das Bundesverfassungsgericht hatte im September in einem Urteil betont, dass die deutsche Haftung ohne eine Zustimmung des Bundestags nicht erhöht werden dürfe.

Der Rettungsfonds soll dann einspringen, wenn sich Länder nicht mehr mit eigener Kraft oder nur noch mit Schwierigkeiten am Kapitalmarkt finanzieren können. Das war zuletzt bei rund sieben Prozent Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen der Fall. Jeder Staat, der Hilfen beantragt, muss im Gegenzug Sparauflagen erfüllen, die in einem so genannten Memorandum of Understanding (MoU) festgeschrieben werden. Die Reformvorgaben orientieren sich dabei an den Länderempfehlungen der Europäischen Kommission.

Die EZB hat ihre Anleihenkäufe davon abhängig gemacht, dass ein Land zuvor ein Reformprogramm mit dem ESM unterzeichnet.

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E wie Euro-Bonds: Europäische Anleihen. Sie sind derzeit in der Diskussion als eine Möglichkeit, den Schuldenstaaten Europas zu helfen . Statt nationaler Staatsanleihen würden die Euro-Länder in Zukunft einheitliche Anleihen zu einem ebenfalls einheitlichen Zinssatz ausgeben. Damit wäre die Refinanzierung für schwache Volkswirtschaften viel einfacher, da günstiger. Deutschland müsste aber künftig mehr am Kapitalmarkt zahlen.

Gegner der Euro-Bonds sagen, mit ihnen entfiele für die Krisenstaaten jeder Anreiz, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Sie würden weiter öffentliche Gelder verschwenden. Solide Länder wie Deutschland müssten dafür aufkommen. Eine Möglichkeit, solche Anreizprobleme zu vermeiden, wäre, nicht alle Schulden über Euro-Bonds zu decken. Dann würden womöglich 60 Prozent der Staatsschulden in der Euro-Zone durch die Ausgabe von Euro-Bonds finanziert, der Rest über nationale Staatsanleihen wie bisher.

Ein weiterer Vorschlag stammt vom  deutschen Sachverständigenrat : Er schlägt einen Schuldenfonds vor, in den die Krisenstaaten all jene Schulden auslagern können, die 60 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen. Der Fonds würde für diesen Teil der Staatsschuld gemeinsame Anleihen – also Euro-Bonds – ausgeben, für die alle Staaten der Euro-Zone gemeinsam haften. Jedes Land müsste aber seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Fonds einzeln zurückzahlen. Auch wäre eine Schuldenbremse in jedem Land der Euro-Zone verpflichtend.

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E wie Europäischer Währungsfonds EWF: Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte die Einrichtung eines EWF schon im März 2010 vorgeschlagen. Der Fonds sollte Krisenstaaten in der Euro-Zone mit Notkrediten helfen, ähnlich wie der Internationale Währungsfonds IWF das auf globaler Ebene tut. Falls es dennoch zur Pleite käme, sollte es ein geordnetes Insolvenzverfahren im Rahmen des EWF geben. Das zumindest war damals die Idee. Schäubles Vorstoß verschwand zunächst in der Versenkung. Doch seit der Brüsseler Krisengipfel am 21. Juli 2011 den EFSF ermächtigt hat, Anleihen an der Börse zu kaufen, sehen manche im EFSF eine Art EWF-Vorstufe, und im ESM, der nach dem entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgericht im Oktober seine Arbeit aufnehmen kann, einen Quasi-EWF. Wie der IWF vergeben auch die beiden europäischen Rettungsfonds Hilfskredite – von einem Insolvenzverfahren für überschuldete Euro-Staaten ist freilich nicht mehr die Rede. (siehe auch: EFSF, ESM)

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E wie EZB: Im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion haben die nationalen Zentralbanken ihre Souveränität an die neu gegründete Europäische Zentralbank (EZB) abgegeben. Sie ist für die Geldpolitik verantwortlich, allem voran für die Preisstabilität in Europa. Ausschließlich die EZB kontrolliert die Geldmenge und legt den europäischen Leitzins fest. In der aktuellen Schuldenkrise Europas kann das problematisch sein: Eigentlich bräuchte ein Land in der Rezession, etwa Griechenland, einen besonders niedrigen Zins. Er würde Investitionen begünstigen und könnte so die Wirtschaft stützen. Ein Boomland wie Deutschland hingegen kann höhere Zinsen verkraften. Zuletzt hat die EZB ihren Leitzins unverändert niedrig bei 1,0 Prozent gelassen.

Die Zentralbank ist in der Krise auch darüber hinaus ein besonders wichtiger Akteur. Um die Refinanzierungsprobleme der Schuldenstaaten abzufedern, hat die EZB große Mengen Staatsanleihen der Krisenstaaten gekauft. Damit trägt sie einen Teil des Ausfallrisikos, und sie versucht, die Märkte zu beruhigen. (siehe auch: EFSF , Italien ) Seit November 2011 steht der Italiener Mario Draghi an der Spitze der EZB. Unter seiner Führung stellte die EZB Ende Februar 2012 den Banken rund eine Billion Euro quasi zum Nullzins zur Verfügung. In der Folge beruhigten sich die Finanzmärkte zumindest vorübergehend. Als später vor allem Spanien und Italien erneut in den Fokus der Anleihemärkte gerieten, kündigte Draghi Anfang September 2012 an, zur Bekämpfung der Krise Geld drucken zu wollen. Die EZB werde so lange Anleihen der Schuldenstaaten kaufen, bis sich die Märkte beruhigt hätten – unter der Bedingung, dass die Krisenländer zuvor Hilfe aus dem ESM beantragt hätten und damit die Sparvorgaben aus Brüssel akzeptierten. Vor allem die Deutschen haben mit dieser Politik Schwierigkeiten. Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen stimmte im EZB-Rat als einziger gegen die Entscheidung.

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F wie Fiskalpakt: Zwischenstaatlicher Vertrag, der im März 2012 von allen EU-Mitgliedern – außer Großbritannien und Tschechien – unterzeichnet wurde. Der Pakt sieht vor, dass die Mitgliedsstaaten strengere Verschuldungsregeln in ihre Verfassungen schreiben (oder ähnlich in ihrer Gesetzgebung verankern). Der "Vertrag für Stabilität, Koordination und Regierungsführung" verpflichtet die Mitgliedsstaaten dabei, ihr jährliches gesamtstaatliches strukturelles Defizit im Durchschnitt nicht über 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen zu lassen. Alle Länder, deren Schuldenstand zugleich über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent liegt, müssen diese Marke mittelfristig wieder erreichen. Kritiker monieren, der Pakt setze zu stark auf Sparmaßnahmen – und zu wenig auf Wachstum . Die Opposition in Deutschland knüpfte die Zustimmung zum Pakt an die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

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G wie Griechenland:Griechenlands Krise beginnt im Frühjahr 2010, als das Land die Angaben zu seinem laufenden Staatsdefizit korrigieren muss. Zunächst erhöht die Regierung ihre Angaben auf 12,5 Prozent, dann auf 15,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Daraufhin übernimmt die EU die Kontrolle über den griechischen Haushalt. Ratingagenturen stufen griechische Staatsanleihen auf Ramsch-Niveau.

Gleich zwei Hilfspakete hat Griechenland seit Ausbruch der Krise bereits erhalten. Rund 150 Milliarden Euro von zugesagten 240 Milliarden Euro wurden ausgezahlt. Doch die Wirkung ist bislang verpufft. Die Gelder verwendet Griechenland vor allem für Zinstilgungen, für Investitionen bleibt kaum etwas übrig. Auch der Schuldenschnitt von privater Seite brachte wenig: Im März verzichteten Banken, Versicherungen und Privatanleger auf 53,3 Prozent ihrer Forderungen. Der Haircut sorgte nur für noch mehr Verunsicherung an den Kapitalmärkten. Jüngsten Prognosen zufolge könnte die Schuldenquote im kommenden Jahr auf rund 176 Prozent des Bruttoinlandprodukts erreichen. Die Wirtschaft wird erneut einen Einbruch erleben, das sechste Jahr in Folge. Die Bevölkerung geht derweil auf die Straßen, erst Ende September 2012 erlebte Griechenland den 26. Generalstreik seit Ausbruch der Krise.

Seit Wochen ist nun wieder die Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission im Land unterwegs. Ohne ihr positives Urteil wird die nächste Hilfszahlung über 31,5 Milliarden Euro, auf die Athen wartet, nicht ausgezahlt werden. Die Troika verlangt noch mehr Reformen und eine konsequentere Umsetzung. Zugleich will sie den Staatsbankrott und den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone verhindern. (siehe:  Banken , GIPS )

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G wie GIPS:  Abkürzung für die Krisenstaaten Griechenland, Irland (wahlweise Italien), Portugal und Spanien. Ursprünglich in anderer Reihenfolge auch PIGS genannt.

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H wie Haircut : siehe Umschuldung .

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H wie Hebel:   Der sogenannte Hebel sollte im Oktober 2011 die Möglichkeiten des Europäischen Rettungsfonds EFSF  erweitern, ohne dass die Geld gebenden Staaten neue Mittel bereitstellen müssen. Denn wenn ein Land wie Italien ins Schlingern geriete, wären die Mittel des Fonds sehr schnell erschöpft. Wenn ein kriselndes Euro-Land neue Staatsanleihen herausgibt, würde der EFSF den aktuellen EU-Beschlüssen zufolge für etwa 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens garantieren. Dadurch würde sich das Risiko der Käufer, etwa Banken und Versicherungen, minimieren. Der Anreiz, die Anleihen zu kaufen, stiege; im Gegenzug sänken die Zinsen, die der Staat zahlen muss.

Der Hebel besteht also darin, dass durch eine staatliche Teil-Ausfallversicherung privates Kapital mobilisiert wird. Das ist effektiver, als wenn der EFSF alleine die Anleihe kaufen würde, was seine Mittel überstrapazieren würde. Die Milliarden des EFSF, also die 440 Milliarden Euro, würden dadurch nicht erhöht oder "gehebelt", er gibt lediglich Ausfallgarantien ab. Im Ergebnis soll der Finanzspielraum des Rettungsschirms so auf mehr als eine Billion Euro gesteigert werden.

Zuletzt wurde auch über einen Hebel für den ESM diskutiert. Medienberichten zufolge sollte der ESM durch einen Hebel im Ernstfall über zwei Billionen Euro verfügen können, um auch große Länder wie Italien und Spanien stützen zu können. (siehe auch: Staatsanleihen , Banken , EFSF, ESM).

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H wie Hochfrequenzhandel:  Auf gut Börsenenglisch auch High Frequency Trading (HFT)  genannt. Im Hochfrequenzhandel wechseln Papiere innerhalb von Mikrosekunden den Besitzer – das ist schneller als der Flügelschlag einer Stubenfliege . Moderne Computer machen's möglich. Ziel der Zocker ist, minimale Kursbewegungen auszunutzen, indem die Software schneller darauf reagiert, als menschliche Börsenmakler es könnten. Der superschnelle Handel erhöht die Umsätze an den Börsen, und Experten sagen, er mache die Aktienmärkte instabil .

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I wie Irland:  Vor der Finanzkrise galt Irland als stabile Volkswirtschaft. Doch die Probleme der heimischen Banken haben Irland im Jahr 2010 als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF gezwungen. Im Gegenzug musste das Land deutliche Einsparungen vornehmen. Mitte Juli 2011 haben die Rating-Agenturen irische Staatsanleihen auf Ramschniveau herabgestuft, worüber sich viele Politiker Europas empört haben. Mittlerweile aber macht das Land Fortschritte: Das Haushaltsdefizit betrug im Jahr 2011 nur noch zehn Prozent – ein Jahr vorher hatte es noch bei 30 Prozent gelegen. Allerdings macht der harte Sparkurs dem Land zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit liegt weiterhin über 14 Prozent, der Konsum ist zum Teil drastisch eingebrochen. Einige Experten im Land erwarten deshalb, dass Irland erneut in eine Rezession stürzen könnte. Womöglich braucht es sogar ein zweites Rettungspaket.

Als Spanien und Italien auf dem EU-Krisengipfel im Juni 2012 durchsetzten, dass künftig Finanzhilfen für in  Not geratene Länder "flexibler" gewährt werden sollten  durchsetzten, wurde vereinbart, auch die Lage des irischen Finanzsektors zu prüfen – also die Sparauflagen möglicherweise zu lockern: "Vergleichbare Fälle werden gleich behandelt", hieß es in der Abschlusserklärung. (siehe auch: EFSF , Rating-Agenturen , GIPS )

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I wie Italien: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union. Auch Italien ist hoch verschuldet: Nur die USA und Japan haben sich von den Finanzmärkten mehr Geld geliehen. Italiens Schuldenquote beträgt mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, jedes Jahr zahlt das Land fast 80 Milliarden Euro Zinsen. Die frühere Regierung unter Premierminister Silvio Berlusconi kündigte deshalb Anfang Juni 2011 ein Sparprogramm an, das  jedoch an Differenzen zwischen Berlusconi und seinem Finanzminister Giulio Tremonti scheiterte. Am 11. Juli reagierten die Anleger : Massenweise verkauften sie italienische Staatsanleihen . Der Euro stürzte ab , ebenso die Aktienkurse in Europa und den USA. Es folgte ein Krisengipfel in Brüssel. Das italienische Parlament verabschiedete das Sparprogramm im Eiltempo , um die Anleger wieder zu beruhigen. Am 8. November lässt Berlusconi über den Präsidenten seinen Rücktritt ankündigen .

Die Anleger entziehen dem Land daraufhin fast vollständig das Vertrauen. Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen erreichen mit mehr als sieben Prozent einen Höchststand seit der Einführung des Euro. Der Grund für die Nervosität: Italien ist so groß, dass niemand das Land retten kann (siehe auch:  Bail-out) . Könnte das Land seine Schulden nicht mehr bedienen, würde die Euro-Zone das nicht verkraften. Der neue Premier Mario Monti beschließt Reformen im Rekordtempo, doch die Konjunktur bricht im Verlauf des Jahres 2012 drastisch ein: Im ersten Quartal schrumpft sie um 0,8 Prozent, für das gesamte Jahr soll die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent sinken. Monti reagierte hierauf zuletzt mit Trotz: Deutschland solle sich nicht länger gegen  Euro-Bonds sperren – und "tiefer in sich gehen", um die Konjunktur in Europa zu stützen. Auf dem Krisengipfel am 29. Juni 2012 in Brüssel setzten Monti und der spanische Premier Mariano Rajoy durch, dass den in Not geratenen Ländern künftig "flexibler" Finanzhilfe gewährt werden solle. (siehe auch: EZB , GIPS )

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L wie Leerverkäufe: Leerverkäufe sind eine Methode, um auf fallende Kurse zu spekulieren. Die Spekulanten leihen sich Aktien und verkaufen diese zu einem hohen Kurs – mit dem Ziel, sie nach einem Kurssturz günstiger wieder zurückzukaufen. Geht die Rechnung auf, ist der Unterschied zwischen hohem Verkaufspreis und niedrigem Rückkaufspreis ihr Profit. Bei sogenannten ungedeckten Leerverkäufen haben sich die Investoren noch nicht einmal die Papiere geliehen. Je größer die Aktienpakete sind, die "leer" gehandelt werden, desto stärker können solche Geschäfte die Kursbewegungen an den Börsen verstärken. Leerverkäufe gelten als mögliche Ursache der starken Kursverluste, die um den 10./11. August 2011 an europäischen Börsen auftraten. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe seit Herbst 2010 verboten.

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P wie PIGS: So wurden die Krisenländer Portugal, Italien (Irland), Griechenland und Spanien zunächst genannt. Inzwischen hat sich das politisch korrektere GIPS durchgesetzt. 

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P wie Portugal : Das Land ist der ärmste Staat Westeuropas. Die Finanzkrise hat Portugal in die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Nelkenrevolution 1974 gestürzt. Um einen Staatsbankrott zu verhindern, hat Portugal Anfang Mai 2011 mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro ausgehandelt. Der EFSF hat bislang Anleihen im Wert von rund 14 Milliarden Euro ausgegeben, um Kredite für Portugal zu finanzieren.

An die Hilfe geknüpft sind massive Sparpläne: Steuervergünstigungen sollen gestrichen, Renten gekürzt und die Beamtengehälter eingefroren werden. Dagegen demonstrieren die Portugiesen heftig. Vor allem die Jungen sagen, sie könnten nicht noch mehr entbehren. In Portugal ist die Arbeitslosenquote zuletzt auf den Rekordstand von rund 15 Prozent Prozent geklettert, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 35 Prozent. (siehe auch: EFSF , GIPS )

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P wie Privatsektor: Auch "private Gläubiger" genannt, meist im Zusammenhang mit der Frage, ob "der Privatsektor" einen Teil der griechischen Verluste trägt (siehe auch: Banken ) . Gemeint sind Banken und Versicherungen – und einzelne private Anleger. Zwar besitzen Einzelpersonen eher selten unmittelbar griechische Anleihen. Aber wer eine Lebens- oder Rentenversicherungspolice abgeschlossen hat, der hat Vermögen, das durchaus auch in Staatspapieren stecken kann, selten in griechischen, häufiger in italienischen Anleihen. So gesehen trägt jeder Versicherungskunde einen Teil des Risikos (siehe auch: Ausfallrisiko ).

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R wie Rating-Agenturen: Sie bewerten die Bonität von Firmen und Staaten . Die Ergebnisse veröffentlichen sie in Form von Buchstaben-Zahlen-Kombinationen in 21 Abstufungen von AAA (zuverlässige Schuldner, beste Qualität) bis D ( default , zahlungsunfähig). Den Gläubigern und Investoren sollen diese Ratings angeben , wie wahrscheinlich es ist, pünktlich die Zinsen sowie das verliehene Geld zurückzubekommen. Nach dem Rating richtet sich der Zinssatz, den Länder für ihre Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt entrichten müssen. Für eine Bewertung zieht eine Rating-Agentur sowohl veröffentlichte Informationen als auch Interna wie Informationen über die zehn größten Kunden, Finanzpläne, die wichtigsten Wettbewerber und genaue Kosten- und Ertragsstrukturen heran. Mindestens einmal im Jahr wird das Rating aktualisiert. (siehe auch:  Anleihe , Bonität , Staatsanleihen )

Anfang August 2011 verschlechterte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Note der USA: Statt eines AAA gab sie nur noch ein AA+. Grund war das politische Gezerre um die amerikanische Schuldenpolitik . Welche Folgen die Herabstufung haben wird, ist noch nicht ganz klar.

Für Unmut sorgte S&P Anfang November 2011: Aus Versehen stufte sie Frankreich herab, um sich zwei Stunden später zu korrigieren . Als sich im Juni 2012 die Euro-Krise wieder zuspitzte, verschlechterte die Agentur Moody's ihre Note für die deutschen Banken . Wenig später senkte Fitch ihre Einschätzung der spanischen Bonität um drei Noten und erhöhte den Druck auf die US-Regierung.

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R wie Rettungspakete : Im Mai 2010 verabschieden die Finanzminister der EU und des IWF parallel zum zweiten Sparpaket des griechischen Parlaments ein erstes Rettungspaket. Da am Kapitalmarkt niemand mehr griechische Anleihen kaufen will, bekommt Griechenland über drei Jahre hinweg insgesamt 110 Milliarden Euro in Form von Krediten und Bürgschaften – geknüpft an die Bedingung, dass alle drei Monate die Sparbemühungen überprüft werden. Dieses erste Rettungspaket für Griechenland hat noch nichts mit dem Rettungsfonds EFSF zu tun, aus dem bislang auch Irland und Portugal Geld erhalten.

Ein zweites Rettungspaket sollte eigentlich erst im Herbst 2011 verabschiedet werden. Da die Krise sich aber schon im Juli wieder zuspitzte, einigten sich die Staats- und Regierungschefs schon am 22. Juli in Brüssel auf erneute Hilfe. Das zweite Rettungspaket hat ein Gesamtvolumen von 109 Milliarden Euro und wird getragen von den Euro-Mitgliedsstaaten, dem IWF und der Finanzwirtschaft. Griechenland muss für seine Kredite aus dem Rettungsfonds EFSF künftig weniger Zinsen zahlen (siehe auch:  EFSF ). Die Banken und Versicherungen verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen und akzeptieren längere Laufzeiten ( siehe auch: Anleihe ). Der EFSF wird zudem ermächtigt, an der Börse Anleihen zum gegenwärtigen Kurs zu kaufen, um die Papiere zu stützen ( siehe auch: EWF , EZB ).

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R wie Rezession : Wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst oder sogar schrumpft, spricht man von einer Rezession. Das Gegenteil ist der Aufschwung oder Boom. Dauert eine Rezession besonders lange an und wird sie etwa von hoher Arbeitslosigkeit begleitet, befindet sich die Volkswirtschaft in einer Depression.

Derzeit befinden sich Griechenland, Portugal und Spanien in einer Rezession – verstärkt durch das Sparprogramm, dem sich die Länder unterwerfen, um ihren Haushalt wieder in den Griff zu bekommen. Eine weitere Sorge der Finanzmärkte gilt den USA : Die Wirtschaft wächst nur wenig, die Bürger konsumieren kaum, der Immobilienmarkt hat sich noch nicht wieder erholt. Die gerade zwischen Demokraten und Republikanern vereinbarten Sparauflagen könnten die Konjunktur zusätzlich belasten. Auch in der Europäischen Union wächst derzeit die Sorge vor einem Rückfall in die Rezession. 

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S wie Schuldenschnitt:   siehe Umschuldung.

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S wie Spanien:  Auch Spanien steckt in der Krise, seit die Immobilienblase im Land platzte. Seither sitzen die Banken auf faulen Krediten. 60 Milliarden Euro werden sie wohl brauchen, um die Löcher in ihren Bilanzen zu stopfen. Rund 4,7 Millionen Spanier sind arbeitslos, das sind rund 25 Prozent. Unter den Jugendlichen ist die Rate ungefähr doppelt so hoch. Viele suchen ihr Glück im Ausland. Die Regierung spart eisern, Sozialleistungen werden gestrichen. Offenbar wächst der Widerstand: Jüngste Proteste mündeten in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei

Dass sich die Euro-Krise auf Spanien ausbreiten könnte, galt lange als eher theoretisches Horrorszenario. Doch Anfang 2012 beginnen die Zinsen für spanische Staatsanleihen drastisch zu steigen, das Land kann sich immer schwerer Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Am 5. Juni gibt Spaniens Finanzminister zu, dass für Spanien die "Tür zum Markt" verschlossen ist. Vier Tage später, am 9. Juni, gewährt die Euro-Zone der spanischen Regierung eine Nothilfe in Höhe von 100 Milliarden Euro. Mit dem Geld soll der spanische Bankensektor rekapitalisiert werden. Spaniens Premier Rajoy beharrt darauf, es handele sich nicht um die "Rettung" des Landes.

Bislang weigert sich Rajoy, offiziell weitere Hilfen in Brüssel zu beantragen. Dazu müsste er den Rettungsfonds ESM in Anspruch nehmen. Doch damit würde er die strengen Sparauflagen akzeptieren, die die Euro-Zone zur Bedingung von Hilfskrediten gemacht hat. Das will er offenbar um jeden Preis vermeiden. Dennoch hat seine Regierung den Haushalt für 2013 so konzipiert, dass er den ESM-Vorgaben entspräche.

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S wie Staatsanleihen:  Anleihen, die von einem Staat ausgegeben werden, um neues Kapital zu erwerben. Sie haben einen festen, garantierten Zinssatz und oft eine lange Laufzeit von beispielsweise zehn oder gar 30 Jahren. Vor der Euro-Krise galten Staatsanleihen als vergleichsweise sichere Anlageform, dieser Ruf ändert sich aber derzeit, auch aufgrund der US-Schuldendebatte . (siehe auch:  Anleihe , Bonität )

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S wie Staatsbankrott:  Am Kapitalmarkt spricht man von Staatsbankrott, sobald eine Regierung eine einzige Kreditrückzahlung nicht mehr leistet. Argentinien musste 2001 den Staatsbankrott verkünden . Island stand im Oktober 2008 kurz davor, die EU intervenierte mit einem Notkredit. Auch im Fall Griechenlands sucht die EU nach Strategien, einen Bankrott abzuwehren, beispielsweise mit Rettungspaketen und Umschuldungen.

Ob ein Staat bankrott ist, hat nichts mit der absoluten Höhe seiner Schulden zu tun. Man muss die Verschuldung erst ins Verhältnis zur Wirtschaftskraft eines Landes setzen, also zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wirklich entscheidend für einen Staatsbankrott ist aber, ob eine Regierung die Zinsen bezahlen kann und ob sie Investoren findet, die ihr auch künftig neue Schuldenpapiere abkauft.

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T wie Transferunion : Man könnte meinen, die Europäische Union sei schon längst eine Transferunion. Schließlich finanzieren die reichen Länder den größten Teil des EU-Haushalts und hohe Summen fließen als Subventionen, meist an ärmere Länder. Doch in der aktuellen Debatte bedeutet eine Transferunion die Idee, dass EU-Mitgliedsstaaten mit soliden Staatsfinanzen grundsätzlich für die Schulden jener einstehen, die schlechter gewirtschaftet haben – dass also etwa Deutschland für die griechischen Schulden garantiert, weil Griechenland es selbst nicht mehr kann. Ein Schritt in diese Richtung wäre die Emission gemeinsamer Anleihen (siehe auch: Euro-Bonds , EWF ) . Denkbar wären aber auch direkte Ausgleichszahlungen oder die Vergemeinschaftung der Schulden. In einer Transferunion wären solche Geldflüsse fest institutionalisiert. Das muss nicht bedeuten, dass sie auf ewig flössen.

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T wie Troika : Bezeichnung für eine Führungsspitze, die aus drei Personen besteht. In Europas Schuldenkrise wird der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Kommission gebraucht, die über die Umsetzung der Reformprogramme in den Ländern wachen, die Hilfen aus dem Rettungsfonds beziehen.

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U wie Umschuldung: Umschuldung heißt , dass ein Schuldner (ein Land, ein Unternehmen, eine Privatperson) seine Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen kann. Dann muss er sich mit seinen Gläubigern auf neue Rückzahlbedingungen einigen, etwa in Form von längeren Fristen oder niedrigeren Zinsen. Oft verzichten die Gläubiger auch auf einen Teil ihrer Forderungen. Soweit, so einfach. Doch die Details sind kompliziert.

Kommt es zu einer sanften Umschuldung, tauschen die Gläubiger ihre bisherigen Anleihen in neue mit längerer Laufzeit um. Sie gewähren dem Schuldner also einen Aufschub. Möglich ist auch, dass sie auf einen Teil ihrer Zins- oder Tilgungsansprüche verzichten und ihre Anleihen im Gegenzug in sicherere Papiere umtauschen lassen. Auch ein Anleiherückkauf durch den Schuldner ist möglich.

Eine harte Umschuldung, auch Schuldenschnitt oder Haircut genannt, bedeutet immer, dass die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Ein verschuldetes Land ist damit schlagartig einen Teil seiner Schulden los. Die Gläubiger, allen voran die Banken, machen Verluste. Das Land schadet aber auch nachhaltig seiner Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt.

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U wie USA:  Wenn es ein Land gibt, das sein Wachstum in der Vergangenheit durch – private und öffentliche – Schulden finanziert hat, dann sind das die USA. Jetzt funktioniert das alte Modell nicht mehr: Die Überschuldung der privaten Haushalte wurde spätestens mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts offenbar. Er begrenzte die Möglichkeit, Konsum durch die Beleihung des Eigenheims zu finanzieren. Die hohe Arbeitslosigkeit beschnitt die finanziellen Möglichkeiten der Privatleute zusätzlich. Ihr Vertrauen in die Erholungskraft der Wirtschaft sank. Weniger Konsum und noch weniger Wachstum waren die Folge. Um die Wirtschaft anzukurbeln, muss Präsident Obama vor allem mehr Jobs schaffen. 450 Milliarden Dollar will er dafür ausgeben.

Dabei sind die öffentlichen Kassen der USA klamm. Anfang August 2011 einigten sich Republikaner und Demokraten in Washington, die gesetzliche Schuldengrenze für die USA zu erhöhen. Zugleich aber vereinbarten sie Einsparungen. Steuererhöhungen ließen sich gegen den Widerstand der Tea Party nicht durchsetzen. Vorausgegangen war ein zäher politischer Streit. Wenig später senkte die Rating-Agentur Standard & Poor's ihre Bewertung der US-Staatsschuld von AAA, der Bestnote, auf AA+. Die Analysten begründeten das vor allem mit den politischen Verhältnissen in Washington. Welche Folgen die Herabstufung haben wird, ist umstritten. (siehe auch: Rating-Agenturen, Rezession)

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Z wie Zins-Spread: Wer Anleihen ausgibt, erhält Kredit und zahlt dafür Zinsen. Die sind hoch, wenn eine Anleihe als besonders riskant gilt. Der Spread, zu Deutsch: Zinsdifferenz, gibt den Unterschied zwischen dem Zinssatz einer riskanten Anleihe und dem Zinssatz einer anderen Anleihe mit gleicher Laufzeit, die als weitgehend risikolos betrachtet wird, an. Die Zinsen griechischer oder spanischer Anleihen werden in der Regel mit den Zinsen deutscher Anleihen verglichen. Angenommen, Deutschland zahlt also beispielsweise zwei Prozent Zinsen auf dem Kapitalmarkt und Griechenland 16, wäre der Zins-Spread Griechenlands 14 Prozent.

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Anmerkung: Dieses Glossar wurde erstmals im Juli 2011 veröffentlicht und seither mehrfach aktualisiert.

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Leserkommentare
    • Necom
    • 26. Juli 2011 12:04 Uhr

    In Neusprech vereint gegen das Volk.

    5 Leserempfehlungen
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    Hallo Necom,
    .
    Tatsächlich ist der Titel des Artikels nicht geschickt gewählt. Dennoch ist es ein guter und informativer Artikel.

    • joG
    • 13. Juni 2012 18:33 Uhr

    ...während die neuen relativ gut auffassbar wären, wenn man als "Volk" will. Jedenfalls ist es doch anerkennenswert, wenn eine Vokabelliste aufgeschrieben wird, damit das "Volk" verstehen kann, was in Die Zeit mit den Worten gemeint ist.

  1. Hallo Necom,
    .
    Tatsächlich ist der Titel des Artikels nicht geschickt gewählt. Dennoch ist es ein guter und informativer Artikel.

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    Antwort auf "Krieg der Worte"
  2. "In der aktuellen Schuldenkrise Europas kann das problematisch sein: Eigentlich bräuchte ein Land in der Rezession, etwa Griechenland, einen besonders niedrigen Zins. Er würde Investitionen begünstigen und könnte so die Wirtschaft stützen."

    Und deshalb funktioniert diese Währung nicht. Einer der Hauptgründe. Nun wären die Effekte durch Spezialzinsprogramme und Devisenkursbewegungs-ähnliche Abläufe wie bei Nationalwährungen nebst nationalwährungsimmitierenden Geldmengenberechnungen zwar virtuell zu generieren und realiter über Programme annnähernd wirksam in der Wirkung zu installieren, dazu müsste aber jemand das Problem erst mal erkennen. Das ist der Geburtsfehler einer Multinationalwährung.

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    Möglicherweise ist es Ihnen entgangen, aber der Artikel sollte Nicht-BWL-Studenten die finanzielle Lage der EU eläutern. Vermutlich sind also viele "Laien" unter den Lesern.

    Vielleicht sollten Sie Ihren Kommentar dann auch nicht mit derart vielen Fachwörtern aufplustern, damit er verständlich bleibt. Übrigens haben Sie das Problem doch erkannt... na los, retten Sie die Welt.

  3. der letzten wochen:

    zb.

    endplan

    riesige rekorde

    xxl-aufschwung

    teilbankrott

    sowie:

    zinseszinssystem

    exponentialfunktion

    geldschöpfung

    schuldgeld vs. vollgeld

    oder:

    bankokratie

    konsumismus

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lucmuc
    • 27. Juli 2011 5:25 Uhr

    pacta sunt servanda - Verträge sind einzuhalten!

    Endplan - führt zur Endlösung?
    Riesige Rekorde - Riesen, die vor lauter Kraft nicht laufen können? Kann man die nicht abhängen?
    XXL-Aufschwung - am Reck? Ist der fette Bauch da nicht im Weg?
    Teilbankrott - ein halb abgebranntes europäisches Haus bleibt doch noch ein Haus?
    Zinseszinssystem - gelten hier noch die Grundrechenarten? oder vermehren sich Zinsen wie Unkraut?
    Exponentialfunktion- als Begriff besser zu erkennen anhand der Kurve. s.a. wikipedia
    Schuldgeld vs. Vollgeld ????? Keine Ahnung.
    Geldschöpfung - wo? bei den Goldgräbern? Wer macht das?
    Bankokratie - Die Banken leiten das Volk. Sie sind die Herrscher.
    Konsumismus - Der Konsum hat über Werbung angeheizt zu werden, damit die Bankokraten leben können?

    Wachstumsbeschleunigungsgesetz - wie man einer Pflanze gesetzlich verordnet, dass sie schneller wachsen soll?

  4. Gerade hier bei Zeit Online sollten sich viele mal diese Definitionen durchlesen, um zu verstehen, dass nicht jeder Schritt richtung Zentralisierung ein Schritt ins Unglueck ist und die andauernden Krisenverhandlungen sich genau darum drehen, wie mehr Europa sinnvoll umgesetzt werden kann, so dass die Vorteile ausgeschoepft und die Nachteile minimiert werden.
    Ich bin der Ueberzeugung, dass es diesen komplizierten Prozess der Einigung wer ist, immer mehr Kompetenzen an die EU uebertragen bis man von einer europaeischen Zentralregierung sprechen kann.

    [...]

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie zum konkreten Thema. Danke, die Redaktion/mk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    17 Gouvernments - dann paßt's schon.

    werter Kommentator

    mir fällt auf, dass Sie in den letzten Tagen fast jeden relevanten ZEIT-Artikel als Werbeplattform für Ihre merkwürdige facebook-Bewegung nutzen.

    Ich hoffe, es verursacht bei Ihnen keine Schmerzen, dass immer mehr Menschen die political correctness so mancher mainstream-Artikel oder Kommentare nicht mehr ernst nehmen!

    Werte Zeit-Redaktion,
    ich hätte mir gewünscht, dass Sie Ihre Auflistung signifikant erweitert und deutlich die pro's und con's zu den einzelnen Punkten erläutert hätten.

    ...haben Sie schon mal darüber nachgedacht das man mit einer zentralistischen Regierung auch die nationalen Parlamente untergraben kann? Das man Medien-Presefreiheit beschränken kann? Meiungsfreiheit unterdrückt werden können usw...

    Ich bin auch für ein Europa...nur nicht als Diktatur! Und bis jetzt läuft es darauf hinaus. Vorallem das Politiker in Führungspositionen zuviel Macht bekommen und zuviel Geld.
    So funktioniert Europa mit Sicherheit nicht. Schon gar nicht zum Wohle des Volkes, sondern nur zum Wohle der Eliten!

  5. A...Abgrund, M... mit zutiefster Entschlossenheit ....
    und den ganzen restlichen BlaBla im Kanzlersprech

    Bitte formulieren Sie Ihre Beiträge sachlicher. Danke. Die Redaktion/ag

    4 Leserempfehlungen
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    So wie die Dinge laufen, werden wir leider bal wieder Gelegenheit für Polemik haben. Dieses Glossar war überfällig und da darf man sich für die Arbeit auch mal bedanken.

  6. ist im ganzen untergegangen

    wachstumsbeschleunigungsgesetz > http://www.bgbl.de/Xaver/...

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  7. 17 Gouvernments - dann paßt's schon.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Zentralbank | Internationaler Währungsfonds | Griechenland | Irland | Italien | Portugal
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