Armut Leben ohne Girokonto
600.000 Menschen in Deutschland haben kein Konto, weil sie zu arm sind und Schulden haben. Banken müssen ihnen zwar eines anbieten – doch die Kosten dafür sind hoch.
Haben Sie schon mal versucht, Ihre Miete in bar zu begleichen? Dasselbe gilt für die Telefon oder den Strom: Viele Dinge, die im Alltag selbstverständlich oder sogar unverzichtbar sind, lassen sich nur noch per Überweisung bezahlen. Für Menschen, die kein Girokonto besitzen, ist das ein Problem. Zwar kann man bei den meisten Banken auch am Schalter Überweisungen tätigen – dafür zahlt man aber eine üppige Gebühr.
Das trifft vor allem diejenigen, bei denen das Geld ohnehin nicht so locker sitzt. Weil sie arbeitslos sind, oder für ihre Arbeit so wenig Lohn bekommen, dass es kaum zum Leben reicht. Richtig schwierig wird es, wenn man deshalb Schulden macht. Dann können die Gläubiger das Geld auf dem Girokonto pfänden. Damit wird das Konto automatisch gesperrt – und der Besitzer bleibt die Rechnungen für Miete, Telefon oder Strom solange schuldig, bis alles abgestellt wird oder er seine Wohnung verliert. Und bei wem einmal gepfändet wurde, der bekommt bei vielen Banken überhaupt kein Konto mehr.
Damit es soweit nicht kommt, gibt es seit dem vergangenen Jahr das Pfändungsschutzkonto, genannt P-Konto. Darauf sind Beträge bis zu einer Höhe von 1.028 Euro geschützt. Berücksichtigt werden dabei Lohneinkünfte, Sozialleistungen und Renten, freiwillige Zuwendungen durch Dritte oder Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Wenn jemand Unterhaltspflichten hat oder Kindergeld bezieht, erhöht sich der Betrag sogar. Nicht ausgeschöpfte Sockelbeträge können auf den Folgemonat übertragen werden.
Hohe Gebühren
Die Banken sind gesetzlich verpflichtet, auf Wunsch jedes Konto in ein P-Konto umzuwandeln. Die Stiftung Warentest warnt jedoch davor, ohne Not von diesem Anspruch Gebrauch zu machen. Damit niemand mehrere P-Konten führt, meldet die Bank die Einrichtung eines solchen Kontos an die Schufa, die diese Information an andere Institute weitergibt. Zwar hat die Schufa erklärt, dass sie die Existenz eines P-Kontos bei der Berechnung der Kreditwürdigkeit nicht berücksichtige. Doch welche Schlüsse Banken aus der Information über das Konto ziehen, wenn sie Kredite vergeben, ist ungewiss, sagen die Tester.
Zudem bemängeln die Verbraucherschützer, dass die Banken oft hohe Gebühren für die Umwandlung oder für die Führung eines P-Kontos verlangen. Die Schutzgemeinschaft für Bankkunden (SfB) hat schon mehrere Urteile erstritten, in denen hohe Gebühren oder Umwandlungskosten von den Gerichten als unzulässig bewertet wurden. "Es gehört zu den Pflichten eines jeden, das Gesetz zu befolgen, ohne dafür ein gesondertes Entgelt zu verlangen", sagt die Rechtsanwältin Heidrun Jakobs von der SfB. Ihrer Meinung nach darf die Führung eines P-Kontos keinen Cent mehr kosten als ein normales Girokonto, auch dann nicht, wenn die Bank mit dem Konto einen höheren Aufwand hat. Die Mehrzahl der Gerichte gab ihr Recht. Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat Anfang des Jahres 33 Banken und Sparkassen abgemahnt. Sie bemängelten nicht nur Kontoführungsgebühren von bis zu 15 Euro monatlich sondern auch, dass bei den P-Konten Funktionen wie Online-Banking oder Daueraufträge abgeschaltet wurden. Abgemahnt wurden unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank.
- Datum 01.09.2011 - 14:28 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Der Zweiklassenstaat in allen Bereichen. Armut grenzt aus. Sogar in solch banalen Alltagsdingen. Wohin soll das alles noch führen? Wurden die Banken nicht mal durch Staatsbürgschaften gerettet weil Systemrelevant?
Wohl wahr. Offenbar sind gewisse Menschen nicht systemrelevant...
Wohl wahr. Offenbar sind gewisse Menschen nicht systemrelevant...
... sind ja nicht nur die monatlichen Ausgaben, wie z.b. Miete, sondern auch die Einnahmen. Sozialämter, Rententräger und Arbeitgeber können nur sehr umständlich per Scheck oder bar auszahlen.
Zudem hat dann die in prekären Verhältnissen lebende Person das Geld auch bar herumliegen, bis alle Ausgaben beglichen sind - für manche Menschen (insbesondere mit Suchtproblematik) ist es deutlich sicherer wenn Einnahmen und Pflichtausgaben (Miete, Strom...) direkt laufen ohne dass sie das Geld in die Hand bekommen.
Wohl wahr. Offenbar sind gewisse Menschen nicht systemrelevant...
Allein diese Überschrift zeigt wie arm uns dieses System gemacht hat. Eigentlich sollte das system genau das gegenteil erreichen in einer modernen welt.
Mein (Privat-)Vermieter wäre total begeistert [Ironie off] wenn ich meine Miete jeden Monat in bar bei ihm abliefern würde. Wie so etwas bei Wohnungsverwaltungen oder Telekommunikationsunternehmen möglich sein soll, die teilweise in anderen Städten residieren ist mir völlig rätselhaft. Selbst die Barzahlung beim örtlichen Gasanbieter wäre für mich mit Extrakosten von ca. 5€ für die Fahrt dorthin mit Öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden. So einfach ist das mit dem Barzahlen eben doch oft nicht.
Das Konstrukt Sozialstaat ist nun gänzlich unter den Rädern der kapitalistischen Großreform gekommen. Da helfen wie im Artikel beschrieben, nur noch Gesetze um die Bürger vor den Banken zu schützen, die vor zwei Jahren indirekt durch eben den selben gerettet wurden.
Immer mehr wird mir der Missstand innerhalb dieser Demokratie (Zynismuskratie) vor Augen geführt.
Wann stehen die Leute mal auf und gehen endlich mal jemanden Wählen, der für deren Einstellung auch mal die Hand ins Wasser legt.
Vor Jahrzehnten gab es in Deutschland kaum bargeldlosen Zahlungsverkehr.
In dieser Zeit war es ein ausdrücklicher Wunsch der Banken, dass die Menschen Bankkonten einrichten. In diesen Jahren und Jahrzehnten warb man damit, dass Konten kostenlos geführt wurden. Gebühren waren überhaupt keine Diskussion.
Als dann alle Konten hatten, liessen die Banken die Falle zuschnappen. Nun wurden permanent Gebühren eingeführt und erhöht, denn nun konnte keiner mehr zurück.
Es gab in diesen Jahren noch vielfach das Modell, dass ein Vermieter im Haus wohnte - Mehrfamilienhaus - und in diesem Haus Wohnungen vermieteten. So bezahlten die Mieter im Haus alle bar.
Heute ist es aber so, dass der Vermieter oft gott weiß wo wohnt und eine Barzahlung problematisch ist.
Nach dem Gesetz muss die Bank ein Konto einräumen. Viele, welche das in die Diskussionen einbrachten, wurden ausgelacht, denn es gibt ja das Gesetz. Viele Bürger haben eben keine Ahnung, dass ein Gesetz etwas Theoretisches ist und das Leben die Praxis. Es ist auch unklar, weshalb ein Guthabenkonto der Bank mehr Kosten verursachen soll.
Wir sehen also welche Position die Finanzwirtwschaft ggenüber Gesetzen hat. Gar keine.
Es ist besonders schäbig, wenn man die Armen ausraubt.
In der Masse war und ist viel rauszuholen, auch wenn es mal Verluste durch völlig bankrotte gibt. Die Banken bekommen das Geld für 0,5 bis 1 % Leitzins fast geschenkt und "verleihen" es z. B. als Dispo-Kredit für 13 bis 19 %. Gigantische Profite auf dem Rücken derjenigen mit wenig Einkommen. Diese kommen nie mehr aus dem Schuldturm raus, denn die Zinsen häufen sich - und es kann keine Tilgung mehr statt finden.
In der Masse war und ist viel rauszuholen, auch wenn es mal Verluste durch völlig bankrotte gibt. Die Banken bekommen das Geld für 0,5 bis 1 % Leitzins fast geschenkt und "verleihen" es z. B. als Dispo-Kredit für 13 bis 19 %. Gigantische Profite auf dem Rücken derjenigen mit wenig Einkommen. Diese kommen nie mehr aus dem Schuldturm raus, denn die Zinsen häufen sich - und es kann keine Tilgung mehr statt finden.
Aber kann sich noch jemand daran erinnern wie uns Sparkassen und Banken gelockt haben. Giro konto kostenlos bis fast alle eins hatten und dann kamen die Gebühren erst 10. pfennig dann50 pfennig pro Buchung. Denn ich für mein Teil kenne noch die Gute alte Lohntüte (nicht wöchendlich sondern Monatlich) Jetzt zum Thema : Gerade die Sparkassen sollten sich Schämen wenn Sie diesen Menschen Probleme machen, diese Menschen haben schon genug Probleme aber nein da kann man ja Geld abgreifen ohne Risiko. Pfui
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