Schuldenkrise : Euro-Staaten einigen sich auf Rettungspaket für Griechenland

Mit günstigeren Krediten und längeren Laufzeiten wollen die Euro-Staaten Griechenland helfen. Auch die privaten Gläubiger beteiligen sich am neuen Hilfspaket.
Griechenlands Premier Giorgos Papandreou (l.), EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (r.) nach dem EU-Gipfel in Brüssel © REUTERS/Thierry Roge

Die Euro-Länder haben sich auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland verständigt. Erstmals sollen sich auch die privaten Gläubiger an den Finanzhilfen beteiligen. Das Hilfspaket hat ein Gesamtvolumen von 109 Milliarden Euro und kommt von den Euro-Partnern, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und dem Privatsektor, dessen Nettobeitrag mit 37 Milliarden Euro angegeben wird. Eine von Frankreich favorisierte Bankenabgabe ist vom Tisch.

Damit Griechenland seine Schulden leichter zurückzahlen kann, sollen die Zinsen von 4,5 auf rund 3,5 Prozent sinken. Zudem sollen die Laufzeiten der Kredite, die Griechenland vom Rettungsfonds EFSF erhält, von bisher siebeneinhalb auf mindestens 15 Jahre verlängert werden. "Die Zeiträume müssen sich so erstrecken, dass die Griechen sich das leisten können", sagte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann

Mit ihrem Beschluss brechen die Staaten ein Tabu, indem sie erstmals einen vorübergehenden Zahlungsausfall Griechenlands akzeptieren. Denn die vereinbarte Einbeziehung privater Gläubiger dürfte dazu führen, dass die Rating-Agenturen Griechenland für teilweise zahlungsunfähig erklären. Damit wären griechische Banken von der Refinanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) abgeschnitten. Sie halten nämlich viele griechische Staatsanleihen und sind darauf angewiesen, dass sie die Papiere auch weiterhin bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen können.

Daher planen die Staats- und Regierungschefs eine Art Puffer für die griechischen Banken. Sie wollen den Zahlungsausfall auf wenige Tage beschränken; außerdem sollen öffentliche Garantien Sicherheit schaffen. Insbesondere die EZB hatte sich lange dagegen gewehrt, weil sie Turbulenzen an den Finanzmärkten fürchtet. Nun hat sie ihre Fundamentalopposition aufgegeben.

Ein Aufbauprogramm für Griechenland

Griechenland war bereits 2010 mit internationalen Kreditzusagen von 110 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt worden. Davon stehen noch 45 Milliarden Euro aus. Dieses Paket reicht aber nicht mehr aus. Inzwischen hängen auch Portugal und Irland am internationalen Finanztropf.

Um die griechische Wirtschaft zu stützen, soll dem Land der Zugang zu den EU-Strukturfonds erleichtert werden. Die EU-Kommission hatte vor wenigen Wochen vorgeschlagen, dass Griechenland der Eigenanteil erlassen werden könnte. Um Geld aus den Strukturfonds zu erhalten, müssen die EU-Mitgliedstaaten normalerweise einen Eigenanteil von 50 Prozent aufbringen.

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Hallo Overmann

Natürlich werden die deutschen Banken ihre solidarische Hilfe als Betriebsausgabe beim Bundesfinanzamt steuerlich geltend machen. Das hat gestern schon mal ein Finanzökonom bei der ARD ausversehen ausgeplaudert. Ein droßer Teil dieser Milliarden fließt damit an die Banken zurück. Damit blecht auch dafür der deutsche Steuerzahler. Deswegen konnte der Ackermann auch so schön weiter grinsen und hat sich gedacht: Sind die Deutschen schön doof. Das Ganze ist eine reine Farce. Für diese Deals werden wir noch alle teuer bezahlen müssen. Alternativlos, würde Angie sagen.

Und alles wird noch schlimmer werden!

Nichts ist gewonnen. Da es offenbar nun nicht den geringsten Schuldenschnitt gibt, wird keine Schuldentragfähigkeit geschaffen.

Weiterhin besteht die bankenbeteiligung nur darin, weniger an Griechenland zu verdienen. Dafür werden die Kredite von den starken Euroländern, also Deutschland garantiert. Das ist ein sehr gutes Geschäft für die Banken, wenn die Banken Papiere mit der Sicherheit der deutschen Staatsanleihen zu einem höheren Zinssatz bekommen.

Der großen Haken:

- Griechenland wird sich weiter exponentiell verschulden müssen, da bei einer Schuldenlast von 160% des BIP der jährliche Schuldendienst zu 3,5% immer noch 5,6% des BIP beträgt. Also bleibt Griehenland auf ewig pleite und wir zahlen auf ewig.... Bis zum nächsten Knall, spätestens in 6 Monaten.

- Denn: Durch den auf etwa 3,5 % festgelegten Zinssatz ist die EZB nur noch sehr eingeschränkt handlungsfähig. Sie kann jetzt den Leitzins kaum mehr auf über 3% anheben, somit tickt in der EZB selbst die nächste Zeitbombe, da es nun unmöglich geworden ist, die Geldmenge nachhaltig zu steuern.

Somit nimmt die Krise ihren weiteren Verlauf und unsere Politiker reden alles schön wie immer.

Schulden übernehmen ist ein Gewinn!!!

Was wollen Sie denn eigentlich, es ist doch alles in Butter:

"Kanzlerin Angela Merkel erklärte, die Stützungsmaßnahmen bedeuteten ein Mehr an Sicherheit für den Euro und damit auch für die Menschen in Deutschland. „Heute ist ein wichtiger Tag“, sagte Merkel. Der Euro sei mehr als nur eine Währung, er sei ein „Ausdruck großer Verbundenheit“ in Europa. An die Adresse der heimischen Steuerzahler gewandt meinte die Kanzlerin: „Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück.“"

http://www.focus.de/finan...

Wer das noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.