Bonität der USAEin Schock für Amerika und die Welt

Die gesenkte Bonitätsnote der USA ist ein deutliches Zeichen. Europa arbeitet schon an einem eigenen Bewertungssystem. Aber auch das würde die Schuldenkrise nicht lösen. von Miriam Schröder

Das Weiße Haus in Washington

Das Weiße Haus in Washington  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

In Zeiten der Not sind Freunde rar. Und so war der französische Wirtschaftsminister François Baroin mit seiner Einschätzung ziemlich allein. "Frankreich hat ein uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft", gab er zu Protokoll, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's den USA am Sonnabend die höchste Bonitätsstufe aberkannt hatte. Sein deutscher Amtskollege Philipp Rösler teilt das "uneingeschränkte Vertrauen" offenbar nicht. Jedenfalls ließ der Vize-Kanzler und FDP-Chef auf Anfrage nur erklären, dass er sich nicht äußere. Aus anonymen Regierungskreisen verlautete flankierend, "einfach mal die Klappe halten" sei das Gebot der Stunde.

Dem politischen Berlin ist nur zu bewusst, wie dramatisch die Lage ist. "Das ist ein gewaltiger Einschnitt", sagte der stellvertretende Unions-Fraktionschef Michael Meister. Vertrauen in die USA gehe verloren, und die höhere Zinslast werde das Wachstum der USA und der Weltwirtschaft dämpfen. "Insofern ist das ein Vorgang, nach dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann."

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In der Tat dürfte das niedrigere Rating am Montag automatisch für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen. Investmentfonds werden umgehend ihre US-Staatsanleihen abstoßen: nicht, weil sie ernsthaft daran glauben, dass die größte Volkswirtschaft der Welt pleitegehen könnte. Sondern weil sie ihren Kunden vertraglich garantiert haben, dass sie von ihrem Geld ausschließlich Produkte kaufen, die eine Spitzenbonität aufweisen. Das sind derzeit unter anderem Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Kanada.

Mit ihren Noten bewerten Ratingagenturen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann. Je höher die Wahrscheinlichkeit, desto höher das Risiko für den Investor – und umso höhere Zinsen wird er für sein Geld verlangen. Extrem deutlich wurde das in der europäischen Schuldenkrise. In dem Maße, in dem sich die Schreckensnachrichten über das Haushaltsdefizit von Griechenland häuften, stiegen die Zinsen für die Staatsanleihen des Landes. Zuletzt konnte sich das Land am Kapitalmarkt überhaupt kein Geld mehr leihen und musste mit Krediten der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds über Wasser gehalten werden. Auch Spanien und Italien mussten in den vergangenen Wochen immer höhere Risikoaufschläge zahlen, wenn sie Staatsanleihen auf den Markt brachten.

Die Investoren verlassen sich dabei nicht ausschließlich auf die Ratingagenturen, aber die Noten der großen drei, wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch oft genannt werden, haben großes Gewicht. Die Unternehmen sind schon seit mehr als 100 Jahren in dem Geschäft, sie haben die meisten Mitarbeiter – und die bekanntesten Namen. Auch die Regierungen haben viel dazu beigetragen, die Marktmacht der Agenturen zu stärken. Versicherungen etwa, die zu den größten Investoren überhaupt zählen, müssen nachweisen, dass sie die Gelder ihrer Kunden sicher anlegen. Dafür verlangen die Aufsichtsbehörden einen Nachweis in Form eines Ratings von einer international anerkannten Agentur. Auch die Europäische Zentralbank schaut auf die Ratings, bevor sie Staatsanleihen als Sicherheiten für die Darlehen akzeptiert, die sie an Banken herausgibt.

Inzwischen ist Europas Politikern die Macht unheimlich geworden, die auch sie den drei großen Agenturen verliehen haben, und sie wollen nun ein europäisches Pendant als Gegengewicht schaffen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat dieses Ziel sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben, auch deswegen, weil die bestehenden Ratingagenturen vor der Finanzkrise grobe Fehler gemacht haben. Damals hatten die Investmentbanken in großem Stil faule Immobilienkredite aus den USA in komplizierten Strukturen versteckt, die aber bei den Agenturen Spitzennoten erhielten. Als der Häusermarkt in den USA zusammenbrach, blieben die Banken auf den Risiken sitzen.

Leserkommentare
  1. ...welcher ehrliche Bürger hat nicht schon längst gesagt, dass die maßlos überschuldet sind und das Rating nur noch ein mieser Witz.

    So ist es, wenn die Dämonkraten die Bevölkerung ignorieren und am Ende selbst den Lügen glauben, mit denen sie die Menschen einschüchtern wollten...

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    Spätestens, nachdem die Bush-Regierung zahllose Krieg losgetreten und in bisher nicht dagewesener Form Gelder verbrannt hat, war klar, dass es früher oder später zur Katastrophe kommen musste. Nicht auf einen möglichen Zusammenbruch der USA vorbereitet zu sein, halte ich für grob fahrlässig - zumal die Tea-Party-Bewegung kräftig daran arbeitet.

  2. mit den USA solidarisch zu sein, steht es doch um die französischen Staatsfinanzen nur marginal besser als um die der USA. Auch im Falle Frankreichs ist das Triple AAA nur noch politisch, aber keineswegs real begründbar.

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    Diese Ratings sind, genau wie es die Agenturen zu ihrer Verteidigung vorbrachten, nur eine "Meinung."
    Die Ratings basieren nicht auf Fakten, schaut man sich diese an, müsste man einsehen, dass die Länder der Welt mehr Schulden haben, als es Geldwerte gibt.
    Schön aber den Zusammenbruch des Systems miterleben zu dürfen. Ich freue mich bereits darauf in Geschichtsbüchern von kapitalistischen Kriegen zu lesen, gedruckt nachdem der Kapitalismus wie der Kommunismus, Stalinismus, Faschismus und Nationalsozialismus untergegangen ist.

  3. fragen "womit hat ein so hochverschuldetes Land wie die USA ein tripple A Rating verdient" werden nicht wirklich aus allen Wolken gefallen sein....

    28 Leserempfehlungen
  4. Diese Ratings sind, genau wie es die Agenturen zu ihrer Verteidigung vorbrachten, nur eine "Meinung."
    Die Ratings basieren nicht auf Fakten, schaut man sich diese an, müsste man einsehen, dass die Länder der Welt mehr Schulden haben, als es Geldwerte gibt.
    Schön aber den Zusammenbruch des Systems miterleben zu dürfen. Ich freue mich bereits darauf in Geschichtsbüchern von kapitalistischen Kriegen zu lesen, gedruckt nachdem der Kapitalismus wie der Kommunismus, Stalinismus, Faschismus und Nationalsozialismus untergegangen ist.

    9 Leserempfehlungen
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    • ttx
    • 07. August 2011 4:16 Uhr

    Sie haben anscheinend die Ratings nicht verstanden. Die Agenturen beurteilen lediglich die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls für Staatsanleihen mit X Jahren Laufzeit. Im Gegensatz zur USA sind unsere wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Ordnung und außerdem haben wir kein ideologisches Problem, bei Bedarf auch kurzfristig die Einnahmeseite zu erhöhen.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in der nächsten Dekade plötzlich seine Zinsen nicht mehr bedienen kann, tendiert also gegen Null. In den USA ist das Risiko seit der Erstarkung der extrem libertären Tea Party etwas gestiegen.

    • M.R.K
    • 07. August 2011 9:56 Uhr

    ...sollte es wirklich wieder zu politischem und wirtschaftlichem Chaos kommen und dazu noch zu wirklich grossen Kriegen, kann es zu Verwerfungen von apokalyptischem Ausmass kommen. Es kann sein, dass unsere Kultur, Sie, ich unsere Verwandten solche Verwerfungen nicht ueberleben. Wer Chaos, und den Untegang des Abendlandes, seiner eigenen Lebenswelt herbeisehnt muss entweder diabolisch, lebensverachtend sein und todesehnsucht verspueren, oder er ist einfach dumm!

  5. Bekommt hier jetzt jeder, der diesen Artikel liest, ein Mittagessen und ein halbes Kaffeeservice geschenkt?

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    • joG
    • 06. August 2011 19:43 Uhr

    .... geworden, die auch sie den drei großen Agenturen verliehen haben, und sie wollen nun ein europäisches Pendant als Gegengewicht schaffen."

    Wenn das die Absicht wäre, bräuchten sie nichts zu tun, als darauf aufmerksam machen, dass es viele europäische Kreditbewertungs Agenturen gibt. Sie wollen eine Agentur, deren Transparenmachung sie beeinflussen können.

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  6. dass endlich auch mal die Amerikaner von diesen unsäglichen Ratingagenturen vor sich hergetrieben werden und nicht mehr nur arrogant über den großen Teich schauend denken können nur Europa hätte ein Schuldenproblem.

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    • joG
    • 06. August 2011 20:12 Uhr

    ....Schuldenproblem haben. In der wSJ, Washington Post und der NY Times waren prima Artikel die letzten Jahre.

    • MarcL.
    • 06. August 2011 19:48 Uhr

    Es ist noch nicht einmal einen Monat her, da haben sich die Medien und Bürger in Europa darüber mokiert, dass europäische Staaten (im Gegensatz zu den USA) eine schlechte Bewertung durch die Rating-Agenturen bekommen. Und jetzt als die USA, wie von S&P bereits angedroht, auf AA+ herabgestuft werden ist es plötzlich ein Schock?

    Ist das Wort "Schock" nicht ein wenig fehl am Platz?
    Es war doch wohl damit zu rechnen, gemessen am planlosen Verhalten des Senats auf die Schulden.

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    • Hendrix
    • 06. August 2011 23:19 Uhr

    Doch, es ist ein Schock, weil es die USA betrifft. Man könnte es auch als Quantensprung bezeichnen.
    Wobei Deutschland ja nicht lachen kann: wir haben selber 2 Nillionen Euro Schulden. Das Triple A wird auch rasch vergehen, aber das schöne ist nun, daß wir dann zu den USA dazustossen. Zusammen ist man weniger allein, und wo die USA sich befinden, kann es nicht so schlimm sein.

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