SchuldenkriseRating-Agentur stuft US-Bonität herab

Rückschlag für die USA: Erstmals hat die führende Rating-Agentur S&P die US-Kreditwürdigkeit auf AA+ gesenkt. Turbulenzen auf den Finanzmärkten könnten die Folge sein.

Die Wall Street in New York

Die Wall Street in New York

Drei Tage nach der Einigung im Schuldenstreit hat die Rating-Agentur Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote AAA auf AA+ herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ. Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf AA herabstufen", hieß es in einer Mitteilung.

Die Agentur begründete ihren Schritt damit, dass die beschlossenen Einsparungen nicht zur Finanzkonsolidierung ausreichten. Auch die "Berechenbarkeit des amerikanischen Politikprozesses" müsse infrage gestellt werden, heißt es mit Blick auf den langwierigen Streit zwischen US-Regierung und Opposition.

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Erst nach wochenlanger Debatte hatten Demokraten und Republikaner sich auf einen Kompromiss geeinigt. Er sieht vor, dass das Schuldenlimit von derzeit 14,3 Billionen Dollar um insgesamt bis zu 2,4 Billionen Dollar erhöht wird. Dies soll mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar einhergehen. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig. 

Die US-Regierung kritisierte die S&P-Entscheidung. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte, die Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch das Unternehmen enthalte einen Fehler über zwei Billionen Dollar. Dies spreche für sich selbst.

Die Herabstufung der US-Bonität könnte sich laut Experten weiter auf die Finanzmärkte auswirken. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch weitere Zinserhöhungen.

Auch andere Rating-Agenturen sind besorgt

Bereits unmittelbar nach der Einigung am Dienstag hatte sich die Rating-Agentur Moody's skeptisch über die langfristigen Aussichten der USA geäußert. Zwar gab sie der US-Kreditwürdigkeit weiter die Bestnote AAA – wertete den weiteren Ausblick aber als negativ. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.

Auch die US-Kredit-Rating-Agentur Fitch hielt zunächst an der Topbonität AAA fest, stellte aber ebenfalls fest, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter im Auge behalten werde.

Offene Kritik kam bereits Stunden nach der Schuldeneinigung aus China, dem größten Gläubigerland der USA: Die Rating-Agentur Dagong stufte die US-Bonität von A+ auf A zurück. Zur Begründung hieß es, das Schuldenproblem sei langfristig nicht gelöst. Der politische Schuldenstreit in Washington habe gezeigt, "dass die US-Regierung Schwierigkeiten hat, die Schuldenkrise letztlich zu lösen".

Auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch S&P reagierte China mit scharfer Kritik: Die USA müssten ihre "Schuldensucht heilen", indem sie die Militär- und Sozialausgaben kürzten, hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei. Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hieß es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.

 
Leserkommentare
  1. Nach der Lehmann-Pleite war man sich in der Politik ja viel zu fein, strengere Gesetze einzuführen - jetzt fällt einem das grandios vor die Füsse.

    Aber ich mache mir keine Sorgen: diese Spirale wird ein Ende haben. Wir sind nicht mehr im Mittelalter, haben das Internet... irgendwann gibt's dann eben, nach dem afrikanischen Frühling einen westlichen Frühling und das ist aus die Maus für die Absahner und die 'Mächtigen.

    7 Leserempfehlungen
    • etiam
    • 06.08.2011 um 9:42 Uhr

    sind der einzige Ausweg wie man das Konglomerat von vagabundierendem Kapital und Ratingagenturen dazu bringt, ihre immer neuen Ansprüche an Gewinnmargen zu Lasten des Volkes durchzusetzen. Man darf an dieser Stelle daran erinnern, dass der Souverän im Landes das Volk ist, nicht die Finanzwirtschaft - in letzter Zeit bestehen hier erhebliche Zweifel!

    23 Leserempfehlungen
    • ttx
    • 06.08.2011 um 9:45 Uhr
    11. Titel

    Fitch und Moody's sollten sich mal folgendes Video anschauen und dann erneut über das AAA-Rating nachdenken.
    http://www.youtube.com/wa...

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    Danke

    die wissen doch ganz genau, was sie da treiben und vor allem, auch für wen.

    Was momentan abläuft erinnert doch sehr stark an den Börsencrash von 1929, der gerade mit etwas anderen Mitteln, aber mindestens ebenso effektiv durchgezogen wird.

    Entweder braucht es einen großen Krieg, um weitere Kredite generieren zu können und die Wirtschaft anzukurbeln oder einen großen Crash bei dem das System resettet werden kann um neu aufgelegt zu werden - wobei vorher möglichst Geldbestände in später nützliche Sachwerte umgewandelt werden. Manchmal wurde auch die Kombination aus beiden Varianten genutzt.

    Machen wir uns also nichts vor.

    Danke

    die wissen doch ganz genau, was sie da treiben und vor allem, auch für wen.

    Was momentan abläuft erinnert doch sehr stark an den Börsencrash von 1929, der gerade mit etwas anderen Mitteln, aber mindestens ebenso effektiv durchgezogen wird.

    Entweder braucht es einen großen Krieg, um weitere Kredite generieren zu können und die Wirtschaft anzukurbeln oder einen großen Crash bei dem das System resettet werden kann um neu aufgelegt zu werden - wobei vorher möglichst Geldbestände in später nützliche Sachwerte umgewandelt werden. Manchmal wurde auch die Kombination aus beiden Varianten genutzt.

    Machen wir uns also nichts vor.

    • PW
    • 06.08.2011 um 9:46 Uhr

    Die Herabstufung der USA steht schon länger im Raum und der Kompromiß der letzten Tage war nicht resolut genug. Wen wundert die Herabstufung?

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    Antwort auf "Sägen"
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    Mich nicht. War höchste Zeit.

    Mich nicht. War höchste Zeit.

  2. Die Ratingagenturen ändern ihre Meinung minimal, schon droht Panik. Doch wer hat den Ratingagenturen so viel Macht gegeben? Die Politik, welche als Form der Regulierungen für Versicherungen, Banken, Pensionsfonds Papiere mit hohen Rating ein Sonderstellung zugebilligt hat.

  3. S&P handelt im Interesse der Spekulanten: die Folge - staatliches Tafelsilber wird billigst verscherbelt und am Ende hat man die Staaten an der langen Leine, kann das Primat der Politik noch leichter brechen als jetzt.

    Das ergibt unendliche Aussichten auf Geld, denn man kann Sie dann erpressen wie man will z.B. mit Frischwasser- oder der Stromversorgung (So wie ENRON damals Kalifornien in die Mangel genommen hat).

    Dass das nicht lange gut geht ist allerdings klar, nur frisst momentan die Gier das Gehirn und die Ratingagenturen sind dazu da solche Trends zu verstärken, nicht um sie zu beruhigen.

    PS: Man sollte sich nur mal anschauen wem die Agenturen gehören und dann macht's laut KLINGELING.

    10 Leserempfehlungen
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    iPhone Autokorrektur, immer wieder gut!!! Wem gehören Sie denn?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Ratingagentur soll das Ausfallrisiko von Krediten bewerten bzw. einen Schuldner. Die Zinsen steigen, wenn das Rating sinkt, da damit die Verlustwahrscheinlichkeit steigt.

    Wenn jemand denkt, dass das Rating ungerechtfertigt ist, hat er für sich eine Gewinnmöglichkeit entdeckt und sollte zugreifen. Mein Tip: Griechische Staatsanleihen haben derzeit eine Wahnsinnsrendite. Wer also denkt die schlechten Ratings seien zu unrecht erteilt worden, sollte dringend zugreifen.

    Es ist schon seltsam, für mich hatte es immer den Anschein, dass die Ratingagenturen aufgrund des politischen Drucks zu zurückhaltend sind.

    Die Politik könnte doch ganz einfach Intervenieren: Jeder Staat druckt soviel Geld, wie er Schulden hat und bedient diese. In einer Währungsunion müsste man sich dabei etwas schlaueres einfallen lassen. Es müsste jeder Staat eine Summe von der EZB erhalten, die dem Gesamtvermögen des jeweiligen Landes entspricht. Damit könnte man eine "gerechte Geldentwertung" erreichen. Es würde jeden Bürger direkt proportional zu seinem Vermögen treffen. Die Staaten, welche in Relation zu Ihrem Vermögen wenig Schulden haben, könnten das "übrige" Geld ja an die Bürger auszahlen.

    Wir leben in einer Demokratie. Die Macht liegt beim Volk. Unser Wirtschaftssystem haben wir uns selbst gegeben. Es hat doch jetzt eine Weile auch ganz gut funktioniert. Ab und an muss man eben nachjustieren.

    iPhone Autokorrektur, immer wieder gut!!! Wem gehören Sie denn?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Ratingagentur soll das Ausfallrisiko von Krediten bewerten bzw. einen Schuldner. Die Zinsen steigen, wenn das Rating sinkt, da damit die Verlustwahrscheinlichkeit steigt.

    Wenn jemand denkt, dass das Rating ungerechtfertigt ist, hat er für sich eine Gewinnmöglichkeit entdeckt und sollte zugreifen. Mein Tip: Griechische Staatsanleihen haben derzeit eine Wahnsinnsrendite. Wer also denkt die schlechten Ratings seien zu unrecht erteilt worden, sollte dringend zugreifen.

    Es ist schon seltsam, für mich hatte es immer den Anschein, dass die Ratingagenturen aufgrund des politischen Drucks zu zurückhaltend sind.

    Die Politik könnte doch ganz einfach Intervenieren: Jeder Staat druckt soviel Geld, wie er Schulden hat und bedient diese. In einer Währungsunion müsste man sich dabei etwas schlaueres einfallen lassen. Es müsste jeder Staat eine Summe von der EZB erhalten, die dem Gesamtvermögen des jeweiligen Landes entspricht. Damit könnte man eine "gerechte Geldentwertung" erreichen. Es würde jeden Bürger direkt proportional zu seinem Vermögen treffen. Die Staaten, welche in Relation zu Ihrem Vermögen wenig Schulden haben, könnten das "übrige" Geld ja an die Bürger auszahlen.

    Wir leben in einer Demokratie. Die Macht liegt beim Volk. Unser Wirtschaftssystem haben wir uns selbst gegeben. Es hat doch jetzt eine Weile auch ganz gut funktioniert. Ab und an muss man eben nachjustieren.

  4. The scary real U.S. government debt ... Boston University economist Laurence Kotlikoff says U.S. government debt is not $13.5-trillion (U.S.), which is 60 percent of current gross domestic product, as global investors and American taxpayers think, but rather 14-fold higher: $200-trillion – 840 per cent of current GDP. "Let's get real," Prof. Kotlikoff says. "The U.S. is bankrupt." Writing in the September issue of Finance and Development, a journal of the International Monetary Fund, Prof. Kotlikoff says the IMF itself has quietly confirmed that the U.S. is in terrible fiscal trouble – far worse than the Washington-based lender of last resort has previously acknowledged. "The U.S. fiscal gap is huge," the IMF asserted in a June report. "Closing the fiscal gap requires a permanent annual fiscal adjustment equal to about 14 percent of U.S. GDP." This sum is equal to all current U.S. federal taxes combined. The consequences of the IMF's fiscal fix, a doubling of federal taxes in perpetuity, would be appalling – and possibly worse than appalling. – Globe and Mail (Canada)

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    Antwort auf "Endlich..."
    • olm
    • 06.08.2011 um 9:51 Uhr

    Nachdem viele Staaten sich wider besseren Wissens so weit verschuldet haben, dass ohne neue Kredite wirklich gar nichts mehr geht, werden nun die Daumenschrauben angezogen. Schlechtere Bewertung führt zu höheren Zinseinnahmen. Da Staaten wie die USA nicht Pleite gehen können ist dies zudem noch risikolos.
    Kann nihilist nur zustimmen. Die Welt hatte Zeit genug, dem Kapital Schranken aufzuzeigen, getan wurde nichts und jetzt kommt die Quittung.
    Vielleicht ist dies ja mal ein Weckruf für die, die immer noch glauben der Finanzkapitalismus sei gut für die Menschen. Er ist nur gut für ein paar wenige Reiche und jetzt kippt das System.

    11 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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