WachstumWarum uns Städte reich machen

Ökonomen halten sie für eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit: urbane Zentren. Was ist das wirtschaftliche Geheimnis der Metropolen? von Olaf Storbeck

Blick auf New York, über die Baumwipfel des Central Park hinweg

Blick auf New York, über die Baumwipfel des Central Park hinweg  |  © Timothy A. Clary/Getty Images

Am liebsten illustriert Edward Glaeser seine Thesen mit einem Foto der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Im Februar war dort das Zentrum der Massenproteste, die den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zum Rücktritt zwangen. "Viele Leute sprechen von der Facebook- und Twitter-Revolution", sagt der Harvard-Professor.

Doch das sei so nicht ganz richtig: "Die Revolution in Ägypten war in erster Linie eine Stadtrevolution." Natürlich hätten Onlinemedien wie Twitter und Facebook eine wichtige Rolle für die Koordination der Proteste gespielt. Aber nur, weil sich so viele Menschen an einem zentralen Ort in der wichtigsten Stadt des Landes trafen, hätte der Protest seine politische Durchschlagskraft entwickeln können.

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Nicht nur politisch, auch gesellschaftlich und ökonomisch ist die Bedeutung von Städten kaum zu unterschätzen – davon sind Wirtschaftsgeografen und -historiker überzeugt. Immer mehr Ökonomen untersuchen daher, unter welchen Umständen urbane Zentren florieren, warum die Menschen in Städten produktiver sind und wie Entwicklungsländer davon profitieren können.

Größte Kluft in Entwicklungsländern

Ökonomen wissen heute, dass wirtschaftlicher Wohlstand und Prosperität fast ausschließlich in Metropolen entsteht – sowohl in Industrieländern als auch in Entwicklungsländern. So sind in den Vereinigten Staaten Beschäftigte, die in Städten mit mehr als einer Million Einwohner leben, 50 Prozent produktiver als Landbewohner – selbst, wenn man die Ausbildung, die Berufserfahrung, und die Branche, in der die Menschen arbeiten, berücksichtigt.

Noch deutlicher wird das Phänomen bei einer Beispielrechnung, die Harvard-Ökonom Glaeser in einem jüngst erschienenen Buch "Triumph of the City" aufmacht: Demnach verdienen die 600.000 Menschen, die in Manhattan zwischen der 41. und der 59. Straße arbeiten, zusammen mehr als sämtliche Einwohner der US-Bundesstaaten Oregon oder Nevada.

Am größten ist die Kluft zwischen Stadt und Land in Entwicklungsländern - Armut ist dort vor allem ein Problem der Provinz: Nach Angaben der Weltbank leben 75 Prozent aller Armen auf der Welt in ländlichen Regionen.

Paul Romer, Volkswirt an der New York University, will daher mit Städten, die auf der grünen Wiese neu gegründet werden, die Armut in der Dritten Welt bekämpfen. Nach dem Vorbild Hongkongs, das bis 1997 unter britischer Verwaltung stand, will er in Afrika und Lateinamerika neue Metropolen gründen, deren Polizei und Verwaltung von Industriestaaten organisiert werden sollen. Solche "chartered cities" würden schnell zu Wachstumsmotoren, ist Romer überzeugt.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 03. August 2011 13:01 Uhr

    en.
    Das die Stadt uns früher reich gemacht hat und vorallem gut für kulturellen und intellektuellen austausch war glaube ich gerne.
    Aber, sind wir - zumindest in der Ersten Welt - nicht schon einen wenn nicht zwei Schritte weiter?
    Telefon, Digitales TV und das Internet machen es möglich das ich mich egal wo jederzeit mit jedem austauschen kann.
    Ich muss nicht (mehr) in einer Stadt leben um die Vorzüge zu geniesen. Ich kann heute in mehreren Städten "zu Hause sein" ohne unzuziehen.
    Ich lebe in einem Vorort von Dublin und weis trotzdem wo sich in Wien die Baustellen befinden.
    Ich kaufe meine Bücher/DVDs/PCSpiele in Berlin, London und Madrid ohne das Haus verlassen zu müssen.
    Ich unterhalte mich mit Fachkollegen aus vier verschiedenen Sprachzonen zur gleichen Zeit ohne die Tür aufmachen zu müssen.
    Heute kann sich jeder die Stadt ins Haus holen und trotzdem die Vorteile des Landlebens geniesen zu können.

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    Das ist schon richtig, dass diese Dinge heute möglich sind, aber sind diese Vorzüge nur ein kleiner Teil der Annehmlichkeiten einer Stadtwohnung. Vor die Tür zu gehen und die Stadt zu erkunden bzw. mit anderen Menschen wirklich zu interagieren hat viele Vorteile.

    Bedenken sie: Wenn sie im stillen Kämmerlein hocken, dann selektieren sie nur nach den Dingen, die sie schon kennen und bekommen wenig fremde Impulse und Anregungen.

    • olaf85
    • 03. August 2011 16:19 Uhr

    Alles richtig was sie sagen. DIe Welt rückt durch das Internet näher zusammen und Kommunikation, aber auch Waren und Personen können innerhalb kürzester Zeit weite Strecken zurück legen. ABER: Es gibt einen Wirtschaftssektor in Deutschland, der überproportional wächst (sowohl was Umsatz als auch was Beschäftigtenzahlen angeht) und das ist die Kultur- und Kreativwirtschaft. Dazu gehören Theater, Museen, Architektur und vor allem die Medienwirtschaft [Film, Fernsehen, Internet, Werbung, Games- und Softwareindustrie]). Gerade diese Branche ist extrem verdichtet auf die Metropolen. In Deutschland vor allem Berlin, Hamburg und München, bzw. Köln für die Fernsehsender.
    Untersuchungen zeigen, dass die Kreativbranche trotz der modernen Kommunikationsmöglichkeiten auf face-to-face Kontakte angewiesen sind, da in dieser Branche informelle Netzwerke eine große Rolle spielen. Zudem ist die Stadt als Ort von Offenheit, Toleranz und Vielfältigkeit ein Ort der Inspiration und ein Ort, wo man Kreativität und "Andersartigkeit" erproben und ausleben kann. Richard Florida sagt z.B. (auch wenn er insgesamt durchaus umstritten ist), dass es für Städte wichtig ist diese "kreative Klasse" anzuziehen. Das macht Hamburg z.B. mit der Hafencity und Bremen mit der Überseestadt. Denn nach Florida bevorzugt die kreative Klasse auch das Leben und Arbeiten am Wasser...

    • Chali
    • 03. August 2011 13:03 Uhr

    was ja etwas ganz anderes ist als "deutsche Ökonomen".

    Aber trotzdem ... das Berlin nun so viel erfolgreicher sein soll als Kronberg - oder Zuffenhausen ...

    Gelsenkirchen mag ja gross sein, aber ...

    Haben die Herren mal in Deutschland studiert?

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    • cardiac
    • 03. August 2011 14:03 Uhr

    Sowohl Kronberg (Frankfurt/RheinMain) als auch Zuffenhausen (Stuttgart) sind teil von Metropolen. Deutschland ist halt zersiedelt, und so sind es die Metropolregionen Deutschlands auch.

  1. ......es mit dem Sturz Gaddafi etwas laenger als normalerweise, weil es in Libyen bzw. in Tripoli an Menschenmassen fehlt, dauern koennte. Es stimmt mich sehr gluecklich, eine Bestaetigung meiner These von einem renomierten Harvard-Oekonomieprofessor zu erhalten.

    • Leinalf
    • 03. August 2011 13:51 Uhr

    Warum immer Wachstum? Das ist doch nicht der Sinn des Lebens? Weniger könnte mehr sein - auch weniger Massen auf engem Raum.

    • noatron
    • 03. August 2011 13:58 Uhr

    frisst die Hälfte des Länderfinanzausgleichs (4,1 MILIARDEN JÄHRLICH, aus Bayern, Baden Württemberg und Hessen), der eigentlich für die wirklich strukturschwachen Gegenden Deutschlands gedacht war, bekommt weitere ca. 7 MILIARDEN JÄHRLICH an Sonderzuwendungen des Bundes, macht zusammen 11 MILLIARDEN EURO JEDES JAHR, von unser aller Steuergelder. Summen, mit denen aktuell ganze Staaten "gerettet" werden nimmt Berlin als selbstverständlichen "Haushaltsetat" hin - Keiner thematisiert das!

    • cardiac
    • 03. August 2011 14:03 Uhr

    Sowohl Kronberg (Frankfurt/RheinMain) als auch Zuffenhausen (Stuttgart) sind teil von Metropolen. Deutschland ist halt zersiedelt, und so sind es die Metropolregionen Deutschlands auch.

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    • Chali
    • 03. August 2011 14:19 Uhr

    ... und im Umkehrschluss ist auch Berlin KEINE Metropole, sondern nur eine Ansammlungs von Dörfern?

    Ich glaube, die Herren haben ihre akademischen Weihen doch in D empfangen.

  2. Das ist schon richtig, dass diese Dinge heute möglich sind, aber sind diese Vorzüge nur ein kleiner Teil der Annehmlichkeiten einer Stadtwohnung. Vor die Tür zu gehen und die Stadt zu erkunden bzw. mit anderen Menschen wirklich zu interagieren hat viele Vorteile.

    Bedenken sie: Wenn sie im stillen Kämmerlein hocken, dann selektieren sie nur nach den Dingen, die sie schon kennen und bekommen wenig fremde Impulse und Anregungen.

    • Chali
    • 03. August 2011 14:19 Uhr

    ... und im Umkehrschluss ist auch Berlin KEINE Metropole, sondern nur eine Ansammlungs von Dörfern?

    Ich glaube, die Herren haben ihre akademischen Weihen doch in D empfangen.

    Antwort auf "Schlechte Beispiele..."
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    • Nutopia
    • 03. August 2011 15:55 Uhr

    Zuffenhausen gehört zum Umland von Stuttgart und Kronberg zum Umland von Frankfurt Main, beide sind also Teil eines Ballungsraums und im Einflussbereich einer Stadt. Berlin ist damit ebenso eine Metropole wie Ihre Beispiel Teil einer Metropolregion sind, daher macht Ihr Vergleich keinen Sinn.

    Der Erfolg/Misserfolg von Berlin muss außerdem im historischen Kontext betrachtet werden, außerdem ist Berlin umgeben von einem sehr ländlichen Raum. Das Ruhrgebiet dagegen (z.B.) ist eine polyzentrische Städtelandschaft, also fast schon eine einzige riesige Großstadt. Sehen Sie sich nur die Bevölkerungsdichte von Deutschland an http://www.deutsche-mitte...

    Soweit ich weiß, gibt es Berlin nicht, sondern, wie gesagt, eine Ansammlung von Dörfern. Sag niemals einen Spandauer, dass er in Berlin wohnt...

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  • Schlagworte Armut | Entwicklungsland | Facebook | Glas | Hosni Mubarak | Innovation
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