Das Rentenniveau dürfte bis zum Jahr 2025 um rund zehn Prozent sinken. Das meldet die Passauer Neue Presse unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Demnach wird das sogenannte Sicherungsniveau vor Steuern um etwa ein Zehntel abnehmen: von derzeit 50,8 Prozent auf 45,2 Prozent. Das Sicherungsniveau bezeichnet das Verhältnis zwischen der Rente, die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren erhält und dem aktuellen Durchschnittseinkommen.

Das Ministerium sieht in dem Rückgang eine Folge der rot-grünen Reform der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem Jahr 2001. Die Regierung hatte damals die Riester-Rente als private Ergänzung eingeführt, das Rentenniveau wurde reduziert. Laut Gesetz soll es allerdings ab 2021 die Marke von 43 Prozent nicht unterschreiten.

Als Reaktion auf die Prognosen des Arbeitsministeriums forderte Linksparteichef Klaus Ernsterneut eine Mindestrente. "Die Renten sind im freien Fall. Es muss eine verbindliche Untergrenze geben, die Altersarmut verhindert", verlangte Ernst. Niemand dürfe im Alter weniger als 850 Euro im Monat zur Verfügung haben. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Bundesregierung zu Maßnahmen gegen die Altersarmut auf. SPD-Chef Sigmar Gabriel ist ebenfalls für eine Garantierente.

Altersarmut droht vor allem im Osten

Die Grünen sprachen sich ebenfalls für eine steuerfinanzierte Garantierente aus – in Höhe von 824 Euro. Erhalten soll sie, wer mindestens 30 Versicherungsjahre vorweisen kann, aber immer unterdurchschnittlich verdient hat. Nach Einschätzung der Grünen wird die Altersarmut in den kommenden Jahren vor allem im Osten zunehmen, wo viele Langzeitarbeitslose vor der Rente stünden. Bereits heute sei jeder achte Rentner armutsgefährdet, mahnte die Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt.

Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Karl-Josef Laumann, warb für eine Rente nach Mindesteinkommen. Dabei sollen die Ansprüche jener, die mindestens 35 Jahre zu geringem Lohn gearbeitet haben, ebenfalls durch Steuermittel aufgestockt werden. Laumann will die Rente nach Mindesteinkommen aber nur jenen zugestehen, die Vollzeit gearbeitet haben – um Mitnahmeeffekte zu vermeiden. Die Rentenversicherung registriert aber derzeit nicht, wer Vollzeit arbeitet und wer nicht.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen steht indes einer Mindestrente ablehnend gegenüber. In einer Antwort ihres Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen heißt es, eine Garantierente hätte "eine negative Signalwirkung im Hinblick auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Bürger". Von der Leyen startet am 7. September einen "Regierungsdialog" mit Gewerkschaften, Arbeitgebern, Sozialverbänden, Experten der Rentenversicherung und Wissenschaftlern, bei dem es um die Zukunft der Rente und um Altersarmut gehen soll. Im kommenden Frühjahr will die Ministerin die Gesprächsergebnisse in einem Gesetzentwurf bündeln.