Schuldenkrise Rating-Agentur S&P stuft Griechenland herab

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat die Bonitätsbewertung Griechenlands um zwei Stufen gesenkt. Grund ist die von den Euro-Staaten beschlossene Gläubigerbeteiligung.

Passanten vor der Bank von Griechenland in Athen

Passanten vor der Bank von Griechenland in Athen

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Griechenland erneut herabgestuft. Staatsanleihen des Landes haben nur noch die Bewertung "CC" statt "CCC". Damit gelten die Anleihen als "aktuell sehr gefährdet". Unterhalb dieses Ratings liegen noch die Stufen C und D, die für einen Zahlungsausfall des Landes stehen.

Die Rating-Agentur bewertete auch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands negativ und schloss weitere Abstufungen nicht aus. Der von der EU geplante Anleihentausch komme zudem einem teilweisen Zahlungsausfall gleich, begründete die Agentur.

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Hintergrund ist die auf dem Euro-Sondergipfel beschlossene Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung. Eine der dort beschlossenen Maßnahmen sieht vor, privaten Besitzern griechischer Staatsanleihen einen Umtausch ihrer Anleihen in längerfristige, aber sichere Anleihen anzubieten. Dies wollen auch die zwei anderen großen Rating-Agenturen, Fitch und Moody’s, als teilweisen Ausfall griechischer Staatsanleihen bezeichnen. Fitch kündigte allerdings an, nach der Abwicklung des Anleihentauschs das bestehende Rating "beschränkter Kreditausfall" aufzuheben und die Bewertung der griechischen Kredite wieder zu verbessern.

Zweites Rettungspaket

Niedrigere Zinsen, Anleihenrückkauf und die Beteiligung privater Gläubiger. Mit diesen Maßnahmen soll Griechenland aus der Krise kommen. Der Wortlaut der Erklärung, mit dem die Staats- und Regierungschefs das Paket verabschiedeten, ist als .pdf-Datei hier abrufbar.

Kredite

Neue Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF soll Griechenland leichter zurückzahlen können. Die Zinssätze werden von 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt. Anstatt wie bisher siebeneinhalb Jahre soll Athen mindestens 15 Jahre Zeit bekommen, um das Geld zurückzuzahlen.

Die noch nicht ausgezahlten Gelder aus dem ersten Hilfspaket werden in das neue Programm übertragen. Auch der Internationale Währungsfonds wird aufgefordert, sich wieder zu beteiligen.
 

Gläubiger

Banken, Versicherungen und anderen privaten Gläubigern sollen mehrere Modelle angeboten werden, unter denen sie eins für einen Umtausch ihrer griechischen Staatsanleihen in neue Anleihen wählen können. Aber keiner soll dazu gezwungen werden. Die Hoffnung ist, dass Investoren die neuen Laufzeiten als sicherer ansehen und ihre Anleihen deswegen umtauschen. So soll Griechenland mehr Zeit bekommen, um seine Schulden zu verringern. Die internationalen Bankenlobby IIF hat vorgeschlagen, dass die privaten Gläubiger über einen Schuldentausch 17 Milliarden Euro beitragen würden.

Rückkauf

Über den Euro-Rettungsfonds sollen künftig Schulden von Euro-Ländern bei privaten Gläubigern aufgekauft werden können, wenn diese Länder Hilfen aus dem Fonds beantragt haben. Der Rückkauf von griechischen Staatsanleihen zeichnet sich als ein Modell der Rettung ab. Derzeit werden Anleihen mit einer Laufzeit ab fünf Jahren an der Börse nur noch zur Hälfte ihres ursprünglichen Wertes gehandelt. Nimmt man diese Kurse zum Maßstab, reichen Griechenland 50 Milliarden Euro aus, um 100 Milliarden seiner 340 Milliarden Euro Schulden zurückzukaufen.

Sicherheiten

Die Rating-Agenturen könnten auch bei einem freiwilligen Beitrag privater Gläubiger eine Verschlechterung für die Investoren feststellen. Dann würden sie Athen einen teilweisen Zahlungsausfall bescheinigen. Dadurch könnten die griechischen Banken in Schwierigkeiten geraten, weil sie die Staatsanleihen Athens nicht mehr als Sicherheiten bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen können. Die Hoffnung ist, dass durch einen raschen Tausch der Anleihen diese Bewertung nur wenige Tage gilt. In diesem Zeitraum wollen die Euro-Länder demnach mit rund 20 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds entstehende Sicherheitslücken etwa bei der EZB abdecken.

Wiederaufbau

Griechenlands Wirtschaft ist marode und kaum wettbewerbsfähig. Die Euro-Länder wollen einen Wiederaufbauplan für das Land initiieren, um Wachstum und Investitionen zu fördern. Auch die EU-Kommission soll das Land bei seinen Wirtschaftsreformen unterstützen. Diese hatte bereits vor dem Gipfel eine Expertengruppe beauftragt, den griechischen Behörden dabei zu helfen, etwa bereitstehende Gelder aus EU-Töpfen zur Förderung unterentwickelter Regionen zu beantragen.

Die Rating-Agenturen Fitch, S&P und Moody's werden seit Beginn der Finanz- und Schuldenkrise wegen ihrer Machtfülle kritisiert. Nahezu der gesamte Weltmarkt für Kreditbewertungen wird von den drei großen Agenturen beherrscht. Ihre Bewertungen sind maßgeblich für die Zinsen, die Staaten für neue Schulden zahlen müssen. Unter anderen sprach sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) deswegen für die Schaffung europäischer Rating-Agenturen aus.

 
Leser-Kommentare
  1. Anscheinend gibt es noch genügend Spieler mit ausreichend Jetons in der Tasche.

    Mal sehen, wie groß die Überraschung sein wird, wenn sich am Ende herausstellen wird, dass es wirklich nur Jetons sind.

  2. ..ist mit den USA? Die USA stehen kurz vor der Zahlungs, wie können diese noch ein AAA haben, während sich die griechische Volkswirtschaft nun sehr mühsam erholt.
    Es wird wieder weitegespielt bis Griechenland implodiert. Ich finde es sehr beschämend (um es freundlich zu sagen).

  3. .... wenn ich über finanzielle Probleme in den USA lesen, steht daneben/ dadrunter ein Artikel, dass die Rating-Agenturen ein europäisches Land attackiert haben.

    Ein Realist, wer böses dabei denkt!

    Wie sonst kann es sein, dass die USA immer noch Bestnote bekommen?

    Mittlerweile sollte doch jedem klar sein, dass es (dem Investor) nichts bringt, wenn seine Investition dadurch zurückbezahlt wird, dass die USA gelddrucken .... dann ist per Inflation seine Investition auch nichts mehr Wert ... wo also liegt da der Unterschied zu einem totalen Ausfall?

    Wo also liegt der gigantische Unterschied zwischen den USA (AAA) und Griechenland (CC) ? Letztere werden durch die EU gestützt. Die USA werden niemandem in ihrem Fall aufhalten.

    Also? Eben!

  4. endlich mal an Amerika abzuwerten? Wenn ihnen ihre Funktion noch irgendetwas bedeutet wird es nämlich höchste Eisenbahn. Selbst wenn morgen die Notenpressenanlaufen würden kommt das einem Zahlungsausfall gleich. Und was passiert - rein gar nichts. Und die Ratingagenturen scheuen zu als wenn nichts wäre. Die machen sich doch total lächerlich.

    • an-i
    • 28.07.2011 um 8:53 Uhr

    Wenn man alle Artikel zu diesm Thema zusammenfasst kommt man zum Ergebnis, es herscht ein Krieg $ gegen €. Der Euroraum soll bewusst zerstört werden. Anders kann man die weitere Herabstufug griechischer Anleihen auf CC,
    und trotz Zahlungsunfähigkeit- Bewertung der USA Anleihen immer noch auf AAA , nicht interpretieren

  5. ...einem Währungskrieg ! Die USA hat scheinbar die besseren Waffen, allerdings könnte ihnen bald der Nachschub ausgehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kaum- die werfen die Notenpresse an.

    Der einzige "Anleger" der sie stoppen könnte wäre China.
    Und dann kann sehr schnell aus einem "Währungskrieg" ein heißer werden. Oder glauben Sie ernsthaft, die USA ließen sich friedlich auf "Normalmaß" stutzen?

    Kaum- die werfen die Notenpresse an.

    Der einzige "Anleger" der sie stoppen könnte wäre China.
    Und dann kann sehr schnell aus einem "Währungskrieg" ein heißer werden. Oder glauben Sie ernsthaft, die USA ließen sich friedlich auf "Normalmaß" stutzen?

  6. In wenigen Tagen können die USA zahlungsunfähig sein und die Republikaner scheinen es tatsächlich darauf ankommen zu lassen. Trotzdem genießen die USA bei den Ratingagenturen immer noch ein AAA-Ranking. Statt dessen werden europäische Staaten gnadenlos herabgestuft. Lächerlicher geht es doch kaum noch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Agenturen erfüllen nuur ihren Autrag im Klassenkanmpf. Naomi Klein, Die Schockstrategie lesen. Dann wird klar, was dort demnächst abgehen soll.

    Die USA zahlen bis heute pünktlich Zinsen für ihre Staatsanleihen. Einige europäische Staaten sind dagegen zahlungsunfähig. Um die Zinsen für ihre Anleihen zahlen zu können, brauchen sie Geld aus dem Rettungsschirm. Das ist ein nicht ganz unbedeutender Unterschied.

    Wenn Sie Ratings kritisieren wollen, dann müssen Sie sich mit den Kriterien auseinander setzen. Legen Sie los:
    http://www.standardandpoo...
    http://www.standardandpoo...
    Und viel Spaß!

    Die Agenturen erfüllen nuur ihren Autrag im Klassenkanmpf. Naomi Klein, Die Schockstrategie lesen. Dann wird klar, was dort demnächst abgehen soll.

    Die USA zahlen bis heute pünktlich Zinsen für ihre Staatsanleihen. Einige europäische Staaten sind dagegen zahlungsunfähig. Um die Zinsen für ihre Anleihen zahlen zu können, brauchen sie Geld aus dem Rettungsschirm. Das ist ein nicht ganz unbedeutender Unterschied.

    Wenn Sie Ratings kritisieren wollen, dann müssen Sie sich mit den Kriterien auseinander setzen. Legen Sie los:
    http://www.standardandpoo...
    http://www.standardandpoo...
    Und viel Spaß!

  7. hat sich schon selbst gefeiert. Auch das zweite "Rettungsschirm\Sumpf Paket" wird Griechenland nicht aus der Missere helfen. Die "Privaten Gläubiger" haben nur so viel Chips eingesetzt wie sie abschreiben oder abzocken können.

    Dem Griechischen Volk und den Völkern der anderen Europäer wird es nicht helfen wenn man die Ursachen nicht bekämpft.

    Eine Kontrolle des Finanzsektors soll es nach dem Willen der Kanzlerin und nach dem Willen von Napoleon Sarkozy nicht geben. Man tauscht lieber Klopapier gegen eine Küchenrolle. Wenn man so mit Staatsanleihen umgeht dann sollten wir uns am Ende nicht wundern wenn Bundes Schatzbriefe bei der Endabrechnung nur noch Makulatur sind.

    Die Bundesregierung setzt auf Sozialabbau um diesen Zuständen zu begegnen. Die haben noch gar nicht bemerkt das die Bürger am Ende ihrer Zahlungsfähigkeit angekommen sind.

    Eine Leser-Empfehlung

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