Steuerdebatte : Lasst die Reichen ruhig mehr zahlen

Bisher hat die Steuerpolitik die Reichen besonders begünstigt. Sie jetzt stärker zu besteuern, würde den öffentlichen Kassen gut tun.
Blick auf das Kempinski Grand Hotel (rechts) im Ostseebad Heiligendamm © Bernd Wüstneck/dpa

Auf den ersten Blick scheint der Vorschlag absurd: Die Koalition einigt sich, die Steuern zu senken – und um das zu finanzieren, fordert Norbert Barthle, der Haushaltsexperte der CDU , die Steuern an anderer Stelle zu erhöhen. Doch Barthles Idee ist nicht so widersinnig, wie sie zunächst scheint. Und wer behauptet, Barthle schlage vor, die Kosten des geplanten Steuergeschenks bei den zu Beschenkenden einzutreiben – und so die Wähler hinters Licht zu führen – , der verfälscht schlicht die Zahlen.

Es stimmt: Die sogenannten Gutverdiener tragen die Hauptlast der Lohn- und Einkommensteuer in Deutschland. Die Hälfte des Steueraufkommens bestreiten jene acht Prozent der Steuerpflichtigen, die mehr als 66.200 Euro im Jahr verdienen. Aber das sind gar nicht die Steuerzahler, die Barthle zur Kasse bitten will, ganz im Gegenteil. Ihm zufolge sollen Gutverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als 53.000, aber weniger als 70.000 oder 80.000 Euro sogar entlastet werden.

Die Reichen aber, deren Jahreseinkommen zwischen 100.000 und 250.000 Euro liegt: Sie sollen mehr als bisher zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte beitragen.

Bisherige Reformen begünstigten Reiche

Sie profitierten in der Vergangenheit am stärksten von den Reformen in der deutschen Politik. Zwar zahlen die Deutschen heute insgesamt weniger Steuern als noch vor zehn Jahren. Doch Daten der OECD belegen, dass kinderlose Spitzenverdiener davon am meisten hatten . Das Einkommen der Reichen wächst seit den Neunziger Jahren schnell – ihr Anteil am Steueraufkommen in all den Jahren aber blieb konstant.

Zugleich ist der Spitzensteuersatz im internationalen Vergleich relativ niedrig . Als der damalige Finanzminister Hans Eichel ihn von fast 54 Prozent auf das heutige Niveau senkte, glaubte er noch, damit Steuerflüchtlinge zurück nach Deutschland locken zu können. Die dadurch mutmaßlich steigenden Erträge sollten die Verluste durch den niedrigeren Satz kompensieren. Heute weiß man, dass solche Kalkulationen nicht aufgehen. Was also läge näher, als den Spitzensteuersatz für besonders gut Verdienende zu erhöhen?

Dennoch, einen Haken hat Barthles Konzept: Seine Umsetzung würde Reiche kaum belasten, den öffentlichen Kassen aber zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe bescheren, wie der Ökonom Frank Hechtner von der FU Berlin errechnet hat . Vielleicht müsste man den Spitzensteuersatz also noch stärker erhöhen, um die Entlastung an anderer Stelle zu finanzieren. Oder man verzichtet ganz auf Steuersenkungen . In Zeiten der Schuldenkrise wäre das vielleicht nicht die schlechteste Idee.

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Kommentare

129 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Für...

Schulen, Infrastruktur, Kinderbetreuung, ordentliche Bezahlung für Erzieher, Humane Arbeitszeiten für Mediziner in Krankenhäusern, Universitäten.. Mir würde da sehr viel einfallen, wofür man die Steuern im oberen Segment anheben könnte. Vielleicht auch Schuldentilgung? Wer profitiert denn am Meisten von den hiesigen Verhältnissen? Von der Rechtssicherheit, der Infrastruktur, des Bildungsstandes? Wer nur noch die Zinsen für sich arbeiten lassen muss, der kann sich auch stärker an der Allgemeinheit beteiligen. Und bevor die Keule ausgepackt wird: Ich halte nichts vom Marxismus, Kommunismus oder der Linkspartei..

Alle Produkte und Sektoren, die Sie....

....nennen, sind essentiell im wirtschaftlichen Sinn Private Güter bzw produzieren sie solche. Allgemein gesprochen, wäre es kontraindiziert der Öffentlichen Hand zu erlauben sich dort stärker zu betätigen. Die dort gemachten Fehler sind für viel Ungemach und viele unserer heutigen Probleme verantwortlich und weitaus größer, als sie ohne zentralistische Planung dieser Sektoren wären. Dort braucht man den Staat nicht als Produzenten, sondern als Ordnungsgeber und als Garanten effizienter Strukturen.

#82: Und warum wäre es kontraindiziert für die öffentliche Hand?

Sie stellen das einfach nur als Behauptung in den Raum auf Basis des m.E. grundfalschen Gedankens des bis zum Gerippe "verschlankten, ausgehöhlten Staates", werfen das Dogma "zentralistische Planung" dazu, fordern den Staat aber als "Ordnungsgeber" und "Garanten effizienter Strukturen".

Was denn nun?

Ich wünsche mir, das alles was mit der Daseinsfür- und vorsorge zu tun hat, zumindest unter staatlicher Aufsicht und Kontrolle bleibt, wenn nicht gar selbst ausgeführt wird.

Dazu gehören u.v.a. das vollständige Bildungswesen (angefangen vom Kindergarten und Horten), (regionalisierte) Wasser- und Energieversorgung, eine brauchbare gesetzliche Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung und Sozialwesen auf preiswerter und effizienter Umlagebasis unter Einbeziehung ALLER, öffentlicher eng abgestimmter Personennah- und Fernverkehr, Müllentsorgung.
Die alle müssen nur ordentlich funktionieren, aber nicht zwanghaft Gewinne erwirtschaften um jeden Preis.

In vielen Bereichen ist "Privatisierung" schlicht kontraindiziert und führt(e) zur Ausdünnung und Verschlechterung des Angebotes bei Personalabbau und Niedriglöhnen, aber trotzdem reichlich Gewinnmitnahmen.

Ich kritisiere nicht "was Sie sich Wünschen"...

....sondern stelle nur fest, dass die genannten Produkte letztlich Private und nicht Öffentliche Güter sind. Wenn der Staat sie also herstellt, wird die Herstellung teurer und daher ineffizient. Man wird eine gesellschaftlich gesprochen schlechtere Versorgung haben.

Wenn Sie das wollen, ist das Ihr legitimes Recht. Dass solche Politik Menschen schadet, ist eine andere Sache, aber dennoch wahr.

Private Güter?

Bildungswesen, Rente, Gesundheitswesen, öffentliche Infrastruktur sind vielmehr die kernaufgaben des Staates - genau wie Recht und Ordnung.

Zumindest ist dies in Deutschland seit Kaiserzeiten der Fall. Wenn Sie schon einen radikalen Systemwechsel propagieren, sollten Sie dies offen tun und politisch ankündigen.

Ich bezweifle, das man in Deutschland da eine Chance hat, gewählt zu werden.

Deshalb praktizieren die neoliberalen kräfte ja auch lieber die Aushöhlung des Systems von innen = KAPUTTSPAREN.

Auf den Lippen führt man gerne Bekenntnisse zur sozialen Marktwirtschaft...

Kaputtsparen? Deutschland?

Deutschlands Staatsausgaben (inkl. Neuverschuldung) belaufen sich in 2010 auf rund 46 Prozent der Wirtschaftsleistung, wobei davon fast die Hälfte Sozialausgaben sind.

Zum Vergleich: Die Staatsausgaben der USA betragen 23 Prozent, die der Schweiz 37 Prozent, die des Vereinigten Königreichs 51 Prozent und die Frankreichs 56 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung, wobei mir der Anteil der Sozialausgaben leider nicht bekannt ist.

In F und UK liegt die Wirtschaftsleistung pro Kopf deutlich unter der Deutschlands, während sie in den USA und der Schweiz darüber liegt.

Wirtschaft und Bevölkerung tragen in den USA also deutlich weniger als z.B. in Deutschland zur Finanzierung des Staates bei. Dafür erhalten die Menschen mutmaßlich aber auch deutlich weniger staatliche Sozialtransfers.

(Eigene Berechnungen auf Basis des CIA World Factbook: https://www.cia.gov/libra...)

Keine Steurerhöhung ohne Steuerentlastung

Bevor nicht sichgestellt ist, dass der Staat die Mehreinnahmen nicht dazu verwendet dem Öffentlichen Dienst, Beamte und Politiker mehr Geld zuzuschustern darf es keine Steuererhöhungen geben. Was zu diskutieren wäre, Höchsteinkommen höher zubestuern und im gleichen Schritt und im gleichem Umfang niedrigere Einkommen und den unteren Mittelstand zu entlasten. Eine Umverteilung, dass Beamte und Öffentlicher Dienst Lohnerhöhungen hinterher geworfen bekommen und somit gesellschaftliches Bürgerkapital weiter umverteilt wird muss unbedingt verhindert werden. Dies ist ein wichtiges Element um einen Staatsbankrott dauerhaft zu vermeiden. Es kann nicht mehr darumgehen dem Staat mehr Mittel zugeben, sondern wenn dann Reiche zubelasten um niedrige Einkommensgruppe zuentlasten und nicht dem Staat mehr Geld geben. Zeiten mit mehr Arbeitslosikeit kommen so oder so und dann braucht Staat mehr Geld für die sozialen Leistungen und der Bürger wird dann so oder so mehr belastet.

Abgaben seitens Vermögender

wären nicht nur angebracht zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben, sondern allemal würde das den Zorn in diesem Staat und in dieser Nation wieder etwas senken.

Wie das von statten geht, das ist zu diskutieren, wohl aber kaum, dass es gemacht werden muss. Jemand wie mein Vorredner hat wohl offenbar vergessen, weswegen diese öffentlichen Sozialleistungen überhaupt eingeführt wurden: um (blutige) Revolutionen zu verhindern. Der Vorläufer solcher Ereignisse ist bekanntlich das, was man die Ruhe vor dem Sturm nennt, d.h. die Zeit, in der sich der Zorn bis ins unerträglich steigert. Ich denke nun, wir sollten damit nicht mehr so lange spielen. Wir hatten bereits die erste Tote vor einer ARGE, wir haben massenweise Rentner, die um ihre Ersparnisse betrogen wurden (die hat jetzt wer?) wir haben massenweise Jugendliche, die mit 23 schon den Eindruck haben, ihr Leben sei zum großen Teil gelaufen, wir haben haufenweise Menschen, die 30 Jahre arbeiten waren und - bevor sie Unterstützung bekommen - ihre ganzen Ersparnisse aufbrauchen müssen, d.h. ihre Altersvorsorge, wir haben 6,7 Millionen Leiharbeiter, die nicht mehr in die Zukunft planen können und selten mehr als das Nötigste sich leisten können. Kurzum: wir haben inzwischen gewaltig viele Gründe für gewaltig viele Menschen, ihren Zorn wachsen zu lassen (zunächst im Stillen, dann laut, dann gewalttätig).

Die Menschen würden so langsam gerne wissen, weswegen sie ihre Füße noch stillhalten sollten.

Daher Steuererhöhungen nur für konkrete maßnahmen

Sie führen konkrete Missstände an, für die es Sinn machen würde Reiche höher zu belasten und Bedürftigen diese Mittel zukommen zulassen. Nur leider sieht uns Haushaltsrecht solche direkten Verbindungen nicht vor. Daher darf man dem Staat, der mit Sicherheit dieses Geld "veruntreuen" würde keine Mittel geben, wenn nicht zeitgleich eine Besserstellung von Rentner, Sozialschwachen und Niedriglöhnern langfristig im gleichen Umfang beschlossen werden würde. Aber das passiert nicht.

#72: Unsinn

Das wohnen in Gated Communities, gepanzerte Fahrzeuge und Wachmannschaften kostet auch Geld und Lebensqualität - oder?

Wäre es nicht besser, dieses unsinnig verwendete Geld von vornherein in einen sozialen Ausgleich zum Abbau der extremen Ungleichheiten zu verwenden - (ohne diese dabei aufzuheben)?

Man muss den "Eseln", die da unter einem laufen, auch was zum fressen geben, sonst revoltiert er irgendwann.

Spätestems seit dem Fall der Mauer hat sich da einiges zum sehr viel schlechterem verändert für die Masse der "Esel".

Leider gibt es aber einige Leute wie z.B. Sie, die das absolut nicht einsehen wollen, sondern den "Eseln" die Rationen weiter kürzen wollen - was ich für brandgefährlich halte.

Wider die Erosion des Eigentumsrechts

Es ist immer leicht zu fordern, Anderen in die Tasche zu greifen, aus welchen Motiven auch immer. Aber woher nimmt der Staat eigentlich das Recht dazu? Immerhin steht das Eigentum unter dem Schutz der Verfassung. Auch wenn sein Gebrauch dem Gemeinwohl dienen soll, heißt das m.E. nicht, dass sich der Staat ungehemmt am Eigentum seiner Bürger vergreifen darf.

Wer das Sich-nicht-Vergreifen am Eigentum Anderer für eine staatliche "Begünstigung" hält, denkt m.E. totalitär.

Mit den Schutz der bürgerlichen Eigentums- und Freiheitsrechte verhält es sich leider wie mit dem Rudern gegen den Strom. Wer aufhört zu rudern, treibt ab. Hier: Wer aufhört, sich für deren Schutz einzusetzen, wird sie verlieren.

@Xdenker - ja woher...

nimmt denn der ´staat das recht, steuern zu erheben? das ist eine dumme frage, die nicht gestellt werden sollte. wo soll der staat denn seine einnahmen sonst generieren? besser als das bisherige steuersystem zu reformieren, wäre allerdings, ein neues einzuführen. es ist ja - logisch betrachtet - völlig hirnfrei, arbeit zu besteuern! vermögen sollte besteuert werden, soll doch jeder verdienen, was er will oder bekommt. aber die vermögen sollten grundlage der steuererhebung sein.

Natürlich braucht der Staat Geld

um seine Leistungen für die Gemeinschaft zu finanzieren. D.h. aber nicht, dass er seinen Bürgern ungehemmt in die Taschen greifen darf. Das Prinzip für das Ausgabegebaren des Staates muss lauten: Beschränkung auf das Wesentliche/Unverzichtbare und höchste Sparsamkeit! Auf der anderen Seite muss der Griff in die Taschen der Bürger auf das minimal Mögliche, sprich das Unverzichtbare beschränkt werden.

Nein...

"Wer das Sich-nicht-Vergreifen am Eigentum Anderer für eine staatliche "Begünstigung" hält, denkt m.E. totalitär."

...nicht unbedingt.

Reich wird man nicht durch Arbeit, sondern dadurch, dass man anderen zu wenig bezahlt, mehr Geld verlangt als angemessen wäre, weil man eine Schlüsselposition besetzt usw. man nennt dies auch *Mehrwertdiebstahl*. Der ist, trotz dass er massive Ungerechtigkeiten erzeugt, im Kapitalismus durchaus als Antriebskraft erwünscht.

Da Kapital leider dazu neigt sich zu konzentrieren und die Ungerechtigkeiten und die Ausbeutung dadurch immer größer wird, gibt es den steuerliche *Gegendiebstahl*. Er sollte eigentlich für eine gewisse Nivellierung und Stabilität im System sorgen, zumindest aber soziale Härtefälle abfedern. Wir sind mittlerweise bei letzterer Minimallösung angekommen, die auch schon wieder in Bedrängnis gerät.

Fazit: das Recht auf Eigentum unterliegt sinnvoller Weise ab einer gewissen Eigentumshöhe Sonderregeln, da es beginnt die Stabilität, die Demokratie und den Breitenwohlstand zu gefährden. Quasireligiöse Prinzipienreiterei nützt also niemandem, im Gegenteil sie kann ein Land zugrunde richten, die USA versuchen das gerade vorzuturnen...

Quatsch...

"Natürlich braucht der Staat Geld um seine Leistungen für die Gemeinschaft zu finanzieren. D.h. aber nicht, dass er seinen Bürgern ungehemmt in die Taschen greifen darf. Das Prinzip für das Ausgabegebaren des Staates muss lauten: Beschränkung auf das Wesentliche/Unverzichtbare und höchste Sparsamkeit! Auf der anderen Seite muss der Griff in die Taschen der Bürger auf das minimal Mögliche, sprich das Unverzichtbare beschränkt werden."

...du argumentierst schon wie die Amerikaner, als wäre der Staat ein fremdes feindliches Wesen.

Er ist es nicht, bzw. sollte er es nicht sein. Er sollte unsere demokratische Verwaltung sein und das tun, was WIR wollen und in dem Umfang in dem WIR das wollen.

Demokratisieren wir also lieber diese Gesellschaft, ich will keinen Nachtwächterstaat.

Nein, reicher als Andere kann man werden

... wenn man einfallsreicher, unternehmungslustiger, ehrgeiziger, zielorientierter und bereit ist, erheblich höhere Risiken einzugehen als Andere.

Was Sie als Mehrwertdiebstahl bezeichnen, funktioniert nur bei unvollständigem Wettbewerb. Deshalb ist funktionierender Wettbewerb so wichtig, auch wenn er vielen Unternehmen den Garaus bereitet. Er sorgt für Angebotsvielfalt zu geringst möglichen Preisen.

(Lohnsteigerungen jenseits des realen Produktivitätszuwachses nutzen Niemandem, wenn sie durch kostenbedingte Preissteigerungen überkompensiert werden und/oder menschliche Arbeit noch stärker durch Kapital (Maschinen) verdrängt wird und/oder preissteigerungsbedingt die Nachfrage und damit der Produktionsbedarf zurück geht.)

Kapitalismus mit funktionierendem Wettbewerb schafft zudem "Breitenwohlstand". Es gab bis heute keinen real funktionierenden Gegenentwurf, der einem Land und seinen Bürgern zu größerem Wohlstand verholfen hätte.

Doch, gab es

"Kapitalismus mit funktionierendem Wettbewerb schafft zudem "Breitenwohlstand". Es gab bis heute keinen real funktionierenden Gegenentwurf, der einem Land und seinen Bürgern zu größerem Wohlstand verholfen hätte."

Den Entwurf gab es wohl, stammte von Wirtschaftsfachleuten um den damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und nannte sich "soziale Marktwirtschaft". Wurde leider nie konsequent umgesetzt. Sozial bedeutet, die Gesellschaft steht im Mittelpunkt der Wirtschaftsentwicklung.
Seitdem Helmut Schmidt als Kanzler von der sozialen Überversorgung faselte führte unsere Wirtschaftspolitik immer mehr hin zur "freien Marktwirtschaft".
Das frei meint hier die Freiheit des Kapitals und das Kapital steht im Mittelpunkt der Wirtschaftsentwicklung.

MfG
AoM

Wir haben keine soziale Marktwirtschaft

mit funktionierendem Wettbewerb.
Durch Deregulierung der Märkte, ist die Wirtschaft von sozialen Sachzwängen befreit worden. Diese Deregulierung war ein schleichender Prozess von Beginn an, der seit Schmidt beschleunigt wurde und seit Rot-Grün richtig Fahrt aufgenommen hat.
Und funktionierenden Wettbewerb haben wir gleich gar nicht, denn in allen Bereichen der Wirtschaft gibt es massive Wettbewerbsverzerrungen, durch Subventionierung und Protegierung aller Art im Geflecht von Legislative und Wirtschaft.

MfG
AoM

Dumme Frage????

Nein, die Frage ist absolut nicht dumm, sondern berechtigt und muß, besonders in Deutschland, bei jeder Steuerdiskussion erneut gestellt werden!
Das "Recht" des "Staates" sich am Eigentum seiner Bürger zu bedienen ist nämlich kein ihm per se zustehendes Recht, sondern ihm vom Souverän (dem Volk) verliehenes/zugestandenes! Folglich hat sich "der Staat" bei jedem Eigentumseingriff sorgfältigst zu rechtfertigen und die Notwendigkeit zu begründen und zu beweisen!
Die Art und Weise wie dieser "Staat" jedoch derzeit dieses NICHT tut, bezw. dieses für eine Selbstverständlichkeit hält, belegt wie sehr altes, obrigkeitsstaatliches Denken sich wieder erhebt!
Nicht der Bürger ist für den Staat da, sondern der Staat für den Bürger; er ist Vertreter und Sachwalter im Auftrag, quasi Angestellter des Volkes, NICHT umgekehrt!

#54: Nein, wir haben keine soziale Marktwirtschaft mehr

und genau das beweisen ihre dargestellten Zaheln.

Als wir noch eine "soziale Marktwirtschaft" hatten, gab es starke Gewerkschaften, auskömmliche Löhne und Gehälter, Betriebsräte, die was zu sagen hatten - sprich einen sozialen Ausgleich, der nicht vom Staat über Steuern erbracht wurde, sondern von den Firmen - die trotzdem ausreichend Gewinne machten.

Inzwischen hat sich die Wirtschaft über die Begrifflichkeit "Lohnnebenkosten", Dumpinglöhne, Zeitarbeit, Begrenzung der paritätischen Beitragszahlungen in die Sozialversicherungen und vieles andere aus diesem "Areal" zurückziehen dürfen. Stattdessen wurden alle diese Lasten direkt und indirekt auf den Staat und die Arbeitnehmer verschoben. Zusätzlich hat der Staat dann noch die Wirtschaft durch massive Steuersenkungen entlastet, seine Einnahmen zur Aufrechterhaltung der sozialen Elemente verkürzt.

Und nun kommen solche Leute wie Sie, die dann naiv feststellen:
Das zeigen schon allein der Anteil der Sozialausgaben (153 Mrd. €) am Bundeshaushalt 2010 (327,7 Mrd. €) - das sind 47% aller Bundesausgaben

Merken Sie Ihre verquere Denke eigentlich noch? Die INSM könnte es kaum besser.

Das halte ich für ein sehr verführerisches Argument

Ich habe durchaus Sympathien dafür, bin aber gleichzeitig überzeugt, dass es einen sehr gefährlichen Weg anpreist. Die Engländer sagen dazu: "The road to hell is paved with good intentions."

Ich denke, eine große Errungenschaft unserer freiheitlichen Gesellschaft ist, dass im Grunde jeder vom Staat gleichbehandelt werden (soll). Uns ist sicherlich allen klar, dass dies nicht 100% der Realität entspricht, aber immerhin (verglichen mit früheren Jahrhunderten) haben wir da doch einiges erreicht.

Zumindest haben wir diesen Anspruch an den Staat.
Auch dann, wenn uns also bestimmte Leute unsympathisch sind oder wir der Meinung sind, dass sie das viele Geld gar nicht wirklich verdient haben.

Damit ihnen dieses Geld genommen werden kann, müssen sie also erst einmal gegen ein Gesetz verstoßen haben.

Ein Generalverdacht allein darf nicht ausreichen. Heute trifft es jemand, der viel verdient. Morgen gibt es andere Aspekte, die durch den Staat "bestraft" werden sollen.

Die Latte für einen Eingriff des Staates in die persönlichen Lebensumstände sollte schon hinreichend hoch liegen, wenn wir in einem Gemeinwesen zusammen leben wollen.

Ihre Meinung ist naiv...

... da wir im Moment keinen freien Markt haben.

Der Staat greift mit der Hartz IV-Gesetzgebung massiv in den Arbeitsmarkt ein. Arbeitnehmer werden vom Staat GEZWUNGEN, niedrige Löhne zu akzeptieren.

Dies hat zu einem hohen und einseitigen Druck auf Arbeitnehmer geführt - mittlerweile arbeiten qualifizierte Arbeitnehmer zu Niedriglöhnen, angestellte und unbefristete Jobs entfallen z. B. für Akademiker und Wissenschaftler an Hochschulen.

Dies stellt alles in allem eine GEWOLLTE Entwicklung dar.

Diese hat zu einem wirtschaftlichen Aufschwung geführt.

Dieser war allerdings nicht nachhaltig, da er einseitig die Angebotsseite begünstigt hat (Arbeitgeber).

Die Nachfrageseite wurde dagegen SYSTEMATISCH VERNACHLÄSSIGT.

Das Ergebnis - eine Wirtschaft, die einige Reiche und viele Arme produziert hat. Eine seit Jahren schwächelnde Binnenkonjuntur. Hohe und steigende Ausgaben in den Sozialsystemen. Eine anrollende Welle der Altersarmut. Marode Infrastruktur. Investitionsstau.

Nein, ein wirklich freier Markt und eine funktionierende Gesellschaft sehen anders aus.

Steuern DÜRFEN nicht mehr auf Arbeit erhoben werden. Zu einseitig ist diese Belastung, zu wenig Arbeit gibt es dafür. Zu problematischsind die sekundären Auswirkungen (Lohnnebenkosten etc.).

Was spricht dagegen, Einnahmen aller Art gleich zu versteuern?

Warum sollen Einnahmen, die nicht aus Arbeit erzielt werden, im 21. Jahrhundert PRIVILEGIERT behandelt werden?