SchuldenkriseGriechenlands verlorene Generation

Die Krise trifft die jungen Griechen hart, viele wollen weg. Will die Regierung sie im Land halten, muss sie ihnen endlich helfen. Ein Gastbeitrag

Studenten protestieren in Athen gegen Sparmaßnahmen

Studenten protestieren in Athen gegen Sparmaßnahmen

Griechenland steckt im dritten Jahr der Rezession und setzt seit zwei Jahren umfassende Sparmaßnahmen um. Doch eine wirtschaftliche Erholung scheint in weite Ferne gerückt zu sein, und immer mehr Menschen bekommen die Auswirkungen der Krise zu spüren. Jede Woche verlieren im Durchschnitt 1.200 Griechen ihren Arbeitsplatz. Eine Gruppe der griechischen Gesellschaft leidet dabei am meisten: die jungen Menschen.

1,1 Millionen Griechen – rund ein Zehntel der Bevölkerung – sind unter 25 Jahre alt, weitere 1,5 Millionen sind im Alter zwischen 25 und 34. Häufig sind sie gut ausgebildet, viel in der Welt herumgekommen und politisch interessiert. Dennoch sind zurzeit etwa 40 Prozent der unter 25-jährigen Griechen arbeitslos. Fast jeder dritte Grieche mit Universitätsabschluss hat keine Arbeit, das ist eine der höchsten Quoten in der EU. Und wer eine Arbeit hat, kommt mit seinen Einkünften häufig kaum über die Runden.

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Nick Malkoutzis

ist stellvertretender Chefredakteur der englischsprachigen Ausgabe der Kathimerini, einer überregionalen griechischen Tageszeitung, und Blogger bei Inside Greece.

Ohne politische Gegenmaßnahmen werden viele der besten und fähigsten jungen Köpfe das Land verlassen. Laut Umfragen sind sechs von zehn jungen Griechen willens, in einem anderen europäischen Land zu arbeiten. Es ist anzunehmen, dass viele nicht wiederkehren werden.

In Griechenland gibt es derzeit keine politische Stimme, die die Interessen der jungen Leute vertritt. Die Parteien haben zu dieser Generation den Kontakt verloren und so die Grundlage für eine antagonistische Beziehung gelegt. Die Straßenproteste dieses Sommers hatten zwei Kernthemen: die Ablehnung gegenwärtiger Politiker und Parteien sowie die Zurückweisung der Sparmaßnahmen, die die Finanzhilfe der Euro-Zone und des Internationalen Währungsfonds (IWF) begleiten.

Dagegen dachte die Bewegung der "Empörten" deutlich weniger darüber nach, was stattdessen zu tun sei. Finden die jungen Griechen kein anderes politisches Ventil für ihre Unzufriedenheit und Sorgen, besteht die Gefahr, dass der Protest ihre Standardantwort wird. Und je länger die Anliegen der Jungen nicht berücksichtigt werden und je mehr sie das Gefühl haben, von der Obrigkeit unfair behandelt zu werden, desto gefährlicher wird die Stimmung auf Griechenlands Straßen werden.

Der beste Weg, um die Beziehung des Staates zu seinen jungen Bürgern wieder zu verbessern, sind bessere Zugänge zu Beschäftigung. Die Regierung plant dazu ein Programm, das Menschen in Arbeit halten und neue Jobs schaffen soll. Es wird einen Umfang von bis zu 3,9 Milliarden Euro haben, von denen die EU 55 Prozent finanziert. Das Programm ist nicht speziell auf junge Leute zugeschnitten; die Hälfte des Geldes soll dazu dienen, die Unternehmen davon abzuhalten, Beschäftigte zu entlassen. Doch rund ein Viertel der Summe fließt in Ausbildungsprogramme. Aus weiteren 25 Prozent werden fünfmonatige Arbeitsverträge für ungefähr 150.000 Arbeitslose finanziert, die für ein monatliches Gehalt von 625 Euro in öffentlichen Beschäftigungsprogrammen arbeiten sollen.

Leserkommentare
  1. Wie alt sind Sie? Haetten Sie ein vorgeruecktes Alter,
    wuerden Sie sich erinnern, wie es frueher war! Es ging den
    Menschen in Europa einschliesslich Griechenland noch nie
    so gut wie heute. Und es wurde noch nie so wenig gearbeitet.
    Aber Sie haben recht, das kann so nicht weiter gehen!
    Immer weniger Arbeit bei immer mehr Anspruch! Erklaeren Sie
    mal wie Ihre Revolution die Probleme loesen soll!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Revolution"
    • Afa81
    • 26.09.2011 um 17:27 Uhr

    "Das Volk hat aber auch eine Schmerzgrenze und ist im Zeitalter des Internets aufgeklärter als je zuvor!"

    Aufgeklärter? Sorry, aber gerade im Internet tümmeln sich so viele Lügen, Wahrheitsperversionen und Halbwahrheiten... ich weiß wirklich nicht, ob uns das Internet so viel klüger gemacht hat...

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    Antwort auf "Revolution"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Doch doch, ich habe dazugelernt. Z.B. das Leerverkäufe für masslose Gier steht, für 1% Geld leihen um es mit horrenden Zinsen an an fast Pleitestaaten ohne Risiko zu verleihen da der einfache Bürger dafür gerade stehen muss, was Bankenrettung für ein absurdes Spiel ist. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass derartig viel Dreistigkeit überhaupt möglich ist der NUR für eine kleine Kaste gilt, jedoch nicht für den Bürger. Und noch vieles mehr !

    Doch doch, ich habe dazugelernt. Z.B. das Leerverkäufe für masslose Gier steht, für 1% Geld leihen um es mit horrenden Zinsen an an fast Pleitestaaten ohne Risiko zu verleihen da der einfache Bürger dafür gerade stehen muss, was Bankenrettung für ein absurdes Spiel ist. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass derartig viel Dreistigkeit überhaupt möglich ist der NUR für eine kleine Kaste gilt, jedoch nicht für den Bürger. Und noch vieles mehr !

  2. Wir (vorallem wir Deutschen!) wollen doch gerade, dass es Ländern wie Griechenland und Co schlecht geht....nicht so schlecht, dass sie unsere Produkte nicht mehr kaufen können, aber schlecht genug, damit wir unseren Sozialabbau als alternativlos etikettieren können. Es ist nur so, dass in Deutschland keine Protestkultur existiert und selbst der Herbst 1989 daran nichts wesentliches geändert hat.....ansonsten müssten gerade in meiner alten Heimat die Leute auf die Strasse gehen (Ein-Euro-Jobber, Minijobber, Zeitarbeiter, Aufstocker, Hartz IVler die arbeiten möchten). Wir haben in D schätzungsweise 10 Mio Menschen aus der Gesellschaft geschubst, jetzt schubsen wir die Griechen raus. Selber schuld: hätten sich ja nicht von unseren billigen Krediten und schönen Autos, verführen lassen brauchen.

    Jaja, diese Südländer...

    2 Leserempfehlungen
  3. Warum denn verloren? Es gibt doch viel zu tun! Zum Beispiel den Augiasstall der Väter ausmisten. Besseres kann einem doch gar nicht passieren...

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  4. "Griechenland steckt im dritten Jahr der Rezession und setzt seit zwei Jahren umfassende Sparmaßnahmen um. Doch eine wirtschaftliche Erholung scheint in weite Ferne gerückt zu sein, und immer mehr Menschen bekommen die Auswirkungen der Krise zu spüren"

    Welche erstaunlichen, neuen Erkenntnisse. Weder Merkel noch Schäuble haben davon je was gehört. Die glauben ja sogar noch, dass Rezessionen besser werden durch viel Sparen. Den hahnbüchenen Blödsinn geben sie dann auch noch den ganzen Südländern als Allheilmittel und Ratschläge mit auf den Weg.

    Kennten sie sich in der Börsengeschichte aus, wüssten sie, dass John Maynard Keyne bereits in den 30 er Jahren die ganze Chausse gründlich erforscht hat und die Verläufe bestimmter staatlicher Handlungen oder Unterlassungen entsprechend analysiert und Ratschläge dazu entwickelt hat für Staatsführungsorgane.

    Die Erkenntnisse wurden von Kohl, der ja ein exorbitanter Wirtschafts- und Währungsfachmann war, mit seinem Genie elegant zur Seite gewischt und es wurde erklärt, das sei alles Blödsinn und funktioniere nicht. Genau so genial war die Neoliberale Thatcher. Die wusste auch alles besser. Also schaffte man die nachfrageorientierte Wirtschaftspolik und Finanzpolitik ab, mit ihre die antizyklische Geldpolitik.

    Man ersetzte diese durch die angebotsorientierte Wirtschafts- und Finanzpolitik, was den Konzernen gut gefiel.

    Die blödsinnigsten Konzepte wie: "In Rezessionen hineinsparen" machen seither die Runde unter den Allroundgenies.

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    Lieber Gerdtrader50,
    Keynes wollte das der Staat generell antizyklisch agiergt. Wenn es wirtschaftlich brummt soll der Staat sparen, damit er in Krisenzeiten die Nachfrage anheizen kann.

    Wie toll das funktioniert können Sie in Japan sehen. Das Brünings Wirtschaftspolitik total falsch war und der "new Deal" ein Erfolg, ist aus ökonomischer Sicht nicht belegbar.

    Thatcher und Reagan haben keine neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben. Ihre Politik richtete sich an Milton Friedman aus und der nannte sich selber einen klassischen Liberalen.

    Neoliberalismus endstand als Folge der großen Depression und fordert, im Gegensatz zum klassischen Liberalismus, dass der Staat Rahmenbedingungen aufstellt und Monopole sowie Kartelle verhindert.

    Zum Neoliberalismus gehört zweifelsfrei der Ordoliberalismus der in Deutschland unter dem Begriff Soziale Marktwirtschaft bekannt ist. Einfach mal googeln.

    Zu Griechenland ist anzumerken, dass ein Staat der kein tragfähiges Wirtschaftsmodell hat, auch mit noch sovielen öffentlichen Ausgaben nicht auf die eigenen Beine kommt. Das Land benötigt dringend Struckturreformen, nicht nur im Bildungssektor.

    Die Hilfskredite sind kontraproduktiv, sie verdecken für die Griechen die Notwendigkeit der Reformen und treiben das Land noch tiefer in die Schulden, die es schon jetzt nicht mehr bedienen kann.

    Jeder Tag den GR so weiter macht ist ein verlorener Tag und jeder Euro den die Retter selber begleichen müssen ist einer mehr der Europa spaltet.

    Lieber Gerdtrader50,
    Keynes wollte das der Staat generell antizyklisch agiergt. Wenn es wirtschaftlich brummt soll der Staat sparen, damit er in Krisenzeiten die Nachfrage anheizen kann.

    Wie toll das funktioniert können Sie in Japan sehen. Das Brünings Wirtschaftspolitik total falsch war und der "new Deal" ein Erfolg, ist aus ökonomischer Sicht nicht belegbar.

    Thatcher und Reagan haben keine neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben. Ihre Politik richtete sich an Milton Friedman aus und der nannte sich selber einen klassischen Liberalen.

    Neoliberalismus endstand als Folge der großen Depression und fordert, im Gegensatz zum klassischen Liberalismus, dass der Staat Rahmenbedingungen aufstellt und Monopole sowie Kartelle verhindert.

    Zum Neoliberalismus gehört zweifelsfrei der Ordoliberalismus der in Deutschland unter dem Begriff Soziale Marktwirtschaft bekannt ist. Einfach mal googeln.

    Zu Griechenland ist anzumerken, dass ein Staat der kein tragfähiges Wirtschaftsmodell hat, auch mit noch sovielen öffentlichen Ausgaben nicht auf die eigenen Beine kommt. Das Land benötigt dringend Struckturreformen, nicht nur im Bildungssektor.

    Die Hilfskredite sind kontraproduktiv, sie verdecken für die Griechen die Notwendigkeit der Reformen und treiben das Land noch tiefer in die Schulden, die es schon jetzt nicht mehr bedienen kann.

    Jeder Tag den GR so weiter macht ist ein verlorener Tag und jeder Euro den die Retter selber begleichen müssen ist einer mehr der Europa spaltet.

  5. Nein, nein, nein. Mit Subventionen geschaffene unproduktive Pseudo-Jobs gibt es doch wohl in Griechenland schon genug. Das nennt sich Beamtentum.

    Es wäre vielmehr sehr nützlich wenn arbeitslose Griechen auswandern würden und im Ausland Geld und Wissen erwerben würden. Wenn es der gr. Wirtschaft besser geht, können sie wieder heimkehren.

    Desweiteren sollte Griechenland solange es praktisch pleite ist, sämtliche Renten und Pensionen auf Sozialhilfeniveau senken. Das würde die Staatsausgaben enorm senken.

    • Krakz
    • 26.09.2011 um 19:43 Uhr

    . Junge Leute aus Griechenland können überall in der Welt viel erreichen, warum sollen sie mit ihrem Leben den Mist wegräumen, den die Eltern- und Großeltern Generaration angerichtet hat? Geht bloss und sucht euer Glück woanders

    - wenn ihr bleibt, werdet ihr total ausgesaugt. Von den Banken, der EU und euren 1a-Politikern

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  6. Sozialleistungen genehmigt, auf Kosten ihrer Kinder. Wer immer mehr Schulden macht, kann den Banken nicht später vorwerfen, dass sie ihm Kredite gegeben haben.

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