Die Euro-Länder stemmen sich gegen ein Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte im Deutschlandfunk, man müsse nun vor allen Dingen darauf achten, dass sich in einer so nervösen Lage an den Finanzmärkten die Ansteckungsgefahren nicht verstärken.

Die Euro-Zone sei in einer schwierigen Situation, da die zu hohen Schulden einiger Mitgliedsländer das Vertrauen gefährdeten. "Deswegen müssen wir gemeinsam handeln", sagte der CDU-Politiker. Die Finanzminister der 27 EU-Staaten beraten derzeit in Brüssel, um eine Strategie zur Absicherung der europäischen Bankenbranche zu finden.

Die Angst vor der Schuldenkrise in Italien und einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hat an den Finanzmärkten den Euro stark belastet. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Dienstag auf 1,38 Dollar und lag damit mehr als einen US-Cent niedriger als am Vorabend in New York. "Bestrebungen, einen Rettungsplan für Griechenland nun schneller auf die Beine zu stellen als bisher geplant, überzeugen die Finanzmärkte nicht", sagten Analysten der Commerzbank. Dennoch kämpfte sich der Euro bis Börsenschluss wieder zur Marke von 1,40 Dollar hoch. Auch der Dax setzte seinen Abwärtskurs fort und verlor in den ersten zwei Handelsstunden rund 2,5 Prozent. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 0,8 Prozent schwächer als am Vortag bei 7174,14 Punkten. Der EuroStoxx 50 der wichtigsten europäischen Werte war zeitweise drei Prozent im Minus.

Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms kletterte erstmals seit 1997 – also noch vor der Euro-Einführung – zeitweise über die Marke von sechs Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt. Auch in Spanien – nach Italien die viertgrößte Euro-Wirtschaft – legten die Renditen zeitweise stark zu. Zum Vergleich: In den bereits geretteten Euro-Ländern Griechenland, Irland und Portugal liegen die zehnjährigen Zinsen aktuell bei 16 Prozent, 12,7 Prozent und 12,2 Prozent – also deutlich höher.

Nachdem bekannt wurde, dass die Euro-Finanzminister sich am Freitag zu einer Sondertagung treffen könnten, erholte sich der Euro-Kurs leicht. Der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy schloss ein solches Treffen nicht aus. Frankreich sei für die Einberufung der Staats- und Regierungschefs, hieß es zudem in Regierungskreisen in Paris. Ein solches Treffen könne die Finanzmärkte beruhigen.

Inzwischen wollen die Euro-Länder für eine Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Griechenland-Hilfen offenbar auch in Kauf nehmen, dass das Land von den Rating-Agenturen zeitweise als zahlungsunfähig eingestuft wird. "Das ist nicht mehr ausgeschlossen, ganz klar", sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees De Jager in Brüssel.

Der deutsche Finanzminister wies Befürchtungen zurück, nach Griechenland könne auch Italien Finanzhilfen der Euro-Partner brauchen. Italien habe einen Haushaltsentwurf vorgelegt, und es bestehe kein Zweifel, dass dieser im Parlament auch so beschlossen werde, sagte Schäuble. "Sobald das so ist, wird auch diese Spekulation wieder zurückgehen", sagte der CDU-Politiker. Bislang erhalten Griechenland, Irland und Portugal Unterstützung von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds.

Auch die neue IWF-Direktorin Christine Lagarde versuchte Sorgen über Italien zu dämpfen. Das Land habe "ganz klar im Moment mit Problemen zu tun, die im Wesentlichen von den Märkten befeuert wurden", sagte sie in Washington. Einige der Wirtschaftsdaten des Landes seien "exzellent". Ein großer Teil der Schulden werde zudem im Inland gehalten. Das bedeute, dass der Einfluss internationaler Märkte begrenzt ist.