Schuldenkrise Italien stimmt EU-Finanzminister nervös

Die Zinsen auf italienischen Staatsanleihen steigen. Nun beraten die Minister über mögliche Folgen. Im Gespräch ist auch eine Verdopplung des Euro-Rettungsschirms.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti spricht mit Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und der Finanzministerin Frankreichs Christine Lagarde.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti spricht mit Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und der Finanzministerin Frankreichs Christine Lagarde.

Nicht nur die Schuldensünder Griechenland und Portugal, sondern auch Italien rückt zunehmend ins Zentrum der Euro-Krise und damit in den Fokus der Finanzmärkte. Die Finanzminister der 17 Euro-Staaten beraten am Nachmittag in Brüssel darüber, wie eine Ausweitung der Krise vermieden werden kann. Dabei geht es vor allem um die Details des zweiten Hilfsprogramms für Griechenland in Höhe von bis zu 120 Milliarden Euro. Aber eben auch Italien, das zuletzt für seine Staatsanleihen immer höhere Risikoaufschläge zahlen musste, wird laut Beobachtern ein Thema sein.

Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister kommen Spitzenvertreter von EU und Europäischer Zentralbank in informeller Runde in Brüssel zusammen. Bei dem kurzfristig anberaumten Gespräch werden sie die aktuelle Entwicklung in der Schuldenkrise beraten, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel.

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An dem informellen Treffen nehmen demnach EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Währungskommissar Olli Rehn teil. Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker seien dabei.

Der Kommissionssprecher wies Berichte zurück, wonach Van Rompuy ein Krisentreffen einberufen habe: "Es handelt sich um das regelmäßige Treffen der beiden Präsidenten zu Wochenbeginn, bei dem sie die Themen der Woche koordinieren." Dieses Gremium könne auch keine Entscheidungen treffen.

Unterdessen fordert die Europäische Zentralbank nach einem Bericht von Welt Online eine grundlegende Reform der Krisenpolitik der Euro-Staaten. Der Euro-Rettungsschirm müsse deutlich aufgestockt, möglicherweise sogar auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt werden, schreibt das Medium unter Berufung auf hochrangige Zentralbankkreise. "Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt", zitiert das Blatt. Inzwischen gebe es im EZB-Rat einen breiten Konsens über eine Verdoppelung der Geldmenge.

Bei der Zentralbank herrsche großer Unmut über die derzeitige Krisenpolitik, heißt es weiter bei Welt Online. Die Notenbanker hielten es für besonders wichtig, umgehend die von Deutschland geforderte Beteiligung des privaten Sektors an den Krisenplänen aus der Diskussion zu nehmen: Der Schaden sei bereits jetzt enorm, ohne dass es einen Nutzen gebe. "Das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen sorgt dafür, dass die Kosten der Rettung ständig steigen", zitierte das Blatt den Notenbanker. Dabei gehe es den Geldpolitikern nicht nur um eine Aufstockung, sondern auch um eine flexiblere Gestaltung des Rettungsschirms. "Die europäischen Notenbanken sind nicht mehr bereit, weitere Anleihen der Staaten zu kaufen", sagte der Notenbanker.

Im Fall Griechenlands geht der Streit um die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Versicherungen an dem neuen Hilfspaket in die nächste Runde. Die Euro-Finanzminister beraten die Details des neuen Plans, den die EU-Staats- und Regierungschefs Ende Juni in Aussicht gestellt hatten. Mit abschließenden Entscheidungen wird nicht gerechnet. Diplomaten erwarten, dass die Debatten den Sommer über andauern werden. Das neue Paket dürfte damit erst im September stehen. Der Internationale Währungsfonds hat gerade eine weitere Milliardentranche freigegeben.

 
Leser-Kommentare
  1. Man liest immer wieder über Länder und deren Übeltäter, die während Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt haben sollen. Günstig geliehenes Geld wird einfach nicht mehr zurückbezahlt - schon fast kriminell...

    Aber nicht Philipos, Juan und Giovanni sind die typischen Delinquenten, sondern jene, die ihnen dieses Geld geliehen haben. Die wahren Kriminellen sind nämlich die, die ihre Arbeit in den hohen Bürotürmen der Finanzzentralen Europas verrichten und solche Kredite vergeben. Denn die wissen genau, dass sie ihr Geld wegen des Fehlkonstrukts der Eurozone wieder erhalten werden. Dazu kommt ein toller Zins und je länger es geht, umso sicherer ist das Geld angelegt.

    Wenn dann Politiker sich bewusst unfähig anstellen, solche Umstände mit Gesetzen zu unterbinden, spreche ich über diese Seite von Beihilfe und sogar von Vorsatz.

    Eine gesetzliche Vorlage könnte vorsehen, dass Finanzdienstleister wie Banken oder Versicherungen die Eigenkapitalquote von derzeit 5 auf 20% erhöhen müssten. Bevor der Steuerzahler bluten müsste, würde zuerst jener verbluten, der das Risiko eingegangen ist.

    Wenn die Kasten aus Politik und Finanzwirtschaft Kisten kosten, die der normale Steuerzahler in Milliardenhöhe begleichen muss, bezeichne ich dies als eine neue Form der Knechtschaft und das Delikt als ungerechtfertigte Bereicherung mit dem Umweg über die Steuern.

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    • Chali
    • 11.07.2011 um 7:54 Uhr

    Heisst es denn nicht "Wer bürgt, gehört gewürgt"?

    Wenn man in diesen Postings immer wieder liest, "der Griweche" oder "der Italiener" hätte "über seine Verhältnisse" gelebt:
    Hat "der Deutsche" dann nicht über seine Verhältnisse gebürgt?

    • Melone
    • 11.07.2011 um 17:15 Uhr

    ...uneingeschränkt recht. Jene deutschen Politiker, die den Euro in seiner vorliegenden Form befürwortet bzw. zugelassen haben, welche dem LIssabon-Vertrag zugestimmt und damit dem Wahlvolk Rechte entzogen und die Demokratie beschädigt haben, welche im Angesicht der völligen Nutzlosigkeit von Rettungsschirmen dennoch gnadenlos für Erhöhungen gestimmt haben und den deutschen Steuerzahler sowie siene Kinder und Enkel damit in unfassbarer Weise belasten, haben dem Wahlvolk massivsten Schaden zugefügt und sollen sich dafür verantworten müssen. Die einschlägigen juristischen Möglichkeiten soll man jetzt schon ausloten... Ein ganzes Volk seiner demokratischen Souveräntität zu berauben und willkürlich zu ruinieren, weil man zwischen gutmenschlich-moralisierenden Vorgaben und ökonomischen Realitäten nicht zu unterscheiden versteht - das darf nicht ungestraft bleiben!

    • Chali
    • 11.07.2011 um 7:54 Uhr

    Heisst es denn nicht "Wer bürgt, gehört gewürgt"?

    Wenn man in diesen Postings immer wieder liest, "der Griweche" oder "der Italiener" hätte "über seine Verhältnisse" gelebt:
    Hat "der Deutsche" dann nicht über seine Verhältnisse gebürgt?

    • Melone
    • 11.07.2011 um 17:15 Uhr

    ...uneingeschränkt recht. Jene deutschen Politiker, die den Euro in seiner vorliegenden Form befürwortet bzw. zugelassen haben, welche dem LIssabon-Vertrag zugestimmt und damit dem Wahlvolk Rechte entzogen und die Demokratie beschädigt haben, welche im Angesicht der völligen Nutzlosigkeit von Rettungsschirmen dennoch gnadenlos für Erhöhungen gestimmt haben und den deutschen Steuerzahler sowie siene Kinder und Enkel damit in unfassbarer Weise belasten, haben dem Wahlvolk massivsten Schaden zugefügt und sollen sich dafür verantworten müssen. Die einschlägigen juristischen Möglichkeiten soll man jetzt schon ausloten... Ein ganzes Volk seiner demokratischen Souveräntität zu berauben und willkürlich zu ruinieren, weil man zwischen gutmenschlich-moralisierenden Vorgaben und ökonomischen Realitäten nicht zu unterscheiden versteht - das darf nicht ungestraft bleiben!

    • Chali
    • 11.07.2011 um 7:54 Uhr

    Heisst es denn nicht "Wer bürgt, gehört gewürgt"?

    Wenn man in diesen Postings immer wieder liest, "der Griweche" oder "der Italiener" hätte "über seine Verhältnisse" gelebt:
    Hat "der Deutsche" dann nicht über seine Verhältnisse gebürgt?

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    Im Fall Italien gibt es eine interessante Besonderheit: nur ein relativ kleiner Anteil (nämlich "nur" 47%) der Staatsanleihen liegen in den Händen ausländischer Kapitalgeber(bei den meisten anderen europäischen Ländern ist dieser Anteil deutlich höher). Ein Hoffnungsschimmer?

    Im Fall Italien gibt es eine interessante Besonderheit: nur ein relativ kleiner Anteil (nämlich "nur" 47%) der Staatsanleihen liegen in den Händen ausländischer Kapitalgeber(bei den meisten anderen europäischen Ländern ist dieser Anteil deutlich höher). Ein Hoffnungsschimmer?

  2. Die Beteiligung des Bankensektors find ich gut. Der Rahmen, der jetzt von unseren Politikern diskutiert wird, ist zwar mal wieder ein Witz. Aber immerhin muss der Steuerzahler nicht wieder ALLES zahlen, was die Banken verloren haben/verlieren werden. Schließlich haben diese auch unter in Kaufnahme des hohen Risikos für hohe Zinsen Geld verliehen und daran bisher gut verdient.

    Den Begriff "Risiko" sollte man sowieso groß an jede Bank schreiben, damit sich einige der abgehobenen Geldverschieber mal an dessen Sinn erinnern!

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  3. Vom "kleinen" Steuerzahler (der bislang alleine dasteht) bis hin zu den Banken und privaten Unternehmen durch Schuldenerlasse und natürlich die Sünder durch harte Sparmaßnahmen, aber bitte nicht nur am kleinen Mann/ Frau.

    Dann wettert Europa auch diesen Angriff.

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  4. Der EURO ist gescheitert, die EU ist gescheitert - und der Kapitalismus ist gescheitert.

    Aber seitens der Politik hat man anscheinend das immer noch nicht gemerkt. Man marschiert mit einem grob fahrlässig und sehenden Auges mit einem extrem krisenanfälligen, weil komplett untauglichen Wirtschaftssystem in den politischen, wirtschaftlichen und moralischen Bankrott. Agieren kann man schon lange nicht mehr, reagieren auch nicht mehr.

    Welchen Ausweg hat man jetzt? Wohl nur einen: den Karren komplett an die Wand fahren lassen und aus der Erfahrung des Zusammmenbruchs des Casino-Kapitalismus ein völlig neues Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aufzubauen - in dem produzierte GÜTER Grundlage des Wirtschaftens sind - und nicht irgendwelche immateriellen Dinge, die auf irgendwelchen Zetteln oder irgendwelchen Computern stehen.

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  5. Na, was machen denn die Banken mit dem billigen FED/EZB-Geld? Die benutzen das zum Spekulieren. Während die Chinesische Regierung den Firmen direkt das Geld weitergibt, spekulieren die Demokratie-Banken mit Leerverkäufen gegen die eigenen Firmen (eigen ist relativ, in den Banken sind größtenteils religiös benetzt). Das Gleiche mit den Staatsanleihen.

    Aber welcher von den Polypversagern kommt mal auf die Idee, die Struktur zu hinterfragen?

  6. den größten Teil der Aufstockung Zahlen???
    Ich ahne es...

  7. Die letzte Wirtschafts-, Finanz- und Eurokrise hat 51.000 neue deutsche Millionäre hervorgebracht.
    Zurzeit gibt es in Deutschland 861.000 Millionäre. Da, wo viel Reichtum ist, gibt es leider auch sehr viel Armut.
    Der Rettungsschirm wird für die Reichen aufgespannt!
    Deshalb müssen es die Deutschen genau so machen wie die Griechen. Nein, nicht wie die 2.000 griechischen Familien, denen 90% des griechischen Privatvermögens gehören, sondern wie die Bürger, egal ob Fährenkapitän, Olivenbauer, Schafzüchter, Krankenschwester, Friseur, Lehrer usw. Diese haben sich solidarisiert und gehen gemeinsam auf die Straße, um gegen die soziale Ungerechtigkeit zu demonstrieren. Diese Leute wissen, dass durch den Kreditfluss der EU nicht die griechischen Bürger gerettet werden, sondern die Gläubiger, welche Geld leihen, das sie mit Zinsen wieder zurückgezahlt bekommen.
    Wir retten Banken, damit wir dort Geld aufnehmen können, welches wir anderen Staaten leihen, damit sie ihre Zinsschulden an diese Banken zurückzahlen können. Und wenn wir nicht mitspielen, drohen die Banken zu crashen. Wie bekloppt ist unsere Welt geworden?
    Das Wettrennen, wer sichert als Erster sein Geld und wer ist der Dumme, der am Ende übrig bleibt, ist längst im vollen Gange. Es droht sozialer Unfrieden. Es muss schnell eine Umverteilung her, und zwar von oben nach unten. In den 50iger Jahren hat das durch ein Lastenausgleichgesetz prima funktioniert. So eins brauchen wir jetzt auch. Nur: Man muss das auch wollen.

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    ...hieße Einführung einer echten Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Gefängnis bei Steuerhinterziehung und Entzug des Vermögens, Einführung des Kirchhof-Steuersystems. Dazu Schließung von 50% der Banken, Verbot aller Schattenbank-und Schattenhaushaltssysteme, Darlehensgewährung maximal bis zu 80% der Einlagen. Bei zügiger Einführung gäbe es keinerlei Nachwuchssorgen für unseren Arbeitsmarkt - übriggebliebene paper-pusher bei Banken müssten eben umschulen: Gas-Wasser, Schreiner oder Friseurhandwerk eigneten sich gut, z.B.

    ...und die Demokratie ist zu Ende. Verständlich, wenn Sie mir das nicht glauben wollen, aber vielleicht empfinden Sie ja Horst Seehofer als glaubwürdige Quelle?
    http://www.youtube.com/wa...

    ...hieße Einführung einer echten Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Gefängnis bei Steuerhinterziehung und Entzug des Vermögens, Einführung des Kirchhof-Steuersystems. Dazu Schließung von 50% der Banken, Verbot aller Schattenbank-und Schattenhaushaltssysteme, Darlehensgewährung maximal bis zu 80% der Einlagen. Bei zügiger Einführung gäbe es keinerlei Nachwuchssorgen für unseren Arbeitsmarkt - übriggebliebene paper-pusher bei Banken müssten eben umschulen: Gas-Wasser, Schreiner oder Friseurhandwerk eigneten sich gut, z.B.

    ...und die Demokratie ist zu Ende. Verständlich, wenn Sie mir das nicht glauben wollen, aber vielleicht empfinden Sie ja Horst Seehofer als glaubwürdige Quelle?
    http://www.youtube.com/wa...

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