Ein Beruf mit Technik, das hat doch Zukunft, dachte Mammas Pashalis. Deshalb hat er sich zum Computerfachmann ausbilden lassen. Er weiß, wie man Rechner zu einem Netzwerk zusammenschließt und mit dem Internet verbindet. Heute taucht der 22 Jahre alte Grieche nach Schwämmen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Im gelernten Beruf hat er keine Arbeit gefunden. Und sein jetziger Broterwerb ist nicht gerade ein Job mit Zukunft. So wie ihm geht es vielen jungen Griechen: Sie haben keine Arbeit, und keine Perspektive. Denn die Schuldenkrise macht alles nur noch schlimmer.

Seinen Traum von der Arbeit mit Computern und Technik hat Mammas längst aufgegeben. Ob er nicht noch einmal etwas studieren will? Nein, sagt er. "Wozu? Das bringt doch nichts." Freunde von ihm hätten in Athen Informatik studiert. Jetzt seien sie arbeitslos. Damit sind sie nicht allein: In Griechenland haben mehr als zwei Fünftel der Arbeitsfähigen bis 34 Jahre keinen Job. Anstatt eine neue Ausbildung zu versuchen, macht Mammas lieber etwas Handfestes, das wenigstens ein bisschen Geld einbringt. Er hilft seinem Vater Stephanos, der als Schwammtaucher sein Geld verdient.

Viel Geld bringt das nicht ein. Wenn er hört, dass die Griechen angeblich über ihre Verhältnisse leben, kann Mammas nur lachen. Bestenfalls verdient er beim gemeinsamen Geschäft mit seinem Vater 700 Euro im Monat. Und das nur im Sommer, wenn sie die Schwämme auf Ferieninseln wie Rhodos verkaufen.

Im Winter beginnt die eigentliche Plackerei. Dann taucht er vor Kalymnos nach Schwämmen. Die Arbeit ist hart und gefährlich. Bis zu 80 Meter tief muss er hinab, erzählt er. Um fünf Uhr früh geht es los, danach bearbeitet er bis spätabends seine Fundstücke. Es ist ein aussterbender Beruf. Früher habe es auf Kalymnos an die hundert Boote mit Schwammtauchern gegeben, sagt Mammas. Inzwischen seien es nur noch ein gutes Dutzend.

Warum versucht er nicht woanders sein Glück? Für PC-Techniker gibt es doch in vielen Ländern Arbeit, und Computer sind überall gleich. Geht nicht, sagt Mammas. Er habe eine Frau und ein Kind hier zu ernähren, einen Jungen, anderthalb Jahre, er heißt Stephanos wie sein Großvater. Ohne den würde die Familie nicht über die Runden kommen.



In Faliraki, einem Touristenort an der Ostküste von Rhodos, versuchen Mammas und Stephanos ihre Schwämme zu verkaufen. Viel los ist an ihrem Stand nicht. Die billigen Industrieschwämme machen das Geschäft kaputt, erklärt Stephanos. "Niemand will mehr zehn Euro für einen Schwamm bezahlen." 

Nun sollen sie dem Staat noch mehr von ihrem hart verdienten Geld abgeben. Das macht Stephanos wütend. "Sie saugen uns aus", klagt der 50-Jährige, ein massiger Kerl mit langem, ergrauten Haar, einem Rauschebart und dunklen Augen. Wenn man ihn auf Ministerpräsident Papandreou anspricht, ziehen sie sich zu schmalen Schlitzen zusammen. Ihm bleibe immer weniger von dem, was er einnimmt. "Ich weiß manchmal gar nicht mehr, wofür ich noch arbeiten soll. Wenn das so weitergeht, ist es besser, wenn ich den Laden dicht mache", sagt er. So schnell wird er das aber nicht tun. Schließlich hängt jetzt sein Sohn wieder an seinem Rockzipfel.

Also machen er und sein Sohn weiter wie bisher. Was sollten sie auch sonst tun?, fragt Mammas. Ähnlich ratlos sind andere Griechen in seinem Alter. Wie Nikos Zaftakakis. Der 22-Jährige arbeitet im Schmuckladen seines Vaters. Am liebsten würde er ihn später einmal übernehmen. "Aber ich befürchte, dass ich mir etwas anderes überlegen muss." Was, weiß er nicht. Oder Hadzer Souramaki, die in Rhodos-Stadt in einem Laden für Spirituosen jobbt. Die 18-Jährige will Grundschullehrerin werden und dafür in diesem Jahr ihr Studium anfangen. Die Jobaussichten seien jetzt schon schlecht, sagt sie. Lehrer gehörten wie andere Beamte zu den Griechen, für die harte Einschnitte anstehen. Schlechtes Timing nennt man das wohl. Und nun? Sie zuckt nur die Schultern.

In Faliraki steht Mammas derweil wieder an der Strandpromenade mit seinen Schwämmen und wartet auf Kunden. Einer will handeln und nur zwei Drittel des Preises zahlen. Mammas willigt ein. Er verlange ja gar nicht, in seinem Beruf viel Geld zu verdienen. "Ich will doch nur davon leben können." Dann posiert er vor dem Werbeplakat seines Standes für die Kamera. Er reckt den Daumen nach oben und hält die Schwämme in die Kamera, die er aus der Tiefe gefischt hat. Sie sind jetzt sein ganzer Stolz. Das Plakat zeigt ihn in einer alten Tauchermontur: Mammas, den Schwammtaucher. Das ist jetzt seine Zukunft.