Aus dem Loch im Fels steigen junge Männer. Sie tragen Atemschutzgeräte und Helme, ihre Körper sind verschwitzt und verdreckt. Einige haben ihre Pullover um den Kopf gewickelt, um ihre Augen vor dem Staub zu schützen. Die Männer sind außer Atem. Bis zu 900 Meter sind sie aus der Mine im inneren des Berges empor geklettert, nach acht Stunden in der Dunkelheit. "Wir sind alle erleichtert, wenn wir wieder das Tageslicht erblicken", sagt der Geologe Wilber Acer, einer der erfahrenen Bergleute der Gruppe.

Es ist ein gefährliches Geschäft, dem die Männer der Goldmine Santa Filomena nachgehen. Daran ändert auch das Holzschild nichts, das über dem Eingang der Mine hängt. "Das Bergwerk mit menschlichem Antlitz", steht darauf. Die Mine im Süden Perus ist die erste in Peru, die von der internationalen Zertifizierungsgesellschaft für fairen Handel Flo-Cert das Fairtrade-Label bekommen hat. Die Gesellschaft verleiht das Siegel nicht nur für den Anbau von Kaffee oder Baumwolle, sondern nun auch für Gold. 200 Kriterien muss ein Bergbauunternehmen erfüllen, um das Siegel tragen zu dürfen. Es muss etwa seine Mitarbeiter fair bezahlen und darf keine Frauen diskriminieren. Auch sollte es regelmäßig seine Steuern entrichten.

Das ist im Goldgeschäft keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in Peru. Vor allem die internationalen Minen, die mit ihren riesigen Maschinen ganze Berge tragen, stehen in der Kritik. Sie verschandeln die Landschaft und verschmutzen das Grundwasser, sagen Umweltschützer. Außerdem machen sie den Kleinbauern Land und Wasser streitig. Seit der Goldpreis immer neue Rekorde bricht, ist der Betrieb von Goldminen so rentabel wie schon lange nicht mehr. Der Preis für eine Feinunze liegt seit Monaten bei rund 1500 Dollar, zuletzt sprang er sogar über die Marke von 1600 Dollar. Überall auf der Welt werden Minen eröffnet, versuchen Goldgräber ihr Glück. In Europa, den USA, auch in Peru, dem fünftgrößten Goldproduzenten der Erde. Die Mine in Santa Filomena will anders wirtschaften, gerechter und weniger ausbeuterisch als die Konkurrenz. Doch was macht sie wirklich anders?

Wer das verstehen will, muss mit dem Bus von Lima zehn Stunden in den Süden fahren, danach noch einmal drei Stunden mit dem Kleinbus in die Anden. Mitten in einer Steinwüste liegen die Mine Santa Filomena und das gleichnamige Dorf. Hier fördert die Aktiengesellschaft Sociedad de Trabajadores Mineros  (Sotrami) seit rund 25 Jahren Gold. Ihre 161 Aktionäre wohnen zusammen mit ihren Familien in den Holzhütten im Dorf. Vor dreißig Jahren kamen die ersten von ihnen hierher, um als informelle Goldgräber in der stillgelegten Mine zu schürfen.

Gold war damals noch billig. Adrián Jiménez kann sich an die Zeit noch erinnern. Die Holzstreben, sagt der 64-Jährige Bergmann, seien gestohlen gewesen, weil Holz damals noch mehr wert war als die in Stein eingeschlossenen Goldadern. Eigentlich wollten Jiménez und die anderen nur kurze Zeit bleiben, um ein wenig Gold zu schürfen, und den Gewinn in ihre Heimatdörfer zu tragen. Dann aber stieg der Goldpreis, sie blieben und holten ihre Familien nach. Aus dem Camp ist heute ein Dorf geworden, mit einer Schule, einem Gesundheitsposten und einer Kirche.

Anders als bei den großen Bergwerken fließt der Gewinn, der mit der Mine erwirtschaftet wird, nicht nach New York, Zürich oder Dubai. Auch landet er nicht auf den Konten von Zwischenhändlern in der Stadt. Das Geld bleibt bei den Teilhabern der Mine, die selbst im Dorf leben. Die Mehrzahl der Aktionäre steigt noch selbst in den Berg hinab. Wenn Sotrami eine Aktionärsversammlung abhält, steht kein Auto vor dem Versammlungsraum, die Teilhaber kommen zu Fuß.