Schuldenkrise"Die Unsicherheit ist Gift"

Europas Politiker haben die Panik an den Märkten ausgelöst, sagt der Anlagestratege Andrew Bosomworth. Am Markt dominiere die Angst, nicht die Spekulation.

ZEIT ONLINE: Wodurch wurde die Panik im Fall Italiens ausgelöst?

Andrew Bosomworth: Es waren mehrere Faktoren. Ein Auslöser war die Aussage des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi in der vergangenen Woche, das italienische Sparprogramm seines Finanzminister Giulio Tremonti womöglich abmildern zu wollen.

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ZEIT ONLINE: Hat auch die Herabstufung Portugals durch Moody’s in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt?

Andrew Bosomworth
Andrew Bosomworth

Bosomworth ist Vice-President bei Pimco. Die Konzern-Tochter der Allianz hat sich auf Anleihen und Bonds spezialisiert und verwaltet ein Vermögen von einer Billion Dollar.

Bosomworth: Auch das. Am Markt wächst der Eindruck, dass die Euro-Rettung nicht vorankommt. Der erste Plan für Griechenland ging nicht auf, dann scheiterte der Versuch einer freiwilligen Beteiligung der Gläubiger, nun ist wieder eine Umschuldung im Gespräch. All das schafft Unsicherheit und droht Kapital aus Europa zu vertreiben.

ZEIT ONLINE: Es gab keinen Angriff von Spekulanten gegen Italien?

Bosomworth: Es mag einzelne Spekulanten gegeben haben, die gegen italienische Anleihen gewettet haben, etwa über Leerverkäufe ...

ZEIT ONLINE: ... dabei wetten Investoren darauf, dass der Kurs einer Anleihe fällt ...

Bosomworth: ... ja, der entscheidende Faktor aber ist im Moment ein anderer. Die Investoren ziehen ihr Kapital ab, weil die Unsicherheit wächst, ob die Euro-Zone die Zerreißprobe übersteht. Die Leerverkäufe beschleunigen die Entwicklung nur.

ZEIT ONLINE: Wer treibt die Herde während einer solchen Massenpanik?

Bosomworth: Niemand. Italien hat den drittgrößten Rentenmarkt der Welt. Auf diesem Markt wird zu viel Kapital bewegt, als dass ein einzelner Investor die Bewegungen bestimmen kann.

ZEIT ONLINE: Haben wir es im Fall von Italien mit einer Übertreibung zu tun?

Bosomworth: Ich denke schon. Die Skeptiker führen ins Feld, dass unter den gegebenen Rahmendaten die Verschuldung des Landes langfristig steigen wird – und sie ist jetzt schon mit 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts recht hoch. Ich denke aber, dass die italienische Politik reagieren und sparen wird. Die Lage wird sich mittelfristig beruhigen.

Leserkommentare
    • hareck
    • 14.07.2011 um 10:01 Uhr

    Hat der "Anlagestratege" schon mal eine richtige Panik erlebt?

    • Chali
    • 14.07.2011 um 10:24 Uhr

    "Doch dafür sind die meisten Bürger Europas scheinbar noch nicht bereit."

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    ...wer denn sonst? Die Herren Zocker brauchen ja frisches Geld, sonst drohen sie damit, Amok zu laufen, Standortkarten auszuspielen, politisches und ökonomisches Harakiri zu machen. Und irgendwer muss das doch bezahlen...

    Bitte achten Sie auf einen sachlich argumentierenden Diskussionston. Danke. Die Redaktion/sc

    ...wer denn sonst? Die Herren Zocker brauchen ja frisches Geld, sonst drohen sie damit, Amok zu laufen, Standortkarten auszuspielen, politisches und ökonomisches Harakiri zu machen. Und irgendwer muss das doch bezahlen...

    Bitte achten Sie auf einen sachlich argumentierenden Diskussionston. Danke. Die Redaktion/sc

  1. Macht das denn einen Unterschied?

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    Mir tun sie ja auch leid - die "armen Opfer", die "am Markt" tätig sind. Ich finde es schon bezeichnend, dass sie sich als "Player", also als "Spieler" bezeichnen.

    Wer spielen will, soll Legosteine und Bauklötze rausholen und damit spielen - nicht aber mit der Zukunft von Volkswirtschaften.

    Mir tun sie ja auch leid - die "armen Opfer", die "am Markt" tätig sind. Ich finde es schon bezeichnend, dass sie sich als "Player", also als "Spieler" bezeichnen.

    Wer spielen will, soll Legosteine und Bauklötze rausholen und damit spielen - nicht aber mit der Zukunft von Volkswirtschaften.

  2. „Eine Idee wären gemeinsame Anleihen, also Euro-Bonds. Doch dafür sind die meisten
    Bürger Europas scheinbar noch nicht bereit. “

    Tja, und wenn das „tumbe“ Volk einfach partout nicht begreifen will, was gut für es ist, muss man es halt einfach in eine Fiskal- und Transferunion zwingen. Gell?

    Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommen hier in der ZEIT nur noch Traumtänzer zu Wort.

    Das Schlimme ist, dass man ideologisch verbohrten Menschen auch nicht mit Fakten und Mathematik kommen kann. Es nützt nichts.

    Aber Gott sei Dank ist das Ende in Sicht.

    Auch wenn man vor der Wand noch mal so richtig Gas geben wird, damit es auch ja mit dem Einschlag klappt.

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  3. "Europas Politiker haben die Panik an den Märkten ausgelöst, sagt der Anlagestratege Andrew Bosomworth. "

    Nein, der Markradikalismus des neoliberalen Raubtierkapitalsmus hat das ausgelöst.

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    Laut allgemeiner "Glaubenslehre" des neofeudalen Kapitalismus sind immer die anderen an der Misere schuld. Der "Markt" und ganz besonders seine "Eliten" und deren Handlanger sind immer die Opfer, die vom Volk bestohlen werden...

    Laut allgemeiner "Glaubenslehre" des neofeudalen Kapitalismus sind immer die anderen an der Misere schuld. Der "Markt" und ganz besonders seine "Eliten" und deren Handlanger sind immer die Opfer, die vom Volk bestohlen werden...

    • peto1
    • 14.07.2011 um 10:41 Uhr

    Es gib Staat Diktatoren und es gibt die Finanz Diktatoren,Die Tage der Finanz Diktatur sind gezählt wie die Staat Diktatoren, keine Milliarden und keine Billionen könen das noch retten oder ändern, die Zukunft liegt im Ökonomischem Finanzsystem wo der Staat nur noch Förderliche Projekte Finanziert und nicht in Projekte wo es nicht weis wo das geld genau hinfliest.

  4. Laut allgemeiner "Glaubenslehre" des neofeudalen Kapitalismus sind immer die anderen an der Misere schuld. Der "Markt" und ganz besonders seine "Eliten" und deren Handlanger sind immer die Opfer, die vom Volk bestohlen werden...

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  5. Mir tun sie ja auch leid - die "armen Opfer", die "am Markt" tätig sind. Ich finde es schon bezeichnend, dass sie sich als "Player", also als "Spieler" bezeichnen.

    Wer spielen will, soll Legosteine und Bauklötze rausholen und damit spielen - nicht aber mit der Zukunft von Volkswirtschaften.

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