Studenten protestieren in Athen gegen Sparmaßnahmen © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Griechenland steckt im dritten Jahr der Rezession und setzt seit zwei Jahren umfassende Sparmaßnahmen um. Doch eine wirtschaftliche Erholung scheint in weite Ferne gerückt zu sein, und immer mehr Menschen bekommen die Auswirkungen der Krise zu spüren. Jede Woche verlieren im Durchschnitt 1.200 Griechen ihren Arbeitsplatz. Eine Gruppe der griechischen Gesellschaft leidet dabei am meisten: die jungen Menschen.

1,1 Millionen Griechen – rund ein Zehntel der Bevölkerung – sind unter 25 Jahre alt, weitere 1,5 Millionen sind im Alter zwischen 25 und 34. Häufig sind sie gut ausgebildet, viel in der Welt herumgekommen und politisch interessiert. Dennoch sind zurzeit etwa 40 Prozent der unter 25-jährigen Griechen arbeitslos. Fast jeder dritte Grieche mit Universitätsabschluss hat keine Arbeit, das ist eine der höchsten Quoten in der EU. Und wer eine Arbeit hat, kommt mit seinen Einkünften häufig kaum über die Runden.

Ohne politische Gegenmaßnahmen werden viele der besten und fähigsten jungen Köpfe das Land verlassen. Laut Umfragen sind sechs von zehn jungen Griechen willens, in einem anderen europäischen Land zu arbeiten. Es ist anzunehmen, dass viele nicht wiederkehren werden.

In Griechenland gibt es derzeit keine politische Stimme, die die Interessen der jungen Leute vertritt. Die Parteien haben zu dieser Generation den Kontakt verloren und so die Grundlage für eine antagonistische Beziehung gelegt. Die Straßenproteste dieses Sommers hatten zwei Kernthemen: die Ablehnung gegenwärtiger Politiker und Parteien sowie die Zurückweisung der Sparmaßnahmen, die die Finanzhilfe der Euro-Zone und des Internationalen Währungsfonds (IWF) begleiten.

Dagegen dachte die Bewegung der "Empörten" deutlich weniger darüber nach, was stattdessen zu tun sei. Finden die jungen Griechen kein anderes politisches Ventil für ihre Unzufriedenheit und Sorgen, besteht die Gefahr, dass der Protest ihre Standardantwort wird. Und je länger die Anliegen der Jungen nicht berücksichtigt werden und je mehr sie das Gefühl haben, von der Obrigkeit unfair behandelt zu werden, desto gefährlicher wird die Stimmung auf Griechenlands Straßen werden.

Der beste Weg, um die Beziehung des Staates zu seinen jungen Bürgern wieder zu verbessern, sind bessere Zugänge zu Beschäftigung. Die Regierung plant dazu ein Programm, das Menschen in Arbeit halten und neue Jobs schaffen soll. Es wird einen Umfang von bis zu 3,9 Milliarden Euro haben, von denen die EU 55 Prozent finanziert. Das Programm ist nicht speziell auf junge Leute zugeschnitten; die Hälfte des Geldes soll dazu dienen, die Unternehmen davon abzuhalten, Beschäftigte zu entlassen. Doch rund ein Viertel der Summe fließt in Ausbildungsprogramme. Aus weiteren 25 Prozent werden fünfmonatige Arbeitsverträge für ungefähr 150.000 Arbeitslose finanziert, die für ein monatliches Gehalt von 625 Euro in öffentlichen Beschäftigungsprogrammen arbeiten sollen.