FDP-Parteichef Philipp Rösler © Ralph Orlowski/Getty Images

Die Nachwelt steht immer fassungslos vor den großen Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Wie konnte es passieren, dass die Weltwirtschaft in den dreißiger Jahren in die offensichtlich entstehende Depression rutschte? Warum hat niemand etwas dagegen unternommen? Warum hat keiner gewarnt? Im Nachhinein ist kaum zu begreifen, wie es so weit kommen konnte.

An der Euro-Krise lässt sich die Genese einer Katastrophe in Echtzeit studieren. Die gemeinsame Währung steht kurz vor dem Zusammenbruch. Naiv wäre der Glaube, dass dies keine Auswirkungen auf den politischen Zusammenhalt des Kontinents habe. Erst fällt der Euro, dann kollabiert die Wirtschaft und irgendwann werden die Europäer wieder aufeinander losgehen – dieses Szenario steht uns möglicherweise bevor.

Eine Pleite Griechenlands – oder gar ein Austritt aus der Währungsunion – würde zu massivsten Verwerfungen an den ohnehin nervösen Finanzmärkten führen. Nach einer Pleite werden die Investoren einen Bogen um Europa machen, weil sie auch Italien und Spanien misstrauen. Die Banken werden kein Geld mehr flüssig haben und keins erhalten. Die Sparer werden ihr Geld verlieren. Die Wirtschaft wird in eine tiefe Rezession stürzen. Die Arbeitslosigkeit wird steigen.

Die Kosten einer Pleite wären unabschätzbar

Nun mag es Möglichkeiten geben, die Folgen einer Pleite oder eines Austritts abzumildern. Durch neue Rettungsschirme, durch eine großflächige Verstaatlichung der Banken, durch Kapitalverkehrskontrollen. Doch warum sollte es einfacher sein, eine politische Mehrheit dafür zu finden als für ein neues Hilfspaket für Griechenland, das uns allenfalls ein paar Milliarden kostet?

Die FDP hat sich schon in der Finanzkrise gegen eine Bankenverstaatlichung gewehrt, würde sie ihr jetzt zustimmen? Oder neuen Garantien für all jene Länder, die im Fall einer Pleite Griechenlands ebenfalls wanken würden? Oder einem Marshall-Plan?

Es dürfte alles in allem erheblich billiger kommen, Griechenland weiter zu finanzieren und im Gegenzug Reformen voranzutreiben, auch wenn damit Dauerstreit programmiert ist. Selbst wenn Europa die gesamten Staatsschulden des Landes übernehmen müsste würde es sich nicht überheben – im Gegenteil.