Währungskrise EZB will griechische Anleihen trotz S&P-Warnung akzeptieren
Die Andeutung der Rating-Agentur S&P, Umschuldungspläne mit der Herabstufung griechischer Anleihen zu quittieren, hat Unruhe ausgelöst. Die EZB versucht einen Kompromiss.
Die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert einem Bericht zufolge so lange griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Geldgeschäfte, bis alle Rating-Agenturen einen Zahlungsausfall feststellen. "Die EZB hält an ihrem Prinzip fest, auf das beste Rating aller Agenturen zu achten", berichtet die Financial Times unter Berufung auf Finanzkreise. Eine EZB-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hatte am gestrigen Montag damit gedroht, die französischen Pläne zur Beteiligung der Banken an den Kosten der Krise als teilweisen Zahlungsausfall zu bewerten und damit neue Unsicherheit geschürt. Auch die Agentur Fitch Ratings hatte vor Bekanntwerden der Einzelheiten des französischen Plans signalisiert, die Beteiligung mindestens als teilweisen Zahlungsausfall zu bezeichnen. Die dritte Agentur, Moody's, hat sich bislang nicht geäußert.
Die Agenturen spielen eine maßgebliche Rolle bei der Bewertung der Gläubiger-Beteiligung an einem weiteren Hilfspaket für das angeschlagene Griechenland. Nur wenn sie die Hilfen als freiwillig einstufen, und Griechenland nicht auf "D" (Default, Pleite) herabstufen, kann die EZB griechische Anleihen weiterhin als Sicherheit akzeptieren.
Mit ihrem Vorgehen könnte die EZB nun die Möglichkeit für einen Kompromiss ermöglichen. Eine Beteiligung privater Gläubiger wäre nach diesem Modell möglich, solange nicht alle Rating-Agenturen dabei ihre Bewertung auf die schlechteste Note absenken.
Die Bekanntmachung Standard & Poor's hat heftige Kritik ausgelöst. Der bayrische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) forderte den schnellen Aufbau europäischer Rating-Agenturen. Die Warnung von Standard & Poor's sei "unangemessen und wenig hilfreich".
Gerade die US-Rating-Agenturen hätten vor der Finanzmarktkrise bei der Einschätzung von Risiken "eklatant versagt". Wenn dieselben Unternehmen nun "Rettungsmaßnahmen" der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzlich erschwerten, zeuge das von "mangelnder Verantwortung" und könne nur als "bewusste Provokation gegenüber den europäischen Steuerzahlern" gewertet werden. Die Europäer müssten sich vom Diktat der US-Rating-Agenturen frei machen.
Auch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny kritisierte die Agenturen. Es sei ihm aufgefallen, dass sie in der Euro-Krise "viel strikter" seien, als in vergleichbaren Situationen – etwa in Südamerika. "Das ist schon etwas, worüber man nachdenken muss." Nowotny sagte, es gebe derzeit "schwierige Diskussionen" mit den Agenturen.
Auch der Chef des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, äußerte sich kritisch. Die Rolle der Agenturen sei "sehr fragwürdig". Die Politik habe sich in die Hände eines Monopols weniger Bewertungsinstitute begeben. Es sei notwendig, ihre Macht einzuschränken und wieder zu anderen Maßstäben der Bewertung zurückzukehren.
- Datum 05.07.2011 - 11:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 37
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Wenn die geforderte europäische Ratingagentur nur dazu da ist, um Staatsanleihen überzubewerten, damit die EZB sie weiter legitimerweise kaufen kann, ist das alles nur noch eine Farce.
S&P, denn die Kaffeesatzleser sind doch auch nur Schauspieler der Fed oder warum hat die USA noch AAA. Da wird den Ratingagenturen mal kurz mit der US Staatsanwaltschaft gedroht und schon sind sie wieder ruhig und auf Linie.
@Thema
Es ist doch bedenklich, das solche Laienschauspieler, die maßgeblich am entstehen der Finanzkrise 2008 beteiligt waren, hier überhaupt noch gehört werden. Denn bei solchen Referenzen wie deren Immobilienbewertungen oder der Bewertung Lehmans, würden sie doch nirgendwo in der Arbeitswelt einen Job bekommen.
Die einfachste Lösung ist ihnen die Androhung des Gewerbeverbots in Europa und schon sind auch die Bewertungen wieder im positiven Bereich. Da sollten die Europäer mal von den Amis lernen.
S&P, denn die Kaffeesatzleser sind doch auch nur Schauspieler der Fed oder warum hat die USA noch AAA. Da wird den Ratingagenturen mal kurz mit der US Staatsanwaltschaft gedroht und schon sind sie wieder ruhig und auf Linie.
@Thema
Es ist doch bedenklich, das solche Laienschauspieler, die maßgeblich am entstehen der Finanzkrise 2008 beteiligt waren, hier überhaupt noch gehört werden. Denn bei solchen Referenzen wie deren Immobilienbewertungen oder der Bewertung Lehmans, würden sie doch nirgendwo in der Arbeitswelt einen Job bekommen.
Die einfachste Lösung ist ihnen die Androhung des Gewerbeverbots in Europa und schon sind auch die Bewertungen wieder im positiven Bereich. Da sollten die Europäer mal von den Amis lernen.
Am Anfang hieß es, es werden keine Hilfen nach Griechenland fließen. Auch Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB sollten nicht stattfinden, um ihre "Unabhängigkeit" zu wahren. Auf gar keinen Fall werde die EZB griechische Stattsanleihen mit dem Status D akzeptieren, hieß es noch vor wenigen Wochen. Euro- Bonds werden auf gar keinen Fall kommen, tönt die Regierung derzeit. Die nächsten Schritte kann sich jeder ausmalen.
Raus aus dem Euro, raus auf die Straße!
gestern haben wir noch gelacht - die EZB kann keine Default-Papiere kaufen, das kann eine Bank unmöglich tun. Also wird sie und die Politik zu einer anderen Lösung gezwungen und endlich in die geordnete Insolvenz gehen.
Heute liegen unsere Kinnladen runtergeklappt auf dem Asphalt. Die EZB wird tatsächlich Schrott kaufen. Damit der einmal eingeschlagene Irrweg und der politische Starrsinn auf Teufel komm raus fortgeschrieben werden kann und als solcher nicht zugegeben werden muß. Gesichtswahrung von intelligenzbefreiten Politikern, die 100 Milliarden kostet.
Das ist Veruntreuung von Steuergeldern sowie vorsätzliche Insolvenzverschleppung. Das sind Straftaten.
Sorgt doch selbst für die Auszahlung der fälligen Staatsanleihen indem sie Hilfsgelder für Griechenland über zwei, drei Umwege direkt wieder zurückerhält (als einziger inhaber größerer Mengen Gr. Staatsanleihen.
werden es gemeinsam mit Hohlraumpolitikern wie Merkel, Sarkozy, Berlusconi und anderen schaffen, Europa und Deutschland zu einem Dritte Welt Laden zu machen. Man möchte weinen oder aber besser in unabhängigen Staaten die Wahrheit lesen:
http://www.nzz.ch/finanzn...
Augenblick mal!
Wer ist S&P? Eine demokratisch legitimierte Institution mit neutralem Urteil oder ein privat-profitorientiertes Unternehmen?
Wie lange ist die Finanzkrise her? 2 jahre oder 200 Jahre?
Es ist erschreckend wie kurzsichtig unsere (kapitalistische) Gesellschaft ist.
Wenn unsere Ratingagenturen so "unfehlbar" wären, wie sie offensichtlich wieder von jedem gesehen werden, dann hätte es die Finanzkrise gar nicht geben dürfen. Wie waren denn die Lehmans vor der Krise eingestuft????
Das ganze Finanzsystem einschließlich ihrer angeschlossenen Rating-Agenturen ist durch und durch unglaubwürdig. Das Gegenteil von dem zu tun was sie uns "raten", wäre höchstwahrscheinlich genauso erfolgversprechend.
Es wird Zeit, dass hier endlich aufgeräumt wird und neue Wege gefunden werden. Wer wenn nicht die politischen Akteure, sollten hiermit anfangen!!!
"Das ganze Finanzsystem einschließlich ihrer angeschlossenen Rating-Agenturen ist durch und durch unglaubwürdig. Das Gegenteil von dem zu tun was sie uns "raten", wäre höchstwahrscheinlich genauso erfolgversprechend."
Naja, es wird ja keine Währungsgemeindschaft (ob das jetzt Nationalstaaten oder EuroRaum sind) gezwungen, sich an den Finanzmärkten mit frischem Geld zu versorgen.
Allerdings glaube ich nicht, dass aufgrund des großen Wohlstandsverlustes eine demokratische Mehrheit dafür wäre, sich komplett von den Finanzmärkten loszusagen. Von daher sind die int. Finanzmärkte nunmal der beste vorhandene Kompromiss aus Glaubwürdigkeit und Liquidität.
Und bzgl. des andersrum verhalten:
Wenn sie der Meinung sind, dass S&P vollkommen zu unrecht die Bewertungen für Griechenland runtergesetzt hat, dann steht es Ihnen frei sich griechische Staatsanleihen zu besorgen. Allerdings vertrauen eben die Märkte (alias der großteil der Marktteilnehmer) eher dem Rating der Agenturen als den Beteuerungen der europäischen Politiker. Wem Sie ihr Geld in die Hand drücken, bleibt vollkommen Ihnen überlassen.
"Das ganze Finanzsystem einschließlich ihrer angeschlossenen Rating-Agenturen ist durch und durch unglaubwürdig. Das Gegenteil von dem zu tun was sie uns "raten", wäre höchstwahrscheinlich genauso erfolgversprechend."
Naja, es wird ja keine Währungsgemeindschaft (ob das jetzt Nationalstaaten oder EuroRaum sind) gezwungen, sich an den Finanzmärkten mit frischem Geld zu versorgen.
Allerdings glaube ich nicht, dass aufgrund des großen Wohlstandsverlustes eine demokratische Mehrheit dafür wäre, sich komplett von den Finanzmärkten loszusagen. Von daher sind die int. Finanzmärkte nunmal der beste vorhandene Kompromiss aus Glaubwürdigkeit und Liquidität.
Und bzgl. des andersrum verhalten:
Wenn sie der Meinung sind, dass S&P vollkommen zu unrecht die Bewertungen für Griechenland runtergesetzt hat, dann steht es Ihnen frei sich griechische Staatsanleihen zu besorgen. Allerdings vertrauen eben die Märkte (alias der großteil der Marktteilnehmer) eher dem Rating der Agenturen als den Beteuerungen der europäischen Politiker. Wem Sie ihr Geld in die Hand drücken, bleibt vollkommen Ihnen überlassen.
...hören Recht und Demokratie auf.
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