Italiens Finanzminister Giulio Tremonti und Wirtschaftsminister Philipp Rösler © Tiziana Fabi/AFP/Getty Images

Die italienische Regierung dringt auf die Einführung von gemeinsamen Anleihen in der Euro-Zone, stößt damit aber auf Ablehnung der Bundesregierung. Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler lehnte die Forderung bei einem Besuch in Rom strikt ab. "Eine Vergemeinschaftung der Schulden würde jeglichen Reformdruck in den Schuldenländern sofort schwinden lassen", sagte Rösler nach einem Gespräch mit Finanzminister Giulio Tremonti.

Dieser habe die Einführung von Euro-Bonds gegenüber Rösler "vehement" gefordert, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation. Italien hatte zuletzt Rekordzinsen bezahlen müssen, um sich Geld an den Märkten leihen zu können. Rückendeckung im Streit um die Anleihen erhielt Rom von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

"Die EU-Kommission wird Optionen vorbereiten für die Einführung von Euro-Bonds", kündigte Barroso im Europaparlament an. Einige Möglichkeiten könnten im Rahmen der bestehenden Verträge realisiert werden, für andere müsse der EU-Vertrag geändert werden. Allerdings warnte Barroso vor überzogenen Hoffnungen: "Das wird natürlich nicht die Wunderlösung sein für die Probleme, denen wir gegenüberstehen." Notwendig sei eine weitere politische Integration.

Bei seinem Besuch in Rom sagte Rösler, Euro-Bonds seien nicht im Interesse der Bundesregierung. Unterschiedliche Zinssätze seien der entscheidende Anreiz für Sparanstrengungen in der Euro-Zone. Auch seien die gemeinsamen Anleihen mit dem Karlsruher Verfassungsgerichtsurteil juristisch ausgeschlossen. Das Gericht hatte kürzlich enge Vorgaben für das Vorgehen der Regierung in der Schuldenkrise gemacht.

"Ich muss das tun, was ich für richtig halte"

Rösler verteidigte in Italien seine umstrittene Aussage, eine geordnete Insolvenz Griechenlands dürfe durchaus in Erwägung gezogen werden. Er habe versucht, eine europäische Vision für die kommenden fünf bis zehn Jahre aufzuzeigen. "Ich muss das tun, was ich für richtig halte", sagte der Wirtschaftsminister. Die Menschen wollten wissen, wohin sich Europa entwickele.

Die Bundesregierung sei froh, dass Italien ein neues Milliarden-Sparpaket auf den Weg bringe. Die Haushaltsdisziplin Italiens sei ein wichtiges Signal in Richtung einer Stabilitätsunion in Europa, sagte Rösler.

An den europäischen Börsen löste die Ankündigung Barrosos zu den Euro-Bonds Kursgewinne aus. Anleger setzten darauf, dass die Euro-Staaten die nervösen Finanzmärkte durch die Ausgabe gemeinsamer Anleihen beruhigen könnten. "Dies wäre der Wendepunkt und ein großer Schritt nach vorn", sagte Klaus Wiener, Chef-Volkswirt bei Generali Investments. Die höher verschuldeten Staaten könnten sich dann wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Allerdings wären die Euro-Bonds an strenge Auflagen zur Haushaltsdisziplin geknüpft. "Denn anders kann es nicht funktionieren."

Der Dax legte nach anfänglichen Verlusten kräftig zu und schloss 3,4 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag. Händler begründeten die deutlichen Aufschläge auch mit einem Verfallstermin am Freitag, vor dem Anleger versuchen, die Kurse in die für sie günstige Richtung zu bewegen.