"Die Schuldenobergrenze der USA ist eine alberne Restriktion"
ZEIT ONLINE: Also steht künftigen Generationen eine Phase der Geldentwertung bevor?
Stiglitz: Hoffentlich wird sich die Politik ändern. Wirtschaftlich ist es eigentlich einfach, zu einem Haushaltsüberschuss zurückzukommen. Schulden sind nicht per se schlecht. Es kommt darauf an, wofür sich ein Land verschuldet.
ZEIT ONLINE: Was sollte die Politik denn konkret tun?
Stiglitz: Wir sollten den Amerikanern erstens wieder Arbeit geben, denn das generiert Steuereinnahmen. Zweitens haben wir den Reichen Steuererleichterungen gewährt, die wir uns gar nicht leisten konnten. Das sollten wir rückgängig machen. Drittens haben wir Hunderte Milliarden Dollar für Kriege ausgegeben, die nichts gebracht haben, und für Waffen, die wirkungslos sind gegen Feinde, die nicht existieren. Wenn wir das korrigieren würden, stünde uns in den kommenden zehn Jahren mehr als eine Billion Dollar mehr zur Verfügung! Viertens ist unser Gesundheitssystem ineffizient – anders als das Deutsche. Vieles, was wir tun könnten, ist sehr einfach. Die Frage ist nur: Wann wachen die Amerikaner auf und werden sich bewusst, was im Politikbetrieb tatsächlich falsch läuft?
ZEIT ONLINE: In diesen Tagen eskaliert der Streit um die sogenannte Schuldengrenze in den USA. Warum gibt es diese überhaupt, wenn Sie ständig aufs Neue angehoben wird?
Stiglitz: Die Schuldengrenze ist wirklich eine alberne Restriktion. Sie ist sinnlos! Der Kongress verabschiedet Gesetze zu Steuern und zu Ausgaben, die Schulden sind einfach die Differenz zwischen beidem. Er sollte kein separates Gesetz dazu verabschieden müssen, sondern einfach verantwortungsbewusst und stimmig handeln, wenn er über Steuern und Ausgaben verfügt.
ZEIT ONLINE: Anhänger des Keynesianismus predigen, dass der Staat in Krisenzeiten Geld ausgeben und in guten Zeiten sparen soll. Sie müssen doch langsam enttäuscht sein: Kaum eine Regierung in der Geschichte hat das hinbekommen.
Stiglitz: Das stimmt nicht so ganz. In den USA hat die Regierung Clinton 1999 und 2000 einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftet. Ich habe damals für die Regierung gearbeitet. Wir haben tatsächlich die Philosophie gelebt, dass der Staat während einer Rezession investiert und in Boom-Phasen spart. Vor elf Jahren hatten wir sogar einen Haushaltsüberschuss von zwei Prozent des BIP. Leute wie Alan Greenspan fürchteten, dass wir die gesamte Staatsverschuldung zurückzahlen würden. Die Republikaner, die anschließend die Regierung stellten, hatten überhaupt keine ökonomische Philosophie. Sie haben Geld ausgegeben, um es zu den Reichen zu transferieren, ohne Rücksicht auf die Wirtschaft oder die Zukunft zu nehmen. Für diese politische Agenda bezahlt unsere Volkswirtschaft jetzt einen sehr hohen Preis.
ZEIT ONLINE: Warum zahlen Reiche in den USA kaum Steuern?
Stiglitz: Sie zahlen nicht nur kaum Steuern, sie haben auch alle wirtschaftlichen Gewinne der vergangenen zwölf Jahre für sich vereinnahmt! Der Mehrheit der Amerikaner geht es heute schlechter als vor zwölf Jahren, sie haben überhaupt nicht vom Wachstum profitiert. In unserem heutigen politischen System können die Reichen im Grunde genommen die Politik kaufen, die sie wollen – durch Wahlkampfspenden, Lobbyismus und so weiter. Es ist für sie rentabler, in die Politik in Washington zu investieren als in die Realwirtschaft.
- Datum 26.07.2011 - 14:58 Uhr
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Der Einschätzung der Rettungspakete stimme ich zwar überhaupt nicht zu. Ich begrüße es aber sehr, dass jemand mal klare Worte findet. Besonders die Situation in den USA ist ja nun jedem so bekannt, aber sowohl Republikaner als auch Demokraten verdrängen die Realitäten.
Eine Finanztransaktionssteuer wäre ja immerhin ein Anfang. Die Schweiz hat das längst eingeführt (Eidgenössische Umsatzabgabe von 0,15%) und ist auch nicht untergegangen.
in allem.
DSK teilt im übrigen dessen Ansichten, ganz besonders
in bezug auf die Regulierung der Banken,Ratingagenturen,
Finanzmärkte.
Stiglitz kann nur durch Argumente überzeugen...
Politiker müssen diese Argumente in die Tat
umsetzen, wenn sie denn mutig, vorausschauend und
unabhängig agieren würden.....
Merkel und Sarkozy haben einen ersten Schritt in
die richtige Richtung getan...
Es ist sicherlich Spekulation, wie DSK als nächster
französischer Präsident agiert hätte.
Ich meine aber, er hätte das "europäische Orchester"
klarer und entschiedener im Sinne von Stiglitz dirigiert.
welch Jammer, das weder Frankreich, Europa noch der IWF von seinen Kompetenzen profitieren wird...
Stieglitz ist ein Anhänger des Keynesianismus. Seine Forderungen ließen sich nur verwirklichen mit einer höheren Verschuldung in der Rezession. Dieser Weg ist hundert Mal beschritten worden, um hundert Mal zu erkennen, dass er eine Sackgasse ist. Jede schuldenbasierte Finanzarchitektur ist mit noch so viel Regulierung zum Scheitern verurteilt. Ethisch richtiges Wirtschaften verlangt eine Abkehr von Schulden. Die Staaten sind verschuldet, beim wem überhaupt?
Dailybail.COM
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welch Jammer, das weder Frankreich, Europa noch der IWF von seinen Kompetenzen profitieren wird...
Stieglitz ist ein Anhänger des Keynesianismus. Seine Forderungen ließen sich nur verwirklichen mit einer höheren Verschuldung in der Rezession. Dieser Weg ist hundert Mal beschritten worden, um hundert Mal zu erkennen, dass er eine Sackgasse ist. Jede schuldenbasierte Finanzarchitektur ist mit noch so viel Regulierung zum Scheitern verurteilt. Ethisch richtiges Wirtschaften verlangt eine Abkehr von Schulden. Die Staaten sind verschuldet, beim wem überhaupt?
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Stieglitzt meint, die USA könnten ihre Schulden immer zurückzahlen - in Dollar. Wieviel der Dollar allerdings in 5 Jahren wert ist, dass lässt er offen.
Ist der Dollar beispielsweise in 5 Jahren nur noch die Hälfte wert, dann ist das für den Schuldner USA locker, leicht und bekömmlich und für die Lieferländer eine schwer verdauliche Kost. Was redet der Mann also?
Der Standort USA ist von der Leistungsseite her gesehen nur noch in ganz bestimmten Branchen wettbewerbsfähig. Das ändert sich auch nicht von Heute auf Morgen. Die USA können sogar einen einen Neuen Dollar einführen, wenn die Produkte unterirdisch bleiben, dann kauft man den USA ihre Güter einfach nicht ab. Und dann? Dann gibt es wieder einen Neuer Dollar oder was? Mein Gott, Herr Stieglitz!
Der Mann hat doch völlig recht. Was schert es die USA, was der Dollar wert ist? Man hat in den letzten Jahrzehnten mehrfach den Dollarkurs gegenüber anderen Währungen schwanken lassen. Es gibt eine Menge Leute, die einem vorrechnen, was die USA dabei eingespart haben.
Und außerdem sind das nicht alles Auslandsschulden. Die großen Fond-Gesellschaften dürften die Mehrheit der Papiere halten. Und da ist es wirklich so, daß eben in Dollar ausgezahlt. Was der Rentner dann von seiner Pension aus den Fonds mit seinem Dollar bezahlen kann, ist was völlig anderes.
Schlimm ist, daß der gemeine US-Bürger nicht kapiert, wie er von seinen Reichen ausgenommen wird. Daß 50% der Bürger die Reps wählen, ist mir völlig rätselhaft. Gut, die Demokraten sind auch nicht die Linke, aber sie wären das kleinere Übel. Zuviele Amis glauben aber den rattenfängern der TeaParty mit ihrem Gelabbere von Freiheit statt Sozialismus. Die merken nicht, wie unfrei sie eigentlich sind. Es macht keinen großen Unterschied, ob ich sterbe, weil ich kein Geld für eine OP habe, oder weil man mir die OP verbietet. Genauso ist es völlig wurscht, ob ich nicht aus dem Land ausreisen darf, oder ob ich nie die Möglichkeit haben werden, das nötige Geld zu verdienen.
Ähnlich wie hier, versteht die Mehrheit der Bürger nicht wer ihr Feind ist, und von wem sie unterdrückt wird.
Der Mann hat doch völlig recht. Was schert es die USA, was der Dollar wert ist? Man hat in den letzten Jahrzehnten mehrfach den Dollarkurs gegenüber anderen Währungen schwanken lassen. Es gibt eine Menge Leute, die einem vorrechnen, was die USA dabei eingespart haben.
Und außerdem sind das nicht alles Auslandsschulden. Die großen Fond-Gesellschaften dürften die Mehrheit der Papiere halten. Und da ist es wirklich so, daß eben in Dollar ausgezahlt. Was der Rentner dann von seiner Pension aus den Fonds mit seinem Dollar bezahlen kann, ist was völlig anderes.
Schlimm ist, daß der gemeine US-Bürger nicht kapiert, wie er von seinen Reichen ausgenommen wird. Daß 50% der Bürger die Reps wählen, ist mir völlig rätselhaft. Gut, die Demokraten sind auch nicht die Linke, aber sie wären das kleinere Übel. Zuviele Amis glauben aber den rattenfängern der TeaParty mit ihrem Gelabbere von Freiheit statt Sozialismus. Die merken nicht, wie unfrei sie eigentlich sind. Es macht keinen großen Unterschied, ob ich sterbe, weil ich kein Geld für eine OP habe, oder weil man mir die OP verbietet. Genauso ist es völlig wurscht, ob ich nicht aus dem Land ausreisen darf, oder ob ich nie die Möglichkeit haben werden, das nötige Geld zu verdienen.
Ähnlich wie hier, versteht die Mehrheit der Bürger nicht wer ihr Feind ist, und von wem sie unterdrückt wird.
Liebe Zeit-Redaktion,
ein kleiner Hinweis zur Kurzbiographie, die Sie am Rand des Artikels angebracht haben:
Herr Stiglitz ist nicht in Indien geboren sondern in Indiana, USA.
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/mk
welch Jammer, das weder Frankreich, Europa noch der IWF von seinen Kompetenzen profitieren wird...
nicht weiter schlimm ist, da beide nur Symptome und Auslöser sehen und daran rumdoktern wollen.
@schwanengesang:
..."Klassenkampf betrieben, der u.a. zur heutigen, extrem gespannten Vermögensverteilung führt."
Für die Vermögensverteilung sorgt das zinssystem völlig automatisch, dafür braucht man kein Klassenkämpfe. Das für dann zu einer Verteilung von Macht und Einfluss, was zu einer Krise der Demokratie geführt hat.
Stiglitz mag gute Absichten haben, ist aber der Vertreter einer Theorie nach der exponentielles Wachstum, also Wachstum ins Unendliche, nicht nur möglich sonder absolut notwendig ist und das ist nichts anderes als die Bankrotterklärung einer angeblichen Wissenschaft.
nicht weiter schlimm ist, da beide nur Symptome und Auslöser sehen und daran rumdoktern wollen.
@schwanengesang:
..."Klassenkampf betrieben, der u.a. zur heutigen, extrem gespannten Vermögensverteilung führt."
Für die Vermögensverteilung sorgt das zinssystem völlig automatisch, dafür braucht man kein Klassenkämpfe. Das für dann zu einer Verteilung von Macht und Einfluss, was zu einer Krise der Demokratie geführt hat.
Stiglitz mag gute Absichten haben, ist aber der Vertreter einer Theorie nach der exponentielles Wachstum, also Wachstum ins Unendliche, nicht nur möglich sonder absolut notwendig ist und das ist nichts anderes als die Bankrotterklärung einer angeblichen Wissenschaft.
Unsere Regierung erhöht doch ohne jede Diskussion laufend die deutschen Schulden. Warum müssen die Amerikaner eigentlich seit 70 Jahren immer erst jedes Jahr erneut darüber debattieren?
Ursprünglich war es nur eine Kriegsmaßnahme, aber seither fanden beide Parteien es nützlich, den Wählern immer wieder zu demonstrieren, wie fiskalisch verantwortlich sie handeln, und keine Partei wagt es jetzt natürlich, den Unsinn wieder abzuschaffen.
DIe gesamt Schuldendiskussion ist doch witzlos wenn wir den systemischen Fehler nicht beheben. Das hatte auch schon Thomas Jefferson erkannt und nach ihm noch viele andere einflussreiche Personen, die allesamt daran scheiterten diesen systemischen Fehler zu beheben. Wie auch immer, auf kurz oder lang geht daran kein Weg vorbei.
Schauen Sie sich dazu die ausgezeichnete Dokumentation "The secret of Oz" an .... http://goo.gl/PnBQ2 - Uebrigens, Inspiration fuer das Buch "The Wizard of Oz" war genau diese (Schulden-)Problematik ... und das Thema ist aktueller denn je.
DIe gesamt Schuldendiskussion ist doch witzlos wenn wir den systemischen Fehler nicht beheben. Das hatte auch schon Thomas Jefferson erkannt und nach ihm noch viele andere einflussreiche Personen, die allesamt daran scheiterten diesen systemischen Fehler zu beheben. Wie auch immer, auf kurz oder lang geht daran kein Weg vorbei.
Schauen Sie sich dazu die ausgezeichnete Dokumentation "The secret of Oz" an .... http://goo.gl/PnBQ2 - Uebrigens, Inspiration fuer das Buch "The Wizard of Oz" war genau diese (Schulden-)Problematik ... und das Thema ist aktueller denn je.
Lieber User InderausIndiana,
vielen herzlichen Dank für den Hinweis! Wir haben das gleich korrigiert.
Viele Grüße,
Marie-Astrid Langer
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