Corporate GovernanceManager außer Kontrolle

Laufen die Geschäfte überraschend gut, werden Aktionäre oft überschwänglich. Manager nutzen die gute Stimmung, um ihre Macht auszubauen, wie eine US-Studie herausfand.

In den Sonntagsreden der Vorstandschefs und den Unternehmensleitlinien ist die Sache ganz einfach: "Unser Ziel ist es, den Unternehmenswert für unsere Aktionäre nachhaltig zu steigern", lautet das Mantra von Aktiengesellschaften.

Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus. In etlichen Unternehmen arbeitet der Vorstand in Wahrheit nicht für die Aktionäre, sondern für sich selbst. Diese Manager nutzen jede sich bietende Gelegenheit, sich von der Kontrolle durch die Anteilseigner zu befreien.

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Wie das im Detail funktioniert, zeigt eine faszinierende Studie von Antoinette Schoar ( MIT Sloan School of Management ) und Ebonya Washington ( Yale University ) mit dem Titel "Are the Seeds of Bad Governance Sown in Good Times?" . "Manager nutzen Phasen von guter Performance aus, um die Aktionäre über Vorschläge abstimmen zu lassen, die nicht im Interesse der Anteilseigner sind", lautet das Fazit.

Grundlage der Studie sind detaillierte Daten des Investor Responsibility Research Centers (IRRC), einer US-Denkfabrik für gute Unternehmensführung (Corporate Governance). Für zwölf Jahre und knapp 2800 Unternehmen hat das IRRC sämtliche Anträge, über die auf ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlungen (HV) der Unternehmen entschieden wurde, erfasst – und jeweils die Aktionärsfreundlichkeit bewertet. Nicht im Interesse der Investoren ist zum Beispiel die Einführung von stimmrechtlosen Vorzugsaktien oder der Bau eines Schutzwalls gegen feindliche Übernahmen ("poison pill").

Schoar und Washington haben diese Informationen mit Daten zur Performance der Unternehmen zusammengeführt – sie kennen sowohl die Prognosen der Analysten im Vorfeld von Quartalsergebnissen als auch die tatsächlichen Ergebnisse.

Sie legten dabei ein erstaunliches Muster offen: Nach Quartalen, in denen die Geschäfte deutlich besser laufen als von Analysten erwartet, berufen Unternehmen überproportional oft außerordentliche Hauptversammlungen ein – und lassen dort über Vorschläge abstimmen, die die Macht des Vorstands ausbauen und die Kontrolle durch die Anteilseigner abschwächen. In 96 Prozent der Fälle bekommen sie eine Mehrheit. In umgekehrter Richtung existiert das Phänomen nicht – nach besonders schlechter Performance gibt es keine außerordentlichen Hauptversammlungen, auf denen der Vorstand kürzer an die Leine gelegt wird. "Vorstände werden für gute Performance belohnt, aber für schlechte nicht bestraft."

Unerwartet gute Geschäftszahlen und auch ungewöhnlich gute Performance an der Börse machen die Aktionäre offenbar unaufmerksam – die Vorstände nutzen die Gunst der Stunde strategisch aus. Dieses Verhalten ist allerdings nicht bei allen Unternehmen gleich stark ausgeprägt – es kommt besonders häufig bei ohnehin nicht gut geführten Firmen vor, die in Corporate-Governance-Rankings schlechte Noten bekommen.

Schoar und Washington stießen auf ein weiteres Indiz dafür, dass diese Vorstände ihre Aktionäre ganz bewusst über den Tisch ziehen – die Vorschläge, mit denen sie sich von der Kontrolle durch die Anteilseigner befreien, sind sehr oft in komplexen Antragspaketen versteckt, bei denen die Aktionäre bei einer Abstimmung über viele verschiedene Punkte gleichzeitig entscheiden. Solche Bündel-Anträge sind auch in der Politik ein beliebtes und wirksames Mittel, um grünes Licht für an und für sich unpopuläre Entscheidungen zu bekommen. Die Forscherinnen finden keine Indizien dafür, dass die größere Autonomie für das Management im Interesse der Aktionäre wäre – eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Anschließend geht es mit den Unternehmen nicht selten bergab.


Erschienen im Handelsblatt

 
Leserkommentare
  1. Eine Studie von amerikanischen Wissenschaftlern hat herausgefunden:
    "Morgen ist Mittwoch, und danach wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9999792% der Donnerstag folgen."

    Faszinierend!

  2. ..die Anteilseigner und damit auf die Rendite hat uns in das System geführt, in dem der Mitarbeiter nur noch Kostenfaktor ist. Die sogen. Elite nutzt ihre Möglichkeiten vornehmlich dazu, eigene Vorteile auszubauen. Der Begriff der Verantwortung in einem gesamtgesellschaftlichen Umfeld ist dabei verschwunden.
    Vielleicht sollten die Analysten mal dieses Feld analysieren.

    4 Leserempfehlungen
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    • self22
    • 20.07.2011 um 17:36 Uhr

    Das ist das eigentliche Problem. Den letzten beißen die Hunde und das sind im Allgemeinen die Arbeitnehmer, zumindest in den letzten 20 Jahren.

    • self22
    • 20.07.2011 um 17:36 Uhr

    Das ist das eigentliche Problem. Den letzten beißen die Hunde und das sind im Allgemeinen die Arbeitnehmer, zumindest in den letzten 20 Jahren.

    • joenoe
    • 19.07.2011 um 13:55 Uhr

    Das sind Leute die kein eigenes Unternehmen haben. Auch kein eigenes führen könnten, aber mit dem Eigentum anderer treiben wie es passt - mal gut, mal schlecht. Moral und Verantwortung bleiben meist auf der Strecke. Das ist das Berufsbild. kann man ok finden, muss man aber nicht.

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    • hmber
    • 19.07.2011 um 14:26 Uhr

    Die Hauptversammlung eines Unternehmens ist keine Selbstfindungsgruppe und kein Mädchenpensionat. In einer solchen werden Dinge diskutiert und zur Abstimmung gestellt, die das Unternehmen betreffen. Wenn nun Manager, also Leute die dafür bezahlt werden ein Unternehmen zu leiten, oder an verantwortlicher Stelle tätig zu sein, Anträge in eine Hauptversammlung einbringen, so sind das keine krimminellen Handlungen. genau so wenig, wie der Beruf des Managers, oder das was man in Deutschland darunter versteht, in den Bereich der unerlaubten Machenschaften führt. Unsere Firmen sind durchweg gut geführt. Das zeigt ihr Erfolg. Aktionäre haben in solche Unternehmen Geld investietert und beauftragen Fachleute (sog. Manager) ihr Vermögen in dem Unternehmen zu mehren. Was, bitte schön, ist daran verwerflich? Wenn diese von Neid zerfressenen Kritiker Geld haben und irgendwo anlegen, so achten sie auch auf den Zinssatz, bis hin zur Spekulation. Geht es schief, so ruft man nach dem Staat, die Verluste zu sozialisieren, geschehen vor gar nicht langer Zeit. Wo ist nun der Unterschied? Vielleicht in der Höhe der Beträge. Also fleissig sparen und weniger ausgeben, dann wird man vielleicht auch Aktionär. Und zur Moral: Wenn ein Arbeitnehmer etwas stiehlt und sei es nur Arbeitszeit. Ist er dann besser als die hier Angeprangerten? Machen "Manager" Fehler, so kostet es oftmals auch den Kopf. Auf jeden fall sinkt ihr Marktwert, was sich bei auf Zeit geschlossenen Arbeitsverträgen schnell auswirkt.

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    >>Machen "Manager" Fehler, so kostet es oftmals auch den Kopf. <<

    Was für ein Ausdruck für die millionenschweren Abfindungen, die diese Leute dann obendrein noch einstecken.

    Ich frage mich, wem solche Augenwischereien eigentlich dienen und wer das noch glauben soll?

    Solange Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, Verluste auf Kosten des Steuerzahlers enden und Manager für ihren angerichteten Schaden nicht haften müssen, so lange wird sich an dieser Praxis auch nichts ändern.

    Wird Zeit für neue Gesetze, welche einiges aufs rechte Maß zurück stutzen.

    >>Machen "Manager" Fehler, so kostet es oftmals auch den Kopf. <<

    Was für ein Ausdruck für die millionenschweren Abfindungen, die diese Leute dann obendrein noch einstecken.

    Ich frage mich, wem solche Augenwischereien eigentlich dienen und wer das noch glauben soll?

    Solange Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, Verluste auf Kosten des Steuerzahlers enden und Manager für ihren angerichteten Schaden nicht haften müssen, so lange wird sich an dieser Praxis auch nichts ändern.

    Wird Zeit für neue Gesetze, welche einiges aufs rechte Maß zurück stutzen.

  3. Die Studie ist nicht trivial. Sie zeigt, dass nur eine ausführliche Stakeholder-Analyse zu einem langfristigen Erfolg führt.

  4. >>Machen "Manager" Fehler, so kostet es oftmals auch den Kopf. <<

    Was für ein Ausdruck für die millionenschweren Abfindungen, die diese Leute dann obendrein noch einstecken.

    Ich frage mich, wem solche Augenwischereien eigentlich dienen und wer das noch glauben soll?

    Solange Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, Verluste auf Kosten des Steuerzahlers enden und Manager für ihren angerichteten Schaden nicht haften müssen, so lange wird sich an dieser Praxis auch nichts ändern.

    Wird Zeit für neue Gesetze, welche einiges aufs rechte Maß zurück stutzen.

    4 Leserempfehlungen
  5. die haedgfonds manager ja ..., ja die sind mit sicherheit auser kontrolle.
    und ueberhaupt,mit der ''kontrolle'' ist es eine zwiklige angelegenheit,den alle reden und woelten schon bessere kontrollen - transparenz...,aber wenn es dan so weit ist,?????
    siehe mifid !!!

  6. Vorab einige Worte zum hiesigen Gesellschaftsrecht. Es gibt die Personengesellschaften (OHG und reine KG). Hier haften die Eigner mit Hemd und Kragen für Fehlverhalten. Um das zu verhindern gibt es die Körperschaften (GmbH und AG). Hier haben wir andere Eigner als bei den Personengesellschaften, nämlich bei der GmbH Anteilseigner und bei der AG die Aktionäre. GmbH und AG sind sogenannte juristische Personen, haben also die Personeneigenschaft kraft Gesetzes, weshalb es der Geschäftsführer oder Vorstände bedarf, damit die Körperschaften überhaupt an der Wirtschaft teilnehmen können. Wegen der Vollhaftung sind die reinen Personengesellschaften praktisch fast ausgestorben. Demgegenüber blühen die Körperschaften als Gesellschaftsform, weil sich eben die Haftung der Eigner auf das eingebrachte Kapital beschränkt. Geschäftsführer und Vorstände, die für Beteiligung der Körperschaften an der Volksgesellschaft verantwortlich sind, nehmen eine unangenehme anonyme Stellung insbesondere gegenüber dem Personal der Körperschaften ein. Genau an diesem Knotenpunkt nehmen sich Geschäftsführer und Vorstände per Anstellungsvertrag die unmöglichsten Vorteile heraus. Einer Gesellschafter- oder Hauptversammlung bleibt häufig nur übrig, haarsträubenden Forderungen der Genannten zuzustimmen, weil diese gleichzeitig (insbesondere bei der AG) die Kapitaleigner auf Kosten der Belegschaft (die reale Gegenwerte Schaffenden) bedienen. Hier finden wir also bei den AG die erwähnten Gierigen.

    2 Leserempfehlungen
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    • hmber
    • 19.07.2011 um 17:53 Uhr

    wäre sachlich und fachlich richtig, wäre da nicht der Schluss der, bei Ihnen nehme ich an mit voller Absicht, die Missstände, welche unwidersprochen bestehen, verallgemeinert und den Eindruck erweckt, als wäre das die Norm.

    • hmber
    • 19.07.2011 um 17:53 Uhr

    wäre sachlich und fachlich richtig, wäre da nicht der Schluss der, bei Ihnen nehme ich an mit voller Absicht, die Missstände, welche unwidersprochen bestehen, verallgemeinert und den Eindruck erweckt, als wäre das die Norm.

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