Auch nach der Einigung im US-Schuldenstreit droht den USA eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen. Moody's bestätigte zwar die Bestnote für die Zahlungsfähigkeit des Landes, versah sie jedoch mit einem negativen Ausblick. Damit könnte die Bewertung in den nächsten zwölf bis 18 Monaten gesenkt werden.

Auch die Agentur Fitch hielt zunächst an der Einstufung AAA fest, die für eine Spitzenbonität steht. Das Unternehmen mahnte allerdings auf mittlere Sicht eine stärkere Reduzierung der Schulden angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung an. Das Urteil der dritten großen US-Rating-Agentur Standard & Poor's wird noch erwartet.

Eine hohe Einstufung der Zahlungsfähigkeit ist für Staaten bei der Aufnahme neuer Schulden wichtig. Je höher ihre Bonität eingeschätzt wird, desto geringere Zinsen müssen sie für die Ausgabe von Staatsanleihen an den Kapitalmärkten zahlen. Die Rating-Agenturen bewerten die Zahlungsfähigkeit eines Landes anhand der Haushaltsdaten, wie bei den USA etwa am Schuldenstand.

Sparvolumen niedriger als gefordert

Viele Finanzmarktteilnehmer halten eine schlechtere Bewertung der USA durch Standard & Poor's immer noch für möglich. Die Rating-Agentur hatte mitgeteilt, dass die Chancen einer Herabstufung in den kommenden Monaten bei 50 Prozent lägen, je nachdem, wie der Schuldenstreit in Washington ausgehe. Als Zielvorgabe für die Sparpläne der Regierung nannte Standard & Poor's die Marke von vier Billionen Dollar. Allerdings sieht die nun getroffene Vereinbarung zwischen Demokraten und Republikanern Einsparungen von 2,1 Billionen Dollar vor.

Moody's bezeichnete den erzielten Kompromiss als ersten Schritt in Richtung einer langfristigen Haushaltskonsolidierung. Es bestehe aber das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin im kommenden Jahr nachlassen sollte oder 2013 weitere Sparmaßnahmen ausblieben. Auch eine deutliche Verschlechterung der Konjunkturerwartungen könnte zu einer schlechteren Bewertung der Zahlungsfähigkeit führen.

Fitch bewertete die Einigung ebenfalls als Schritt in die richtige Richtung. Das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit der USA sei damit "extrem niedrig". Mittelfristig müssten die öffentlichen Schulden jedoch auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden. Denn die Konjunkturperspektiven der USA seien enttäuschend.

Chinesische Agentur stuft USA weiter herab

Anders als die drei großen US-Agenturen bewerten Chinas führende Bonitätsprüfer die Haushaltslage der USA deutlich negativer. Nachdem Dagong Global Credit Rating die Kreditwürdigkeit des Landes bereits im November herabgestuft hatte, setzte das Unternehmen die Note nun noch einmal um eine Stufe niedriger. Dagong zweifelt den eigenen Angaben zufolge an der Fähigkeit der USA, langfristig alle Schulden zurückzuzahlen.

Die negative Einschätzung sei unvermeidbar angesichts der Bedenken vieler Investoren, die besonders durch die zähen Verhandlungen der politischen Gegner in Washington geschürt worden seien, hieß es. "Die beiden politischen Parteien haben in sehr unverantwortlicher Weise gehandelt", erklärte ein Sprecher von Dagong dem US-Sender CNN.

Trotz der geteilten Meinung auf den Finanzmärkten lobte der Internationale Währungsfonds (IWF) den Kompromiss. Dieser verringere die Unsicherheit an den Märkten und erhöhe die Glaubwürdigkeit der USA, erklärte die neue Direktorin des Fonds, Christine Lagarde. Die geplanten Einsparungen seien wohldosiert und dürften das Wachstum nicht abwürgen.