Drei Tage nach der Einigung im Schuldenstreit hat die Rating-Agentur Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote AAA auf AA+ herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ. Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf AA herabstufen", hieß es in einer Mitteilung.

Die Agentur begründete ihren Schritt damit, dass die beschlossenen Einsparungen nicht zur Finanzkonsolidierung ausreichten. Auch die "Berechenbarkeit des amerikanischen Politikprozesses" müsse infrage gestellt werden, heißt es mit Blick auf den langwierigen Streit zwischen US-Regierung und Opposition.

Erst nach wochenlanger Debatte hatten Demokraten und Republikaner sich auf einen Kompromiss geeinigt. Er sieht vor, dass das Schuldenlimit von derzeit 14,3 Billionen Dollar um insgesamt bis zu 2,4 Billionen Dollar erhöht wird. Dies soll mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar einhergehen. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig. 

Die US-Regierung kritisierte die S&P-Entscheidung. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte, die Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch das Unternehmen enthalte einen Fehler über zwei Billionen Dollar. Dies spreche für sich selbst.

Die Herabstufung der US-Bonität könnte sich laut Experten weiter auf die Finanzmärkte auswirken. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch weitere Zinserhöhungen.

Auch andere Rating-Agenturen sind besorgt

Bereits unmittelbar nach der Einigung am Dienstag hatte sich die Rating-Agentur Moody's skeptisch über die langfristigen Aussichten der USA geäußert. Zwar gab sie der US-Kreditwürdigkeit weiter die Bestnote AAA – wertete den weiteren Ausblick aber als negativ. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.

Auch die US-Kredit-Rating-Agentur Fitch hielt zunächst an der Topbonität AAA fest, stellte aber ebenfalls fest, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter im Auge behalten werde.

Offene Kritik kam bereits Stunden nach der Schuldeneinigung aus China, dem größten Gläubigerland der USA: Die Rating-Agentur Dagong stufte die US-Bonität von A+ auf A zurück. Zur Begründung hieß es, das Schuldenproblem sei langfristig nicht gelöst. Der politische Schuldenstreit in Washington habe gezeigt, "dass die US-Regierung Schwierigkeiten hat, die Schuldenkrise letztlich zu lösen".

Auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch S&P reagierte China mit scharfer Kritik: Die USA müssten ihre "Schuldensucht heilen", indem sie die Militär- und Sozialausgaben kürzten, hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei. Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hieß es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.