ManagergehälterDeutsche Vorstände verdienen wie vor der Krise

Vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren Deutschlands Topmanager kräftig, zeigt eine Studie. VW-Chef Martin Winterkorn liegt mit seinem Gehalt an der Spitze. von Jahel Mielke

Von solchen Zuwächsen können normale Arbeitnehmer nur träumen: Durchschnittlich 4,5 Millionen Euro verdiente ein Chef eines Dax-Konzerns im vergangenen Jahr, und damit fast 22 Prozent mehr als 2009. Das geht aus einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervor, die die Bezüge von Dax- und M-Dax-Vorständen untersucht hat. Damit kassieren die wichtigsten Konzernlenker im Land wieder so viel wie vor der Finanzkrise. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer konnte dagegen kaum die Inflation kompensieren. Er kam laut Statistischem Bundesamt 2010 nur auf einen Lohnzuwachs von brutto 2,2 Prozent.

Unter den Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Konzerne hat VW-Chef Martin Winterkorn mit 9,3 Millionen Euro den ehemaligen Top-Verdiener, Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann , an der Spitze abgelöst. 2010 verdiente Ackermann 8,99 Millionen Euro und belegte damit Rang zwei, dicht gefolgt von Siemens-Chef Peter Löscher. "Ich persönlich bin der Meinung, dass kein Vorstandschef mehr als zehn Millionen Euro verdienen sollte. Es entsteht sonst der Eindruck, dass wir nahe an der Störung des sozialen Friedens sind", sagte DSW- Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Donnerstag in Frankfurt am Main.

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Einfache Vorstandsmitglieder der Dax- Konzerne verdienten mit Jahresbezügen von durchschnittlich 2,9 Millionen Euro ebenfalls gut 20 Prozent mehr als noch 2009. Ganz vorn lagen die Vorstände der Deutschen Bank mit 6,5 Millionen Euro, am unteren Ende der Dax-Konzerne standen Beiersdorf und Commerzbank, die ihre Vorstände im Schnitt unterhalb der Millionengrenze vergüten.

Auch in der zweiten Börsenliga verdienten die Vorstandsvorsitzenden gut. Springer-Chef Mathias Döpfner erhielt an der Spitze der M-Dax-Konzerne ein geschätztes Jahressalär von 6,6 Millionen Euro. Es folgen Sky-Chef Brian Sullivan mit 5,8 und Puma-Chef Jochen Zeitz mit 4,8 Millionen Euro Jahresgehalt.

Der größte Teil des Anstiegs der Bezüge kam durch variable Zahlungen wie Boni oder Prämien zustande – weil die Unternehmen 2010 wieder gut verdienten. Die Boni sollen nach den neuen gesetzlichen Regelungen stärker an den langfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt werden als früher. Zwar sieht die DSW einen Trend in diese Richtung, übt aber dennoch Kritik: "Unter den variablen Vergütungsbestandteilen sind die kurzfristigen Boni immer noch dominierend", sagte Gunther Friedl, Mitautor der Studie und Inhaber des Controlling-Lehrstuhls an der Technischen Universität München. Der Untersuchung zufolge machen sie 40 Prozent der Vergütung aus.

Die Aktionärsschützer fordern auch mehr Transparenz. "Unserer Ansicht nach sollten die Berichte, auf denen die Börsenaufsicht SEC in den USA besteht, zum Vorbild genommen werden", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Hocker. Hier gebe es auch Angaben zu Nebenleistungen wie Dienstwagen und Versicherungsbeiträgen. Immerhin ließen 27 der 30 Dax-Konzerne – bis auf MAN, Merck und Infineon – 2010 das Vergütungssystem ihrer Vorstände durch die Aktionäre beschließen. Widerstand gab es kaum.

Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Managerbezüge der DSW zufolge auf einem mittleren Niveau. Die Vorstandsvergütung in den USA bleibt am höchsten; 2010 lag sie bei im Schnitt 12,1 Millionen Euro. Spitzenverdiener im Dow Jones war Disney-Chef Robert Iger. Er bekam umgerechnet 21,1 Millionen Euro.

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Leserkommentare
    • checki
    • 08. Juli 2011 16:56 Uhr

    ich trau mich nicht den ersten kommentar zuschreiben, wenn ich
    mein lohnzettel anschaue.

  1. und jetzt auch 7,6% mehr für die Bundestagsabgeordneten.
    http://www.spiegel.de/pol...

    Jeder der das kritisiert, muss sich trotzdem den Vorwurf anhören, eine "Neiddebatte" anzetteln zu wollen.

    Es gibt immer noch ein paar Traumtänzer im Land, die einfach noch nicht kapiert, wer die wahren Schmarotzer im Land sind.

    Weiter so, Deutschland?

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    in meinen Augen Versager auf ganzer Linie, für deren Luxusversorgung ich als Steuerzahlerin auch noch in Beutehaft genommen werden.

    Zumindest kann ich davon ausgehen, dass Manager privater Unternehmen ihr Geld am Markt verdienen und ich als Kundin wenigstens gewisse Entscheidungsmöglichkeiten habe.

    Mein Motto: Jagt die Versagercliquen aus ihren Ämtern

  2. na Super,die verdienen Millionen und ich als Rentner hab nicht mal mehr 10 Euro um zum Arzt zu gehen....das ist mal ein Aufschwung...

    • checki
    • 08. Juli 2011 17:31 Uhr

    wenn es eine ungerechtigkeit gibt in dem system, ist das er
    für ein liter milch genausoviel zahlt wie ich mit meinen paar hundert
    euro im monat, ich sage lieber nicht wie viel es ist, ist ja mein geld.

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  3. Ach, wie bescheiden: " 'Ich persönlich bin der Meinung, dass kein Vorstandschef mehr als zehn Millionen Euro verdienen sollte. Es entsteht sonst der Eindruck, dass wir nahe an der Störung des sozialen Friedens sind ', sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker."

    Warum nicht mehr als 100, 1.000, 10.000 Millionen? .... [Ironie aus]

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    10 Millionen "verdienen", aber nur unter der Voraussetzung,
    dass sie auch 15% in die GKV abdrücken und einen Steuersatz von mind. 66% haben, wie hier kürzlich vorgeschlagen wurde:
    Einfach, fast wie auf'm Bierdeckel, man man nur will...

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    ... muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    " 'Ich persönlich bin der Meinung, dass kein Vorstandschef mehr als zehn Millionen Euro verdienen sollte. Es entsteht sonst der Eindruck, dass wir nahe an der Störung des sozialen Friedens sind ', sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker."

    Das entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik!

  4. und ich dachte immer, die Herren wären gierig. Aber ich mich geirrt: Nur 10 Millionen ... das ist ja wirklich die reinste Selbstaufopferung!

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass verschriftlichte Ironie häufig falsch verstanden wird. Danke. Die Redaktion/vn

    • Tupaq
    • 08. Juli 2011 18:13 Uhr

    aber nichts davon kann ich wegen oder Nettiquette schreiben.

  5. warum dann nicht auch die Vorstaende? Duerfen nur Popstars,
    Golfer oder Fussballer Millionen verdienen? Die Vorstaende
    sind keine Adeligen, die durch Geburt in diese Stellung
    kamen. Jeder kann sich bewerben!

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    • snm81
    • 08. Juli 2011 18:26 Uhr

    "Die Vorstaende
    sind keine Adeligen, die durch Geburt in diese Stellung
    kamen."

    stimmt. das sind sie nicht. aber das wird sich ändern. bedenken sie mal die summen um die es geht. die kinder der herren werden einen quasi geburtsadel bilden, auf eliteinternaten ausgebildet und exzellent vernetzt. das ist schon teilweise so, bisl naiv das mit dem bewerben.
    überhaupt: glauben sie tatsächlich daran diese leute wären des leistungsprinzips wegen da wo sie sind?

    Im Übrigen verdienenen die Unternehmen nicht nur das gleiche wie vor der Krise sondern sie bieten auch genau so vielen Menschen die Möglichkeit sich durch Arbeit ein Einkommen zu erwirtschaften wie vor der Krise.

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