"Wir brauchen eine neue Steuer am Finanzmarkt"
ZEIT ONLINE: Was halten Sie von der Idee einer europäischen Rating-Agentur?
Gärtner: Sie kann nur ein Mosaikstein in einem großen Maßnahmenpaket sein, denn bei einer europäischen Agentur liefe sicherlich vieles ähnlich wie bei der amerikanischen Konkurrenz. Aber eine europäische Rating-Agentur wäre zumindest ein Gegengewicht auf dem Weltmarkt. Man hat doch das Gefühl, dass die USA mit ihren massiven Wirtschaftsproblemen von den Rating-Agenturen ganz anders bewertet werden. Vielleicht sollte sie als Stiftung arbeiten, also nicht profitorientiert, damit nicht zu enge Verbindungen zum Bankensektor entstehen.
ZEIT ONLINE: Was müsste sonst noch Teil eines Maßnahmenpaketes sein?
Gärtner: Die viel diskutierte Tobin-Steuer wäre sicherlich sinnvoll, also eine Steuer auf Finanztransaktionen, die Sand ins Getriebe der internationalen Finanzmarktindustrie streuen würde. Sie könnte kurzfristige Vermögensverschiebungen bremsen, die der Weltwirtschaft real nichts bringen, aber Hektik in die Märkte tragen und für die Realwirtschaft gefährliche Spekulationsblasen auslösen können.
ZEIT ONLINE: Gibt es eine solche Blase auch wieder im Fall Griechenlands?
Gärtner: Die Gesamtschulden Griechenlands könnte die EU theoretisch aus der Portokasse begleichen. Das Problem hat aber eine viel größere Dimension: Neben dem Kernmarkt der Staatsanleihen spekulieren Anleger heftig auf eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Und diese Kreditausfall-Produkte haben wieder ein Volumen angenommen, das ein Vielfaches der Schuldensumme ist. Das ist so, als hätte halb Deutschland, Millionen Leute, die Sie gar nicht kennen, eine Lebensversicherung auf Sie abgeschlossen. Man weiß gar nicht mehr, wer alles in welchem Ausmaß in die Griechenland-Krise involviert ist und wer von einem Bankrott betroffen wäre.
ZEIT ONLINE: Was halten Sie von dem Vorschlag, die Banken an der Rettung Griechenlands zu beteiligen?
Gärtner: Ich finde die Idee sehr gut. Die Banken, die griechische Staatsanleihen gekauft haben, haben eine Risikoprämie von bis zu vierzehn Prozent bekommen, eben weil diese Papiere ein gewisses Risiko bergen. Nun nimmt der Steuerzahler ihnen dieses Risiko ab, die hohen Zinsen dürfen die Banken aber behalten. Konsequenterweise sollten die Banken dann auch die Risikoprämie, also ihre Zinsgewinne abzüglich eines sicheren Zinssatzes von vielleicht drei Prozent, an den Steuerzahler abgeben müssen.
- Datum 13.07.2011 - 18:53 Uhr
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die Rückkehr zur DM !
Aber das sage ich schon seit der Einführung des Euro - nur was zaehlen schon vernünftige Vorschlaege ?
weil er die Perversion dieses Systems zusammenfasst!
Wie waere es denn wenn man Politikern die Aufsichtsratsposten in Banken einfach verbieten würde ?
Ratings können aber nur Krisen auslösen, wenn Banken und Anleger ihnen Glauben schenken."
Daran lässt sich direkt ablesen wie viel Vertrauen die Märkte (nicht die Agenturen) in unserer Politiker haben.
Und schon wieder einer [...] die sich einfach nicht vorstellen können, wie Finanzmarkt funktioniert. Viel zu lange wurden die Risiken der Staatshaushalte ignoriert. Jetzt endlich treten die wahren Probleme ans Licht: Eine einzige Generation von Politikern hat verfrühstückt, was viele Generationen von Bürgern nun an Schuldenlast zurückstottern müssen. Dass Ratingagenturen endlich das Risiko von Ausfällen beschreiben, ist keine Untat, sondern der sich klarende Blick von lange Untätigen. Deutschland solte in diesem Sinne vorsichtig sein. Auch wir haben immense Schuldenlasten zu tragen. Wenn wir nun noch unseren lieben Freunden aus Südeuropa weiter so kräftig beispringen, verspielen wir unser eigenes Rating schneller als wir denken. Wir müssen endlich aufwachen: zurück zur DM!
Teil entfernt. Bitte bleiben Sie trotz Kritik sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/lv
viel besser würde der Effekt auch nicht ausfallen wenn gegen die DM spekuliert/geratet würde. Auch deshalb haben wir den Euro denke ich mal so ganz unbedarft.
Wär' dann 'ne ziemlich kalte Dusche, vor allem wenn man offensichtlich gewohnt ist zu lange im warmen Bettchen von vergangenen nationalen Zeiten zu träumen.
viel besser würde der Effekt auch nicht ausfallen wenn gegen die DM spekuliert/geratet würde. Auch deshalb haben wir den Euro denke ich mal so ganz unbedarft.
Wär' dann 'ne ziemlich kalte Dusche, vor allem wenn man offensichtlich gewohnt ist zu lange im warmen Bettchen von vergangenen nationalen Zeiten zu träumen.
strukturelles Problem wenn Staaten wie Griechenland auch nach dem EU Beitritt nicht zu einer vernünftigen Finanzpolitik gebracht werden.
Unterhöhlt irgendwie dass Vertrauen. Übrigens auch beim gemeinen Poster wenn ich die Kommentare zu den täglichen Ratingmeldungen richtig deute.
viel besser würde der Effekt auch nicht ausfallen wenn gegen die DM spekuliert/geratet würde. Auch deshalb haben wir den Euro denke ich mal so ganz unbedarft.
Wär' dann 'ne ziemlich kalte Dusche, vor allem wenn man offensichtlich gewohnt ist zu lange im warmen Bettchen von vergangenen nationalen Zeiten zu träumen.
gegen irgendwelche Skandinavischen Kronen oder Schweizer Franken? Richtig : weil in diesen Laendern die Staatshaushalte in der Balance sind!
Also: Zurück zu echtem Geld für Deutschland und Schluss mit der Alimentierung Südeuropas!
gegen irgendwelche Skandinavischen Kronen oder Schweizer Franken? Richtig : weil in diesen Laendern die Staatshaushalte in der Balance sind!
Also: Zurück zu echtem Geld für Deutschland und Schluss mit der Alimentierung Südeuropas!
Da muss man dem Experten aus St. Gallen wohl doch energisch widersprechen: Die globale Finanzkrise (Lehman, subprime) hat natürlich dazu beigetragen, dass die Eurokrise gerade jetzt eskaliert.
Trotzdem gilt: das war der Auslöser, nicht die Ursache. Ohne die
globale Finanzkrise wäre die Eurokrise genauso ausgebrochen, nur eventuell etwas später. Fundementales Problem ist, dass wegen des Euro zahlreiche völlig unterschiedliche Volkswirtschaften mit ein und demselben Zinsniveau zu recht kommen müssen, und genau das funktioniert
nicht: Leitzinsen, die für Deutschland wohl eher zu hoch waren, waren für Länder wie Griechenland, Spanien und Irland viel zu niedrig,
und haben dort Immobilienblasen und Verschuldungskrisen ausgelöst.
Auch Gärtners These, Skepsis gegenüber Irland sei irrational,
weil es dort nur eine einmaligen Fehler gegeben habe, ist unhaltbar.
Natürrlich gab es mit irländischen Bankenrettung einen einmaligen Fehler. Aber auch einmalige Fehler können, wenn sie gross genug sind, massive dauerhafte Schäden anrichten und ein Land ruinieren.
Und der einmalige Fehler der staatlichen Bankenrettung in Irland war nun einmal sehr sehr gross (zusätzliche Schulden in der Größenordnung von über 30% des BSP in einem einzigen Jahr).
Weter Forist yohak, was Sie als Widerspruch nennen ist nur noch ein Auslöser und kein Widerspruch zum Artikel:
"Da muss man dem Experten aus St. Gallen wohl doch energisch widersprechen: Die globale Finanzkrise (Lehman, subprime) hat natürlich dazu beigetragen, dass die Eurokrise gerade jetzt eskaliert.
Trotzdem gilt: das war der Auslöser, nicht die Ursache"...
Das Problem der Zinspolitik der EZB stellt ein gewisses Ungleichgewicht, aber keinfalls von solcher Bedeutung dass die Volkswirtschaften sich insgesamt nicht unter der Wirkung der gleichen Zinsen nicht anpassen konnten.
Sie haben trotzdem Recht, aber da liegt nicht die Ursache des Systemproblems
Deregulierung ohne jeglicher Kontrolle der Kreditvergabe, auch keine institutionelle Kontrolle der Staatsdefizite der jeweiligen Staaten, das vorsätzliche Verlassen der Schuldengrenze von 60% BIP, die Machenschaften der Vereinbarungen zwischen manchen Banken und Regierungen manchen Länder um diese Grenzen durchzubrechen sind primäre Merkmale viel komplexeren Schwächen der mangelhaften Mechanismen einer rechtsstaatlicher Struktur die eine Währung einfach benötigt.
Nicht zu vergessen, alles dies geschah gerade in der Zeit wann Finanzmonopol durch die Aufhebung der Roosevelts Gesetze (Glass Steagall act) möglich geworden ist. Viel zu viel ist geschehen in diesen Letzten 12 Jahren was die ganze Heilung des Systems jetzt viel schwieriger macht und die Abhängigkeit unter dem Zwang der Finanzindustrie erhöht.
Das Problem sind weniger die Gemeinsamkeiten(Lz) als vielmehr die Unterschiede(Leistungsüberschuss etc.)
Sicherlich könnte man argumentieren das Irlands wirtschaft zu einseitig aufgestellt ist, da sie sich wie kaum ein anderes Land auf den Dienstleistungssektor spezialisiert haben.Das machen jedoch andere Länder wie bspw. Luxemburg ähnlich.
Irlands immense Verschuldung steht direkt mit Fehlentscheidungen der Ratingagenturen im Zusammenhang.
Nun, obwohl es positive Signale aus Irlands Wirtschaft gibt, versucht Moody's die Situation des Landes als fragwürdig hinzustellen. Wäre diese Agentur wirklich an einer Befriedung der Märkte und einer Rückkehr zur Normalität interessiert würde sie wohl kaum als einzige Ratingagentur die Bewertung senken.
Zu Moody's : http://www.washingtonpost...
2.Wenn die Finanzkrise nicht gewesen wäre...wäre die Eurokrise möglicherweise dennoch irgendwann passiert. Richtig.
Jedoch wäre sie nicht jetzt passiert und auch in anderer Form. Die Menschen hätten nicht gerade schon 100 oder mehr Milliarden an Banken verschenken müssen (so fühlt es sich für viele an) Merkel und co wären innenpolitisch nicht so stark unter Druck und ein Staatenbailout wäre mit einner Währungsreform und einem riesen Scheck gelöst worden ohne das lange lamentiert würde.
Ohnehin stünden die Chancen gut das es dann nicht eine Eurokrise sondern eine Währungskrise geworden wäre in der auch bspw. USA England oder Japan ähnliche Probleme hätten
Weter Forist yohak, was Sie als Widerspruch nennen ist nur noch ein Auslöser und kein Widerspruch zum Artikel:
"Da muss man dem Experten aus St. Gallen wohl doch energisch widersprechen: Die globale Finanzkrise (Lehman, subprime) hat natürlich dazu beigetragen, dass die Eurokrise gerade jetzt eskaliert.
Trotzdem gilt: das war der Auslöser, nicht die Ursache"...
Das Problem der Zinspolitik der EZB stellt ein gewisses Ungleichgewicht, aber keinfalls von solcher Bedeutung dass die Volkswirtschaften sich insgesamt nicht unter der Wirkung der gleichen Zinsen nicht anpassen konnten.
Sie haben trotzdem Recht, aber da liegt nicht die Ursache des Systemproblems
Deregulierung ohne jeglicher Kontrolle der Kreditvergabe, auch keine institutionelle Kontrolle der Staatsdefizite der jeweiligen Staaten, das vorsätzliche Verlassen der Schuldengrenze von 60% BIP, die Machenschaften der Vereinbarungen zwischen manchen Banken und Regierungen manchen Länder um diese Grenzen durchzubrechen sind primäre Merkmale viel komplexeren Schwächen der mangelhaften Mechanismen einer rechtsstaatlicher Struktur die eine Währung einfach benötigt.
Nicht zu vergessen, alles dies geschah gerade in der Zeit wann Finanzmonopol durch die Aufhebung der Roosevelts Gesetze (Glass Steagall act) möglich geworden ist. Viel zu viel ist geschehen in diesen Letzten 12 Jahren was die ganze Heilung des Systems jetzt viel schwieriger macht und die Abhängigkeit unter dem Zwang der Finanzindustrie erhöht.
Das Problem sind weniger die Gemeinsamkeiten(Lz) als vielmehr die Unterschiede(Leistungsüberschuss etc.)
Sicherlich könnte man argumentieren das Irlands wirtschaft zu einseitig aufgestellt ist, da sie sich wie kaum ein anderes Land auf den Dienstleistungssektor spezialisiert haben.Das machen jedoch andere Länder wie bspw. Luxemburg ähnlich.
Irlands immense Verschuldung steht direkt mit Fehlentscheidungen der Ratingagenturen im Zusammenhang.
Nun, obwohl es positive Signale aus Irlands Wirtschaft gibt, versucht Moody's die Situation des Landes als fragwürdig hinzustellen. Wäre diese Agentur wirklich an einer Befriedung der Märkte und einer Rückkehr zur Normalität interessiert würde sie wohl kaum als einzige Ratingagentur die Bewertung senken.
Zu Moody's : http://www.washingtonpost...
2.Wenn die Finanzkrise nicht gewesen wäre...wäre die Eurokrise möglicherweise dennoch irgendwann passiert. Richtig.
Jedoch wäre sie nicht jetzt passiert und auch in anderer Form. Die Menschen hätten nicht gerade schon 100 oder mehr Milliarden an Banken verschenken müssen (so fühlt es sich für viele an) Merkel und co wären innenpolitisch nicht so stark unter Druck und ein Staatenbailout wäre mit einner Währungsreform und einem riesen Scheck gelöst worden ohne das lange lamentiert würde.
Ohnehin stünden die Chancen gut das es dann nicht eine Eurokrise sondern eine Währungskrise geworden wäre in der auch bspw. USA England oder Japan ähnliche Probleme hätten
Endlich mal ein anspruchsvoller und kritischer Artikel zu dem Thema. Ich würde mir wirklich mehr davon wünschen.
Gerade die Hintergründe der Ratingagenturen (Interessenkonflikte, Manipulationspotential), ihr Anteil an der Finanzkrise (CDS Produkte, Ramschhypothekenpapiere) und letztlich ihr Desinteresse an der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage der Euroländer (Griechenland, Spanien, Irland und Portugal sind unterschiedliche Länder mit sehr unterschiedlichen Problemen) werden viel zu wenig beleuchtet.
Man glaubt diesen Agenturen, ohne nachzufragen.
Fragt man doch nach, wird der MARKT angeführt. Als hätte die letzte Krise nicht gezeigt, wie wenig rational der Markt doch ist.
Auch betont Gärtner, dass Deutschland bei einem schlechten Rating genau das gleiche Problem hätte. Vollkommen richtig.
Irland liegt in punkto Staatsverschuldung kurz vor Deutschland .
Staatsschulden per se sind nicht was Schlechtes, es wird leider oft der Fehler gemacht, Staatschulden mit privaten Schulden zu vergleichen und dann Mechanismen vorzuschlagen, die für einen Privathaushalt geeignet sind (Sparen), aber für einen Staat nicht das richtige sind. Brüning hat es damals in Deutschland probiert, und was ist passiert?
Die Wirtschaft Irlands fängt an, sich ansatzweise zu erholen, und dann kommt Moodys.
Herr Gärtner hat vollkommen recht, wir brauchen eine unabhänginge Agentur in Europa, die sich um Kreditratings kümmert.
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