Ostafrika "Die Ideologie offener Märkte verschlimmert den Hunger"
Weil Entwicklungsländer zur Liberalisierung gezwungen werden, nimmt der Hunger zu, sagt Anne Jung von der Organisation medico im Interview. Sie will eine andere Politik.
© Tony Karumba/AFP/Getty Images

Neu angekommene somalische Flüchtlinge warten in Dadaab darauf, registriert zu werden.
ZEIT ONLINE: Frau Jung, Sie sagen, die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika sei die Folge einer falschen Liberalisierungspolitik der Industriestaaten. Aber haben nicht vor allem Dürre und Bürgerkrieg die Not verursacht?
Anne Jung: Die Liberalisierung der Märkte hat die Menschen verwundbarer gemacht. Begonnen hat die Entwicklung im Jahr 1990, als der Internationale Währungsfonds und die Weltbank mit dem Washington Consensus den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft forderten. Seither mussten viele Kleinbauern unter dem Druck der Konkurrenz aufgeben. Arme Länder wurden gezwungen, funktionierende staatliche Subventionssysteme abzubauen. Am Horn von Afrika traf das vor allem Kenia, das seine Getreidesubventionen kürzen musste. Dadurch hat sich die lokale Versorgung stark verschlechtert.
ZEIT ONLINE: Somalia ist besonders schlimm vom Hunger betroffen. Leidet das Land auch besonders unter der Politik des Westens?

ist Afrika-Expertin der Organisation medico international, die sich für das Menschenrecht auf den bestmöglichen Zugang zur Gesundheitsversorgung einsetzt.
Jung: Die jahrzehntelangen Konflikte und die Dürre sind eine ganz zentrale Ursache für Somalias Katastrophe. Aber die Ideologie offener Märkte verschlimmert den Hunger. Sie schwächt die Kleinbauern, denen eine Schlüsselrolle in der Hungerbekämpfung zukommt. Agrarspekulation hat das Angebot an Nahrungsmitteln zusätzlich verknappt und die Preise in die Höhe getrieben. Dadurch war es der Regierung unmöglich, Vorräte anzulegen.
Die Bedürfnisse der Bevölkerung in Somalia wurden und werden von der Politik der Industrienationen nicht berücksichtigt. Das war schon nach dem Zusammenbruch des somalischen Staates 1991 spürbar. Damals haben Fangflotten aus der Europäischen Union und Asien die somalischen Küstengewässer leer gefischt. Der Welternährungsorganisation FAO zufolge erwirtschafteten die Fischfangunternehmen dadurch 300 Millionen Dollar pro Jahr. Die lokalen Fischmärkte aber wurden durch sie zerstört.
ZEIT ONLINE: Aber die Industrienationen sind nicht allein verantwortlich für die Not. Die äthiopische Regierung zum Beispiel hat nicht nur den Markt für ausländische Investoren geöffnet oder Zölle gesenkt, sondern fördert aktiv den Ausverkauf des Landes.
Jung: Beschleunigt durch den Anstieg der Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt begann 2008 ein Run auf landwirtschaftliche Flächen in Afrika, Südamerika und Asien. Es stimmt, dass nicht nur die Industrienationen die Schuld an der Misere tragen. Aber sie bereichern sich, und sie setzen die afrikanischen Regierungen unter Druck. Hinzu kommt, dass für viele afrikanische Regierungen das Wohl der eigenen Bevölkerung nicht immer an erster Stelle steht. Äthiopien ist mit am stärksten von der Landnahme durch internationale Konzerne betroffen. Der Boden gehört dort dem Staat, es gibt keinen privaten Grundbesitz. Das ermöglicht es der Regierung, Geschäfte auf dem Rücken der Bevölkerung zu machen. Die Menschen erfahren oftmals erst vom Verkauf des von ihnen bewohnten Landes, wenn sie vertrieben werden. Dass sich einheimische Eliten daran genauso bereichern wie internationale Hedgefonds ist Teil des Systems. Diese Entwicklung hat mit dazu geführt, dass fast ein Drittel der Äthiopier von Hunger bedroht sind.
Die Karte zeigt das Ausmaß des Hungers am Horn von Afrika nach den Angaben der Vereinten Nationen. In den hell gefärbten Regionen ist die Versorgungslage angespannt. Am schlimmsten ist die Lage in den dunkelrot gefärbten Gebieten.
ZEIT ONLINE: Weltbank und Internationaler Währungsfonds haben den Washington Consensus vor einiger Zeit revidiert. Wirkt sich das nicht auf die Entwicklungspolitik der Industrieländer aus?
Jung: Nicht in der Europäischen Union. Die europäische Rohstoffinitiative beispielsweise führt die Position des Washington Consensus weiter. Die afrikanischen Länder werden gezwungen, Schutzzölle für seltene Rohstoffe abzuschaffen. Dabei sind die Zölle für die Regierungen oft die einzige Chance, nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Die bräuchten sie dringend, um funktionierende Gesundheitssysteme aufzubauen und die Armut zu bekämpfen.
- Datum 03.08.2011 - 14:54 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 54
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Na klar, an allem ist der Neoliberalismus schuld. Leider ergibt das in Bezug auf Somalia überhaupt keinen Sinn. Weder ist dessen Wirtschaft irgendwie am Welthandel beteiligt, noch haben wir irgendeinen Einfluss auf die Strukturen in dem Land, noch gilt dort so etwas wie Marktwirtschaft (sondern eher primitive Clanwirtschaft). Dass die Küstenregionen "leergefischt" werden, wurde auch nicht durch irgendwelche Neoliberalen erlaubt, sondern ist nunmal die Folge, wenn das Meer niemandem gehört und jeder abgreift, was er kriegen kann.
wie Sie das sehen.
Das Meer "gehörte" den Anrainern. Also den Somalies. Die, die dort jetzt als Piraten "arbeiten", waren zum großen Teil früher Fischer.
Ein weiteres Problem ist der Giftmüll, den vor allem italienische Firmen dort abgeladen haben. Das ist eine Zeitbombe!
Natürlich ist nie nur der oder das Eine Schuld. Aber der Westen und der Kapitalismus in der heutigen Form tragen einen übergroßen Anteil an den Problemen Afrikas. Sicher begünstigt durch die herrschaftlichen Verhältnisse vor Ort.
Aber ein Hehler wird hier genauso bestraft wie der Dieb. Nur weil vor Ort korrupte Despoten den westlichen und mittlerweile auch chinesischen Firmen erlauben das Land auszubeuten, ist das noch lange nicht legitim!
Auch ich halte diese Meinung von "Medico" für Unsinn. Seit knapp 8 Jahren lebe ich in Kenia. Eines Tages war dann ein hohes "Tier" auch China hier und versprach den Flughafen zu erneuern. Am Folgetag wurde vom Präsidenten gesagt, dass ab sofort Fahrräder und Mopeds zollfrei eingeführt werden dürfen. Es gibt jetzt Millionen dieser Art hier in Kenia; der Zoll ist weg und der Flughafen... Nach der vergangenen Wahl 2007 "verschwanden" die Lebensmittelreserven des Landes. Dann "musste" neuer Mais eingekauft werden. Ein Minister hat geholfen und schwupps kam Mais. Es waren wohl die Reserven, die er illegal ausgeführt, auf Schiffe geladen und im Meer herumfahren hat lassen. Dann verkaufte er diees getohlenen Reserven an Kenia. Die Maismühlen hatten vergangenes Jahr genügend Mais um zu verkaufen, haben aber einfach nicht gemahlen, weil der Mais zu preiswert war und haben gewartet... Der Mais kostet jetzt sehr viel mehr. Die Muhlen sind kenianische Mühlen... In Kenia besitzt die Familie Kenyatta (Nachfahren des ersten Präsidenten) in etwa so viel Land, wie die Westprovinz des Landes ausmacht.... Fragen Sie nicht, wieviel Land Moi und Co. oder die heutigen Chefs besitzen.... unfassbar!!! An all diesen Merkwürdigkeiten ist nicht der Westen schuld. Es ist die Beisitzgier der hiesigen Machthaber.
"Ideologie offener Märkte" - das Niveau der Interviewpartner der Zeit sinkt auch immer mehr. Die werte Dame macht sich ihre Welt sehr einfach. Mit solch platter Argumentation hätte man mich schon als Teenager nicht mehr ködern können. Welchen Posten hat sie noch mal inne?!
Das Problem der meisten Afrikanischen Staaten ist doch gerade die Abstinenz offener Märkte. Da kann noch so viel freier Handel mit der EU bestehen. Wenn im Land keine Rechtssicherheit für die Bevölkerung gegeben ist, die Behörden korrupt, der Eigentumsbegriff nicht existiert, dann wird sich auch keine Wirtschaft entwickeln.
wie Sie das sehen.
Das Meer "gehörte" den Anrainern. Also den Somalies. Die, die dort jetzt als Piraten "arbeiten", waren zum großen Teil früher Fischer.
Ein weiteres Problem ist der Giftmüll, den vor allem italienische Firmen dort abgeladen haben. Das ist eine Zeitbombe!
Natürlich ist nie nur der oder das Eine Schuld. Aber der Westen und der Kapitalismus in der heutigen Form tragen einen übergroßen Anteil an den Problemen Afrikas. Sicher begünstigt durch die herrschaftlichen Verhältnisse vor Ort.
Aber ein Hehler wird hier genauso bestraft wie der Dieb. Nur weil vor Ort korrupte Despoten den westlichen und mittlerweile auch chinesischen Firmen erlauben das Land auszubeuten, ist das noch lange nicht legitim!
Auch ich halte diese Meinung von "Medico" für Unsinn. Seit knapp 8 Jahren lebe ich in Kenia. Eines Tages war dann ein hohes "Tier" auch China hier und versprach den Flughafen zu erneuern. Am Folgetag wurde vom Präsidenten gesagt, dass ab sofort Fahrräder und Mopeds zollfrei eingeführt werden dürfen. Es gibt jetzt Millionen dieser Art hier in Kenia; der Zoll ist weg und der Flughafen... Nach der vergangenen Wahl 2007 "verschwanden" die Lebensmittelreserven des Landes. Dann "musste" neuer Mais eingekauft werden. Ein Minister hat geholfen und schwupps kam Mais. Es waren wohl die Reserven, die er illegal ausgeführt, auf Schiffe geladen und im Meer herumfahren hat lassen. Dann verkaufte er diees getohlenen Reserven an Kenia. Die Maismühlen hatten vergangenes Jahr genügend Mais um zu verkaufen, haben aber einfach nicht gemahlen, weil der Mais zu preiswert war und haben gewartet... Der Mais kostet jetzt sehr viel mehr. Die Muhlen sind kenianische Mühlen... In Kenia besitzt die Familie Kenyatta (Nachfahren des ersten Präsidenten) in etwa so viel Land, wie die Westprovinz des Landes ausmacht.... Fragen Sie nicht, wieviel Land Moi und Co. oder die heutigen Chefs besitzen.... unfassbar!!! An all diesen Merkwürdigkeiten ist nicht der Westen schuld. Es ist die Beisitzgier der hiesigen Machthaber.
"Ideologie offener Märkte" - das Niveau der Interviewpartner der Zeit sinkt auch immer mehr. Die werte Dame macht sich ihre Welt sehr einfach. Mit solch platter Argumentation hätte man mich schon als Teenager nicht mehr ködern können. Welchen Posten hat sie noch mal inne?!
Das Problem der meisten Afrikanischen Staaten ist doch gerade die Abstinenz offener Märkte. Da kann noch so viel freier Handel mit der EU bestehen. Wenn im Land keine Rechtssicherheit für die Bevölkerung gegeben ist, die Behörden korrupt, der Eigentumsbegriff nicht existiert, dann wird sich auch keine Wirtschaft entwickeln.
er ist der Grund für Hunger, Geldmangel der Staaten und Kriege. Es gibt die Möglichkeit alle Rohstoffe gerecht ohne Profitgier und Eigennutz gerecht auf der Welt zu verteilen.
Wir Menschen haben es selbst in der Hand. Der Kapitalismus schaufelt sich sein eigenes Grab - wir müssen noch ein wenig Geduld haben bevor wir etwas Besseres errichten können.
Fragt sich nur welche Mechanismen dann dafür sorgen, daß das ganze geregelt und gerecht abläuft. Wenn ich so an das denke, was man den real existierenden Sozialismus genannt hat, hege ich gewisse Zweifel an die Machbarkeit einer gerechten Gesellschaft, die gleichzeitig freie und selbstbestimmte Individuen hat.
Aber ich laß mich gern überzeugen...
Gier führt zu Leid. Und der Kapitalismus ist nichts anderes als der in ein System überführte Wunsch nach mehr.
Aber eigentlich schaufelt sich nicht der Kapitalismus, sondern wir selbst uns unser eigenes Grab. So wie immer halt. Und wenn wir uns wieder ausgeschaufelt haben, fängt das Spiel von vorne an.
Faschismus/Kommunismus, Kapitalismus/Liberalismus, who's next?
Ihr Beitrag ist so erschreckend naiv, dass man es anders nicht interpretieren kann.
Die Chinesen werden uns "Kapitalisten" schon zeigen, wie Sie Rohstoffe gerecht ohne Profitgier und Eigennutz gerecht auf der Welt zu verteilen gedenken!
Wenn es ihrer Meinung nach nach einem Zusammenbruch eines Systems so einfach ist, etwas neues zu errichten, warum tun es dann die Somalier nicht einfach?
Fragt sich nur welche Mechanismen dann dafür sorgen, daß das ganze geregelt und gerecht abläuft. Wenn ich so an das denke, was man den real existierenden Sozialismus genannt hat, hege ich gewisse Zweifel an die Machbarkeit einer gerechten Gesellschaft, die gleichzeitig freie und selbstbestimmte Individuen hat.
Aber ich laß mich gern überzeugen...
Gier führt zu Leid. Und der Kapitalismus ist nichts anderes als der in ein System überführte Wunsch nach mehr.
Aber eigentlich schaufelt sich nicht der Kapitalismus, sondern wir selbst uns unser eigenes Grab. So wie immer halt. Und wenn wir uns wieder ausgeschaufelt haben, fängt das Spiel von vorne an.
Faschismus/Kommunismus, Kapitalismus/Liberalismus, who's next?
Ihr Beitrag ist so erschreckend naiv, dass man es anders nicht interpretieren kann.
Die Chinesen werden uns "Kapitalisten" schon zeigen, wie Sie Rohstoffe gerecht ohne Profitgier und Eigennutz gerecht auf der Welt zu verteilen gedenken!
Wenn es ihrer Meinung nach nach einem Zusammenbruch eines Systems so einfach ist, etwas neues zu errichten, warum tun es dann die Somalier nicht einfach?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/se
wie Sie das sehen.
Das Meer "gehörte" den Anrainern. Also den Somalies. Die, die dort jetzt als Piraten "arbeiten", waren zum großen Teil früher Fischer.
Ein weiteres Problem ist der Giftmüll, den vor allem italienische Firmen dort abgeladen haben. Das ist eine Zeitbombe!
Natürlich ist nie nur der oder das Eine Schuld. Aber der Westen und der Kapitalismus in der heutigen Form tragen einen übergroßen Anteil an den Problemen Afrikas. Sicher begünstigt durch die herrschaftlichen Verhältnisse vor Ort.
Aber ein Hehler wird hier genauso bestraft wie der Dieb. Nur weil vor Ort korrupte Despoten den westlichen und mittlerweile auch chinesischen Firmen erlauben das Land auszubeuten, ist das noch lange nicht legitim!
Im Westen gibt es für private Unternehmen eine Rechtsordnung, die unsere Staaten durchsetzen. Wenn die Afikanischen Staaten nicht dazu in der Lage sind, eine Rechtordnung gegen private Akteure zu verteidigen, dann ist das nicht unsere Schuld. Wir haben auf ihren Hoheitsgebieten kein Gewaltmonopol und kolonialisiert werden wollen sie nicht. Früher haben die Briten Afrika wesentlich deshalb kolonialisiert, um die Eingeborenen vor arabischen Sklavenjägern zu schützen und hat dem Sklavenhandel dann auch den gar aus gemacht. Dankbar ist man dafür heute nicht mehr. Wer aber Kolonialismus nicht will, muss sich eben selbst verteidigen.
Im Westen gibt es für private Unternehmen eine Rechtsordnung, die unsere Staaten durchsetzen. Wenn die Afikanischen Staaten nicht dazu in der Lage sind, eine Rechtordnung gegen private Akteure zu verteidigen, dann ist das nicht unsere Schuld. Wir haben auf ihren Hoheitsgebieten kein Gewaltmonopol und kolonialisiert werden wollen sie nicht. Früher haben die Briten Afrika wesentlich deshalb kolonialisiert, um die Eingeborenen vor arabischen Sklavenjägern zu schützen und hat dem Sklavenhandel dann auch den gar aus gemacht. Dankbar ist man dafür heute nicht mehr. Wer aber Kolonialismus nicht will, muss sich eben selbst verteidigen.
Fragt sich nur welche Mechanismen dann dafür sorgen, daß das ganze geregelt und gerecht abläuft. Wenn ich so an das denke, was man den real existierenden Sozialismus genannt hat, hege ich gewisse Zweifel an die Machbarkeit einer gerechten Gesellschaft, die gleichzeitig freie und selbstbestimmte Individuen hat.
Aber ich laß mich gern überzeugen...
"Das Sowjetsystem stritt mit dem Kapitalismus um die Frage: Wofür wird geplant? - Für eine Volkswirtschaft oder nur für einzelne Unternehmen? In beiden Systemen aber bleiben die Werktätigen ohnmächtig und werden von ihren Machthabern verplant und bevormundet: Die einen von ihrer Planerbürokratie und Parteiführung, die anderen von ihren Managern, Politikern und der Staatsbürokratie. Spätestens seit dem Untergang des Sowjetsystems spitzt sich alles auf die Frage zu: Wer plant und entscheidet für wen? Plant und entscheidet eine elitäre Minderheit für und über die Mehrheit oder plant und entscheidet die werktätige Mehrheit für sich und damit über die Gesellschaft? "
Die Pariser Kommune war die erste wirkliche Arbeiterregierung und das politische Modell jeder künftigen sozialen Emanzipations-bewegung:
http://www.marx-forum.de/...
"Das Sowjetsystem stritt mit dem Kapitalismus um die Frage: Wofür wird geplant? - Für eine Volkswirtschaft oder nur für einzelne Unternehmen? In beiden Systemen aber bleiben die Werktätigen ohnmächtig und werden von ihren Machthabern verplant und bevormundet: Die einen von ihrer Planerbürokratie und Parteiführung, die anderen von ihren Managern, Politikern und der Staatsbürokratie. Spätestens seit dem Untergang des Sowjetsystems spitzt sich alles auf die Frage zu: Wer plant und entscheidet für wen? Plant und entscheidet eine elitäre Minderheit für und über die Mehrheit oder plant und entscheidet die werktätige Mehrheit für sich und damit über die Gesellschaft? "
Die Pariser Kommune war die erste wirkliche Arbeiterregierung und das politische Modell jeder künftigen sozialen Emanzipations-bewegung:
http://www.marx-forum.de/...
Die Argumentation ist reichlich verworren. Sie kritisiert die Angrasubventionen und Zölle der EU und sagt gleichzeitig, die Liberalisierung der Märkte sei schuld. Das passt nicht zusammen, da wir durch ersteren kein freien Markt in klassischen Sinne haben. Wenn wir aber keinen freien Markt haben, dann kann dieser auch nicht Schuld daran sein.
Zu den steigenden Preisen: Man müsste doch meinen, dass die afrikanischen Staaten und Bevölkerung von steigenden Lebensmittelpreisen profitieren, da der Anteil an Landwirtschaft besonders groß ist. Aber durch die Agrapolitik der EU können sie es nicht nutzen, womit wir wieder bei der Abwesenheit von freien Märkten wären.
Fischt man ohne Erlaubnis die Küsten ab, dann ist es schlicht Diebstahl. Das hat aber wiederum nichts mit dem "freien Markt" zu tuen.
Der Neoliberalismus ist ein eigenartiges Konstrukt. Auf der einen Seite wird immer der freie Markt glorifiziert. Besonders dann, wenn es darum geht, dritte Welt Staaten über die Zuteilung von "Entwicklungshilfe" dazu zu zwingen, ihre Subventionssysteme abzuschaffen und ihren Binnenmarkt zu öffnen.
Wenn aber darum geht, die irrsinnige Subventionitis der Industriestaaten bezüglich der Lebensmittelindustrie zu beschneiden, dann hört man eigentlich nur Schweigen im Walde. Schließlich stecken da ja milliardenschwere Konzerne dahinter, die wissen, wen sie da zum Schweigen bringen müssen.
Das ganze hat völlig irrsinnige Konsequenzen und nutzt nur denen, die schon viel haben und noch mehr wollen. Die Lebensmittelkonzerne machen ihren Reibach und profitieren dabei auch noch von den offenen afrikanischen Märkten, indem sie alles, was sie für ihre Produktion in den Industrieländern nicht brauchen können, aufgrund von Subventionen spottbillig in Afrika zu verscherbeln, obwohl die meisten der dort verkauften Waren für den Markt dort gar nicht geeignet ist.
Nur ein Beispiel: Tiefgefrorene Hähnchenkeulen und -flügel. Die sind nicht unbedingt so gut für den afrikanischen Markt geeignet beim Zustand der dortigen Kühlketten, haben aber in einigen Staaten die lokalen Erzeuger völlig platt gemacht, weil die mit diesen Preisen nicht mithalten können.
Insofern könnte msn es vielleicht so sagen: Das was uns als Neoliberalismus verkauft wird, ist schuld an der Misere.
"Sie kritisiert die Angrasubventionen und Zölle der EU und sagt gleichzeitig, die Liberalisierung der Märkte sei schuld."
Sie sagt doch, dass man den Afrikanern (den Schwachen) die Öffnungen aufzwingt, während die EU und die USA (die Starken) ihre Subventionen und Schutzzölle aufrecht erhalten. Also neoliberal. Regulieren dort, wo es im Sinne des Stärkeren ist.
"Man müsste doch meinen, dass die afrikanischen Staaten und Bevölkerung von steigenden Lebensmittelpreisen profitieren, da der Anteil an Landwirtschaft besonders groß ist."
Das Problem ist, dass die Armen häufig landwirtschaftliche Güter zukaufen müssen. Zudem geben immer mehr Bauern auf, weil sie gegen die subventionierten Güter aus der EU nicht bestehen können. Jahrzehntelang gaben Handelsbank und IWF nur Gelder, wenn dei Länder ihre Produktion auf Export umstellten, um Kredite zurück zahlen zu können. Der Strukturwandel hat die Länder zusätzlich geschwächt, weil die Selbstversorgungsmöglichkeiten abnahmen.
Die Gründe sind vielfältig. Indem man mit zynischen Verkürzungen beweist, dass es den Afrikanern im Neoliberalismus eigentlich gut gehen müsste, ist ihnen aber sicher nicht geholfen, falls Sie das überhaupt im Sinn hatten.
Der Neoliberalismus ist ein eigenartiges Konstrukt. Auf der einen Seite wird immer der freie Markt glorifiziert. Besonders dann, wenn es darum geht, dritte Welt Staaten über die Zuteilung von "Entwicklungshilfe" dazu zu zwingen, ihre Subventionssysteme abzuschaffen und ihren Binnenmarkt zu öffnen.
Wenn aber darum geht, die irrsinnige Subventionitis der Industriestaaten bezüglich der Lebensmittelindustrie zu beschneiden, dann hört man eigentlich nur Schweigen im Walde. Schließlich stecken da ja milliardenschwere Konzerne dahinter, die wissen, wen sie da zum Schweigen bringen müssen.
Das ganze hat völlig irrsinnige Konsequenzen und nutzt nur denen, die schon viel haben und noch mehr wollen. Die Lebensmittelkonzerne machen ihren Reibach und profitieren dabei auch noch von den offenen afrikanischen Märkten, indem sie alles, was sie für ihre Produktion in den Industrieländern nicht brauchen können, aufgrund von Subventionen spottbillig in Afrika zu verscherbeln, obwohl die meisten der dort verkauften Waren für den Markt dort gar nicht geeignet ist.
Nur ein Beispiel: Tiefgefrorene Hähnchenkeulen und -flügel. Die sind nicht unbedingt so gut für den afrikanischen Markt geeignet beim Zustand der dortigen Kühlketten, haben aber in einigen Staaten die lokalen Erzeuger völlig platt gemacht, weil die mit diesen Preisen nicht mithalten können.
Insofern könnte msn es vielleicht so sagen: Das was uns als Neoliberalismus verkauft wird, ist schuld an der Misere.
"Sie kritisiert die Angrasubventionen und Zölle der EU und sagt gleichzeitig, die Liberalisierung der Märkte sei schuld."
Sie sagt doch, dass man den Afrikanern (den Schwachen) die Öffnungen aufzwingt, während die EU und die USA (die Starken) ihre Subventionen und Schutzzölle aufrecht erhalten. Also neoliberal. Regulieren dort, wo es im Sinne des Stärkeren ist.
"Man müsste doch meinen, dass die afrikanischen Staaten und Bevölkerung von steigenden Lebensmittelpreisen profitieren, da der Anteil an Landwirtschaft besonders groß ist."
Das Problem ist, dass die Armen häufig landwirtschaftliche Güter zukaufen müssen. Zudem geben immer mehr Bauern auf, weil sie gegen die subventionierten Güter aus der EU nicht bestehen können. Jahrzehntelang gaben Handelsbank und IWF nur Gelder, wenn dei Länder ihre Produktion auf Export umstellten, um Kredite zurück zahlen zu können. Der Strukturwandel hat die Länder zusätzlich geschwächt, weil die Selbstversorgungsmöglichkeiten abnahmen.
Die Gründe sind vielfältig. Indem man mit zynischen Verkürzungen beweist, dass es den Afrikanern im Neoliberalismus eigentlich gut gehen müsste, ist ihnen aber sicher nicht geholfen, falls Sie das überhaupt im Sinn hatten.
Auch ich halte diese Meinung von "Medico" für Unsinn. Seit knapp 8 Jahren lebe ich in Kenia. Eines Tages war dann ein hohes "Tier" auch China hier und versprach den Flughafen zu erneuern. Am Folgetag wurde vom Präsidenten gesagt, dass ab sofort Fahrräder und Mopeds zollfrei eingeführt werden dürfen. Es gibt jetzt Millionen dieser Art hier in Kenia; der Zoll ist weg und der Flughafen... Nach der vergangenen Wahl 2007 "verschwanden" die Lebensmittelreserven des Landes. Dann "musste" neuer Mais eingekauft werden. Ein Minister hat geholfen und schwupps kam Mais. Es waren wohl die Reserven, die er illegal ausgeführt, auf Schiffe geladen und im Meer herumfahren hat lassen. Dann verkaufte er diees getohlenen Reserven an Kenia. Die Maismühlen hatten vergangenes Jahr genügend Mais um zu verkaufen, haben aber einfach nicht gemahlen, weil der Mais zu preiswert war und haben gewartet... Der Mais kostet jetzt sehr viel mehr. Die Muhlen sind kenianische Mühlen... In Kenia besitzt die Familie Kenyatta (Nachfahren des ersten Präsidenten) in etwa so viel Land, wie die Westprovinz des Landes ausmacht.... Fragen Sie nicht, wieviel Land Moi und Co. oder die heutigen Chefs besitzen.... unfassbar!!! An all diesen Merkwürdigkeiten ist nicht der Westen schuld. Es ist die Beisitzgier der hiesigen Machthaber.
Korruption und Machtmissbrauch haben es im Kapitalismus natürlich genau so leicht wie im Kommunismus. Der Kapitalismus hat den Vorteil, dass die Profiteure ihren erlangten Reichtum viel offener zeigen können.
Korruption und Machtmissbrauch haben es im Kapitalismus natürlich genau so leicht wie im Kommunismus. Der Kapitalismus hat den Vorteil, dass die Profiteure ihren erlangten Reichtum viel offener zeigen können.
Die Medicos sollten sich auf die medizinische Hilfe beschraenken und keine "Gutachten" abgeben ueber Dinge
von denen sie keine Ahnung haben. Die EG hat Schutzzoelle
fuer Nahrungsmittel, haette sie diese nicht, wuerden den
Afrikanern schlicht mehr Lebensmittel entzogen.
Die Gewaesser vor Somalia sind nicht leer gefischt, Somalia
hatte nie eine Hochsee-Fischereiflotte. Schauen Sie sich die
Photos der Piraten und ihrer Boote an, das waren nie Fischer
oder Fischkutter. Und dann haette ich bitte Beispiele, wo
die BRD Ihre Entwicklungshilfe von der Ausfuhr seltener
Mineralien abhaengig macht!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren