Treffen der Finanzminister USA und Euro-Zone verbünden sich in der Schuldenkrise

Diese Runde ist neu: Die Finanzminister der Euro-Zone haben den US-Amtskollegen zu ihrem Treffen dazugebeten. Die Osteuropäer fühlen sich ausgeschlossen.

Die Euro-Länder und die USA bemühen sich um Geschlossenheit in der Euro-Krise. Es werde zwar keine konzertierten Aktionen geben, aber eine enge Zusammenarbeit, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner beim Treffen mit seinen Amtskollegen der Euro-Zone in Breslau.

Geithner forderte die Europäer aber auch zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Schuldenkrise auf. Das Gerede über eine Auflösung der Währungsunion in Europa müsse aufhören, sagte er. Europa habe die Fähigkeit, die Krise zu bewältigen, müsse dies aber auch tun.

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Angesichts ihrer angespannten Haushaltslage verzichten die Euro-Länder auf neue Programme zur Anregung der Konjunktur. "Wir sehen keinen Spielraum in der Euro-Zone, der uns erlauben könnte, neue Konjunkturpakete aufzulegen", sagte der Vorsitzende der Finanzminister Jean-Claude Juncker. Es gebe bei diesem Punkt "eine leicht unterschiedliche Sichtweise" gegenüber den USA.

Die Teilnahme Geithners an der Euro-Runde ist eine Premiere. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies auf die gemeinsame Verantwortung Europas und der USA in der Schuldenkrise hin: "Wir müssen auf beiden Seiten des Atlantiks unsere Probleme lösen, um mehr Stabilität in die Finanzmärkte zu bekommen."

Osteuropa unzufrieden über Frankreich und Deutschland

Wie einige Länder der Euro-Zone haben auch die USA derzeit mit einer enorm hohen Verschuldung zu kämpfen. Verstärkt werden diese Schwierigkeiten dadurch, dass die US-Konjunktur weiter schwach bleibt und die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau stagniert. Die Regierung in Washington will ein Programm im Umfang von 450 Milliarden Dollar auflegen, um die Sozialabgaben von Firmen und Arbeitnehmern zu drücken und die Wirtschaft anzuregen.

Mit Blick auf das Treffen in Polen schalteten sich erstmals auch die osteuropäischen Regierungschefs mit einer gemeinsamen Stellungnahme in die Debatte ein. Sie seien unzufrieden über die Führungsrolle Frankreichs und Deutschlands in der Diskussion um die Euro-Krise, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Zeitleiste
Chronik Euro-Krise
Oktober 2009

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

8. Mai 2010

Das Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine "verheerende Inflationspolitik" betrieben.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

29. September 2010

EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
 

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

16. August 2011

Merkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August/September 2011
Banken Frankfurt

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

Mitte September 2011

Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen "zwecklos", aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
 

Mitte November 2011
Mario Monti

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Dezember 2011
David Cameron in Brüssel

Am 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor's Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.

13. Januar 2012

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

31. Januar

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem neuen Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Die Regierungschefs verabschieden auch den dauerhaften Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll. 

21. Februar

Die EU-Finanzminister bringen in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Einigung der Minister mit Griechenland ist auch Voraussetzung für die Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des überschuldeten Landes. Sie sollen nun auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands soll dadurch auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

8. März 2012
Der Parthenon auf der Akropolis

Der Parthenon auf der Akropolis

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

Vor dem nächsten EU-Gipfel Mitte Oktober wollen Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Litauen und Lettland einen gemeinsamen Brief an den ständigen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy schicken. Die Staaten, die den Euro noch nicht haben, sperren sich dagegen, Van Rompuy auch zum Präsidenten der Euro-Zone zu berufen. Zu Beginn der Woche sollen sich Diplomaten aus den Ländern getroffen haben, um ihr Vorgehen abzustimmen.

Leser-Kommentare
  1. "Die europäischen Partner zeigten sich zudem irritiert über die innenpolitische Debatte in Deutschland, wo noch über die Beschlüsse des Euro-Gipfels von Ende Juli gestritten wird."

    ... wie man darüber irritiert sein kann, dass sich einer der "runden-zahler" irgendwann fragt, warum nicht auch mal die anderen den schnapps zahlen...

  2. Haben die Auszahlung der nächsten Tranche abgelehnt.
    Wieso zeigt man sich dann irritiert über die Diskussion in Deutschland, die auf den gleichen Annahmen besteht ?
    Die EU geht auch heute nicht unter , obwohl Griechenland der akzeptierten Insolvenz einen gewaltigen Schritt näher gekommen ist .

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    • WiKa
    • 16.09.2011 um 16:29 Uhr

    … und gleichsam ein Volksverblödung sondergleichen. Wenigstens steht im Titel schon einmal ein richtiger Begriff: „Schuldenkrise“ … und die hat nichts mit dem Euro zu tun und auch nicht mit dem Dollar, sondern schlicht mit dem Geldsystem. Es ist über sein Zins- und Zinseszinssystem so angelegt, dass es exponentiell wächst. Das funktioniert aber nur in der Theorie, denn praktisch müsste dazu auch die Wirtschaftsleistung exponentiell wachsen … tut sie aber nicht.

    Ergo ist die ganze Faselei von immer weiteren Krediten, noch mehr Schulden, doch nur eine Nebelkerze. Das System wird elend vor die Wand fahren und die Menschen mitreißen. Und den Politikern aller Nationen ist am Ende vorzuwerfen, dass sie ihre eigenen Menschen verraten haben, nur um diese Umverteilung von unten nach oben noch zuende zu bringen, statt das System jetzt zu zerschlagen und die restlichen Reserven für einen Reset und Aufbau eines neuen Geldsystems zu verwenden, welches diese desaströse Eigenschaft nicht hat.

    Einfach nur bedauerlich wie sehr sich Politik, Medien und Geldadel in diesem Thema einig sind. Mir kann niemand weismachen, dass diese Herrschaften diesen Mechansimus nicht begriffen hätten. Hier nochmals die kindgerechte Nachhilfe, warum es nicht funktionieren kann, mit mathematischem Beispiel: „Jesus Euro-Cent vs. Mammons Renditeziel“ … Link (geben sie es ihren Kindern zum nachrechnen).

    11 Leser-Empfehlungen
  3. mit nordeuropäischen Sicherheitsdenken (Finnland),

    oder osteuropäischen Ländern, die noch nicht "ganz" dazugehören, obwohl ausgerechnet diese Länder es im wahrsten Sinne des Wortes v e r d i e n t hätten.

    Der amerikanische Finanzminister hat leicht reden, von wegen die Diskussionen sollten aufhören.

    In Europa geht es nicht so schnell, nationalstaatliches Denken, das in einigen Ländern 200 Jahre alt ist einfach so über Bord zu werfen.

    Und d a s ist das Problem der EU. Wie es nun mal wieder so schön deutlich wird in einer Krise.

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    • grrzt
    • 16.09.2011 um 19:53 Uhr

    Das ist die Chance, das vermindert die Wahrscheinlichkeit für eine zentrale Fehlentscheidung.

    • grrzt
    • 16.09.2011 um 19:53 Uhr

    Das ist die Chance, das vermindert die Wahrscheinlichkeit für eine zentrale Fehlentscheidung.

  4. Greenspan könnte Recht behalten - vielleicht: die EU wird auseinanderbrechen. Nicht untergehen, was er nie behauptet hat, sondern eine Zwischenzeit mittels einem Kerneuropa mit starken Ländern und die Außenseiter mit am Anfang Griechenland und dann vielleicht mit einer Euro-Light-Währung aus eigenen Währungen, wie immer man sich das konkret vorzustellen hat, Spanien, Portugal ... Italien wegen gewisser Beziehungen eher nicht, bis zu einer alle wiedervereinigenden Währungsreform überbrücken.
    Das wäre denkbar. Aber vielleicht kommt die Reform, der Reset, auch ganz schnell und baut sich als Abschluss aus dem sich vollziehenden Drama-Szenario vor Hintergrund des möglichen Auseinanderbrechens als noch schrecklicheren Drohkulisse auf.

    Allein die Idee einer Währungsreform in den Raum der Öffentlichkeit zu stellen, erforderte im Vorfeld von der Politik eine sehr enge Kooperation und Abstimmmung mit den USA. Das ist aber weit vorgegriffen. Erst einmal könnte man aus einer Zusammenarbeit der EU mit den USA in der Frage der Krisenbewältigung auch schließen, dass die Tage der schwarz-gelben Regierung endgültig gezählt sind und der Euro an Stabilität gewinnen würde, wie auch zunächst die Börsen sich erholen würden, solte sich eine rascher Regierungswechsel mit eta Rot-Grün oder auch Schwarz-Rot ankündigen.

    Fest steht derweil immer: Von dem Wohlstand und der relativen Alltags-Unbeschwertheit von etwa vor noch 20 Jahren wird man nur noch träumen können.

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  5. der deutsche Wirtschaftsminister, der deutsche Finanzminister, die deutsche Kanzlerin, der deutsche CSU-Vorsitzende und der deutsche FDP-Vorsitzende auch noch verbünden.

    Dann wäre schon einiges geschafft. Aber offensichtlich sind transatlantische Einigungen einfacher herbeizuführen als solche in einer Traumkoalition.

  6. Der US-Finanzminister gibt seinen europäischen Kollegen Tips?
    In Finanzdingen?

    Und das bei der Haushaltslage der USA???

    Ich hoffe mal sehr daß er nur aus Höflichkeit zu dem Treffen eingeladen wurde.

    • okky
    • 16.09.2011 um 17:19 Uhr

    Die US Notenpresse glüht - und wir sollen das wohl so halten!

    Das hiesse INFLATION - das wiederrum bedeutet kaufkraftverlust - das bedeutet weniger Geld beim Bürger!

    So einfach ist das.

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    Da die europäische, japanische und amerikanische Zentral- bzw. Nationalbank übereingekommen sind, den europäischen Banken zur Förderung ihrer Liquidität in den nächsten drei Monaten mit unbegrenzt Dollars unter die Arme zu greifen, ist der Konjunktiv "das hieße Inflation" nicht nötig.

    Nach Adam Riese heißt das Inflation, und auf die können wir uns schon mal einstellen.

    • grrzt
    • 16.09.2011 um 19:34 Uhr

    brauchen sich von einem Finanzminister aus den USA keine Ratschläge geben zu lassen (das ist ungefähr so, wie wenn ein Junkie dazu rät ihm mehr Stoff zu geben; nee, nee, Entgiftung und Entwöhung ist das richtige Vorgehen.
    Und wie man hört, hat dieser Finanzminister die Finanztransaktionssteuer vehement abgelehnt. Im Übrigen fällt mir auf dass die Berichterstattung von Zeit-online im Vergleich zu Spiegel-Online - sag ich mal vorsichtig - im Komunique-Deutsch abgefasst ist, und vor allem hervorgehoben wird, dass der Us-Finanzminister "irritiert" war, wohingegen bei Spiegel-Online der Akzent doch etwas anders lag; dort haben nämlich die Finanzminister sich die Belehrungen, dem Vernehmen nach deutlich genug verbeten. Ich hoffe, dass die Spiegel-Darstellung der Wahrheit näher kommt.

    bekannte Volkswirtschaftler die These vertreten ,das ein weg-
    inflationieren der Staatsschulden vermutlich der einzige Weg
    sein würde,um ohne Handels,-Währungs,-u.Wirtschaftskriege diese in den nächsten Jahren spürbar abzubauen.

    Da die europäische, japanische und amerikanische Zentral- bzw. Nationalbank übereingekommen sind, den europäischen Banken zur Förderung ihrer Liquidität in den nächsten drei Monaten mit unbegrenzt Dollars unter die Arme zu greifen, ist der Konjunktiv "das hieße Inflation" nicht nötig.

    Nach Adam Riese heißt das Inflation, und auf die können wir uns schon mal einstellen.

    • grrzt
    • 16.09.2011 um 19:34 Uhr

    brauchen sich von einem Finanzminister aus den USA keine Ratschläge geben zu lassen (das ist ungefähr so, wie wenn ein Junkie dazu rät ihm mehr Stoff zu geben; nee, nee, Entgiftung und Entwöhung ist das richtige Vorgehen.
    Und wie man hört, hat dieser Finanzminister die Finanztransaktionssteuer vehement abgelehnt. Im Übrigen fällt mir auf dass die Berichterstattung von Zeit-online im Vergleich zu Spiegel-Online - sag ich mal vorsichtig - im Komunique-Deutsch abgefasst ist, und vor allem hervorgehoben wird, dass der Us-Finanzminister "irritiert" war, wohingegen bei Spiegel-Online der Akzent doch etwas anders lag; dort haben nämlich die Finanzminister sich die Belehrungen, dem Vernehmen nach deutlich genug verbeten. Ich hoffe, dass die Spiegel-Darstellung der Wahrheit näher kommt.

    bekannte Volkswirtschaftler die These vertreten ,das ein weg-
    inflationieren der Staatsschulden vermutlich der einzige Weg
    sein würde,um ohne Handels,-Währungs,-u.Wirtschaftskriege diese in den nächsten Jahren spürbar abzubauen.

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