Schuldenkrise Rösler blockt Italiens Euro-Wünsche ab

Italiens Regierung und Kommissionschef Barroso drängen auf die Einführung von Euro-Anleihen. Wirtschaftsminister Rösler aber beharrte in Rom auf seinem Nein.

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti und Wirtschaftsminister Philipp Rösler

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti und Wirtschaftsminister Philipp Rösler

Die italienische Regierung dringt auf die Einführung von gemeinsamen Anleihen in der Euro-Zone, stößt damit aber auf Ablehnung der Bundesregierung. Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler lehnte die Forderung bei einem Besuch in Rom strikt ab. "Eine Vergemeinschaftung der Schulden würde jeglichen Reformdruck in den Schuldenländern sofort schwinden lassen", sagte Rösler nach einem Gespräch mit Finanzminister Giulio Tremonti.

Dieser habe die Einführung von Euro-Bonds gegenüber Rösler "vehement" gefordert, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation. Italien hatte zuletzt Rekordzinsen bezahlen müssen, um sich Geld an den Märkten leihen zu können. Rückendeckung im Streit um die Anleihen erhielt Rom von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

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"Die EU-Kommission wird Optionen vorbereiten für die Einführung von Euro-Bonds", kündigte Barroso im Europaparlament an. Einige Möglichkeiten könnten im Rahmen der bestehenden Verträge realisiert werden, für andere müsse der EU-Vertrag geändert werden. Allerdings warnte Barroso vor überzogenen Hoffnungen: "Das wird natürlich nicht die Wunderlösung sein für die Probleme, denen wir gegenüberstehen." Notwendig sei eine weitere politische Integration.

Bei seinem Besuch in Rom sagte Rösler, Euro-Bonds seien nicht im Interesse der Bundesregierung. Unterschiedliche Zinssätze seien der entscheidende Anreiz für Sparanstrengungen in der Euro-Zone. Auch seien die gemeinsamen Anleihen mit dem Karlsruher Verfassungsgerichtsurteil juristisch ausgeschlossen. Das Gericht hatte kürzlich enge Vorgaben für das Vorgehen der Regierung in der Schuldenkrise gemacht.

"Ich muss das tun, was ich für richtig halte"

Rösler verteidigte in Italien seine umstrittene Aussage, eine geordnete Insolvenz Griechenlands dürfe durchaus in Erwägung gezogen werden. Er habe versucht, eine europäische Vision für die kommenden fünf bis zehn Jahre aufzuzeigen. "Ich muss das tun, was ich für richtig halte", sagte der Wirtschaftsminister. Die Menschen wollten wissen, wohin sich Europa entwickele.

Die Bundesregierung sei froh, dass Italien ein neues Milliarden-Sparpaket auf den Weg bringe. Die Haushaltsdisziplin Italiens sei ein wichtiges Signal in Richtung einer Stabilitätsunion in Europa, sagte Rösler.

Zeitleiste
Chronik Euro-Krise
Oktober 2009

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

8. Mai 2010

Das Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine "verheerende Inflationspolitik" betrieben.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

29. September 2010

EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
 

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

16. August 2011

Merkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August/September 2011
Banken Frankfurt

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

Mitte September 2011

Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen "zwecklos", aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
 

Mitte November 2011
Mario Monti

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Dezember 2011
David Cameron in Brüssel

Am 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor's Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.

13. Januar 2012

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

31. Januar

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem neuen Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Die Regierungschefs verabschieden auch den dauerhaften Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll. 

21. Februar

Die EU-Finanzminister bringen in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Einigung der Minister mit Griechenland ist auch Voraussetzung für die Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des überschuldeten Landes. Sie sollen nun auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands soll dadurch auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

8. März 2012
Der Parthenon auf der Akropolis

Der Parthenon auf der Akropolis

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

An den europäischen Börsen löste die Ankündigung Barrosos zu den Euro-Bonds Kursgewinne aus. Anleger setzten darauf, dass die Euro-Staaten die nervösen Finanzmärkte durch die Ausgabe gemeinsamer Anleihen beruhigen könnten. "Dies wäre der Wendepunkt und ein großer Schritt nach vorn", sagte Klaus Wiener, Chef-Volkswirt bei Generali Investments. Die höher verschuldeten Staaten könnten sich dann wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Allerdings wären die Euro-Bonds an strenge Auflagen zur Haushaltsdisziplin geknüpft. "Denn anders kann es nicht funktionieren."

Der Dax legte nach anfänglichen Verlusten kräftig zu und schloss 3,4 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag. Händler begründeten die deutlichen Aufschläge auch mit einem Verfallstermin am Freitag, vor dem Anleger versuchen, die Kurse in die für sie günstige Richtung zu bewegen.

 
Leser-Kommentare
  1. "strenge(n) Auflagen zur Haushaltsdisziplin"..."denn anders
    kann es nicht funktionieren" sagte der Bankster.

    So ähnlich wie mit den Maastricht-Kriterien?

    GLAUBT IHNEN KEIN WORT!

    r.p.

    35 Leser-Empfehlungen
  2. 2. ......

    Entfernt. Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  3. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    11 Leser-Empfehlungen
  4. "Eine Vergemeinschaftung der Schulden würde jeglichen Reformdruck in den Schuldenländern sofort schwinden lassen"

    Es gibt nun wirklich eine Handvoll guter Gründe, warum wir nicht die Schulden anderer Länder übernehmen, unter anderem das recht einleuchtende Argument, dass italienische Schulden von Italien (nicht Deutschland!) bezahlt werden müssen.

    Aber der Reformdruck ist nun, bei allem Respekt, wirklich keine Begründung dafür.

    Es zeigt aber deutlicher was der Zitierte denk, als diesem lieb sein kann.

    • NRW36
    • 14.09.2011 um 19:49 Uhr

    Endlich die FDP hat ein Thema gefunden, das sie zwar nicht sofort so doch mittelfristig wieder nach oben bringen dürfte.

    Als erste Partei wehrt sie sich gegen die geplante Vergemeinschaftung der Schulden von EURO-Staaten.

    Brüssel und Politiker aus EU-finanzschwacheren Staaten planen im Wege von Eurobonds, Anleihekäufen durch die EZB, Steuereinnahmerecht der EU oder auch durch eine Transferunion den deutschen Steuerzahler zur Kasse zu bitten, damit in Griechenland, Spanien oder Italien schön auf leichtem Weg Geld eingenommen wird.

    Während hier in Deutschland schwer gearbeitet wird und wurde, soll das einfache Easy-Going Leben in Südeuropa von uns mitfinanziert werden.

    Die bisherigen Regeln zur EU sind gut und richtig. Aber mit aller Kraft sollten wir Deutschen uns gegen diesen nun geplanten Ausbeutungskurs wehren. Und diese Abwehr ist auch nicht europafeindlich, sondern nur mehr als gerecht. Jeder hat selbst für seine Schulden aufzukommen. Mein Nachbar zahlt mir auch nicht meine Schulden, sondern die muss ich selbst tragen.

    UND ich finde es schlimm, wie Sozialdemokraten, GRÜNE und CDU uns immer mehr in diese Schuldenübernahme für andere Staaten hineinsteuern.

    Hoffentlich setzt sich dieser Kurs bei der FDP durch, dann werde ich die FDP wieder wählen.

    32 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... der politische Agenda sich nach Befinden ändert?

    Die FDP macht jetzt weiter wie beim "Mehr Netto vom Brutto".

    Ein Thema wird gefunden, dass genug Wähler aufregt.

    Wenn dann mehr als fünf Prozent die FDP gewählt haben, wird das Thema auf einmal ganz anders interpretiert.

    Dann gibt es plötzlich Euro-Anleihen oder einen EU-Schuldenfonds statt Eurobondds.

    Das Ergebnis gleicht sich.

    Dieser Rösler ist ausserdem ein Kasper! Warum muss der so dämlich in die Kamera grinsen?

    Ein bisschen mehr Würde im Amt wäre wünschenswert.

    • protor
    • 14.09.2011 um 20:40 Uhr

    Der vehemente Beitrag zur Belobigung der FDP und ihrer starren, ja sturen und von wenig Wissen und Können geprägten Haltung zum EURO, zur EU und insbesondere zu EURO-Bonds löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Da sehe ich im Geiste Karl Schiller vor mir, dem dazu sehr viel mehr eingefallen wäre als dieser Boygroup von Ministern und Volksvertretern in Ausbildung und Bewährung (Westerwelle). Vielleicht kann sich ja noch jemand an die Diskussionen um das Floating und Verhältnis der Währungen in der Schlange der 70iger Jahren erinnern. Deutschland hatte zeitweise Kreditzinsen von 10 %, Bautätigkeit gleich Null und eine Rezession, die das Wirtschaftswachstum in den Keller drückte. Das alles scheint den meisten, zumindest hier im Forum, schon vergessen. Was heisst denn EURO? EURO heisst auch die Währung für die Volkswirtschaften, die sich in dieser zusammengefunden haben. So unterschiedlich sie sind. Was bei der Einführung des EURO "vergessen" wurde oder in Kenntnis der Tragweite unterblieb war, die Institutionen (Europäischer Währungsfonds) und Regeln (Finanzmarktstabilität) einzuziehen, die die gemeinsame Wärhung auch erforderlich machte. Dazu zählt auch eine in diesen Ländern abgestimmte Steuerpolitik. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Das ist damit nicht gemeint und nicht gewollt. Unterschiede wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Aber es bedarf einer gewissen Abstimmung, bisweilen auch Harmonisierung. Diese fehlt! Dass sie fehlt, merken wir schmerzlich!

    • protor
    • 14.09.2011 um 20:40 Uhr

    Der vehemente Beitrag zur Belobigung der FDP und ihrer starren, ja sturen und von wenig Wissen und Können geprägten Haltung zum EURO, zur EU und insbesondere zu EURO-Bonds löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Da sehe ich im Geiste Karl Schiller vor mir, dem dazu sehr viel mehr eingefallen wäre als dieser Boygroup von Ministern und Volksvertretern in Ausbildung und Bewährung (Westerwelle). Vielleicht kann sich ja noch jemand an die Diskussionen um das Floating und Verhältnis der Währungen in der Schlange der 70iger Jahren erinnern. Deutschland hatte zeitweise Kreditzinsen von 10 %, Bautätigkeit gleich Null und eine Rezession, die das Wirtschaftswachstum in den Keller drückte. Das alles scheint den meisten, zumindest hier im Forum, schon vergessen. Was heisst denn EURO? EURO heisst auch die Währung für die Volkswirtschaften, die sich in dieser zusammengefunden haben. So unterschiedlich sie sind. Was bei der Einführung des EURO "vergessen" wurde oder in Kenntnis der Tragweite unterblieb war, die Institutionen (Europäischer Währungsfonds) und Regeln (Finanzmarktstabilität) einzuziehen, die die gemeinsame Wärhung auch erforderlich machte. Dazu zählt auch eine in diesen Ländern abgestimmte Steuerpolitik. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Das ist damit nicht gemeint und nicht gewollt. Unterschiede wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Aber es bedarf einer gewissen Abstimmung, bisweilen auch Harmonisierung. Diese fehlt! Dass sie fehlt, merken wir schmerzlich!

    "Während hier in Deutschland schwer gearbeitet wird und wurde, soll das einfache Easy-Going Leben in Südeuropa von uns mitfinanziert werden."

    Unser Aufstieg aus der Asche ist nicht nur in der deutschen Tüchtigkeit begründet und Südeuropas weniger beeindruckender Kurs nicht nur im "Lebensfreude" (oder "Easy-Going") der Südeuropäer. Aber sich zu informieren, geschichtlich gebildet zu sein und über den eigenen Tellerrand zu schauen ist nur wenigen gegeben, im Süden wie im Norden.

    Die Konsequenzen die von Ihnen und vielen anderen Foristen hier, im Spiegel-Forum und anderswo gefordert werden, die Vorstellungen zeugen von ebenfalls von Kurzsichtigkeit, und einem in Uninformiertheit begründetem Gefühl der ethischen Überlegenheit gepaart mit einer, geschichtlich verständlichen, Lust zu bestrafen (die Schläge die man erhalten hat, weiter zu geben). Kurzsichtigkeit gegenüber den Gefahren für unser eigenes kulturelles Überleben unter anderem.
    Wen man einen Führerschein machen will, muss man einen Sehtest vorlegen, sich mit den Verkehrsregeln befassen und praktizieren. Für die Teilnahme am demokratischen Leben und das Recht seine Meinung Kundzutun, herrschen bedauerlicher Weise keine entsprechenden Qualifikationsanforderungen.

    Also nur zu, solange man Sie nicht von Ihrem Ross runtergeholt hat, spotten Sie und spielen Sie sich auf! Nur denken Sie dran: bei dem Kurs, der Ihnen vorschwebt, werden sich in 50-100 Jahren andere über unsere mangelnde Tugend/Lebenstüchtigkeit lustig machen!

    Experte.

    Dieses Szenario von verwöhnten , sich in der Sonne räkelnden faulen Südländern, denen wir nun unsere Steuergelder überweisen, ist ein sehr populistisch eingefärbtes Bühnenbild.

    Griechenland wurde dazu gezwungen. Sparmaßnahmen vorzuweisen.

    Diese von Idioten angeordneten "Sparmaßnahmen" drehen die Spirale weiter nach unten, da der Staat ja ebenfalls als Akteur im Wirtschaftsgeschehen auftritt, er dadurch immer weniger einnimmt.

    Die "Schuldenbremse " war ein großer Fehler.

    Ich fange mal gerade an, über wirtschaftliche Zusammenhänge nachzudenken.

    Glaubt Ihr, ein KFZ- Mechaniker oder eine Apothekerin wäre innerhalb von einigen Monaten in der Lage, die Weltwirtschaftslage zu beurteilen? Die Apothekerin weniger als der KFZ- Mechaniker.

    Und jetzt stellt ein total ignoranter Minister sich in einem Fach vor, in dem er sogar relativ blöde Berater hat.

    Er hat doch keine Ahnung, ist selbst nicht in der Lage, die Interventionen seiner Berater umzusetzen

    Minister sollten nur in den Bereichen eingesetzt werden, in denen sie eine zumindest rudimentäre Ausbildung haben.
    Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke, die Redaktion/se

    na gut, man nehme einmal an in südeuropa würde man kaffetrinkend und sonnenbadend bloß auf das leichte geld aus deutschland warten...warum würden dann heerscharen von griechen demonstrieren, in italien lehrer mangelde stühle für ihre schüler von zu hause mitnehmen, oder gar einige arbeitslose jungen spanier (ca 25%) "indigniert" protestieren?
    vielleicht weil die finanzkrise die wirtschaftlich schwächeren länder der euro-zone am härtesten getroffen hat, vielleicht weil die euro einführung die preise in stuttgart und messina gelichgestellt hat, obwohl die kaufkraft nicht dieselbe ist, vielleicht weil griechenland durch ein derart hartes sparpaket gezwungen wird, dass die wirtschaftliche rezession des landes bereits begonnen hat?

    italiens regierung ist derzeit unglaubwürdig und peinlich, griechenland hat jahrelang die eigenen staatskonten verschönert, spanien und irland erleben ein großes tief nach einem zu steilen witrschaflichen aufschwung...jeder soll für die eigenen schulden aufkommen, richtig. aber beinhart trifft es derzeit den sozialstaat in südeuropa (harz 4 ist dagegen luxus) und von easz going leben ist hier "unten" bei uns kein blasser schimmer

    ein in deutschland geborener und in florenz lebender italienischer staatsbürger der mit einer anderen idee von europa aufgewachsen ist...

    Erschreckend, dass es für diesen Beitrag auch noch derzeit 24 Empfehlungen gibt: Die Koalition erreicht damit ihr Ziel!
    Mir erscheint die Aktion der FDP wie abgesprochen mit der CDU. Unsere Politiker wissen genau, womit sie beim Wähler punkten können. Da erscheint es doch als simpel, wenn die FDP diese Forderungen vertritt, wogegen später die Mehrheit stimmt. So kann man mit Fug und Recht behaupten, wir haben es ja gewollt, nur die anderen waren dagegen. Später blasen sie wieder gemeinsam in ein Horn.
    Ich kann mich an keinen Vorgang erinnern, wo die FDP mal wirklich für das Allgemeinwohl Forderungen gestellt und auch umgesetzt hat. Wieso sollte das nun anders sein? Bitte verkennen Sie die Situation nicht!

    ... der politische Agenda sich nach Befinden ändert?

    Die FDP macht jetzt weiter wie beim "Mehr Netto vom Brutto".

    Ein Thema wird gefunden, dass genug Wähler aufregt.

    Wenn dann mehr als fünf Prozent die FDP gewählt haben, wird das Thema auf einmal ganz anders interpretiert.

    Dann gibt es plötzlich Euro-Anleihen oder einen EU-Schuldenfonds statt Eurobondds.

    Das Ergebnis gleicht sich.

    Dieser Rösler ist ausserdem ein Kasper! Warum muss der so dämlich in die Kamera grinsen?

    Ein bisschen mehr Würde im Amt wäre wünschenswert.

    • protor
    • 14.09.2011 um 20:40 Uhr

    Der vehemente Beitrag zur Belobigung der FDP und ihrer starren, ja sturen und von wenig Wissen und Können geprägten Haltung zum EURO, zur EU und insbesondere zu EURO-Bonds löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Da sehe ich im Geiste Karl Schiller vor mir, dem dazu sehr viel mehr eingefallen wäre als dieser Boygroup von Ministern und Volksvertretern in Ausbildung und Bewährung (Westerwelle). Vielleicht kann sich ja noch jemand an die Diskussionen um das Floating und Verhältnis der Währungen in der Schlange der 70iger Jahren erinnern. Deutschland hatte zeitweise Kreditzinsen von 10 %, Bautätigkeit gleich Null und eine Rezession, die das Wirtschaftswachstum in den Keller drückte. Das alles scheint den meisten, zumindest hier im Forum, schon vergessen. Was heisst denn EURO? EURO heisst auch die Währung für die Volkswirtschaften, die sich in dieser zusammengefunden haben. So unterschiedlich sie sind. Was bei der Einführung des EURO "vergessen" wurde oder in Kenntnis der Tragweite unterblieb war, die Institutionen (Europäischer Währungsfonds) und Regeln (Finanzmarktstabilität) einzuziehen, die die gemeinsame Wärhung auch erforderlich machte. Dazu zählt auch eine in diesen Ländern abgestimmte Steuerpolitik. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Das ist damit nicht gemeint und nicht gewollt. Unterschiede wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Aber es bedarf einer gewissen Abstimmung, bisweilen auch Harmonisierung. Diese fehlt! Dass sie fehlt, merken wir schmerzlich!

    • protor
    • 14.09.2011 um 20:40 Uhr

    Der vehemente Beitrag zur Belobigung der FDP und ihrer starren, ja sturen und von wenig Wissen und Können geprägten Haltung zum EURO, zur EU und insbesondere zu EURO-Bonds löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Da sehe ich im Geiste Karl Schiller vor mir, dem dazu sehr viel mehr eingefallen wäre als dieser Boygroup von Ministern und Volksvertretern in Ausbildung und Bewährung (Westerwelle). Vielleicht kann sich ja noch jemand an die Diskussionen um das Floating und Verhältnis der Währungen in der Schlange der 70iger Jahren erinnern. Deutschland hatte zeitweise Kreditzinsen von 10 %, Bautätigkeit gleich Null und eine Rezession, die das Wirtschaftswachstum in den Keller drückte. Das alles scheint den meisten, zumindest hier im Forum, schon vergessen. Was heisst denn EURO? EURO heisst auch die Währung für die Volkswirtschaften, die sich in dieser zusammengefunden haben. So unterschiedlich sie sind. Was bei der Einführung des EURO "vergessen" wurde oder in Kenntnis der Tragweite unterblieb war, die Institutionen (Europäischer Währungsfonds) und Regeln (Finanzmarktstabilität) einzuziehen, die die gemeinsame Wärhung auch erforderlich machte. Dazu zählt auch eine in diesen Ländern abgestimmte Steuerpolitik. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Das ist damit nicht gemeint und nicht gewollt. Unterschiede wird es immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Aber es bedarf einer gewissen Abstimmung, bisweilen auch Harmonisierung. Diese fehlt! Dass sie fehlt, merken wir schmerzlich!

    "Während hier in Deutschland schwer gearbeitet wird und wurde, soll das einfache Easy-Going Leben in Südeuropa von uns mitfinanziert werden."

    Unser Aufstieg aus der Asche ist nicht nur in der deutschen Tüchtigkeit begründet und Südeuropas weniger beeindruckender Kurs nicht nur im "Lebensfreude" (oder "Easy-Going") der Südeuropäer. Aber sich zu informieren, geschichtlich gebildet zu sein und über den eigenen Tellerrand zu schauen ist nur wenigen gegeben, im Süden wie im Norden.

    Die Konsequenzen die von Ihnen und vielen anderen Foristen hier, im Spiegel-Forum und anderswo gefordert werden, die Vorstellungen zeugen von ebenfalls von Kurzsichtigkeit, und einem in Uninformiertheit begründetem Gefühl der ethischen Überlegenheit gepaart mit einer, geschichtlich verständlichen, Lust zu bestrafen (die Schläge die man erhalten hat, weiter zu geben). Kurzsichtigkeit gegenüber den Gefahren für unser eigenes kulturelles Überleben unter anderem.
    Wen man einen Führerschein machen will, muss man einen Sehtest vorlegen, sich mit den Verkehrsregeln befassen und praktizieren. Für die Teilnahme am demokratischen Leben und das Recht seine Meinung Kundzutun, herrschen bedauerlicher Weise keine entsprechenden Qualifikationsanforderungen.

    Also nur zu, solange man Sie nicht von Ihrem Ross runtergeholt hat, spotten Sie und spielen Sie sich auf! Nur denken Sie dran: bei dem Kurs, der Ihnen vorschwebt, werden sich in 50-100 Jahren andere über unsere mangelnde Tugend/Lebenstüchtigkeit lustig machen!

    Experte.

    Dieses Szenario von verwöhnten , sich in der Sonne räkelnden faulen Südländern, denen wir nun unsere Steuergelder überweisen, ist ein sehr populistisch eingefärbtes Bühnenbild.

    Griechenland wurde dazu gezwungen. Sparmaßnahmen vorzuweisen.

    Diese von Idioten angeordneten "Sparmaßnahmen" drehen die Spirale weiter nach unten, da der Staat ja ebenfalls als Akteur im Wirtschaftsgeschehen auftritt, er dadurch immer weniger einnimmt.

    Die "Schuldenbremse " war ein großer Fehler.

    Ich fange mal gerade an, über wirtschaftliche Zusammenhänge nachzudenken.

    Glaubt Ihr, ein KFZ- Mechaniker oder eine Apothekerin wäre innerhalb von einigen Monaten in der Lage, die Weltwirtschaftslage zu beurteilen? Die Apothekerin weniger als der KFZ- Mechaniker.

    Und jetzt stellt ein total ignoranter Minister sich in einem Fach vor, in dem er sogar relativ blöde Berater hat.

    Er hat doch keine Ahnung, ist selbst nicht in der Lage, die Interventionen seiner Berater umzusetzen

    Minister sollten nur in den Bereichen eingesetzt werden, in denen sie eine zumindest rudimentäre Ausbildung haben.
    Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke, die Redaktion/se

    na gut, man nehme einmal an in südeuropa würde man kaffetrinkend und sonnenbadend bloß auf das leichte geld aus deutschland warten...warum würden dann heerscharen von griechen demonstrieren, in italien lehrer mangelde stühle für ihre schüler von zu hause mitnehmen, oder gar einige arbeitslose jungen spanier (ca 25%) "indigniert" protestieren?
    vielleicht weil die finanzkrise die wirtschaftlich schwächeren länder der euro-zone am härtesten getroffen hat, vielleicht weil die euro einführung die preise in stuttgart und messina gelichgestellt hat, obwohl die kaufkraft nicht dieselbe ist, vielleicht weil griechenland durch ein derart hartes sparpaket gezwungen wird, dass die wirtschaftliche rezession des landes bereits begonnen hat?

    italiens regierung ist derzeit unglaubwürdig und peinlich, griechenland hat jahrelang die eigenen staatskonten verschönert, spanien und irland erleben ein großes tief nach einem zu steilen witrschaflichen aufschwung...jeder soll für die eigenen schulden aufkommen, richtig. aber beinhart trifft es derzeit den sozialstaat in südeuropa (harz 4 ist dagegen luxus) und von easz going leben ist hier "unten" bei uns kein blasser schimmer

    ein in deutschland geborener und in florenz lebender italienischer staatsbürger der mit einer anderen idee von europa aufgewachsen ist...

    Erschreckend, dass es für diesen Beitrag auch noch derzeit 24 Empfehlungen gibt: Die Koalition erreicht damit ihr Ziel!
    Mir erscheint die Aktion der FDP wie abgesprochen mit der CDU. Unsere Politiker wissen genau, womit sie beim Wähler punkten können. Da erscheint es doch als simpel, wenn die FDP diese Forderungen vertritt, wogegen später die Mehrheit stimmt. So kann man mit Fug und Recht behaupten, wir haben es ja gewollt, nur die anderen waren dagegen. Später blasen sie wieder gemeinsam in ein Horn.
    Ich kann mich an keinen Vorgang erinnern, wo die FDP mal wirklich für das Allgemeinwohl Forderungen gestellt und auch umgesetzt hat. Wieso sollte das nun anders sein? Bitte verkennen Sie die Situation nicht!

  5. Rösler hat genau recht. Sowie die EZB begann, italienische Staatsanleihen aufzukaufen, reduzierten die Italiener sofort ihr Sparprogramm. Wozu sollen sie auch sparen, wenn sie sowieso von uns gerettet werden?

    15 Leser-Empfehlungen
  6. Die Eurobonds sind die falsche Antwort. Unterschiedliche Zinssätze sind auch keine Lösung. Denn die Schulden Griechenlands und Italiens sind in der Vergangenheit entstanden. Die Schuldenprobleme in der EU lassen sich nicht durch ein penetrantes "NEIN" aus der FDP-Parteizentrale lösen. Die FDP hat die Kunst der Argumentation verlernt.

    Die Konzentration auf den Euro und Jammern um die Einheitswährung verstellt den Blick auf das Wesentliche: Die Schuldensituation bei den Einzelstaaten und die Finanzsituation bei den EINZELNEN Nationalbanken. Arrogante Sparvorschläge können die Situation in den Problemstaaten weder lösen noch entschärfen. Immer deutlicher wird der Mangel an volkswirtschaftlichem Fachpersonal mit historischen Kenntnissen. Wir wiederholen stellenweise die Fehler der 30 er Jahre.

  7. ... der politische Agenda sich nach Befinden ändert?

    Die FDP macht jetzt weiter wie beim "Mehr Netto vom Brutto".

    Ein Thema wird gefunden, dass genug Wähler aufregt.

    Wenn dann mehr als fünf Prozent die FDP gewählt haben, wird das Thema auf einmal ganz anders interpretiert.

    Dann gibt es plötzlich Euro-Anleihen oder einen EU-Schuldenfonds statt Eurobondds.

    Das Ergebnis gleicht sich.

    Dieser Rösler ist ausserdem ein Kasper! Warum muss der so dämlich in die Kamera grinsen?

    Ein bisschen mehr Würde im Amt wäre wünschenswert.

    10 Leser-Empfehlungen
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    • ribera
    • 14.09.2011 um 21:27 Uhr

    Natuerlich macht die FDP eine Kehrtwende.
    Da ist sie nicht die erste Partei.Ich erinnere an die Mehrwertsteuererhoehung und Versprechen dazu vor der Wahl.
    Aber die FDP ist die erste Partei, die wenigstens die Hoffnung aufkeimen laesst, dass dieser Schuldenuebernahmeunsinn vielleicht noch gestoppt wird.
    Und ein Thema aufzugreifen, bei dem sich derzeit ueber 80% der Bevoelkerung nicht durch SPD? CDU? GRUENE oder Linke repraesentiert sehen, hat nichts mit Populismus zu tun, sondern Umsetzung des Waehlerwillens.
    Alle Ihre Spekulationen ueber das Verhalten der FDP in weiterer Zukunft haben die Wertigkeit 0, weil unbelegbare persoenliche Mutmassungen. Und daraus leiten Sie ab, mal nachtreten zu muessen.
    Die Tatsache, dass Sie Roesler ein daemliches Grinsen ankreiden (vermutlich liegt das an seinen asiatischen Gesichtszuegen , dass Sie das so empfinden)zeugt nicht nur von Argumentationsarmut sondern koennte auch anders interpretiert werden.

    Das ein Herr Barosso und ein Herr Tremonti auf Euro-Anleihen drängen - na wenn wunderts.
    Das eine Frau Merkel am liebsten alles im stillen Kämmerlein ohne Diskussion und ohne störende Beteiligung des Volkes abwickeln würde. Na auch das wundert nicht wirklich.
    Das von unseren Politikern keiner der sein möchte der als erster die schlechte Nachricht vom gescheiterten Europa aussprechen will - auch hier keine Verwunderung.
    Lieber das Ganze in die nächste Legislatur-Periode verschleppen - sollens doch die Nachfolger richten.
    Lieber noch ein paar weitere Steuermilliarden im Euro-Loch versenken. Am Schluss kann man immer noch sagen - mann hats im guten Glauben getan - das Griechenland und der Euro nicht zu retten war - wer konnte das schon sehen.
    Feigheit - soweit das Auge reicht.
    Traurig, Traurig, Traurig.
    Und der deutsche Michel - der schläft - wird schon alles werden. Die werdens schon richten in Berlin.
    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    • ribera
    • 14.09.2011 um 21:27 Uhr

    Natuerlich macht die FDP eine Kehrtwende.
    Da ist sie nicht die erste Partei.Ich erinnere an die Mehrwertsteuererhoehung und Versprechen dazu vor der Wahl.
    Aber die FDP ist die erste Partei, die wenigstens die Hoffnung aufkeimen laesst, dass dieser Schuldenuebernahmeunsinn vielleicht noch gestoppt wird.
    Und ein Thema aufzugreifen, bei dem sich derzeit ueber 80% der Bevoelkerung nicht durch SPD? CDU? GRUENE oder Linke repraesentiert sehen, hat nichts mit Populismus zu tun, sondern Umsetzung des Waehlerwillens.
    Alle Ihre Spekulationen ueber das Verhalten der FDP in weiterer Zukunft haben die Wertigkeit 0, weil unbelegbare persoenliche Mutmassungen. Und daraus leiten Sie ab, mal nachtreten zu muessen.
    Die Tatsache, dass Sie Roesler ein daemliches Grinsen ankreiden (vermutlich liegt das an seinen asiatischen Gesichtszuegen , dass Sie das so empfinden)zeugt nicht nur von Argumentationsarmut sondern koennte auch anders interpretiert werden.

    Das ein Herr Barosso und ein Herr Tremonti auf Euro-Anleihen drängen - na wenn wunderts.
    Das eine Frau Merkel am liebsten alles im stillen Kämmerlein ohne Diskussion und ohne störende Beteiligung des Volkes abwickeln würde. Na auch das wundert nicht wirklich.
    Das von unseren Politikern keiner der sein möchte der als erster die schlechte Nachricht vom gescheiterten Europa aussprechen will - auch hier keine Verwunderung.
    Lieber das Ganze in die nächste Legislatur-Periode verschleppen - sollens doch die Nachfolger richten.
    Lieber noch ein paar weitere Steuermilliarden im Euro-Loch versenken. Am Schluss kann man immer noch sagen - mann hats im guten Glauben getan - das Griechenland und der Euro nicht zu retten war - wer konnte das schon sehen.
    Feigheit - soweit das Auge reicht.
    Traurig, Traurig, Traurig.
    Und der deutsche Michel - der schläft - wird schon alles werden. Die werdens schon richten in Berlin.
    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

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