Äthiopien Biosprit statt Nahrung im Omo-Tal

Äthiopien verpachtet urbares Land an Agrokonzerne und baut einen Staudamm. Menschenrechtler warnen: Die Regierung bringe die Bevölkerung in Lebensgefahr.

Eine Familie der indigenen Hamar vor ihrem Haus im Omo-Tal, Äthiopien

Eine Familie der indigenen Hamar vor ihrem Haus im Omo-Tal, Äthiopien

eine Karte der Vereinten Nationen zeigt. Doch von einer Katastrophe, die Tausende Menschen den Tod bringt wie in Somalia, ist die Region noch weit entfernt.

Im Süden von Äthiopien ist die Hungersnot bislang noch nicht angekommen. Zwar herrscht auch dort ein Mangel an Nahrungsmitteln, wie

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Die Menschenrechtsorganisation Survival International sieht die Menschen in Südwestäthiopien dennoch in Gefahr. Im unteren Omo-Tal, das als Wiege der Menschheit gilt und zum Unesco-Welterbe zählt, seien 90.000 Angehörige indigener Stämme vom Hunger bedroht, berichtet sie. Die Menschen leben als Hirten, Bauern und Jäger von dem, was das Land hergibt. Doch die Fruchtbarkeit ihres Tals weckt Begehrlichkeiten.

Survival International zufolge nimmt die äthiopische Regierung den Menschen das Land und verpachtet es an ausländische Konzerne, um Lebensmittel für den Export zu produzieren. Die staatliche Firma Kuraz Sugar Project baue auf einer Fläche von 150.000 Hektar an. Das italienische Unternehmen Fri-El Green produziere auf 30.000 Hektar Palmöl für Biosprit. Weitere große Flächen seien an malaysische und koreanische Unternehmen verpachtet worden.

Bedrohte Lebensgrundlage

Die freien Viehhüter und Farmer sollen zu Arbeitern auf den Plantagen, ihr Lebensstil "modernisiert" werden. Doch für die Angehörigen der Mursi, Kwegu, Suri, Daasanach und anderer ethnischer Gruppen bedeute die "Modernisierung" vor allem den Verlust ihrer Lebensgrundlage.

"Es ist schon in guten Zeiten eine Herausforderung, im Omo-Tal zu leben", sagt Elizabeth Hunter, eine Mitarbeiterin von Survival International. "Die Menschen haben gelernt, sich auch an schlechte Lebensbedingungen anzupassen. Doch jetzt wird ihre Existenz zerstört – ohne dass man sich jemals mit ihnen über das Projekt beraten hätte."

Dazu tragen auch Staudämme bei, die gerade entlang des Flusslaufs errichtet werden. Gibe III ist einer davon. Die Bauern des Tals kultivieren das Land am Flussufer, erklärt Hunter. Zweimal im Jahr trete der Omo über die Ufer und lasse fruchtbare Erde zurück. "Doch der Damm wird die Überschwemmungen verhindern."

Lebensgrundlage der Hirten ist ihr Vieh. In schlechten Zeiten verkaufen sie einzelne Tiere. Der Rest der Herde ist wie ein Sparbuch: Er gibt ihren Besitzern Sicherheit für die Zukunft. "Wenn ihnen jetzt ihr ganzes Weideland genommen wird, verlieren sie ihre Vorsorge für schlechte Zeiten", sagt Hunter.

Leser-Kommentare
  1. wo Nahrungsmittel Mangel vorprogrammiert ist. Fruchtbares Agrarland für Pflanzen zu verpachten die nur für Bio-Sprit genutzt werden ist Menschenverachtung pur.

    Es liegt nicht zuletzt an der idiotischen Politik der EU und unserer Regierung das auf der einen Seite (Beispiel: Indonesien, Brasilien und jetzt Äthiopien) Urwälder abgeholzt werden und fruchtbares Agrarland in Flächen für die Energiewirtschaft umgewandelt werden. Die Hungersnot in Somalia lässt Grüßen!

    Es ist ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", das kann sich die Merkel - Niebel Koalition ins Wahlprogramm schreiben. Entwicklungshilfe abhängige Länder werden für die Energie Lobby verscherbelt um "Umwelt schädlichen" Bio-Sprit her zu stellen. Perversion pur!!!

    Vernünftig währe es wenn man diesen Ländern die Entwicklungshilfe streicht um sie zu zwingen Nahrungsmittel an zu bauen. Außerdem sollte man Bio-Sprit so verteuern das es sich für die Energie Konzerne nicht mehr lohnt so einen Dreck her zu stellen. Aber Vernunft kommt nach Ausbeutung. Die Hilfslieferungen an Somalia werden wahrscheinlich mit Bio-Sprit geflogen. Hier schließt sich dann der Kreis der Perversion.

    21 Leser-Empfehlungen
  2. Große Konzerne und Banken wittern irgendwo ein Geschäft, das leichten Gewinn verspricht, die Risiken werden dabei einfach nicht zur Kenntnis genommen und man drückt das ganze einfach durch.

    Die Menschen vor Ort spielen keine Rolle. Die konsumieren schließlich ja auch nichts, was für irgendeinen Konzern von Belang wäre, sondern halten sich mit dem wenigen über Wasser, was ihre Umwelt hergeben würde, wenn die nicht gerade von irgendwelchen wildfremden Leuten kaputt gemacht würde.

    Sehr nachhaltig, das ganze.

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    Und wirft man einem Regierungsvertreter vor, dass hier Menschen ausgebeutet werden, dann heißt es: Das ist Unsinn. Der Markt wird das schon regeln. oder Das ist sehr sehr traurig, aber in den Markt dürfen wir nicht eingreifen.

    Und wirft man einem Regierungsvertreter vor, dass hier Menschen ausgebeutet werden, dann heißt es: Das ist Unsinn. Der Markt wird das schon regeln. oder Das ist sehr sehr traurig, aber in den Markt dürfen wir nicht eingreifen.

  3. Zuerst der eigenen Bevölkerung die Nahrungsgrundlage entziehen und wie geht es danach weiter ?

    @ Zeit-Redaktion:
    Bitte recherchiert weiter und hängt die Sache an die große Glocke, so dass es im Außenministerium nur so klingelt.

    PS:
    Dieses Vorgehen in Äthiopien ist genau der Grund, warum die Beimischung von Biosprit in der EU verboten werden sollte.

    Internationale Spekulation mit Nahrungsmitteln sollte genauso verboten werden.

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    • bayert
    • 29.07.2011 um 8:12 Uhr

    das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt ca. 2 mio Menschen. Man möge auch recherchieren, wie viel der landwirtschaftlichen Nutzfläche brach liegt.

    • bayert
    • 29.07.2011 um 8:12 Uhr

    das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt ca. 2 mio Menschen. Man möge auch recherchieren, wie viel der landwirtschaftlichen Nutzfläche brach liegt.

  4. Die Protagonisten von Biodiesel, AKW-Ausstieg und Biogasanlagen haben nur werbewirksame Sprüche gebracht.
    Ein durchdachtes Konzept hat niemals diesen Aussagen zu Grunde gelegen. Wie auch, betrachtet man die Spitzen der Grünen in Deutschland.
    Eine Vorsitzende ohne jeglichen Berufsabschluss,
    einen Vorsitzenden minder qualifiziert als Kindergärtner, der sogar davon träumt Bundeskanzler zu werden.

    Es ist schade, dass viele Politiker mit Ihrer Sucht nach akademischen Graden diesen Berufsstand so schwer herunter gezogen haben.

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    Bei Biogasanlagen müssen Sie differenzieren:

    1. Anlagen die potentielle Nahrungsmittel in Methangas umwandeln (Mais, Weizen)

    2. Anlagen die mit Resten aus der Nahrungsproduktion (z.B. Stroh, Kuhdung, Schweinegülle, Mutterkorn) arbeiten.

    Zweitere Lösung halte ich für die sinnvollere.

    Bei Biogasanlagen müssen Sie differenzieren:

    1. Anlagen die potentielle Nahrungsmittel in Methangas umwandeln (Mais, Weizen)

    2. Anlagen die mit Resten aus der Nahrungsproduktion (z.B. Stroh, Kuhdung, Schweinegülle, Mutterkorn) arbeiten.

    Zweitere Lösung halte ich für die sinnvollere.

    • bayert
    • 29.07.2011 um 8:12 Uhr

    das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt ca. 2 mio Menschen. Man möge auch recherchieren, wie viel der landwirtschaftlichen Nutzfläche brach liegt.

  5. BioSprit in Afrika ersetzt Nahrungsmittel - das ist ja
    auch die offizielle Politik der EU.

    Damit die Menschen hier mit bestem Gewissen mit "nachwachsendem" Sprit über die Autobahn fahren können.

    Spätestens wenn in Deutschland auch nur noch Bio Sprit auf den Äckern wächst und wir "teure" Nahrungsmittel aus China importieren und essen müssen, werden sich die Entscheidungsträger hier fragen, ob der Agrarumbau so richtig war.

    Guten Appetit!

  6. Bei Biogasanlagen müssen Sie differenzieren:

    1. Anlagen die potentielle Nahrungsmittel in Methangas umwandeln (Mais, Weizen)

    2. Anlagen die mit Resten aus der Nahrungsproduktion (z.B. Stroh, Kuhdung, Schweinegülle, Mutterkorn) arbeiten.

    Zweitere Lösung halte ich für die sinnvollere.

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    Mais basierenden Gaserzeugungen sind störanfälliger (kein Monosubstrat)
    und unwirtschaftlicher.

    2. ist genau so wichtig wie 1. ...
    also ist ne differinzierung nebensächlich (stroh ist tierfutter, dung wird wie der wortstamm schon besagt zum düngen gebraucht)

    vor einigen jahren kam mal eine doku im tv, in dem vorgerechnet wurde, wie viel energie man gewinnt, wenn man die fläche deutschlands zum anbau von biomasse nutzen würd; das genau ergebnis ist mir leider entfallen, niederschmetternd ist noch eine freundliche wortwahl...

    Mais basierenden Gaserzeugungen sind störanfälliger (kein Monosubstrat)
    und unwirtschaftlicher.

    2. ist genau so wichtig wie 1. ...
    also ist ne differinzierung nebensächlich (stroh ist tierfutter, dung wird wie der wortstamm schon besagt zum düngen gebraucht)

    vor einigen jahren kam mal eine doku im tv, in dem vorgerechnet wurde, wie viel energie man gewinnt, wenn man die fläche deutschlands zum anbau von biomasse nutzen würd; das genau ergebnis ist mir leider entfallen, niederschmetternd ist noch eine freundliche wortwahl...

  7. Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

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