Der Abhörskandal um die mittlerweile geschlossene Zeitung News of the World und die Sunday Times von Rupert Murdoch gefährdet die Übernahme des britischen Senders BSkyB durch den amerikanischen Medienunternehmer. Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg forderte Murdoch auf, sein Übernahmeangebot zu "überdenken". Ähnlich forderte es der konservative Premierminister David Cameron, der durch enge Verbindungen zum Murdoch-Konzern selbst in der Kritik steht.

Ursprünglich war erwartet worden, dass die Regierung schon in den kommenden Tagen die Übernahme des Bezahlsenders durch den Murdoch-Konzern genehmigt. Nun aber befasst sich das Kartellamt mit dem Übernahmeangebot. Laut Kulturminister Jeremy Hunt wird die Prüfung sechs Monate dauern.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass News of the World Tausende Menschen illegal abgehört hatte. Mitarbeiter des Blatts sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten gehackt haben. Scotland Yard zufolge könnten die Telefone von bis zu 4.000 Menschen angezapft worden sein. Murdoch hatte die Zeitung daraufhin eingestellt, Sonntag war die letzte Ausgabe erschienen.

Murdochs Konzern News Corp. will mit einem groß angelegten Aktienrückkauf das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Der Unternehmer kündigte an, für insgesamt fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) Anteilsscheine aufkaufen zu wollen. Das treibt den Kurs. In den vergangenen Tagen hatten die Aktien kontinuierlich an Wert verloren.

Das Parlament begann indes damit, den Abhörskandal aufzuarbeiten. Vor dem Innenausschuss wurden mehrere Personen vernommen. Der Kriminalbeamte John Yates führte aus, warum er die im Jahr 2009 aufgenommenen Ermittlungen gegen News of the World damals nicht weiterverfolgt hat. Eine neue Untersuchung habe er nicht für nötig gehalten, sagte er. Rückblickend bezeichnete er es als "sehr misslich", keine neue Untersuchung gestartet zu haben. Die Abgeordneten warfen Yates in der Anhörung vor, wenig überzeugend aufzutreten. Er sagte auch, er habe keine Absicht gehabt, eine Untersuchung von 2006 neu aufzurollen.

Eine Geschichte über Prinz William in der News of The World hatte die Ermittler tätig werden lassen. Den in einem aktuellen Bericht über den Abhörskandal geäußerten Verdacht, er habe unter Druck gestanden, neue Ermittlungen zu verhindern, wies Yates zurück. Auch sagte er laut Guardian, er habe niemals Geld von Journalisten bekommen. Er räumte jedoch ein, es sei höchstwahrscheinlich, dass andere Beamte Geld annahmen.

Derzeit arbeitet sich die Polizei durch 11.000 Seiten Papier, die die Ermittler bei der Festnahme von Reportern der News of The World gefunden hatten. 170 der 4.000 Abhöropfer sind bereits durch die Polizei verständigt.

Laut dem Labour-Abgeordneten Tom Watson sollen Murdoch, dessen Sohn James, stellvertretender Geschäftsführer des Konzerns News Corporation, und die Leiterin von News International, Rebekah Brooks, am Dienstag vor dem Ausschuss für Kultur und Medien des Unterhauses erscheinen. Labour-Chef Ed Miliband will Premier Cameron und den Vizepremier Nick Clegg treffen, um über die Folgen des Skandals zu sprechen.