Banken Viel Krise, wenig Konkurrenz

Rettungen und Fusionen haben den Wettbewerb zwischen Banken verringert. Das schwächt das Gesamtsystem. Eine neue Studie zeigt die Ausmaße.

Skyline von Frankfurt am Main

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Die Erkenntnis ist fast 250 Jahre alt: "Metzger, Bierbrauer und Bäcker" schuften nicht aus Güte und Barmherzigkeit, sondern "weil sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen". Der schottische Moralphilosoph Adam Smith formulierte diesen Grundgedanken des modernen Wettbewerbs. Banker erwähnte er dabei nicht, doch seine These gilt genauso für die Finanzbranche. Stets verhindert die "unsichtbare Hand des Marktes" – die Konkurrenz zwischen verschiedenen Anbietern –, dass die Kunden ausgebeutet werden. Wer mit seinem Bäcker oder Banker unzufrieden ist, geht einfach zu einem anderen.

So weit die Theorie. In der Praxis sieht es in der Finanzbranche heute etwas anders aus - das zumindest ist die Botschaft einer Studie von Yu Sun, einem Volkswirt an der George Washington University. Seine Arbeit mit dem Titel Recent Developments in European Bank Competition hat besonderes Gewicht, weil sie als Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) erschienen ist. Solche Studien geben zwar nicht die offizielle Sicht des IWF wieder, unterliegen aber einer strengen internen Qualitätskontrolle.

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Sun kommt zu dem Schluss, dass die Wettbewerbsintensität im Bankensektor im Zuge der Finanzkrise vielerorts gesunken ist, besonders in den USA und Spanien. Auch für die Euro-Zone insgesamt gilt: Geldinstitute haben seit 2008 mehr Marktmacht und damit einen größeren Spielraum, zulasten ihrer Kunden Geld zu verdienen. Gesunder Wettbewerb unter Banken ist nicht nur im Interesse der Kunden, die leichter an Kredite kommen und weniger für Dienstleistungen wie zum Beispiel die Organisation von Börsengängen zahlen müssen. Vieles spricht dafür, dass auch das Finanzsystem insgesamt profitiert.

Theoretisch wäre das Gegenteil denkbar, wenn ruinöser Wettbewerb die Banken auszehren und krisenanfälliger machen würde. Viele Studien zeigen jedoch: Diese Sorge ist unberechtigt. Konkurrenz zwischen Geldinstituten macht das Bankensystem stabiler und verringert die Gefahr von Finanzkrisen.

Einen empirischen Beleg dafür liefern Mark Carlson (Federal Reserve Board) und Kris James Mitchener (Santa Clara University) am Beispiel der Großen Depression. US-Banken, die in einem harten Wettbewerb mit anderen Geldhäusern standen, kamen deutlich besser durch die Krise als Institute, die regional über große Marktmacht verfügten, weil erstere deutlich effizientere interne Strukturen hatten. Geldhäuser, die regional kaum Konkurrenz hatten, setzten dagegen vor der Krise Speck an, der ihnen später zum Verhängnis wurde.

Andere Studien zeigen: Je härter in einem Land der Wettbewerb zwischen Geldinstituten ist, desto leichter kommen Unternehmen an Kredite für ihre Investitionen. So wiesen die Ökonomen Raghuram Rajan und Luigi Zingales nach: Je mehr Konkurrenz unter Banken herrscht, desto besser entwickeln sich Branchen, die stark auf externe Finanzierung angewiesen sind – zum Beispiel die Pharma-Industrie. Die Wettbewerbsintensität in der Finanzindustrie empirisch zu messen, ist alles andere als trivial. So sagt der bloße Blick auf die Marktanteile einzelner Institute wenig aus. Theoretische Modelle zeigen, dass die Konkurrenz auch auf einem Markt mit wenigen Unternehmen heftig ausfallen kann.

Leser-Kommentare
  1. Seit Jahren klagen die Vertreter der Finanzbranche, Deutschland sei "overbanked".
    Das ist(nach eigener Erfahrung)schon soetwas wie ein Lehrsatz.
    Aber: Unser angeblich so seltsames und international nicht konkurrenzfähiges dreigliedriges System, von Sparkassen, Privatbanken und Genossenschaftsbanken ist vermutlich der beste Schutz vor Krisen, weil es halt so schön zersplittert ist.
    Das hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Mechanismen der Evolution und könnte dort unter der Rubrik Artenvielfalt laufen.
    Also: Je größer das Gejammer, desto besser ;-)

  2. Dass eine hohe Wettbewerbsintensität im Banken- bzw. Finanzsektor die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Konsumenten verbessert, ist nicht wirklich überraschend.
    Überraschend ist allerdings, das Ergebnis, dass eine hohe Wettbewerbsintensität die Stabilität im Bankensektor eher erhöht. Gerade die nicht im internationalen Wettbewerb stehenden Sparkassen und Volksbanken in D waren ein Garant für eine stabile Kreditversorgung in der Hochphase der Finanzkrise. Dagegen konnten sich die im internationalen Wettbewerb stehenden Großbanken und Landesbanken dem Strudel der Krise nicht entziehen.

  3. Warum die Studie von Yu Sun in der Zeit so in den Vordergrund gespielt wird, ist mir unklar.
    Es gibt weitaus eindeutigere Studien, die den Zusammenhang von Marksttrukturen und Bankenstabilität auch während der Finanzkrise veröffentlichen. Zudem benutzt Sun mit der H-Statistic von P/R ein Wettbewerbsmaß, das heute kaum noch adäquat ist. Die Vorteile der Boone-Statistic oder des Lerner-Index, mit denen Grenzkosten statt Grenzerträge geschätzt werden, sind innerhalb der empirischen Forschung akzeptiert.
    Dass Sun die Studien unter der Schirmherrschaft des IMF angefertigt hat und diese Tatsache ein Qualitätssignal darstellt, halte ich für überzogen. Vielleicht das nächste Mal besser recherchieren, liebe Zeit-Redakteure. Es sollten doch letztlich immer noch die Journalqulität und damit die Gutachten fachspezifischer Reviewer als Qualitätsmaßstab gelten.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Sie fragen:

    Warum die Studie von Yu Sun in der Zeit so in den Vordergrund gespielt wird, ist mir unklar.

    ...

    Vordergründig steht die Frage des Wettbewerbs in der Finanzindustrie. Die Finazindustrie bedroht die rechtsstaatliche demokratische Ordnung, das System als Ganze.

    Wie?

    Ganz einfach. Man vereinbart das was später als Problem erscheinen muss mit der Folge dass die Verantwortung und Bürgschaft für die geplante vereinbarte Fehler die Mehrheit der Bürger tragen bzw. bezahlen muss.

    Wir erleben ein Absurdum dem nach nicht der Verursacher eines rechtswidrigen Vorgangs zur Verantwortung gerufen wird, sonder der Beschädigte.

    Wenn allgemein etwas ohne Ihres Willens und Wissens entsteht, wofür Sie zwangsläufig die Haftung übernehmen müssen, ist die letzte Zeit sich zu fragen, warum eigentlich.

    Neue antimonopolistische Regelung (Glass-Steagall act) muss wieder her. Je schneller desto besser.

    Sie fragen:

    Warum die Studie von Yu Sun in der Zeit so in den Vordergrund gespielt wird, ist mir unklar.

    ...

    Vordergründig steht die Frage des Wettbewerbs in der Finanzindustrie. Die Finazindustrie bedroht die rechtsstaatliche demokratische Ordnung, das System als Ganze.

    Wie?

    Ganz einfach. Man vereinbart das was später als Problem erscheinen muss mit der Folge dass die Verantwortung und Bürgschaft für die geplante vereinbarte Fehler die Mehrheit der Bürger tragen bzw. bezahlen muss.

    Wir erleben ein Absurdum dem nach nicht der Verursacher eines rechtswidrigen Vorgangs zur Verantwortung gerufen wird, sonder der Beschädigte.

    Wenn allgemein etwas ohne Ihres Willens und Wissens entsteht, wofür Sie zwangsläufig die Haftung übernehmen müssen, ist die letzte Zeit sich zu fragen, warum eigentlich.

    Neue antimonopolistische Regelung (Glass-Steagall act) muss wieder her. Je schneller desto besser.

  4. Wer übernimmt die politische Verantwortung für die Krise? Verzichten etwa die Regulierer vom Dienst auf ihre Pensionsansprüche?

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    >>Wer übernimmt die politische Verantwortung für die Krise?<<
    --------------
    Der Wähler, der seit 60 Jahren immer wieder die Kanzlerschaft von SPD und CDU wählt ist ganz klar verantwortlich!
    SPD und CDU zusammen haben die Bankenrettung 2008 möglich gemacht und unterstützden das System nach wie vor. Die Wiederwahl dieser Parteien verdeutlicht: Der Michel will es so!
    Da braucht man woanders keine Verantwortlichen zu suchen!

    >>Wer übernimmt die politische Verantwortung für die Krise?<<
    --------------
    Der Wähler, der seit 60 Jahren immer wieder die Kanzlerschaft von SPD und CDU wählt ist ganz klar verantwortlich!
    SPD und CDU zusammen haben die Bankenrettung 2008 möglich gemacht und unterstützden das System nach wie vor. Die Wiederwahl dieser Parteien verdeutlicht: Der Michel will es so!
    Da braucht man woanders keine Verantwortlichen zu suchen!

  5. Sie fragen:

    Warum die Studie von Yu Sun in der Zeit so in den Vordergrund gespielt wird, ist mir unklar.

    ...

    Vordergründig steht die Frage des Wettbewerbs in der Finanzindustrie. Die Finazindustrie bedroht die rechtsstaatliche demokratische Ordnung, das System als Ganze.

    Wie?

    Ganz einfach. Man vereinbart das was später als Problem erscheinen muss mit der Folge dass die Verantwortung und Bürgschaft für die geplante vereinbarte Fehler die Mehrheit der Bürger tragen bzw. bezahlen muss.

    Wir erleben ein Absurdum dem nach nicht der Verursacher eines rechtswidrigen Vorgangs zur Verantwortung gerufen wird, sonder der Beschädigte.

    Wenn allgemein etwas ohne Ihres Willens und Wissens entsteht, wofür Sie zwangsläufig die Haftung übernehmen müssen, ist die letzte Zeit sich zu fragen, warum eigentlich.

    Neue antimonopolistische Regelung (Glass-Steagall act) muss wieder her. Je schneller desto besser.

    Antwort auf "Eine Frage des Maßes"
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    ... die Krise verursacht haben, eben auch noch eine monopolähnliche Machtposition. So wird keines der "systemisch wichtigen" Finanzunternehmen geschwächt aus der Krise gehen.

    Wer sich durch riskante Transaktionen genug verschuldet hatte (siehe HRE), oder durch Mißmanagement vor dem Aus stand (siehe Landesbanken oder Commerzbank), wird auf Steuerzahlerkosten/-risiko saniert.

    Probleme haben durch die Finanzkrise vorrangig Unternehmen, die versucht haben, sich selber zu helfen, oder zu wenig Skrupel hatten, die Grenzen der Legalität zu testen.

    Das sollte uns Bürgern eigentlich eine Warnung sein. Denn was in aller Öffentlichkeit im Großen geht, lässt sich im Kleinen ohne jedes Aufsehen durchsetzen.

    Kai Hamann

    ... die Krise verursacht haben, eben auch noch eine monopolähnliche Machtposition. So wird keines der "systemisch wichtigen" Finanzunternehmen geschwächt aus der Krise gehen.

    Wer sich durch riskante Transaktionen genug verschuldet hatte (siehe HRE), oder durch Mißmanagement vor dem Aus stand (siehe Landesbanken oder Commerzbank), wird auf Steuerzahlerkosten/-risiko saniert.

    Probleme haben durch die Finanzkrise vorrangig Unternehmen, die versucht haben, sich selber zu helfen, oder zu wenig Skrupel hatten, die Grenzen der Legalität zu testen.

    Das sollte uns Bürgern eigentlich eine Warnung sein. Denn was in aller Öffentlichkeit im Großen geht, lässt sich im Kleinen ohne jedes Aufsehen durchsetzen.

    Kai Hamann

  6. ... die Krise verursacht haben, eben auch noch eine monopolähnliche Machtposition. So wird keines der "systemisch wichtigen" Finanzunternehmen geschwächt aus der Krise gehen.

    Wer sich durch riskante Transaktionen genug verschuldet hatte (siehe HRE), oder durch Mißmanagement vor dem Aus stand (siehe Landesbanken oder Commerzbank), wird auf Steuerzahlerkosten/-risiko saniert.

    Probleme haben durch die Finanzkrise vorrangig Unternehmen, die versucht haben, sich selber zu helfen, oder zu wenig Skrupel hatten, die Grenzen der Legalität zu testen.

    Das sollte uns Bürgern eigentlich eine Warnung sein. Denn was in aller Öffentlichkeit im Großen geht, lässt sich im Kleinen ohne jedes Aufsehen durchsetzen.

    Kai Hamann

  7. Eine Leser-Empfehlung
  8. >>Wer übernimmt die politische Verantwortung für die Krise?<<
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    Der Wähler, der seit 60 Jahren immer wieder die Kanzlerschaft von SPD und CDU wählt ist ganz klar verantwortlich!
    SPD und CDU zusammen haben die Bankenrettung 2008 möglich gemacht und unterstützden das System nach wie vor. Die Wiederwahl dieser Parteien verdeutlicht: Der Michel will es so!
    Da braucht man woanders keine Verantwortlichen zu suchen!

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