US-WirtschaftDas Vertrauen ist in der Krise

Die Amerikaner glauben nicht mehr an in die wirtschaftliche Erholung. Sollte sich das nicht ändern, könnte das Land tatsächlich in die nächste Rezession rutschen. von 

Putzkolonne räumt in der New Yorker Börse auf

Putzkolonne räumt in der New Yorker Börse auf  |  © Mario Tama/Getty Images

Die Panik breitete sich aus wie ein Lauffeuer . "Es ist ein Blutbad", rief ein Händler an der New Yorker Wall Street am Donnerstagnachmittag, als 497 der 500 Unternehmen im S&P-500-Index binnen Minuten ins Negative drehten. Als die Wunden zum Stillstand kamen, hatte der US-Leitindex Dow Jones mehr als 500 Punkte verloren, rund 780 Milliarden Dollar an Wert waren vernichtet. Es war der stärkste Verlust in zwei Jahren. Die Nerven der Investoren waren von den zähen Verhandlungen in Washington um eine Anhebung der Schuldengrenze noch angeschlagen. Einen Tag vor dem Arbeitsmarktbericht am Freitag fürchteten viele an der Wall Street die nächste Hiobsbotschaft.

Doch die blieb aus. Die Zahlen, die das Arbeitsministerium am Morgen vorlegte, fielen deutlich besser aus, als von vielen erwartet. Der Privatsektor in den USA hat im Juli rund 154.000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosigkeit sank zum ersten Mal seit fünf Monaten, von 9,2 auf 9,1 Prozent, während die Löhne im Schnitt um 0,4 Prozent stiegen. Auch die katastrophalen Zahlen der Vormonate wurden nach oben korrigiert. Die Panik der Märkte, sagt Eric Green, Ökonom bei der Investmentberatung TD Securities in New York, sei angesichts dieser Zahlen alles andere als gerechtfertigt gewesen. "Dass wir trotz all der Negativnachrichten in den vergangenen drei Monaten im Schnitt 111.000 neue Jobs geschaffen haben, ist nicht so schlecht."

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Doch genau hier sehen viele den Kern des Problems. Die Amerikaner haben die Zuversicht verloren. Die Universität von Michigan, die den Amerikanern mit ihrem Vertrauensindex regelmäßig auf den Zahn fühlt, vermeldete zuletzt den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Seit 30 Monaten in Folge rechnen die Bürger im Land für die kommenden Monate nicht mehr mit steigenden Einkommen. Die Folge: Im Juni wuchs die Konsumrate mit 0,1 so langsam wie seit zwei Jahren nicht mehr, als das Land noch in den Nachwehen der großen Krise steckte. Dabei sind die USA wie kaum eine andere Volkswirtschaft auf gut gelaunte Bürger angewiesen: Rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung bestehen aus Konsum.

Um das Vertrauen wieder herzustellen, braucht es vor allem positive Nachrichten. Doch die lassen auf sich warten.

Das Wirtschaftswachstum liegt mit 1,25 Prozent deutlich unter dem Wert von knapp drei Prozent, den Notenbankchef Ben Bernanke für 2011 vorgab. Der so wichtige Immobilienmarkt hat sich von dem Zusammenbruch im Jahr 2008 bis heute nicht erholt. Die Verkäufe gingen zuletzt deutlich zurück, die Häuserpreise fielen im ersten Quartal um 5,1 Prozent. Noch immer werden massenweise Häuser zwangsversteigert, weil ihre Bewohner die Hypotheken nicht bezahlen können. Inzwischen sitzen die US-Banken auf rund einer Million Eigenheimen – Tendenz steigend. "Sollte der Immobilienmarkt sich nicht bald erholen, hätte das fatale Auswirkungen", sagt Green.

Die neuesten Zahlen vom Arbeitsmarkt sehen nur auf den ersten Blick gut aus: Dass die Arbeitslosenquote gefallen ist, liegt vor allem daran, dass 193.000 Amerikaner ganz aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Rund 44 Prozent der Arbeitslosen sind zudem bereits länger als 27 Wochen ohne Arbeit. Um die Arbeitslosigkeit im Land dauerhaft zu senken und ein gesundes Wachstum zu erreichen, müssten pro Monat mindestens 200.000 Stellen geschaffen werden. Das dürfte angesichts des strengen Sparkurses der Regierung schwierig sein. Seit neun Monaten sind die Jobzahlen im staatlichen Sektor rückläufig, allein im Juli fielen 37.000 Arbeitsplätze weg. Viele fürchten, das strenge Haushaltsbudget sorge nun für weiteren Gegenwind.

Die Zahlen schüren die Ängste vor einem double-dip, einem erneuten Abrutschen in eine Rezession nach einer kurzen Phase der Erholung. "Das Schwert der Rezession hängt einmal mehr über uns", prophezeiten gleich mehrere US-Medien in den vergangenen Wochen.

Leserkommentare
  1. wie eine Seifenblase.

    Das ist nur logisch.

    Ein unendliches Wachstum gibt es einfach nicht.

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    • BooNoc
    • 05. August 2011 21:06 Uhr

    Hinzu kommt Peak Oil, Klimawandel und Überalterung. Die nächsten 10-20 Jahre werden mehr als hässlich, obwohl sie das nicht werden müssten. Das Wachstumsdogma aber wird sich so lange selbst am Leben halten, bis das meiste Leben vernichtet ist und viele Menschen werden dies auch noch verlangen, da sie quasi auch dieser Religion angehören, in der Wachstum der Götze ist.

    nennt man in der Medizin "Krebs"
    und wie das endet ist landläufig bekannt !!!

    • Todoy
    • 06. August 2011 4:03 Uhr

    um aus einer Rezession zu kommen hilft nur Wachstum, um das aufzuholen was man eingebüßt hat. Eine ewiges Wachstum kann es aufgrund von Wirtschaftskrisen sowieso nicht geben. Umgekehrt gibt es auch kein ewiges Minuswachstum.

    • joG
    • 06. August 2011 8:57 Uhr

    ...sondern verantwortungslose Zusagen durch den Staat, die er nicht refinanzierte und in der Form nicht ausweist. Nur wenige wissen, wie hoch diese Schulden bspw der Bundesrepublik Deutschland sind und Die sagen nichts. Wenn sie das tun, verschwinden Sie auf Jahre in der politischen Schattenwelt, wie damals Biedenkopf.

    Fragen Sie Ihre Freunde, Ihren Abgeordneten; rufen Sie in der Wirtschaftsredaktion Ihrer Lieblingszeitung oder Ihres Lieblingssenders an. Fragen Sie. Sie werden sehen, das wissen Die alle nicht.

    In den USA sind sie transparenter. Zumindest gibt es relativ gute Schätzungen. Diese sind nicht wie die ausgewiesene Staatsschuld nur 90% eines NIP. Eher liegen sie bei einem Multipel des vielleicht 5 bis 10 Fachen eines Inlandsproduktes. Das heißt, die Schulden des Staates sollten nicht mit 14 Billionen sondern mit nach manchen Schätzungen bis zu 250 Billionen ausgewiesen werden. Meine Kalkulationen beliefen sich zwar nur auf ca 100 Billionen also , die aber auch schon problematisch sind.

    In Deutschland sieht es ähnlich aus. Es sind zwar durch die geringeren Ausgaben zur Stabilisierung der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft neuerlich geringere Ausgaben entstanden. Die Verpflichtungen für Sozialprogramme sind aber ähnlich und die Demographie ist noch schlechter.

    • Mortain
    • 05. August 2011 20:32 Uhr

    Es ist nun in aller Munde, daß der Schuldenkompromiß die Probleme nur ins Wahljahr aufgeschoben hat. Damit ist der politische Rahmen für die weitere Wirtschaftsentwicklung äußerst unsicher.

    Das schafft kein Vertrauen.

    • bernjul
    • 05. August 2011 20:33 Uhr

    "Seit 30 Monaten in Folge rechnen die Bürger im Land für die kommenden Monate nicht mehr mit steigenden Einkommen."

    Dann geht es den Amerikanern doch gut. Bei uns rechnet schon seit mindestens zehn Jahren keiner mehr mit steigenden Löhnen. Das kennen wir hier schon gar nicht mehr. Wir nehmen mittlerweile alle ganz selbstverständlich Reallohnverluste hin, weil dass schließlich völlig "alternativlos" ist.

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    ...weil die Unternehmer so leicht mehr Geld verdienen könne, die Produkte leichter exportiert werden können, und die Medien, deren Verlagsbesitzer und Chefredakteure selber große Aktienbesitzer sind, gut Laune übers Land ausschütten können.

    Erinnern wir uns an die erste Regierungszeit der rot-grünen Regierung. Da quälte die Presse den Schröder so lange mit seinem Ausspruch der ruhigen Hand, bis er Hartz in Auftrag gab. Das Siechtum der Löhne war damit ins Gesetz geschrieben.

    Ähnlich lief das mit der Riesterrente. Das war die Abkopplung der gut verdienenden Mittelschicht vom Bodensatz. Der gesellschaftsspaltende Keil war ein bisschen tiefer ins Fleisch getrieben, der Finanzmarkt mit gewaltigen zusätzlichen Summen versorgt.

    So wie auf der einen Seite die Vermögen anwachsen, so schrumpfen sie auf der anderen. Wenn die Lohnempfänger nicht genug angezapft werden können, muss der Staatshaushalt den Rest beibringen. Keiner kann sagen, dass diese Prozesse überraschend kommen. Jeder weiß, dass eine craschfreie Lösung nicht möglich sein wird.

  2. Die langfristige Inflation ist wohl seit Jahren unter der Zielmarke der FED. Auf welche steigende Inflation bezieht sich der Autor denn hier? Oder ist das nur Nachgeplappere?

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    Man kann der US-Regierung aber wenigstens nicht vorwerfen, den Kaufkraftverlust gerade der US Unterschicht einfach so hinzunehmen:
    http://www.businessinsider.com/wikileaks-haiti-minimum-wage-the-nation-2...
    m(

    Ok, eine Alternative wäre gewesen, das reichlich vorhandene Vermögen der US Oberschicht einfach umzuverteilen.
    Damit könnten sich die meisten Amis dann sogar wieder Konsumgüter leisten die im eigenen Land hergestellt werden...
    Dumm nur, dass das ja nicht geht.
    Wissenschon.
    Sozialismus und so.

  3. Marc Faber Interview vom 5.August 2011
    Marc Faber mit Blick auf den gestrigen massiven Sell-off

    http://goo.gl/o4AdC

    interessant!

  4. "Rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung bestehen aus Konsum."

    Und das auch nur mit dem Geld der anderen ...

    • BooNoc
    • 05. August 2011 21:06 Uhr

    Hinzu kommt Peak Oil, Klimawandel und Überalterung. Die nächsten 10-20 Jahre werden mehr als hässlich, obwohl sie das nicht werden müssten. Das Wachstumsdogma aber wird sich so lange selbst am Leben halten, bis das meiste Leben vernichtet ist und viele Menschen werden dies auch noch verlangen, da sie quasi auch dieser Religion angehören, in der Wachstum der Götze ist.

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    • BooNoc
    • 05. August 2011 21:08 Uhr

    Zur derzeitigen Berichterstattung in den Blockmedien:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10377

    • BooNoc
    • 05. August 2011 21:08 Uhr

    Zur derzeitigen Berichterstattung in den Blockmedien:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10377

    Antwort auf "Hinzu kommt..."

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