Erneuerbare Energien Jede fünfte Kilowattstunde ist Ökostrom

Ein Fünftel des Stroms in Deutschland kommt inzwischen aus erneuerbaren Quellen. EU-Kommissar Oettinger warnt vor steigenden Strompreisen.

Regenerative Quellen haben im ersten Halbjahr dieses Jahres erstmals mehr als 20 Prozent des Stroms in Deutschland geliefert. Mit 57,3 Milliarden Kilowattstunden Strom deckten Sonne, Wind, Biomasse und Wasserkraft 20,8 Prozent des deutschen Strombedarfs, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit. Im ersten Halbjahr 2010 waren es den Angaben nach mit 50,4 Milliarden Kilowattstunden noch 18,3 Prozent des Strombedarfs.

Die wichtigste erneuerbare Energiequelle bleibt dem Verband zufolge der Wind. Windkraftanlagen hätten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 7,5 Prozent des Stroms geliefert, 2010 waren es 6,6 Prozent gewesen. Auf Rang zwei rangierten Biomasse-Kraftwerke (5,6 Prozent, Vorjahreszeitraum 5,4 Prozent). Die Stromerzeugung aus Sonnenenergie rückte im ersten Halbjahr mit 3,5 Prozent (Vorjahr zwei Prozent) auf Platz drei im Ranking der Ökostrom-Quellen. Damit überholte sie erstmals die Stromerzeugung aus Wasserkraft (3,3 Prozent, zuvor 3,6 Prozent).

Anzeige

In Deutschland gab es 2010 wegen der höheren Förderung als in den meisten anderen EU-Staaten einen massiven Zubau an Solaranlagen. Durch diesen starken Zuwachs sowie sonnenreiche Frühjahrsmonate habe sich die Solarstromgewinnung so gut entwickelt, teilte der Bundesverband mit.

Erneuerbare Energien

Kern der Energiewende ist der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien. Die größten Potenziale hat die Windenergie. Alte Windkraftanlagen an Land sollen durch leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden. Genehmigungen sollen schneller erteilt werden. In diesem Frühjahr will die Bundesregierung ein Sonderprogramm "Offshore Windenergie" der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) starten. Es soll ein Volumen von fünf Milliarden Euro haben.

Netze & Speicher

Auch die Stromnetze sollen ausgebaut werden,  um etwa den Strom aus Windkraftanlagen im Norden in den Süden zu bringen. Nötig sind außerdem flexiblere Kraftwerke und Speicher, die der Stabilisierung der Stromversorgung dienen. Der Bau solcher flexiblen Kraftwerke soll entsprechend der EU-Vorgaben gefördert werden. Noch 2011 soll mit einem Netzausbaubeschleunigungsgesetz das Genehmigungsverfahren für Stromnetze auf eine neue Grundlage gestellt werden. Gemeinden, die vom Netzausbau betroffen sind, können auf einen finanziellen Ausgleich hoffen.

Energieeffienz

Bis 2020 soll der Wärmebedarf von Gebäuden um 20 Prozent verringert werden. Die Effizienzstandards von Gebäuden sollen in der Energiesparverordnung ambitioniert erhöht werden. Gefördert werden soll eine anspruchsvolle Gebäudesanierung. Dazu sollen das KfW-Gebäudesanierungsprogramm schrittweise auf zwei Milliarden Euro aufgestockt und steuerliche Anreize zur Gebäudesanierung geschaffen werden. Der Energie- und Klimafonds soll im Jahr 2012 auf eine Milliarde Euro erhöht werden. Ab 2013 soll der Spitzenausgleich im Rahmen der Energie- und Stromsteuer nur noch gewährt werden, wenn die Betriebe einen Beitrag zur Energieeinsparung leisten.

Forschung

In diesem Frühjahr will die Bundesregierung ein neues Energieforschungsprogramm vorlegen. Die Mittel zur Erforschung von Netzen und Speichern sollen auf 500 Millionen Euro bis 2020 aufgestockt werden.

Bis 2020 sollen dem Energiekonzept der Regierung nach mindestens 35 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Quelle kommen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) bekräftigte auf einer Tagung zum Thema Erneuerbare Energien in Berlin seine Forderung, die Staaten Europas müssten die Förderung von Strom, etwa aus Solar- und Windanlagen, vereinheitlichen. Andernfalls lasse sich kein funktionierender europäischer Energie-Binnenmarkt entwickeln.

Eine Harmonisierung der Öko-Förderung würde Ländern wie Griechenland Chancen bieten, der Überschuldung zu entkommen, sagte Oettinger. "Oliven und Schafskäse alleine reichen nicht aus". In Südeuropa gebe es 2.000 Sonnenstunden, in Deutschland nur 800. "Der Kaufmann rät, dort zu installieren, wo die Sonne scheint."

Oettinger nannte den Ausbau der Öko-Energien vorbildlich, warnte aber wegen der Kosten der Energiewende vor einer schleichenden Deindustrialisierung Deutschlands. "Unsere Stromkosten sind gefährlich hoch", sagte er. Für energieintensive Betriebe werde das zum Problem. Nur Dänemark habe in der EU einen höheren Strompreis. 48 Prozent des Strompreises in Deutschland seien "politikgetrieben", also Steuern und Abgaben.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), mit dem alle Stromverbraucher mit 3,5 Cent je Kilowattstunde die Öko-Energien fördern, sei zwar ein Erfolgsmodell. Es brauche aber wegen der üppigen Förderbedingungen eine "sanfte Landung", sonst könnten sich die Subventionen mit dem EU-Wettbewerbsrecht stoßen.

Die Ökostrom-Branche hingegen kritisiert, die Politik fördere die erneuerbaren Energien zu wenig. Das Energiepaket der Bundesregierung, das den Ausstieg aus der Kernkraft besiegelt und Ausbau der Ökostrom-Erzeugung beschleunigen soll, werde seinem Anspruch nicht gerecht, sagte Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Erneuerbaren Energien (BEE).

 
Leser-Kommentare
  1. "Oliven und Schafskäse alleine reichen nicht aus"

    Der Stammtisch freut sich.

    20,8 Prozent in 2011...das kann doch nicht stimmen, da wären doch alle Stro-Ko Parolen von vor 4 Jahren bare Lügen gewesen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 30.08.2011 um 13:11 Uhr

    ....wenn Sie eine allzu volkstümelnde Formulierung kritisieren. Andererseits ist es schon auch richtig, dass der deutsche Erfolg mit seinem alternativen Anteil des Stroms uU ein Eigentor sein könnte. Immerhin bezahlt man über seine Steuern offenbar im Schnitt 3,5 Cent/Kilowattstunde und Haushalte für den Strom in Deutschland 0,1381 Euro pro Kilowattstunde. Das sind 1/3 des Preises, der versteckt hinzukommt. Wenn man bedenkt, dass der Strom für Haushalte in der Herstellung in Frankreich 9,22 Cent kostet, ist das etwas beängstigend.

    • joG
    • 30.08.2011 um 13:11 Uhr

    ....wenn Sie eine allzu volkstümelnde Formulierung kritisieren. Andererseits ist es schon auch richtig, dass der deutsche Erfolg mit seinem alternativen Anteil des Stroms uU ein Eigentor sein könnte. Immerhin bezahlt man über seine Steuern offenbar im Schnitt 3,5 Cent/Kilowattstunde und Haushalte für den Strom in Deutschland 0,1381 Euro pro Kilowattstunde. Das sind 1/3 des Preises, der versteckt hinzukommt. Wenn man bedenkt, dass der Strom für Haushalte in der Herstellung in Frankreich 9,22 Cent kostet, ist das etwas beängstigend.

  2. Zitat:
    Die Bundesrepublik macht einen großen Schritt auf dem Weg zur Öko-Nation: Im ersten Halbjahr 2011*stammten mehr als*20 Prozent*des gewonnenen Stroms aus grüner Energie - so viel wie nie. Laut einer Umfrage steht die Mehrheit der Bürger hinter der Energiewende.
    Zitat Ende:

    20% der Energie stammen von Windmühlen und PV.

    Zitat:
    Hohe Zustimmung für Ökostrom

    Einer aktuellen Umfrage zufolge tragen die Bundesbürger die Wende mit. So halten 94 Prozent den Ausbau der erneuerbaren Energien für wichtig oder sehr wichtig. 65 Prozent seien dafür auch bereit, Ökostrom-Anlagen in der Nachbarschaft mitzutragen, ergab eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Agentur für erneuerbare Energien.

    Sicher; wenn eine Umfrage im Auftrag einer bestimmten Agentur durchgeführt wird, werden auch nur bestimmte Gruppen angesprochen. So erhält man auch das gewünschte Ergebnis.
    Zitat Ende:

    Zitat:
    Als Gründe für den hohen Zuspruch zu Ökoenergien nennen vier von fünf Deutschen den Klimaschutz und bessere Zukunftsmöglichkeiten für kommende Generationen.
    Zitat Ende:

    Aber da gibt es noch die Grünen, welche gegen Windmühlen in ihrer Nachbarschaft sind und gegen Pumpspeicherwerke demonstrieren (Atdorf II)

  3. Zitat:
    Ausführlich positionierte sich der Ortsverband Hotzenwald der Grünen zum geplanten Pumpspeicherwerk Atdorf II.
    „Wir haben uns Zeit gelassen und uns zunächst genau informiert“, begründete Bernd Wallaschek, Kreisgeschäftsführer der Grünen, die schriftliche Ausarbeitung einer Stellungnahme zum jetzigen Zeitpunkt.„Alles, was wir bisher dazu gehört haben, hat uns zu dieser Stellungnahme bewogen“, so die Vorsitzende der Hotzenwald-Grünen, Iris Wallaschek.
    Zitat Ende:

    Soviel zur Akzeptanz der "grünen Energie".

    Zitat:
    Laut TNS Infratest halten 79 Prozent der Befragten die derzeitige Ökostromumlage von 3,5 Cent pro Kilowattstunde, die die Bürger über den Strompreis mitbezahlen müssen, für "angemessen" oder sogar für "zu niedrig", nur 15 Prozent schätzen sie als "zu hoch" ein. "Den meisten Bürgern ist offensichtlich sehr gut bewusst, welchen Mehrwert die erneuerbaren Energien mit sich bringen. Sie akzeptieren sie deshalb auch bereitwillig vor der eigenen Haustür", sagte der Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Energien, Philipp Vohrer.
    Zitat Ende:

    Der lebt wohl in seiner eigenen Traumwelt!!!

    Zitat:
    In der Praxis aber gibt es in Deutschland weiterhin vielerorts Proteste gegen Erneuerbare-Energien-Projekte, besonders aber gegen den notwendigen Netzausbau und neue Pumpspeicherkraftwerke zur Speicherung überschüssigen Ökostroms.
    Zitat Ende:

    Hier werden sie von der Realität eingeholt, wollen es aber nicht wahr haben.

  4. Ich bezweifle erstmal , ob Wasserkraftwerke ( keine Pumpspeicherbecken ) ökologisch sind. Dann hätte der 7-Schluchtenstaudamm in China doch von den Umweltschützern gefeiert werden müssen.
    Wurde er aber garnicht.
    Da wir die Sachsen jetzt nicht unter Wasser setzen können hat diese Energieform bei uns keine Zukunft.
    Biomasse ? Wie kann man noch mehr co2 in die Atmosphäre entlassen ? ökologisch wertvoll ?
    Die Menge an installierten Windkraftanlagen wird weiter wachsen. Leider ist es jetzt schon so, dass niemand diese Leistung auch konsequent in seinen Versorgungsplan einrechnen kann, drumst gehen wir auf See, gleich ganz weit, wegen der Wattlandschaft, weil dort die mögliche Betriebszeit mit mehr als 15 % ( an Land ) angesetzt wird.
    Viel von dem erzeugten Strom wurde jetzt schon in die Erde geleitet, da zur Zeit keine Abnehmer dafür vorhanden waren.
    Das kostet extrem viel und welche Wartungskosten im einzelnen anfallen, wissen wir noch nicht.
    Pv ? eine Lügengeschichte ohne Ende, wenn es attraktiv wäre, wären die Nordafrikanischen Staaten ( viel Sonne und Wüste ) die ersten die sie nutzten.
    Zur Ökostromumlage : wenn ich wählen könnte, preiswerteren Strom ohne Umlage zu beziehen, dann wäre eine Akzeptanz zu vermuten aber nicht bei Zwangsabgabe die eine versteckte staatliche Subvention ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • fx-555
    • 29.08.2011 um 20:59 Uhr

    "Biomasse ? Wie kann man noch mehr co2 in die Atmosphäre entlassen ? ökologisch wertvoll ?"

    Es ist richtig, dass bei Biomasse CO² ausgestoßen wird, aber
    dieses Co² wurde vorher von Pflanzen (z.Bsp. Mais) durch Photosynthese aus der Atmosphäre entnommen und gebunden.

    Deswegen bezeichnet man Stromgewinnung aus Biomasse als CO²-Neutral.

    • fx-555
    • 29.08.2011 um 20:59 Uhr

    "Biomasse ? Wie kann man noch mehr co2 in die Atmosphäre entlassen ? ökologisch wertvoll ?"

    Es ist richtig, dass bei Biomasse CO² ausgestoßen wird, aber
    dieses Co² wurde vorher von Pflanzen (z.Bsp. Mais) durch Photosynthese aus der Atmosphäre entnommen und gebunden.

    Deswegen bezeichnet man Stromgewinnung aus Biomasse als CO²-Neutral.

  5. Betrifft Tab "Erneuerbare Energien:

    Sie sollten mal hier: http://www.repowering-kom... [1] nachlesen. Repowering ist rechtlich gesehen wie eine Neuinstallation zu behandeln. Wie soll man diese Aussage "schneller genehmigen" verstehen ? Keine Einspruchsrechte mehr für den Bürger ?
    Und welcher Nachbar wollte nicht Einspruch erheben wollen, wenn auf einmal 200 Meter hohe Monster am Gartenzaun installiert werden sollen (50 m hohe ginge vielleicht noch). Verehrte Betroffene, wehrt euch ! BINDENDE Volksabstimmung für jede zu errichtende/zu ersetzende WKA !!! (im betroffenen Landkreis und ggf. in angrenzenden Landkreisen), das wäre Basisdemokratie (Und nicht nur einfach "unverbindlich": http://www.faz.net/artike... [2]).

    Volkswirtschaftlich ist die frühzeitige Deinstallation kleinerer Anlagen ziemlicher Unsinn. Solange geeignete Standorte für große WKA's zur Verfügung stehen, kann man die Wertschöpfung doch an diesem Standort realisieren. Und es sollten ja genug Standorte geben (Bayern ? :-)), Baden-Württemberg ?/s.o.). Abriss - oder Umsetzen (noch schwachsinniger) - kleinerer Anlagen vor dem technischen Lebensende ist ökonomischer Unsinn.

  6. Habe mal selber gerechnet (ganz grob, überschlagsmäßig). Die 7,5 MW Anlagen (2x) als "grass root" Projekt so 3,5% Rendite (bei 4,4% Kalkulationszins, 20 Jahre Laufzeit, Abschreibung 16 Jahre, 3200 Vollaststunden), aber in dieser überschlägigen Rechnung könnte ja noch ein Fehler liegen. Allein das schlechte Resultat macht aber schon sehr mißtrauisch. Investition in neue WKA's (onshore !) ist äusserst grenzwertig. Also liebe potentielle Investoren, ggf. nicht investieren ! Zumindest genau vorrechnen lassen, unabhängiges Gutachten einholen (bei den Vollaststunden soll ja immer geschummelt werden, man kennt die Tricks ja http://klimakatastrophe.w... [3], und geschummelt wird bestimmt auch bei onshore-Anlagen).

    Repowering von 4 x 1,9 MW Anlagen nach 16 Jahren durch 2 à 7,5 MW ergibt eine Rendite von nur noch 3,1% (bei doppelter Leistung, 3 facher Stromausbeute/3200 VLS ! & zus. 0,5 cts/kWh Anfangsvergütung für "Repowering". Der Schwachsinn wird auch noch subventioniert !). Warum sollte man das tun ? Man verliert nur bzw. die Vorteile sind ggf. marginal. Gegenrechnungen "are welcome" (interessanter Link als Einstieg: http://www.forwind.de/doc... [4]).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es sind 2400 Volllaststunden onshore (offshore 3200), die anderen Zahlen stimmen aber

    Es sind 2400 Volllaststunden onshore (offshore 3200), die anderen Zahlen stimmen aber

  7. Repowering, wieder so ein demagogisches Buzz-Word unserer grünen Weltbeglücker. Es soll der Öffentlichkeit vorgegaukelt werden (man nennt das auch Manipulation), daß es Maßnahmen gibt, die Flächenbelastungen durch Monster-WKA's zu vermeiden bzw. stark zu reduzieren, nach dem Motto: "Seht her, wir bauen auf vorhandener Fläche, alles halb so schlimm !!". Wenn die Energiewende "realisiert" werden soll, müssen ganz andere Flächen zur Verfügung gestellt werden. Das gilt es zu verschleiern bzw. zu bagatellisieren. Einfach ein solch tolles Wort wie "Repowering" in den Raum stellen, das ersetzt jegliche seriöse Argumentation.

  8. Es sind 2400 Volllaststunden onshore (offshore 3200), die anderen Zahlen stimmen aber

    Antwort auf "Repowering 2/3"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service