Amtsmissbrauch : Französische Justiz ermittelt gegen IWF-Chefin

Christine Lagarde muss sich Vorermittlungen wegen Amtsmissbrauchs stellen. Ein französisches Gericht entschied, eine Entschädigungszahlung in Millionenhöhe zu prüfen.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, muss sich in Frankreich Vorermittlungen wegen Amtsmissbrauchs stellen. Der französische Gerichtshof der Republik habe die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens angeordnet, sagte ein Sprecher. Es gehe in den Ermittlungen außerdem um Veruntreuung öffentlicher Gelder und Komplizenschaft.

Es geht um eine Entschädigungszahlung von 285 Millionen Euro plus Zinsen aus der Staatskasse an den Geschäftsmann Bernard Tapie, die Lagarde 2008 als französische Wirtschaftsministerin ermöglicht hatte. Die 55-Jährige, die beim IWF Nachfolgerin des wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Dominique Strauss-Kahn wurde, bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Ihre Funktion als IWF-Chefin sieht Lagarde durch die bevorstehenden Ermittlungen nicht beeinträchtigt. Ihr Anwalt sagte, das Verfahren werde sie "endgültig" von dem Verdacht reinwaschen, den "eine Handvoll Abgeordnete" gegen sie aufgebracht hätten.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Egal, ob es stimmt oder nicht:

Es würde schon etwas von Lächerlichkeit hergeben, wenn man Frau L. der Vergewaltigung eines Hotelboys bezichtigen würde.

Schließlich sind wir "Männer" ja keine "Weich-Eier" und passen würde es ja auch nicht - ins maskuline Weltbild unserer Gesellschaft.

Vielleicht wird sich das auch einmal ändern - der "Frauenquote" wegen!

Wem soll man eigentlich noch "vertrauen"?

Bis dahin begnügen wir uns mit dem, was uns zur Verfügung steht und Bestechung macht halt vor keinem Geschlecht halt und sei es "nur" mit irgendwelchen "Doktoren"-Titeln, die mal so nebenbei als Plagiate irgendwo auftauchen.
Die "Dummheit" der "Doktor-Väter" kann wohl kaum den Ausschlag gegeben haben.

Vorstrafen, Anklagen und …

… Ermittlungen gelten ja in Frankreich quasi als berufsbegleitende Maßnahme für Politiker und Funktionäre. Und offensichtlich ist es auch eine Voraussetzung, um sich für höhere Ämter in internationalen Gremien zu qualifizieren, siehe IWF und EZB.
Vielleicht schauen in Frankreich aber auch nur die Ermittlungsrichter etwas genauer hin. Es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum Sarkozy sich seine Variante der Lex Berlusconi zimmern wollte.

Ihre Aussage ist bedenkenswert!

Sollten wir Franzosen wirklich so einen Abgrund an Korruption haben? Sollte unser Staatswesen wirklich so verfault sein, dass per se alle französischen Politiker korrupt sind? In Deutschland kommt so etwas natürlich nicht vor! Klar, Deutschland ist das Vorzeigeland Europas: Keine Staatsverschuldung, keine politische Korruption, eine weisungsunabhängige Justiz und strikte Gewaltenteilung. Wussten Sie dass es in Frankreich seit 1811 den weisungsunabhängigen Untersuchungsrichter gibt? Haben Sie so etwas auch in Deutschland? Wussten Sie, dass die Affaire Tapie auf die Präsidentschaft Mitterand's zurückgeht und Frau Lagarde damals noch Studentin war? Wussten Sie, dass Bernhard Tapie 15 Jahre durch alle Instanzen den Staat verklagt hat, der ihm nun den von einem Gericht zugesprochennen Schadenersatz auszahlen musste. Wie der Zufall es will, war gerade zu diesem Zeitpunkt der Auszahlung Mme Lagarde Finanzministerin. Sie hat mit der Affaire Tapie rein gar nichts zu tun!

Im zweiten Abschnitt …

… meines kurzen Kommentars hätten Sie lesen können, dass ich die Vermutung äußerte, dass die Ermittlungsrichter in Frankreich eventuell etwas genauer hinschauen. Und zum Thema Dt. gebe ich mich nun wirklich keinerlei Illusionen hin.

Allerdings werden Sie mir auch zustimmen müssen, dass die größten Aushängeschilder der franz. Politik früher oder später immer ein Problem mit dem Gesetz bekommen (z.B. Chirac, Juppe, Trichet, Strauss-Kahn usw.).
Und es stimmt auch, dass Sarkozy genau gegen die von Ihnen genannten Ermittlungsrichter vorgehen wollte; er wollte sie nämlich abschaffen. Das ganze nannte sich Justizreform. Da gleicht er seinem Amtskollegen in Italien aber bis aufs Haar – egal ob echt oder implantiert.