SchuldenkriseGriechenlands verlorene Generation

Die Krise trifft die jungen Griechen hart, viele wollen weg. Will die Regierung sie im Land halten, muss sie ihnen endlich helfen. Ein Gastbeitrag von Nick Malkoutzis

Studenten protestieren in Athen gegen Sparmaßnahmen

Studenten protestieren in Athen gegen Sparmaßnahmen  |  © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Griechenland steckt im dritten Jahr der Rezession und setzt seit zwei Jahren umfassende Sparmaßnahmen um. Doch eine wirtschaftliche Erholung scheint in weite Ferne gerückt zu sein, und immer mehr Menschen bekommen die Auswirkungen der Krise zu spüren. Jede Woche verlieren im Durchschnitt 1.200 Griechen ihren Arbeitsplatz. Eine Gruppe der griechischen Gesellschaft leidet dabei am meisten: die jungen Menschen.

1,1 Millionen Griechen – rund ein Zehntel der Bevölkerung – sind unter 25 Jahre alt, weitere 1,5 Millionen sind im Alter zwischen 25 und 34. Häufig sind sie gut ausgebildet, viel in der Welt herumgekommen und politisch interessiert. Dennoch sind zurzeit etwa 40 Prozent der unter 25-jährigen Griechen arbeitslos. Fast jeder dritte Grieche mit Universitätsabschluss hat keine Arbeit, das ist eine der höchsten Quoten in der EU. Und wer eine Arbeit hat, kommt mit seinen Einkünften häufig kaum über die Runden.

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Nick Malkoutzis

ist stellvertretender Chefredakteur der englischsprachigen Ausgabe der Kathimerini, einer überregionalen griechischen Tageszeitung, und Blogger bei Inside Greece.

Ohne politische Gegenmaßnahmen werden viele der besten und fähigsten jungen Köpfe das Land verlassen. Laut Umfragen sind sechs von zehn jungen Griechen willens, in einem anderen europäischen Land zu arbeiten. Es ist anzunehmen, dass viele nicht wiederkehren werden.

In Griechenland gibt es derzeit keine politische Stimme, die die Interessen der jungen Leute vertritt. Die Parteien haben zu dieser Generation den Kontakt verloren und so die Grundlage für eine antagonistische Beziehung gelegt. Die Straßenproteste dieses Sommers hatten zwei Kernthemen: die Ablehnung gegenwärtiger Politiker und Parteien sowie die Zurückweisung der Sparmaßnahmen, die die Finanzhilfe der Euro-Zone und des Internationalen Währungsfonds (IWF) begleiten.

Dagegen dachte die Bewegung der "Empörten" deutlich weniger darüber nach, was stattdessen zu tun sei. Finden die jungen Griechen kein anderes politisches Ventil für ihre Unzufriedenheit und Sorgen, besteht die Gefahr, dass der Protest ihre Standardantwort wird. Und je länger die Anliegen der Jungen nicht berücksichtigt werden und je mehr sie das Gefühl haben, von der Obrigkeit unfair behandelt zu werden, desto gefährlicher wird die Stimmung auf Griechenlands Straßen werden.

Der beste Weg, um die Beziehung des Staates zu seinen jungen Bürgern wieder zu verbessern, sind bessere Zugänge zu Beschäftigung. Die Regierung plant dazu ein Programm, das Menschen in Arbeit halten und neue Jobs schaffen soll. Es wird einen Umfang von bis zu 3,9 Milliarden Euro haben, von denen die EU 55 Prozent finanziert. Das Programm ist nicht speziell auf junge Leute zugeschnitten; die Hälfte des Geldes soll dazu dienen, die Unternehmen davon abzuhalten, Beschäftigte zu entlassen. Doch rund ein Viertel der Summe fließt in Ausbildungsprogramme. Aus weiteren 25 Prozent werden fünfmonatige Arbeitsverträge für ungefähr 150.000 Arbeitslose finanziert, die für ein monatliches Gehalt von 625 Euro in öffentlichen Beschäftigungsprogrammen arbeiten sollen.

Leserkommentare
  1. Was können die Bürger schon machen, wenn ihre Stimme nicht mehr zählt?

    Was Griechenland und Europa wirklich braucht, hat keiner besser erkannt als der britische Stand-Up Comedian, Schriftsteller und Internetaktivist Pat Condell:
    http://www.youtube.com/wa...

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    Keine Angst...es wird eine Revolution geben. Die Eliten wollen sich mit aller Macht ihre Privelegien erhalten und negieren mit ihrer Arroganz das Volk. Damit die Eliten ihren Wohlstand sichern können, müssen sie das Volk auspressen. Das so etwas schon immer gescheitert ist, zeigt die Geschichte. Es wird Blutvergießen geben...das Kapital wird nichts freiwillig wieder hergeben. Das Volk hat aber auch eine Schmerzgrenze und ist im Zeitalter des Internets aufgeklärter als je zuvor!

    Europa ist politisch gescheitert. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form steuert auf den Abgrund zu. Alles in allem nicht gerade rosige Aussichten für die Zukunft. Danach wird es aber eine bessere Welt geben, sofern das Volk es wirklich will.

    Diese ganze Finanzkrise basiert auf dem bestehenden Schuldgeldsystem mit seinem Zins und Zinseszins sowie der Gier einiger Menschen. Politiker sollten sich das mal endlich eingestehen. Es wird so oder so schmerzlich und das Vermögen des Bürgers wird halbiert werden. Wenn er nicht doch noch alles verliert. Tja, dabei haben die meissten Menschen all die Jahre mitgemacht und das Volk ist leider erst jetzt erwacht. Nun muß es bitter dafür bezahlen.

    Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf pauschale Darstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

  2. "Griechenlands verlorene Generation

    Die Krise trifft die jungen Griechen hart, viele wollen weg. Will die Regierung sie im Land halten, muss sie ihnen endlich helfen. "

    -----------

    Der zT betrügerische Finanzkapitalismus hat nicht nur in Griechenland verlorene Generationen geschaffen.

    Diese wurden auch in Deutschland geschaffen. In Spanien, in Portugal, in Italien, in Irland - in vielen europ. Ländern haben die Erfolge der EU verlorene Generationen geschaffen und ganze Nationen, die vor dem Nichts stehen.

    Oft meinen manche jungen Generationen, wenn es ihnen schlecht geht, gehe es nur ihnen schlecht. Die verlorenen Generationen sind aber durchgängig durch alle Altersstufen anzutreffen -von ganz jung bis ganz alt. Eigenartigerweise meint oft manche Gruppe, dass bei ihnen das Leid am größten sei.

    Es sind aber uneingeschränkt alle Stufen betroffen - bis auf die Eliten, welche durch alle Wirrnisse unbehelligt von staatlichen Forderungen weiter dem Profit nachjagen können.

    Wenn man einem Land die Schlinge um den Hals legt, wie soll es da den Menschen noch helfen können.

    Die Menschen müssen sich selbst helfen.
    Die Menschen haben es den Eliten erlaubt zu tun, was sie den Menschen weltweit angetan haben.

    Die Kanzlerin hat bei Jauch erklärt, alles ist wunderbar und super - die Menschen haben dazu euphorisch Beifall geklatscht.

    Selbst schuld.

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    Genau - und nicht auf subventionierte Arbeitsplaetze hoffen,
    wenn kein Geld dafuer da ist.
    In den vergangenen Jahrzehnten sind Millionen Suedeuropaer
    nach Norden gewandert um Arbeit zu finden. Was nicht weiter
    gehen kann, ist beim Staat ueberfluessige Stellen zu schaffen, um Leute in Brot zu bringen. Das Ergebnis liegt
    vor.

    • Mike M.
    • 26. September 2011 20:31 Uhr

    Sozialleistungen genehmigt, auf Kosten ihrer Kinder. Wer immer mehr Schulden macht, kann den Banken nicht später vorwerfen, dass sie ihm Kredite gegeben haben.

  3. Ein ganz wichtiger Satz:
    "In Griechenland besteht das grundlegende Problem nicht in fehlenden Aussichten auf Beschäftigung, sondern in der Diskrepanz zwischen individuellen Karrierepräferenzen und den existierenden Möglichkeiten in der Wirtschaft oder den Erfordernissen der Gemeinschaft", sagte Aristos Doxiadis

    Der Protest der sogenannten "verlorenen Generation" nährt sich zu großen Teilen aus der Verbitterung nicht mehr die Art von staatlichen Posten und Privilegien bekommen zu können, wie sie in ihrer Elterngeneration noch üblich waren.

    Erst langsam formiert sich eine kleine politische Bewegung aus der Jugend. Es sind erst wenige die aufgewacht sind und verstanden haben, dass das alte System nicht mehr funktionieren kann.

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  4. Keine Angst...es wird eine Revolution geben. Die Eliten wollen sich mit aller Macht ihre Privelegien erhalten und negieren mit ihrer Arroganz das Volk. Damit die Eliten ihren Wohlstand sichern können, müssen sie das Volk auspressen. Das so etwas schon immer gescheitert ist, zeigt die Geschichte. Es wird Blutvergießen geben...das Kapital wird nichts freiwillig wieder hergeben. Das Volk hat aber auch eine Schmerzgrenze und ist im Zeitalter des Internets aufgeklärter als je zuvor!

    Europa ist politisch gescheitert. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form steuert auf den Abgrund zu. Alles in allem nicht gerade rosige Aussichten für die Zukunft. Danach wird es aber eine bessere Welt geben, sofern das Volk es wirklich will.

    Diese ganze Finanzkrise basiert auf dem bestehenden Schuldgeldsystem mit seinem Zins und Zinseszins sowie der Gier einiger Menschen. Politiker sollten sich das mal endlich eingestehen. Es wird so oder so schmerzlich und das Vermögen des Bürgers wird halbiert werden. Wenn er nicht doch noch alles verliert. Tja, dabei haben die meissten Menschen all die Jahre mitgemacht und das Volk ist leider erst jetzt erwacht. Nun muß es bitter dafür bezahlen.

    Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf pauschale Darstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

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    @Demokratin, Pat Condell geht es in dem Video eher um den Mangel an Demokratie als um Kapitalismuskritik.....

    Wie alt sind Sie? Haetten Sie ein vorgeruecktes Alter,
    wuerden Sie sich erinnern, wie es frueher war! Es ging den
    Menschen in Europa einschliesslich Griechenland noch nie
    so gut wie heute. Und es wurde noch nie so wenig gearbeitet.
    Aber Sie haben recht, das kann so nicht weiter gehen!
    Immer weniger Arbeit bei immer mehr Anspruch! Erklaeren Sie
    mal wie Ihre Revolution die Probleme loesen soll!

    • Afa81
    • 26. September 2011 17:27 Uhr

    "Das Volk hat aber auch eine Schmerzgrenze und ist im Zeitalter des Internets aufgeklärter als je zuvor!"

    Aufgeklärter? Sorry, aber gerade im Internet tümmeln sich so viele Lügen, Wahrheitsperversionen und Halbwahrheiten... ich weiß wirklich nicht, ob uns das Internet so viel klüger gemacht hat...

    'Tja, dabei haben die meissten Menschen all die Jahre mitgemacht und das Volk ist leider erst jetzt erwacht. Nun muß es bitter dafür bezahlen.'

    Tja, wie dumm von diesem Volk...

  5. @Demokratin, Pat Condell geht es in dem Video eher um den Mangel an Demokratie als um Kapitalismuskritik.....

    Antwort auf "Revolution"
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    @zeitprofile...das habe ich schon verstanden! Wir haben aber doch keine Demokratie?! Was wir haben ist ein bisschen Meinungsfreiheit und Konsum, um die Massen ruhig zu stellen.

    Trotz allem haben wir eine Finanzsystemkrise! Und die meissten haben sich fleissig ihren Wohlstand auf Pump verschafft. Allen voran die Amerikaner.

    Der Kapitalismus ist immer in Zyklen zusammengebrochen. Und Sivio Gesell hatte dies auf grund des Finanzsystems 1918 vorausgesagt. Und auch, dass es einen 2. WK deswegen geben wird. Der Krieg ist eingetreten...und die Menschheit hatte nichts aus allem gelernt!

    • etiam
    • 26. September 2011 16:21 Uhr

    dass die gleichen Leute, die bereits Milliarden ausgaben und sie in Pöstchen für ihre Gesinnungsgenossen, in Steuervorteile einzelner protegierter Berufsgruppen etc. gesteckt haben und nicht in der Lage waren, die einfachsten handwerklichen Grundlagen der Staatsführung (Einkommenserhebung, Katasterverwaltung etc.) umzusetzen, mit diesem Geld umzugehen verstehen. Ich denke kaum ein Land Europas hätte Bedenken, Griechenland zu unterstützen, wenn man denn nur annehmen würde, dass mit dem Geld etwas sinnvolles geschieht.
    Auszubaden haben das wie immer diejenigen, die gerne etwas sinnvolles tun wollen.
    Als Grieche (nehme ich an) kennen Sie sicherlich viele der alten Protegees - und wissen auch, dass keiner davon seine Stadtwohnung in Athen, sein Ferienhäuschen bei Kalamata, den SUV, das schicke Boot oder das Hotel in Saloniki verkaufen musste, um endlich Steuern zu bezahlen und wenigstens etwas von dem zurückzugeben, was er unrechtmäßig von ND oder PASOK bekommen hat und was den jungen heute fehlt.
    Und Sie wollen mir sagen, dass man ND oder PASOK Geld geben kann? Ich denke im Klo ist es sicherer aufgehoben, was auch der Grund dafür ist, dass es für Griechenland im Euro leider KEINE Lösung gibt!

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  6. ist etwas mehr Nähe zur Realität. Mich nerven die ewigen Streiks und die nicht endende Kritik am Kapitalismus und das die bösen Banken schuld sind. Wer hat denn aber bitte die ganzen Jobs beim Staat gezahlt? Sicher nicht die Reeder, die so gut wie keine Steuern dort zahlen.
    Griechenland ist ein hoffnungsloser Fall in meinen Augen. Ich sehe keine Stimme der Vernunft dort, nur Schuldzuweisungen.
    Und jetzt sind dann natürlich wieder die bösen Deutschen schuld, wenns so richtig den Bach runter gehen wird.

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    ...noch an ihrem stammtisch?

  7. wäre es besser für Griechenland, wenn sich die Jugend gegen die jetzige Politikerklientel erheben würde, denn Fakt ist, diese Leute sind weder fähig noch willens das Land aus der Krise zu holen. Das wird einem klar, wenn man sich deren sinnfreien Reden anhört.

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    • Mike M.
    • 26. September 2011 20:35 Uhr

    sich in einem Land, dass am Abgrund steht, keine Große Koalition bildet. Stattdessen machen die Konservativen, die den Sozialisten im Schuldenmachen nicht nachstanden, weiter mit dem typisch griechischen Sozialpopulismus.

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